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Domenic Bösel vs Karo Murat – „3 Cent“ als Nachtrag

Es wurde bereits viel über diesen Kampf und seinen Ausgang gesagt und geschrieben. Das Bösel den Kampf verloren hat, gefällt weder seinem Trainer, seinem Boxstall, noch ihm selbst. Murat lag in Runde 11 nach Punkten hinten und konnte Bösel nur durch (T)KO stoppen um den Fight doch noch für sich zu entscheiden.

Die ganze Vorgeschichte zum Kampf zwischen Bösel und Murat ist ein Kapitel für sich. Das die EBU ausgerechnet ein Duell zwischen Titelträger Stieglitz und seinem Stallkollegen Bösel angeordnet hat, ist merkwürdig. Bösel war der Besitzer von Continental / Inter-Conti Titeln in 3 verschiedenen Weltverbänden und auf einer ganz anderen Schiene unterwegs. Ein Kampf gegen Stieglitz um den EBU-Titel? Das sah fast so aus, als wolle die EBU sich wichtig machen. Letztendlich war es wohl die letzte Entscheidungshilfe für Stieglitz, seine Karriere zu beenden. Ein Kampf zwischen Stieglitz und Bösel wäre vielleicht für die Zuschauer ganz interessant gewesen, aber aus Sicht des Boxstalls einfach ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn man so will, hat die EBU Stieglitz nach dem geschenkten Unentschieden gegen Sjekloca regelrecht in den Ruhestand gedrängt.

Der Kampfverlauf war bis zum vorzeitigen Ende durchaus spannend und es war lange Zeit nicht sicher, wer von Beiden  vielleicht die Nase nach Punkten knapp vorne gehabt hätte. Will man beiden Boxern in diesem Fight passende Kampfnamen andichten, wäre es „Mr. Sunshine“ für Bösel. Er arbeitete in den meisten Runden recht reaktionsschnell mit beiden Fäusten. Doch sein Fehler war einfach, die Führhand zu oft weit unten zu lassen. Das sieht vielleicht ganz lässig aus und spart ein bisschen Kraft, aber es schlug deswegen öfter an seinem Kopf ein als nötig, Er bot Murat damit einfach zu viel ungeschützte Trefferfläche an. Murat gelang es immer wieder, in die Halbdistanz zu kommen. Bösel ermöglichte es Murat, den „Mr. Bad Boy“ zu spielen, der seinen Gegner überfallartig angeht und dann in der Halbdistanz mit Haken eindeckt.

Es ist müßig, den ganzen Kampf noch einmal wiederzugeben Wer den Fight noch nicht gesehen hat, kann das hier tun:

Die entscheidende Situation kam in Runde 11. Sowohl Murat als auch Bösel waren kurz vor Ende des Fights bereits nahe an ihrem körperlichen Limit angekommen. Es gelang Murat mit einer links-rechts Kombination bei Bösel Wirkung zu erzielen. Die Beine waren kurz weg. „Mr. Bad Boy“ Murat witterte seine Chance und setzte nach. „Mr. Sunshine“ Bösel war weiteren Treffern ausgesetzt und zeigte keine Gegenwehr. Der Abbruch kam zu Recht. Eine weitere solche Kombi zum Kopf um Bösel zu „fällen“, hätte womöglich übelste Folgen gehabt. Murat nannte das nach dem Kampf „Glückstreffer“, aber es war für ihn die einzige Chance, den Kampf noch zu gewinnen.

Bösel konnte sich in seiner bisherigen Laufbahn darauf verlassen, dass seine Profikarriere bei SES wie auf Schienen gestellt war. Er wurde solide aufgebaut, boxte dabei aber immer Gegner nach Maß, gegen die er gut aussehen konnte. Im Gegensatz dazu hatte es Murat schon mit ganz anderen Kalibern zu tun. Er verlor zwar seine großen Kämpfe gegen Cleverly, Hopkins und Barrera, sah dabei aber nie wirklich schlecht aus und sammelte die Erfahrungen, die ihm gegen Bösel von Nutzen waren. Wenn man es kritisch sagen will, hat Murat Bösel auf den Boden der Tatsachen runter geholt.

Auch wenn es beide Fangruppen nicht gerne hören wollen: Sowohl Bösel als auch Murat gehören nur zu einem erweiterten Kreis der Weltspitze im Halbschwergewicht. Bösel war auf bestem Wege zu einem „echten“ WM Kampf. Auch Murat spricht jetzt wieder davon, er wolle gegen Boxer wie Ward oder Kovalev kämpfen. Für Beide gilt das Gleiche: Sie würden gegen die erste Reihe dieser Gewichtsklasse gewaltig „baden gehen“. Man muss es einfach beim Namen nennen wie es ist: Es gilt an einen großen Fight zu kommen und dabei eine gute Börse zu erzielen. Nur darum geht es SES mit Bösel und ECB mit Murat. Ob ein großer WM-Shot so bald möglich sein wird, steht in den Sternen. Für Bösel sieht es jetzt schlechter aus, als für Murat. Bösel ging durch diese Niederlage bei BoxRec 15 Plätze runter auf #32. Murat ist um 24 Plätze auf #16 hoch geklettert. Wie sich der Kampf auf die Rankings der einzelnen Verbände auswirkt, muss man noch abwarten.

Man kann durchaus sagen, dass es für die Zuschauer ein gut anzusehender und spannender Fight war. Es stellt sich die Frage nach einem Rematch. Für den SES-Boxer wäre es eine Gelegenheit zu zeigen, dass er aus Fehlern lernen kann. Doch welchen Grund sollte Murat haben, sich auf einen zweiten Kampf einzulassen?

Wie sehen das die boxen.de Fans? Sollte es ein Rematch zwischen Bösel und Murat geben?

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17 Kommentare

  1. 4. Juli 2017 at 04:34 —

    Der Kampf war für das (Club-)Niveau sehr spannend und interessant. Beim Boxen kommt es eben oft mehr auf die Ausgeglichenheit der Kräfte an als auf große Namen. Wie zum Beispiel damals bei Kurzawa v. Ronert oder auch Schuster v. Lamm. Da gab es einen umstrittenen Draw, daher Rematch. Diesmal war die Sache doch klar. Bösel war platt und hat die Quittung bekommen. L TKO und Ende der Durchsage. Für Karo heißt das nochmal ein paar schöne Paydays – für Bösel wieder ein paar Georgier, gegen die er sich von seinen lobotomisierten Fans für seine feine Klinge feiern lassen kann.

  2. 4. Juli 2017 at 06:32 —

    Bösel und Murat sind zweite Garde.Gegen Barrera ist Murat k.o gegangen.Ward hat den Kubaner nach Punkten klassiert.SOG wurde von Kovalev im ersten Kampf die Grenzen aufgezeigt.Der Kruscher selbst wurde im Rematch von Ward ausgeknockt.Was ich damit sagen will ist das die Weltspitze nicht zu vergleichen ist,wie mit den Provinz boxern Bösel und Murat.Der einzige deutsche der imstande wäre die Weltspitze zu schocken ist der schöne Brähmer.Alle anderen Haben einfach das Talent nicht sich über die deutschen Grenzen zu behaupten.

    • 4. Juli 2017 at 06:55 —

      Ich soll dir was von Ahmet Öner aurichten:
      Haaaalt die Fresssse, Carlos!

      “SOG wurde von Kovalev im ersten Kampf die Grenzen aufgezeigt.”
      HAHA!
      “Der Kruscher selbst wurde im Rematch von Ward ausgeknockt.”
      HAHAHA!
      “Der einzige deutsche der imstande wäre die Weltspitze zu schocken ist der schöne Brähmer.”
      HAHAHAHA!

      Die Grenzen aufgezeigt ist, wenn man in der 2ten auf dem Hintern landet,,den restlichen Kampf in die Defensive geht und nach Punkten mit 2 zugedrückten Augen als Heimkämpfer max. ein Draw verdient hätte?

      Ausgeknockt ist, wenn man sich nach mehreren mind. grenzwertigen “Körper”treffern auf die Seile setzt und Tony “I like my Russians castrated” Weeks einfach dazwischen geht und den Kampf abbricht ohne vorher auch nur irgendeinen Hinweis darauf zu geben?
      (Man hat es bei Pac-Horn wieder schön gesehen wie der Ref nach der üblen 9ten in Horns Ecke ging und meinte, dass er den Kampf abbrechen wird, wenn Horn nichts zeigt!)

      Das einzige, was der schöne Jürgen schockt, ist sein eigenes Spiegelbild jeden Morgen…

  3. “Mr. Sunshine”…..diese Sonne bringt keinen Kovalev zum schwitzen und verbrennt keinem Ward die zu tief gesetzten Fäustchen.

    Logischer Ausgang, hast du keine K.O Power musst du mehr Runden boxen, mehr Runden erhöhen die Wahrscheinlichkeit getroffen zu werden. Typisch deutscher Bixabschaum, verweichlicht durch die Bisslose Deutsche Boxschule.

  4. 4. Juli 2017 at 15:03 —

    Wenn man es genau nimmt war Murat der bisher stärkste Gegner den Bösel vor den Fäusten hatte und gegen den hat er nun mal zu recht verloren!
    Der Kampf war schon ganz ordentliches Europaniveau und eines EM-Kampfes würdig!
    Bösel wollte ja eigentlich um die WM boxen, aber wenn man sich mal vorstellt das statt Murat z.B. Ward, Kovalev, Stevenson oder Beterbiev gegen Bösel boxen würden, käme das ja einem Massaker gleich!
    Was mir in der Berichterstattung beim MDR auf den Zeiger ging war, das mermals darauf hingewiesen wurde das Bösel in 3 verschiedenen Verbänden Interconti-Titel hat und das dass Weltrekord wäre, ja schön und gut das er diese Titel hatte, aber man sollte in diesem Zusammenhang eben auch erwähnen gegen wen er sie erboxt hat..Velozo, Kelemen und Enbom…da haben selbst eingefleischte Boxfans Schwierigkeiten diese Leute zu kennen!
    Die Aussage von Dirk Dzemski das man den Kampf ruhig hätte weiter laufen lassen können ist wohl eher der Enttäuschung geschuldet und man sollte es nicht zu ernst nehmen!

    • 4. Juli 2017 at 18:56 —

      Genau getroffen: Der Kampf hatte ordentliches europäisches Niveau – und der Ausgang ging in Ordnung. Was die Moderation betrifft: Das hat mit Journalismus nichts mehr zu tun. Die Aufgabe der Leute besteht nur darin, den eigenen Mann hochzujubeln. Am besten, man schaltet den Ton ab.

  5. 5. Juli 2017 at 06:06 —

    Der Abbruch ging völlig in Ordnung, man hätte allerdings mMn auch noch etwas laufen lassen können..

    PS: Der Mann mit den zwei Führhänden heist (natürlich) nicht Domenic..!!

    • 5. Juli 2017 at 09:03 —

      … es heißt allesdings auch nicht „es heist“!

      • 5. Juli 2017 at 10:58 —

        … und auch nicht allesdings 😀

      • 5. Juli 2017 at 22:58 —

        Es geht auch nicht um Rechtschreibung sondern um die Namen der Sportler..!

        • 5. Juli 2017 at 23:45 —

          Ach du bestimmst, worum es geht, ja?

          • 6. Juli 2017 at 00:26

            Wenn ich eine Aussage treffe, bestimme ich automatisch das Thema.. Liegt in der Natur der Sache.. 😉

          • 6. Juli 2017 at 01:01

            Wenn man einen Autor kritisiert wegen eines Buchstabenverwechslers im Namen sollte man selbst einigermaßen sicher in der deutschen Rechtschreibung sein.
            Liegt in der Natur der Sache. 😉

          • 6. Juli 2017 at 01:11

            Nö.. Ich kritrisiere, daß hier 50 % der Namen falsch wiedergegeben werden.. Das ist was völlig anderes und tatsächlich peinlich..
            Wann habe ich mich denn über einfache Rechtschreibfehler beschwert..?
            Zudem bin ich mit Sicherheit “einigermaßen sicher in der deutschen Sprache”..

  6. 6. Juli 2017 at 13:44 —

    Ha, ha, ha..da kommt im 25.Kampf der erste stärkere Gegner und Bösel muss die Segel streichen.
    Bösel hätte ja gerne, nach eigener Aussage, gegen Kovalev boxen wollen, das wäre in der 2. Runde vorbei gewesen.

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