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Die Sache mit dem Handtuch

Die Sache mit dem Handtuch

„Wenn du das machst, spreche ich nie wieder mit dir.“ Mit diesen Worten soll am 22. Juni 1937 Jim Braddock auf die Ankündigung von Ringrichter Thommy Thomas reagiert haben, den ‚Cinderella Man‘ aus seinem WM-Kampf mit Joe Louis zu nehmen. Braddock durfte weiterboxen, verlor aber durch KO in Runde 8.

Vermutlich hätte Braddock auch auf Frage seiner Ecke, ob man nicht besser das Handtuch werfen solle, ähnlich reagiert. Die Redewendung „das Handtuch werfen“ ist schon lange zum Sprichwort geworden. Sobald die Ecke eines Boxers der Meinung ist, er sei er nicht mehr in der Lage, den Kampf weiter zu führen, wirft einer der Betreuer ein Handtuch in den Ring. Woraufhin der Referee üblicherweise den Kampf abbricht, um die Gesundheit des Boxers zu schützen.

So geschehen zum Beispiel am 30. September 1975 beim „Thriller in Manila”. In der vierzehnten Runde traf Muhammad Ali seinen Gegner Joe Frazier immer wieder mit seinem harten linken Haken. Als Frazier, der wegen seiner zugeschwollenen Augen zu diesem Zeitpunkt kaum noch sehen konnte, zu torkeln begann, warf Fraziers Betreuer Eddie Flutch ein weißes Handtuch in den Ring, der Kampf war vorbei.

Seit wann genau der Handtuchwurf als Zeichen der Aufgabe genutzt wird, lässt sich wohl nicht herausfinden. Der Grund für diese Art der Kommunikation ist einleuchtend: In der Regel ist es bei Boxkämpfen mit Publikum zu laut für das gesprochene (oder gerufene) Wort. Darüber ist der Ringrichter auf die beiden Boxer konzentriert. Auch ein Handtuchwurf entgeht gelegentlich zumindest kurzzeitig der Aufmerksamkeit der Referees. Und schließlich und endlich geht von einem Handtuch im Ring keine große Verletzungsgefahr aus.

Nicht immer allerdings stößt der Kampfabbruch via Handtuchwurf auf Zustimmung beim betroffenen Faustkämpfer. So zum Beispiel beim Fight von Firat Arslan gegen Kevin Lerena im Februar 2020 um die Weltmeisterschaft im Cruisergewicht. In der sechsten Runde des Kampfes, den der 22 Jahre jüngere Südafrikaner bis dahin dominiert hatte, brachte ein linker Haken von Lerena Herausforderer Arslan ins Wackeln. Lerena drängte seinen Gegner mit Schlägen in die Ringecke und legte nach … bis das Handtuch aus Arslans Ecke flog.

Kurioserweise stellte sich heraus, dass nicht Arslans Trainer Ted Lackner, sondern der mit Arslan befreundete Promoter Erol Ceylan der Verantwortliche war. „Er gehört nicht zu meinem Team. Es ist traurig, dass der Kampf so endet”, erklärte der geschlagene Arslan im Anschluss: „Ich schätze Erol als Mensch, ich weiß, dass er an meine Gesundheit gedacht hat. Aber so geht das nicht.”

Auch Deontay Wilder hat sich bekanntermaßen nach seiner Niederlage gegen Tyson Fury über den Handtuchwurf seines Trainers Mark Breland beschwert. Und nicht nur das: Wilder behauptete, Breland sei von Mitgliedern des Fury-Teams dazu angestiftet worden und kickte den 58 Jahre alten Coach aus seinem Team. Und das, obwohl er bis zu Brelands Handtuchwurf bereits zwei Mal zu Boden gegangen war und im Kampf alles andere als gut aussah.

Und manchmal kommt das Handtuch zwar, aber es kommt zu spät. So zum Beispiel beim Kampf zwischen Maxim Dadashew und Subriel Matias im Juli 2019. Buddy McGirt, der Trainer von Maxim Dadashev, flehte seinen Boxer fast an, den Kampf aufzugeben. Vier Tage später erlag ‚Mad Max‘ trotz einer Notoperation seinen Gehirnverletzungen.

Kurios ist ein Fall vom vergangenen Wochenende: beim Kampf zwischen Jeremias Ponce und Lewis Ritson ging ‚Sandman‘ Ritson im zehnten Durchgang zu Boden, Ritsons Vater warf daraufhin das Handtuch. Ringrichter Steve Gray befand allerdings, dass Lewis Ritson durchaus noch kampfbereit sei und warf das Handtuch wieder aus dem Ring.

Bild: Matchroom Boxing
Bild: Matchroom Boxing

Erst, nachdem der ‚Sandman‘ noch zwei weitere Bodenbesuche hatte, brach der Referee den Kampf ab. Das, womit sich Gray den Unmut der britischen Boxfans zuzog, ist vielleicht diskussionswürdig, aber durchaus regelkonform, denn der Ringrichter hat das Recht, „das Handtuch abzulehnen“, wenn er der Meinung ist, dass der Kämpfer noch in der Lage ist, weiterzumachen, ohne dass seine Gesundheit gefährdet ist. Allerdings kommt es nicht oft vor, dass ein Offizieller diesen Wunsch der Ecke ignoriert.

Mir persönlich ist nur ein anderer Fall bekannt: der Kampf zwischen dem Briten Graham Earl und dem Australier Michael Katsidis im Februar 2007. Nachdem Earl schon in der Eröffnungsrunde zwei Mal zu Boden ging und im zweiten Durchgang erneut runtergehen musste, warf seine Ecke das Handtuch. Doch Referee Mickey Vann warf das Handtuch über die Ringseile.

Vann musste sich dafür übrigens genau so anfeinden lassen, wie es jetzt bei Steve Gray der Fall war. „SkySports“-Experte Johnny Nelson bemängelte: „Ich denke, der Ringrichter hat es viel zu lange laufen lassen. Er hätte den Kampf schon stoppen müssen, bevor er (Ritson) zum dritten Mal zu Boden ging!“ Und auch Ritsons Promoter Eddie Hearn war nicht begeistert:
„Ich habe so etwas noch nicht wirklich gesehen, das Handtuch flog rein und er (Gray) hat sich dafür entschieden, es zu ignorieren“, sagte Hearn im Interview mit „Boxing Social“. „Ich habe immer gedacht, dass Steve Gray ein guter Referee ist, aber eine Ecke zu ignorieren, die das Handtuch wirft, nachdem ihr Mann geschlagen wurde, ist bizarr und ehrlich gesagt völlig unangebracht“, schrieb Danny Winterbottom von „Boxing Monthly“. Und Jake Donovan von „BoxingScene“ ist der Meinung, dass Grey nicht mehr als Ringrichter zugelassen werden sollte.
Überdenkenswert vielleicht der Vorschlag von „Boxing News“-Schreiber Matt Christie: Christie fordert ein Überdenken der Regel, die besagt, dass ein Referee die Aufgabe einer Ecke ignorieren kann.

Zur „Ehrenrettung“ von Steve Gray sei gesagt, dass er nach dem Kampf das Gespräch mit Lewis Ritson und seinem Team gesucht hat.

Video: Matchroom Boxing

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24 Kommentare

  1. 14. Juni 2021 at 15:18 —

    Fand die Szene am Samstag im Kampf Ritson vs Ponce auch recht kurios, hatte ich vorher so noch nicht gesehen!
    Ich hatte eh irgendwie den Eindruck das der Ringrichter, obwohl er neutral sein sollte, auf der Seite von Ritson war, denn wenn einer stets ermahnt wurde, teilweise auch zurecht, war es Ponce, aber auch Ritson hat meist einen Arm von Ponce festgehalten und durfte bis auf 1, 2 mal schalten und walten wie er wollte!

    Sehr oft reagiert die Ecke oder der Ringrichter zu spät…wenn überhaupt, wenn sich dann wieder einmal ein Boxer schwere Verletzungen erleidet ist das Geschrei danach wieder groß! Ja, man sollte die Regel mal überdenken, bzw. ändern…..wenn die Ecke das Handtuch wirft ist Schluss!

  2. 14. Juni 2021 at 18:11 —

    Ein Ref hat den Handtuchwurf und damit die Aufgabe durch die Ecke eines Boxers zu respektieren. … Meine Meinung.

  3. 14. Juni 2021 at 19:03 —

    Natürlich sollte der Ringrichter das Handtuch nicht ignorieren, der fade Beigeschmack an der Sache bleibt, wieso ihn die Ecke trotz Handtuchwurf noch in die nächste Runde schickt.

    • 15. Juni 2021 at 23:51 —

      @ Sachse

      Na Sachse haste den Kampf überhaupt gesehen, denn das was du schreibst ist Müll?
      Der erste Niederschlag kam in der 10. Runde und der Kampf hat nach zwei weiteren Niederschlägen in der 10. Runde geendet……wo soll ihn da die Ecke in eine weitere Runde geschickt haben du Leuchte!?

      • 16. Juni 2021 at 12:58 —

        @ marvin Leuchte

        Na marvin haste den Kampf überhaupt gesehen? Denn was Du schreibst ist absoluter Blödsinn.

        Mir persönlich ist nur ein anderer Fall bekannt: der Kampf zwischen dem Briten Graham Earl und dem Australier Michael Katsidis im Februar 2007. Nachdem Earl schon in der Eröffnungsrunde zwei Mal zu Boden ging und im zweiten Durchgang erneut runtergehen musste, warf seine Ecke das Handtuch.

        Einfach mal lesen, ich meinte diesen Kampf du dämlicher Spinner. Dieser Kampf wurde erst in der 5 Runde abgebrochen.
        Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die fresse halten oder auch mal Artikel komplett lesen und versuchen ihn inhaltlich zu verstehen.

      • 16. Juni 2021 at 13:00 —

        Ist schon ein wenig peinlich wenn man hier den Klugscheißer spielt, andere eine Leuchte nennt und dann doch nicht so ganz informiert war.

        • 16. Juni 2021 at 16:15 —

          Nimm es ihm nicht zu übel..
          Schwaches Nervenkustüm gepaart mit viel angestautem Frust.. Dazu noch die fragile Bandscheibe.. hat´s nicht leicht der Marvin..

        • 17. Juni 2021 at 03:46 —

          @ Sache

          Hey du Leuchte wenn du einen anderen Kampf gemeint hast du dummes Kind dann solltest du das auch erwähnen, denn anscheinend ist das was du denkst und was du schreibst zweierlei!

          • 17. Juni 2021 at 08:55

            Ich muß den anderen Kampf nicht erwähnen, da er ja im Artikel oben zitiert wurde du Blitzbirne. Hat hier anscheinend jeder verstanden nur du nicht, ist wie damals auf der Hauptschule wa Marvin?!

          • 17. Juni 2021 at 14:02

            “der fade Beigeschmack an der Sache bleibt, wieso ihn die Ecke trotz Handtuchwurf noch in die nächste Runde schickt”

            Nicht böse sein Sachse aber der Satz mich so auch erst verwirrt also können wir alle diese albernheit mal vergessen 😉

            Freuen wir uns aufs kommene Wochenende mit über 30 Grad

          • 17. Juni 2021 at 14:04

            *hat moch so auch erst verwirrt

          • 17. Juni 2021 at 17:39

            @ ference… Klar, kann schon sein, dass ich mich da missverständlich ausgedrückt habe. Man kann es jedoch so kommunizieren wie du, was völlig legitim ist, man kann es aber auch so primitiv kommunizieren wie Kevin Hagler und andere Leuchte nennen. Das ist der Unterschied.

          • 18. Juni 2021 at 11:23

            Klar, kann schon sein, dass ich mich da missverständlich ausgedrückt habe. Man kann es jedoch so kommunizieren wie du, was völlig legitim ist, man kann es aber auch so primitiv kommunizieren

            ——–

            Oha, der Sachse hat endlich kapiert, dass Beleidigungen immer nur eine äusserst primitive Kommunikationsform darstellen. Jetzt müsste der Sachse nur noch diese Form der Kommunikation selbst abstellen, dann käme er nicht mehr so primitiv oder niveaulos herüber!

            Ich vermute jedoch, dass “nur” eine Erkenntnis eben nicht darüber entscheidet, ob jemand primitiv oder niveaulos ist. Da gehört dann doch mehr dazu!

  4. Ich finde es gut das der Ref das Handtuch ignorieren darf. So kann er wenn er auf den KO in einer bestimmten Runde gesetzt hat, seine Wette noch gewinnen.

    • 18. Juni 2021 at 11:27 —

      ^^Boxen ist ein ehrbarer Sport, bei dem niemand auf die Idee käme, auf das Ergebnis eines Boxkampfes mit unredlichen Manipulationen Einfluss zu nehmen!

  5. 15. Juni 2021 at 12:18 —

    Danke für den Artikel.

    Denke der Handtuchwurf hat schon mehr Gutes getan als Schaden anzurichten. Liegt in der Natur des Kampfsportlers bis zum Ende durchzustehen. Wie schon Schreiberling erwähnt kommt auch dieser manchmal zu spät. Lieber eine Abbruchsmöglichkeit mehr als zu wenig. Der Ref sollte tunlichst keine Mitsprache bei einem Towel throw haben.

  6. 15. Juni 2021 at 15:15 —

    Na, wer von euch Dumpfbacken hat sich schon den experimentellen Dreck impfen lassen?
    Ach ja, Handtuch….Der Ref gehört bestraft 😉 aber so richtig.

  7. 17. Juni 2021 at 10:16 —

    Ihr habt schon ein sehr gutes niveu zu diskutieren 🙂

    • 17. Juni 2021 at 11:14 —

      Du hast schon ein sehr lustige Art ” Niveu” zu schreiben 🤔

      • 17. Juni 2021 at 11:17 —

        mag sein, dass ich ein a vergessen habe bzw. nicht korrekt getippt habe. trotzdem übersteigt das meine das eure um längen.

        • 17. Juni 2021 at 11:26 —

          Ok 😂😂😂

        • 18. Juni 2021 at 11:39 —

          Der Sachse hat das selbst auch schon längst kapiert, aber er tut sich noch ein wenig in der Umsetzung schwer!

          Schau mal brennov, er wirft Dir vor, das Du ein A im Wort Niveau vergessen hast. Aber in dem Satz, womit er Dir das vorwirft, vergißt er selbst ein E, plaziert ein Anführunszeichen falsch und den Satz beendet er nichtmal mit einem Punkt.

          Du hast schon ein(e) sehr lustige Art (”) Niveu” zu schreiben(.)

          Aber ich glaube tatsächlich erkennen zu können, dass sich der Sachse ein wenig vom AK-Fäkal-Schreibstil abgrenzen möchte. Vielleicht wird das ja noch etwas!

          • 18. Juni 2021 at 14:28

            Schwabbelgebrabbel hält die Hitze nicht aus und muss sich wieder ein bisschen produzieren. Das Niveau und auch das „Niveu“ im freien Fall. Bitte, Klimaapokalypse, mach schneller, es gibt Menschen, die haben einen qualvollen Tod verdient.

          • 19. Juni 2021 at 15:18

            “Schau mal brennov, er wirft Dir vor, das Du ein A im Wort Niveau vergessen hast. Aber in dem Satz, womit er Dir das vorwirft, vergißt er selbst ein E, plaziert ein Anführunszeichen falsch und den Satz beendet er nichtmal mit einem Punkt

            Aber ich glaube tatsächlich erkennen zu können, dass sich der Sachse ein wenig vom AK-Fäkal-Schreibstil abgrenzen möchte. Vielleicht wird das ja noch etwas!

            Schau mal brennov, er schreibt Brennov klein, vergisst mit “ß”, nicht mal zusammen und dass im Konjunktiv obwohl er danach der Sachse schreibt, obwohl der ein Artikel ist. Brennov ich lege mich fest, du hast mehr nivau als digger Sonderschüler. 🙈🙈🙈😂😂😂

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