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Die Geschichte von Anthony Ogogo

Die Geschichte von Anthony Ogogo

Viele Boxer sind nach einem Medaillengewinn bei den Olympischen Spielen mit großem Erfolg ins Profilager gewechselt: Muhammad Ali – damals noch als Cassius Clay – gewann 1960 in Rom die Goldmedaille, Joe Frazier begann seine Profikarriere nach dem Olympiasieg 1964 in Tokio, George Foreman wurde mit 19 Jahren im Jahr 1968 Olympiasieger in Mexiko, Michael Spinks gewann 1976 Gold bei Olympia in Montreal.

Auch Lennox Lewis (1988), Oscar de la Hoya (1992) und Wladimir Klitschko (1996) waren bei den Olympischen Spielen siegreich, bevor sie Profis wurden. So wie auch Henry Maske, Guillermo Rigondeaux, Vasiliy Lomachenko und Anthony Joshua.

Dass eine Goldmedaille nicht zwangsläufig ein Garant für eine große Karriere ist, dafür ist wohl Audley Harrison ein beredtes Beispiel: Harrison holte im Jahr 2000 den Olympiasieg im Superschwergewicht in Sydney. Der 1,97 m-Mann wurde im Folgejahr Berufsboxer. Nach 19 Siegen in Folge geriet der Brite nach einer SD-Niederlage gegen den „Brixton Bomber“ Danny Williams ins Trudeln, in späteren Kämpfen wirkte Harrison fast verängstigt. Nach einer blamablen KO1-Niederlage gegen Deontay Wilder erklärte Audley Harrison 2013 sein Karriereende.

Auch David Price könnte man hier noch erwähnen. Der Hüne aus Liverpool gewann 2008 in Peking die Bronzemedaille im Superschwergewicht, hatte 2009 seinen ersten Profikampf. Als Problem stellte sich allerdings heraus, dass Price nicht genug „wegstecken kann“, um ganz vorne mitzuboxen.

Hier und heute geht es allerdings um einen anderen Boxer: den britischen Mittelgewichtler Anthony Ogogo.

Der mittlerweile 31-jährige fing im Alter von 10 Jahren an zu boxen, wurde 2005 englischer Juniorenmeister im Weltergewicht und gewann im Oktober desselben Jahres auch die Goldmedaille im Halbmittelgewicht bei den Kadetten-Weltmeisterschaften.

2008 wurde Ogogo englischer Meister im Weltergewicht, 2010 englischer Meister im Mittelgewicht. Bei den Olympischen Sommerspielen in London im Jahr 2012 bezwang Ogogo im Viertelfinale den Deutschen Stefan Härtel, musste sich aber im Halbfinale  dem Brasilianer Esquiva Falcão Florentino geschlagen geben. Ogogo beendete die Spiele mit einer Bronzemedaille.

Grund genug „Golden Boy Promotions“, den jungen Boxer zu verpflichten. „Anthony Ogogo hat alles, wonach Sie in einem Boxer suchen”, erklärte seinerzeit Richard Schäfer, CEO von Golden Boy Promotions: „Er kann kämpfen, er hat Stil und Charisma und er hat ein erstaunliches Crossover-Potenzial. Ich habe keinen Zweifel daran, dass Anthony die Fähigkeiten im Ring und die Persönlichkeit außerhalb davon besitzt, um ihn zu einem globalen Boxstar zu machen.“

Im April 2013 gab Ogogo sein Profidebüt auf der Undercard von Amir Khan. Sein Gegner Kieron Gray verlor durch KO2. Auch die nächsten 10 Kämpfe konnte der junge Brite für sich entscheiden, sechs Mal siegte Ogogo durch TKO, kämpfte im Vorprogramm von Terence Crawford und George Groves. Auch als Floyd Mayweather im Mai 2014 mit Marcos Maidana in der MGM Grand Garden Arena in Las Vegas im Ring stand, hatte Ogogo auf der Undercard seinen Gegner Jonel Tapia aus Puerto Rico in Runde 3 geschlagen.

2015 stieg Sauerland als Co-Promoter ein. Alles schien gut zu laufen für den jungen britischen Boxer. Bis zum 22. Oktober 2016. Im Kampf um den WBC International-Titel im Mittelgewicht gegen seinen Landsmann Craig Cunningham hatte Ogogo Probleme, sich auf seinen Gegner einzustellen. Distanz und Timing stimmten nicht. Schon in der zweiten Runde ging er nach einem rechten Haken des Rechtsauslegers zu Boden. Auch im weiteren Verlauf des Kampfes blieb Cunningham der bessere Mann.

Das Ende kam in der achten Runde, als Ogogos Trainer Tony Sims seinen Boxer aus dem Kampf nahm. Schon unmittelbar danach deutete sich an, dass es ein Problem gab: Ogogos Augenhöhlenknochen war gebrochen. Doch niemand hätte zu diesem Zeitpunkt vermutet, dass damit die Boxkarriere des jungen Briten zu Ende war.

In den nächsten zweieinhalb Jahren musste sich Ogogo neun Augenoperationen unterziehen. Er wurde als „technisch blind” eingestuft und musste deshalb unter anderem auch seinen Führerschein abgeben. Um die Operationen bezahlen zu können, verpfändete er sein Haus und verkaufte sein Auto. Trotzdem dachte Ogogo lange an ein Comeback. Im März 2019 folgte er dem Rat der Ärzte und erklärte seinen Rücktritt.

Und hier könnte Ogogos Geschichte eigentlich enden.

Doch der Ex-Boxer wollte sich nicht damit abfinden, nicht mehr kämpfen zu können und startete im Oktober 2019 eine Karriere als Wrestler. Im hier zu sehenden Video führte sich der Ex-Boxer bei einer Show der britischen Liga „Southside Wrestling” standesgemäß ein.

 

Ob es Sinn macht, dass Anthony Ogogo, der auch schon bei Big Brother und der Tanzshow „Strictly Come Dancing“ teilgenommen hat, jetzt wieder kämpft? Vermutlich nicht. Aber das ist eine andere Geschichte …

 

 

Hier der verhängnisvolle Kampf gegen Craig Cunningham

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