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Deutschlands ältester Boxclub

Max Schmeling trainierte hier, ebenso  Hein Domgörgen, Jupp Besselmann, um nur einige der berühmten Boxer zu nennen, die mit diesem Verein verbunden sind.  Ein Verein, der im wahrsten Sinn des Wortes Boxgeschichte verkörpert. Es ist der älteste Verein in Deutschland, in dem noch aktiv trainiert wird, vor nunmehr 106 Jahren gegründet. Das ist der SC Colonia 06. Das hundertjährige Vereinsjubiläum wurde unter anderem mit einer Festveranstaltung im Deutschen Sport- und Olympiamuseum im Zusammenhang mit einer Ausstellung über Max Schmeling, der zu Beginn seiner Laufbahn in diesem Verein trainierte, begangen. Dass der Verein nach seinen Höhepunkten in den 1920er Jahren auch heute noch zu den erfolgreichsten Boxclubs in Deutschland und in der Welt zählt und besonders im Jugendbereich Pionierarbeit leistet und Spitzenboxer hervorbringt, soll schon hier erwähnt werden.

Die Anfänge des Vereins

Die Vereinschroniken benennen den 06. August 1906 als Gründungsdatum des Vereins. Zunächst stützten sich die sportlichen Aktivitäten auf die Sportarten Leichtathletik und den Radsport; erst nach einiger Zeit kristallisierte sich der Boxsport in dem jungen Verein heraus, zumal sich das Interesse der jugendlichen Vereinsmitglieder immer stärker dem Boxen zuwendete. Der Brite Jack Slim, den es nach Köln verschlug,  hatte daran, so erzählt die Vereinsgeschichte, einen nicht unerheblichen Anteil.  Von Slim wird berichtet, dass er 1912 von Kaiser Wilhelm II. nach Frankfurt/Main eingeladen wurde, um ihn dort seine Boxkünste vorführen zu lassen. Der Kaiser war davon „angetan“, und einer seiner Söhne, nämlich Friedrich Karl, ließ sich sogar darauf ein, Boxunterricht zu nehmen. Die Episode ist deshalb boxhistorisch von Relevanz, als sie mit dazu beitrug, dass sich das Boxen in Deutschland, wo es noch in vielen Gegenden verboten war, durchsetzen konnte.

Beim SC Colonia 06 wurde mittlerweile das Boxen zur wichtigsten Sportart. Schon im Jahre 1912, dem Jahr, als sich der Deutsche Amateurboxverband konstituierte, konnten erstmals Ludwig Neecke, der später einer der bekanntesten deutschen Boxtrainer werden sollte,  und Lambert Fischer auch überregionale Erfolge erringen.

Die Jahre des Ersten Weltkriegs unterbrachen die Entwicklung des Boxsports in Deutschland, und dies galt natürlich auch für den Kölner Club. Andererseits kamen nach dem Krieg deutsche Soldaten aus England zurück, die dort den Boxsport auch in den Kriegsgefangenenlagern kennengelernt hatten. Insbesondere in den Internierungslagern auf der Isle of Man kamen deutsche Marines mit dem Boxsport in Berührung. Der bekannte deutsche Schwergewichtler, Hans Breitensträter, sei hier nur als ein Beispiel genannt.  Nach dem Ersten Weltkrieg konnten in den 1920er Jahren die bislang größten Erfolge beim SC Colonia erzielt werden.

 Höhepunkt in den 1920ern

Hein Domgörgen, der im SC Colonia 06 erste Schritte im Boxsport unternahm, wurde im Jahre 1921 Deutscher Meister im Mittelgewicht. Ein Jahr später bereits wechselte er zu den Profis. Unter seinem Trainer, Willy Fuchs, ist er zu den erfolgreichsten deutschen Mittelgewichtlern aller Zeiten zu zählen. 1927 forderte er Max Schmeling, den damaligen Deutschen Meister und europäischen Titelträger im Halbschwergewicht, heraus. Schmeling, der als Amateur Im Jahre 1923 dem SC Colonia beigetreten war und als Profi ebenfalls im Boxstall von Willy Fuchs trainiert hatte, dann aber nach Berlin gegangen war, weil er, wie in seinen „Erinnerungen“ schrieb, nicht die gleiche Aufmerksamkeit des damaligen Trainers  wie Domgörgen erhielt, nahm die Herausforderung mit eher gemischten Gefühlen an, weil er schon damals Mühe hatte, das Halbschwergewichtslimit zu halten. Willy Fuchs war dermaßen von der boxerischen Überlegenheit Domgörgens überzeugt, dass er vertraglich ausmachte, dass der Sieger die gesamte Börse erhalten solle, die  auf ca.  20.000 Reichsmark festgesetzt wurde.  Sieben Runden führte Domgörgen Schmeling im Ring  auf seinen schnellen Beinen vor, stach mit seinem linken Jab oft durch die Deckung Schmelings, ließ ihn schwerfällig aussehen  und führte deutlich nach Punkten. In der siebten Runde erspähte der Europameister für den“ Bruchteil einer Sekunde“, wie sich Schmeling später erinnerte,  eine Lücke an der Halsschlagader des Herausforderers und schlug vernichtend zu, so dass Domgörgen weit über die Zeit bewusstlos war und aus dem Ring getragen werden musste.

Das Jahr 1927 gilt noch heute als Königsjahr des SC Colonia 06. Bei den Europameisterschaften der Amateure  in Berlin siegten drei Colonia-Boxer: Franz Dübbers im Federgewicht gegen den Schweden Harry Wolff;  Jacob Domgörgen, ein Neffe Hein Domgörgens, im Leichtgewicht sowie Hein Müller im Halbschwergewicht gegen den Niederländer Karl Mijion. Jacob Domgörgen hatte bereits mit den Amateurboxeuropameisterschaften des Jahres 1925 in Stockholm im Finale des Federgewichts gestanden, dort aber gegen den Schweden Oscar Andrén eine Punktniederlage hinnehmen müssen. Auch Franz Dübbers hatte in Stockholm im Bantamgewicht Silber geholt, Hein Müller im Weltergewicht Bronze.  Dübbers und Müller waren auch als Profis durchaus erfolgreich. Franz Dübbers wurde erstmals 1929 Deutscher Federgewichtsmeister,  später auch Deutscher Meister im Leichtgewicht. Hein Müller wurde als Profi 1931 sowohl Deutscher Meister (gegen Hans Schönrath)  als auch Europameister im Schwergewicht, als er in Berlin den Belgier Pierre Charles nach Punkten schlug. Die drei Amateureuropameisten des SC Colonia 06 sind als „Kölner Dreigestirn“ in die Geschichte des Vereins eingegangen.

Einen weiteren Europameistertitel der Amateure holte Jupp Besselmann, der bei den Europameisterschaften in Budapest im Jahre 1930 durch einen Sieg im Weltergewicht  über den polnischen Weltergewichtler Witold Majchrzycki den Titel holte. Damit konnte der mittlerweile in Deutschland in den Boxsportkreisen bekannte und berühmte Trainer, Ludwig Neecke, der später auch eine Zeit lang Trainer der Nationalstaffel wurde, auf vier Europameistertitel verweisen. Neecke war auch als aktiver Boxer nicht unbekannt, zumal er bei den ersten Deutschen Meisterschaften der Amateure 1913 in Hamburg am Start gewesen war. Der SC Colonia war in den 1920er Jahre so dominant, dass ein Großteil der deutschen Nationalstaffelboxer aus diesem Verein kam.  Das Trainingsgelände des SC Colonia lag damals in der südlichen Altstadt, „Im Dau“; viele aktive Boxer wohnten davon wenige Meter entfernt in der Zugasse und Zwirnerstraße.  Wenn das Training begann, so berichtet der derzeitige Geschäftsführer des SC Colonia, Franz Zimmermann, brauchte der Trainer sich nur auf die Straße zu stellen und mit einer Trillerpfeife zum Übungsabend zu bitten.

1939 konnte sich ein weiterer Boxer des SC Colonia 06 auszeichnen: Bei den Amateur-Europameisterschaften im April 1939, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, holte sich Nikolaus Obermauer die Silbermedaille im Fliegengewicht. Gegen den Iren James Ingle verlor er im Finale knapp nach Punkten.

Nach dem Krieg: Neuaufbau

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Wie viele deutsche Vereine, hatte auch der SC Colonia nach dem Krieg damit zu kämpfen, dass ein nicht  geringer Teil der aktiven Boxer im Weltkrieg entweder gefallen oder so schwer verwundet war, dass jegliche boxerische Aktivität unmöglich wurde. Zudem hatten natürlich die Vereinsmitglieder zunächst mit anderen Problemen zu tun, als sich mit sportlichen Belangen auseinanderzusetzen. Und dennoch fanden sich, wie auf der Homepage des SC Colonia 06 geschildert wird, wieder Boxbegeisterte zusammen, um den Verein aus der Asche des Krieges neu erstehen zu lassen. Bereits im Jahre 1946 konnte sich der Verein wieder über zwei Meister des Mittelrheinverbandes freuen, obwohl äußerst eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten bestanden und die Sportgeräte von den Vereinsmitgliedern in eigenständiger Handwerksarbeit hergestellt wurden. Das neue Trainingszentrum stand nun in  einer ehemaligen Schule in der Mainzer Straße.

Krise und Aufbruch

Nach dem Tod des verdienten und langjährigen Vereinsvorsitzenden Josef Krauthausen, der von 1936 bis 1954 den Verein geführt hatte, geriet der Club in seine bislang schwerste Krise. Man hatte schon das komplette Aus vor Augen, zumal keinerlei Erfolge zu verzeichnen waren. Diese Zustände führten dazu, dass der Vorstand komplett abgesetzt wurde und ein gänzlich neuer Vereinsvorstand an die Spitze gesetzt wurde. Ein Glücksgriff war dabei insbesondere die Wahl von Franz Zimmermann zum Geschäftsführer des Vereins. Er ist mittlerweile eine lebende Vereinslegende und führt seit 1960, also seit mehr als fünfzig Jahren, die Geschäfte des Clubs. Mittlerweile ist der 1936 geborene Kölner 76 Jahre alt und kann sich über drei Enkelkinder freuen. Der jetzt in Erftstadt wohnende Franz Zimmermann kommt aus den aktiven Reihen des SC Colonia und hat bis 1959 an die 100 Kämpfe im Fliegen- und Bantamgewicht zu verzeichnen. . Seit 1999 ist Markus Zehnpfennig, zum Zeitpunkt der Wahl erst 28 Jahre alt, Vorsitzender des Vereins. Mit Beginn des neuen Jahrtausends zeigt die Erfolgskurve des SC Colonia  steil nach oben.

Der SC Colonia 06 stellte im Amateurbereich bei den Senioren insgesamt vier Europameister und errang zwei Silbermedaillen bei europäischen Titelkämpfen. Über vierzig deutsche Meistertitel sind zu verzeichnen, womit der Verein als einer der erfolgreichsten deutschen Amateurboxclubs gilt. 

Aktuelle Angebote des SC Colonia

Am Trainingsgelände des Vereins im Box Gym in Köln-Müngersdorf sowie in der Trainingshalle an der Trierer Straße werden Trainingsangebote für „Jedermann bis zum anspruchsvollen Leistungssport“, wie auf der Hp des Vereins angegeben wird, bereitgestellt. Die Übungseinheiten werden unter bekannten Trainern absolviert, beispielsweise Gregory Tolkovets, ein früherer Meister der Ukraine, der seit dem Jahre 2002 das Training der aktiven Boxer des SC Colonia leitet und für die Erfolge der letzten Jahre an erster Stelle verantwortlich ist.

Managerboxen

Der SC Colonia 06 war der erste Boxclub in Deutschland, der das „Managerboxen“ einführte, das in der Mitte der 1980er in den USA eingeführt wurde und dann auch in Europa bekannt wurde. Seit dem Jahre 1996 wird es vom Verein angeboten und hatte insbesondere bei der Premiere  großes überregionales Medieninteresse. Drei Mal wird in der Woche trainiert; derzeit nehmen 48 Leute dieses Angebot wahr. Vom Konditionstraining (Seilspringen, Gymnastik, Zirkeltraining) über Gerätetraining und Sparringseinheiten werden alle boxrelevanten Übungseinheiten vermittelt.  

Jüngste Erfolge

Der Verein ist in Deutschland insbesondere in der Jugendarbeit führend. 2008 konnten sieben deutsche Meistertitel errungen werden. Im Jahre 2009 wurde Artur Bril, der Sohn eines der Trainer des SC Colonia, Deutscher Jugendmeister im Federgewicht. Dennis Radovan konnte Silber im Weltergewicht und Harun Güler Bronze im Federgewicht holen. 2010 wurde ein Traumjahr für Artur Bril, als er Jugendweltmeister und Olympiasieger bei der ersten Jugendolympiade in Singapur im Federgewicht wurde. 2011 konnte der da 20jährige Bril bei den U21-Meisterschaften im Leichtgewicht siegen. Ein Talent, von dem man künftig aller Wahrscheinlichkeit nach noch mehr hören wird. 

Bei der erst kürzlich abgeschlossenen Internationalen Meisterschaft U21, die vom 25. Bis 28. April 2012 in Köln stattfand und vom SC Colonia 06 ausgerichtet wurde, siegte Artur Bril im Leichtgewicht im Finale gegen Batschuki Broian. Im Halbweltergewicht überzeugte Thomas Vahrenholdt mit einem zweiten Platz.

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11 Kommentare

  1. xyz187
    2. Mai 2012 at 12:23 —

    Das stimmt das ist der beste Club , ich war da auch öfterem trainieren , was mich nur bewundert hat , ist das die trainern nur Russisch mit den Athleten reden , besser gesagt es wird nur auf Russisch trainiert !Sonst ist das ein Top Verein mit hervorangender Boxer !

  2. DR_BOX
    2. Mai 2012 at 15:32 —

    xyz187

    Russisch? Das ist Kölsch!

  3. xyz187
    2. Mai 2012 at 17:36 —

    @Dr- Box , wenn das Kölsch wäre , wäre das noch OK , aber nein die sprechen wirklich Russisch dort , kein Witz !

  4. DR_BOX
    2. Mai 2012 at 18:58 —

    @ XYZ187

    mh … warum haste nicht mal gefragt …

    oder sprechen sie NUR russisch? 😉

  5. DR_BOX
    2. Mai 2012 at 19:14 —

    mh … so wie man liest, scheint der Verein mittlerweile in russischer Hand zu sein.

    Hier mal eine Mitteilung aus einem Heul-Forum:

    “Bis auf einen Mann laufen in Colonia doch nur russisch sprechende Vögel rum,die wie

    Affe durch den Ring hüpfen und nachm Training den eigenen Kammeraden das Handy

    klauen. Wenn dann noch die 3 Trainer dauernd nur russisch sprechen ist klar,dass ich

    als Perser wenig Lust habe 5 mal die Woche dazusein.

    Hör dich mal im Umfeld um und fragst du dich nicht wo die ganzen Südländer,sprich

    Türken Araber Perser Italiener bleiben,welche früher einmal das Stammgerüst der

    Colonia waren???”

  6. xyz187
    2. Mai 2012 at 21:12 —

    @Dr-Box, der laden ist mittlerweile in Russischer Hand vor einnigen Jahren war es anders !
    Da waren die Trainern noch alles Deutsche und die Boxern International gemischt !

  7. DR_BOX
    2. Mai 2012 at 21:13 —

    xyz187

    so unprickelnd wie in der Wimmer-Aussage dargestellt?

  8. kevin22
    2. Mai 2012 at 21:28 —

    @ xyz187

    Kann es vieleicht daran leigen, das es nur noch russisch sprachigen Nachwuchs gibt?
    Vlt. daran, dass dort sehr viele Russen leben und die dann auch gute russischsprachige Boxer als Trainer bevorzugen?

    Kommt mir fast so vor, als hättest du etwas gegen Ausländer!?

  9. xyz187
    2. Mai 2012 at 21:42 —

    @kevin22 , willst du mich wieder blöd anmachen?Ich komme aus dem Stadtteil , und wir Kölner sind sehr toleranz , keine ahnung ob es so etwas bei euch in Osten gibt oder ob du das Wort kennst !
    Außerdem wenn der Kuchen redet hat der krümmel sich raus zuhalten !

    @Dr.Box , ich meinte eigentlich das ich sehr schade finde das es so weit gekommen ist , bei Faustkämpfer ist es anders !

  10. robbi
    3. Mai 2012 at 11:44 —

    in deutschenboxclubs die bei den deutschen meisterschaften der amateure teilnehmen ist es eine schande das die nicht alles deutsch reden!!! unser trainer hätte den beine gemacht!!!!
    habe nix gegen a u s länder,nix gegen relegion aber im deutschen verein sollte deutsch gesprochen werden, in nem französichen verein französich..etc…außerdem mal angenommen da bringt es einer ganz weit…wie wollen wir den vermarkten als deutschennationalmannschaftsboxer der nur russich etc spricht!!
    intigration…heißt auch deutsch lernen….wenn ich das höre müsste man den verein mal wieder in die richtige bahn bringern und für die deutschemeisterschafft sperren bis die trainer deutsch sprechen…bril macht abi der wird schon deutsch verstehen!!!

  11. robbi
    3. Mai 2012 at 11:48 —

    xyz…fang nicht mit osten oder westen an…kotz wenn ich das lese……wir sind ein deutschland!!!

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