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Deutsche Olympiasieger, Teil I: Von Runge bis Fink

Es sind nur noch wenige Wochen bis zum wichtigsten Ereignis des Amateurboxsports,  dem Olympischen Turnier in London. Am 27. Juli beginnen die Olympischen Sommerspiele, einen Tag später starten die Box-Wettkämpfe, die bis zum 12. August gehen werden. Vier deutsche Amateurboxer haben sich für Olympia 2012 qualifiziert, nämlich der Weltergewichtler Patrick Wojcicki, Stefan Härtel im Mittelgewicht, der Halbschwergewichtler Enrico Kölling und der Superschwergewichtler Erik Pfeifer. Sie bereiten sich in der Sportschule Hennef auf die Spiele vor. Ob es den vier deutschen Auswahlboxern erstmals nach zwanzig Jahren gelingt, ernsthaft bei der Vergabe von Gold mitzumischen?

Olympia und deutsche Aufgebote

Bis zu den letzten Olympischen Spielen vor vier Jahren in Peking gibt es insgesamt elf deutsche Boxer, die Gold holen konnten. In der (inoffiziellen) Nationenwertung der olympischen Boxturniere belegen deutsche Boxer damit den fünften Platz, hinter den USA, Kuba, Italien, der ehemaligen Sowjetunion und Großbritannien. Dabei  muss natürlich berücksichtigt werden, dass sich die Zahl der deutschen Olympiasieger aus verschiedenen Olympiaaufgeboten zusammensetzt. Zum einen die Goldmedaillengewinner, die bis zum Krieg aus dem Reichsgebiet, also auch aus dem „Dritten Reich“, kommen. Die Teilung Deutschlands nach dem Krieg  führt zunächst dazu, dass bis zu den Spielen 1964 in Tokio  „gesamtdeutsche Mannschaften“ unter einer schwarz-rot-goldenen Fahne mit den Olympischen Ringen bei  Olympia auftreten. Seit den Olympischen Sommerspielen 1968 in Mexiko werden dann erstmals  zwei getrennte deutsche Mannschaften geführt, nämlich aus der Bundesrepublik Deutschland und der DDR, die im Übrigen die weitaus meisten deutschen Olympiasieger, nicht nur bei den olympischen Boxturnieren, stellt. Erst ab der Wiedervereinigung des Jahres 1990 gibt es wieder eine gesamtdeutsche Olympiaauswahl. Natürlich muss man weiterhin berücksichtigen, dass die Teilnahme Deutschlands bei den Olympischen Sommerspielen vom IOC mehrfach nicht zugelassen wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg durfte bei den Spielen 1920 im belgischen Antwerpen und 1924 in Paris kein deutscher Athlet teilnehmen, ebenso  nicht nach dem Zweiten Weltkrieg  bei den Olympischen Sommerspielen 1948 in London. 

Im ersten Teil der Darstellung über die deutschen Box-Olympiasieger werden die Goldmedaillengewinner bis zu den Spielen 1980 in Moskau in kurzen Portraits vorgestellt. Teil II des Artikels, der einige Tage später erscheinen wird, wird sich mit den deutschen Olympiasiegern, die nach 1980 Gold holten, befassen.

Deutsche Boxer bei Olympia bis 1936

Ein olympisches Boxturnier gab es erst acht Jahre nach den ersten Sommerspielen der Neuzeit des Jahres 1896. Bei den Olympischen Sommerspielen in St. Louis im Jahre 1904 wurde erstmals Boxen ins Programm aufgenommen. Deutsche Boxer nahmen ebenso wie vier Jahre später in Stockholm nicht teil, was nicht zuletzt daran lag, dass das Boxen im Kaiserreich lange Zeit nicht gestattet war. Erst im Jahre 1928, bei den Spielen in Amsterdam, war erstmals eine deutsche Boxauswahl am Start. Acht Kämpfer umfasste die deutsche Staffel, unter ihnen den Kölner  Leichtgewichtler Franz Dübbers, der 1927 Europameister im Federgewicht geworden war sowie der Krefelder Hans Schönrath, der als Profi später Deutscher Meister im Schwergewicht wurde.  Beide schieden aber in der Vorrunde aus. Nur einer, von dem es nur wenige erwartet hatten, konnte sich bis ins Finale des olympischen Boxturniers durchkämpfen: der Halbschwergewichtler Ernst Pistulla. Im Finale musste der Berliner allerdings mit einer Handverletzung antreten. Gegen den Argentinier Victor Avendano besaß er damit keine Chance und musste sich mit der Silbermedaille begnügen. Als Profi konnte Pistulla im Jahre 1931 den europäischen Halbschwergewichtstitel erringen und ihn sogar mit einem Unentschieden gegen den lange Zeit unbestrittenen Herrscher des europäischen Halbschwergewichts, den Bonner Adolf Heuser, verteidigen.

Die Spiele von 1936 und zwei deutsche Olympiasieger

Zwei  Goldmedaillen für die deutsche Boxstaffel gab es bei den XI. Olympischen Sommerspielen in Berlin. Hinzu kamen zwei Silbermedaillen im Welter- und Halbschwergewicht durch Michael Murach und Richard Vogt sowie eine bronzene Medaille im Federgewicht durch Josef Miner.

Erstmals waren die ausgewählten Boxer systematisch und zielgerichtet über mehrere Jahre auf das Turnier vorbereitet worden. Für die nationalsozialistischen Herrscher sollten die Spiele  nicht nur der Überlegenheit der „nordischen Rasse“ Ausdruck verleihen, sondern auch dazu beitragen, dass das Regime weltweit an Akzeptanz und Seriosität gewann. Für dieses Ziel wurden alle finanziellen und organisatorischen Ressourcen ausgereizt. Für viele Besucher in Berlin erschienen die Spiele allerdings wie ein durchgehendes Fest, das vierzehn Tage andauerte, zumal alles getan wurde, dass die sonst vorherrschende Hetze gegen jüdische Mitbürger während der Zeit der Spiele gestoppt wurde.

Willi Kaiser

In dem Ort, in dem er aufgewachsen ist, kann man noch heute die nach seinem Olympiasieg bei den Berliner Spielen errungene Goldmedaille im Fliegengewicht gesetzte Eiche bewundern. Sie ist in Gladbeck zu besichtigen und steht für den aus Posen stammenden Wilhelm („Willi“) Gustav Kaiser. Willi Kaiser zieht mit der Familie  kurz nach seiner Geburt (16. Januar 1912) in Pudewitz/Posen nach Gladbeck um und beginnt im jugendlichen Alter mit dem Boxsport. Bei den Spielen kommt er mit Siegen gegen den Chilenen Lopez, Fidel Tricanico aus Uruguay und den Argentinier Alfred Carlomagno ins Finale und triumphiert dort über den italienischen Fliegengewichtler Garino Matta nach Punkten. Ein Jahr später tritt Kaiser auch bei den Europameisterschaften in Mailand auf und erreicht das Halbfinale. Als Amateur hat er insgesamt 118 Kämpfe bestritten und davon achtzig gewonnen. Nur 14 Kämpfe verliert er.

Willi Kaiser ist im Zweiten Weltkrieg im Fronteinsatz und kehrt erst 1949 aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause, wo er später als Mitarbeiter in der Stadtverwaltung beschäftigt wird. Er stirbt am 14. Juli 1986.

Willi Kaiser ist damit der erste deutsche Olympiasieger. Durch seine Goldmedaille wird er nach den Regeln der damaligen Zeit auch als Welt- und Europameister geführt.

Herbert Runge

Der zweite Deutsche, der 1936 einen Olympiasieg erringen kann, und dazu noch in der höchsten Gewichtsklasse, dem Schwergewicht, ist Herbert Runge. Runge wird am 23. Januar 1913 in Elberfeld  als eines von acht Kindern geboren. Er absolviert eine Lehre als Fleischer; später gelingt es ihm, den Meisterbrief zu erwerben. Früh ist er als Jugendlicher im einzigen Elberfelder Boxclub aktiv. Trainer ist dort der frühere überregional bekannte Leichtgewichtler Fred Buchanan. Buchanan erkennt das boxerische Talent des schlaksigen und hochgewachsenen jugendlichen Boxers und formt ihn zu einem durchaus technisch versierten Schwergewichtler. In den Jahren 1935 bis 1940 und 1942/1943 wird er Deutscher Meister im Schwergewicht der Amateure. Bei den Europameisterschaften 1934 stößt er mit seinen da zwanzig Jahren bis ins Finale vor, unterliegt aber dort dem Finnen Gunnar Bärlund. In neunzehn Länderkämpfen verliert Runge nur zwei Mal.

Schon nach seiner Silbermedaille bei den europäischen Titelkämpfen werden ihm von den Beobachtern der Finalkämpfe weitere Erfolge zugetraut. Zwei Jahre später erweist sich, dass Runge im Schwergewicht der Amateure weiter dazugelernt hat. Beim olympischen Boxturnier setzt er sich in der Vorrunde  mit einem Knockout über den Tschechen Rudolf Kus durch und erreicht mit  Punktsiegen gegen den Briten Vincence Stuart und den Ungarn Ferenc Nagy das Finale. Dort stößt er auf den hart schlagenden Argentinier Guillermo Lovell, kann ihn aber nach Punkten deutlich besiegen. 

Bei den Europameisterschaften ein Jahr später in Mailand ist er im Schwergewicht wieder im Finale, unterliegt dort aber nach Punkten. Zwei Jahre danach, 1939 in Dublin, wird er bei der EM Dritter.

Nach dem Krieg steigt er, um seinen Lebensunterhalt zu sichern, ins  Profigeschäft ein, kann dort aber in kaum einem Kampf überzeugen. Insbesondere fehlt ihm der Punch, um sich durchzusetzen. In seinen fünfundzwanzig Profikämpfen tritt er fast gegen die gesamte deutsche Schwergewichtsspitze an und ist nahezu auf der ganzen Linie erfolglos. In zwei Kämpfen wird er unter anderem von Hein ten Hoff in der fünften bzw. siebten Runde ausgeknockt. Der zweite Kampf gegen ten Hoff, am 03. Juni 1949 in München, ist sein einziger Profi-Titelkampf um die deutsche Schwergewichtsmeisterschaft. Im seinem letzten Kampf trifft er auf den jungen und aufstrebenden Dortmunder Heinz Neuhaus, der ihn in der siebten Runde ausknockt. Danach tritt er mit 36 Jahren vom Boxsport zurück. Von seinen 25 Profikämpfen hat er nur fünf gewonnen, aber 14 verloren bei sechs „Unentschieden“. Der Ausflug ins Schwergewicht der Profis war für Runge im Grunde rundum ein Desaster.

Nachdem er die Handschuhe an den Nagel gehängt hat, ist er lange bei der Stadtverwaltung in Wuppertal beschäftigt. Am 11. März 1986 verstirbt Herbert Runge im Alter von 73 Jahren  in seinem Geburtsort nach langer und schwerer Krankheit.

Nach zwanzig Jahren holt wieder ein deutscher Boxer Gold

Die Siegerehrung bei den Olympischen Sommerspielen 1956 in Melbourne, eigentlich der größte Moment in einer Sportlerkarriere,  bekommt Bantamgewichtler Wolfgang Behrendt  kaum mit. Er leidet unter den Nachwirkungen einer Fußverletzung, die just beim Abspielen der Hymne stark schmerzt. Die „Nationalhymne“ ist die Beethoven-Komposition für das Gedicht Schillers  „Ode an die Freude“, die als Hymne für die gesamtdeutsche Olympiaauswahl des Jahres 1956 bestimmt wurde. Mit dieser Hymne kann der Berliner, so berichtet er später, kaum was anfangen.

Er hat das Finale des Bantamgewichts durch Siege über den Dänen Henrik Ottesen, den Briten Owen Reilly und Freddie Gilroy aus Irland erreicht. Mit dem Südkoreaner Song Soon-Chun kämpft er um Gold. In der Vorbereitung hat Behrendt es abgelehnt, sich Kampfaufzeichnungen seiner Gegners anzusehen: Er will möglichst „unbefangen“ in den Kampf gehen und vertraut auf seine Technik und Schnelligkeit. Die ersten beiden Runden zeigt sich Behrendt überlegen, aber der Trainer hat ihn darauf aufmerksam gemacht, dass der Koreaner in der letzten Runde noch einmal kommen wird. Doch sein Gegner ist vom bisherigen Kampfverlauf so beeindruckt, dass kaum ein Aufbäumen zu beobachten ist. Behrendt gewinnt hoch nach Punkten, und die Presse ist sich darin einig, dass dieser Kampf einer der besten des gesamten olympischen Boxturniers gewesen sei.

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Wolfgang Behrendt wird am 14. Juni 1936 in Berlin geboren. Er beginnt bereits im Jahre 1947, also mit knapp elf Jahren, mit dem Boxsport. Bei den Europameisterschaften in Berlin 1955 erringt er den dritten Platz; DDR-Meister ist er in den Jahren 1955, 1957 und 1960, hier allerdings  im Federgewicht. Von seinen 201 Amateurkämpfen gewinnt er 188.

Nach den Olympischen Spielen versucht er sich für die Spiele in Rom 1960 und Tokio 1964 zu qualifizieren, scheitert aber. Er lebt in Berlin, ist verheiratet und hat zwei Kinder. In den Jahren 1963 bis 1991 ist er für „Neues Deutschland“, eine Gazette, die bis zur Vereinigung als wichtigstes Presseorgan der SED galt, als erfolgreicher Sportfotograf unterwegs. Sein Sohn Mario, geboren 1960,  war Mitglied der DDR-Boxstaffel bei den  Olympischen Spielen in Moskau 1980, schied aber in der ersten Runde des Federgewichts gegen den Rumänen Cipere aus.    

Manfred Wolke: Erst als Trainer wird er in ganz Deutschland bekannt

Als Manfred Wolke bei den Olympischen Spielen in Mexiko 1968 Gold holt, kennt ihn in Westdeutschland kaum jemand. Nach den gesamtdeutschen Olympiaaufgeboten der vorangegangenen Spiele sieht man erstmals zwei deutsche Boxstaffeln am Start. Manfred Wolke schlägt  im Viertelfinale des Weltergewichts den Türken Celal Sandal und erreicht durch einen Sieg über Vladimir Musalimov aus der Sowjetunion das Finale. Überraschend deutlich besiegt er im Weltergewichtsfinale Josef Bessela aus Kamerun.

Manfred Wolke, geboren am 14. Januar 1943 in Potsdam, beginnt Ende der 1950er Jahre in seinem Heimatort beim BSG Motor Babelsberg als Sechzehnjähriger mit dem Boxen. Ab Mitte der 1960er Jahre trainiert er beim ASK Vorwärts Berlin. Von 1967 bis 1970  ist er DDR-Meister im Weltergewicht, 1971 im Halbmittelgewicht. Im Jahre 1967 bei den Europameisterschaften in Rom holt er die Silbermedaille;  im Finale verliert er gegen den Tschechen Bohumil Nêmecek nach Punkten. Bei den EM-Kämpfen in Madrid 1971 wiederholt er den Silber-Erfolg und muss sich nur dem Ungarn János Kajdi geschlagen geben. Für die Olympischen Spiele in München 1972 kann er sich nochmals qualifizieren, wird aber in der dritten Runde des Turniers  im Kampf gegen den Kubaner Emilio Correra ausgeknockt. Von seinen 258 Amateurkämpfen kann Wolke 236 siegreich beenden.

Wolke wird in Gesamtdeutschland erst als Trainer bekannt und populär. Insbesondere als  Betreuer von Henry Maske, den er sowohl im Amateurbereich beim ASK Vorwärts Frankfurt/Oder  als auch als Profi trainiert und der unter seiner Leitung Olympiasieger im Mittelgewicht und Weltmeister im Halbschwergewicht bei den Amateuren und Profis wird. Er sitzt in der Ecke von Axel Schulz, den er ebenfalls schon als Amateur trainiert hatte, bei dessen spektakulärem Kampf um die Schwergewichtsweltmeisterschaft gegen George Foreman, der nach Einschätzung der meisten Beobachter nur durch eine Fehlentscheidung gewinnen kann.

Zuletzt im Jahre 2007, beim riesig aufgemachten und als „Refight“ verkauften Kampf von Henry Maske gegen Virgin Hill, tritt Wolke öffentlichkeitswirksam auf. Im Jahre 2009 kündigte ihm der Sauerlandstall den Vertrag wegen „Erfolgslosigkeit“.

Der erste westdeutsche Nachkriegs-Olympiasieger: Dieter Kottysch

Nach seinem Finalkampf im Halbmittelgewicht der Olympischen Spiele 1972 in München gegen den Polen Wieslav Rudkowski hebt Dieter Kottysch seine kleine Tochter Alexandra  in den Ring und drückt sie fest an sich. Die Zuschauer sind in der Mehrzahl „entzückt“ von dem Schauspiel, das sich ihnen bietet. Es gibt aber auch vereinzelte Pfiffe, die ausdrücken sollen, dass Kottysch mit dieser Aktion zu offensichtlich um  Sympathie buhlt und dass ein solches Verhalten in einem Boxring nichts zu suchen habe. Nur äußerst knapp, mit einer 3:2 – Entscheidung, gewinnt er den Kampf. Damit ist erstmals ein westdeutscher Boxer aus der alten Bundesrepublik Olympiasieger bei einem Boxturnier geworden. Im Schwergewicht holt übrigens Peter Hussing die Bronzemedaille, der im Halbfinale von Teófilo Stevenson durch einen KO in der zweiten Runde gestoppt worden war.

Kottysch hatte im Viertelfinale Mohamed Majeri aus Tunesien klar besiegt, das Halbfinale gegen den Briten  Alan Minter aber nur knapp überstanden. Im Finale ist sein Kampfgeist kaum zu bremsen, aber der Pole, der mit Kottysch befreundet ist, setzt ihm stark zu und kommt einige Male mit seiner Rechten klar durch. Nur äußerst knapp kann Kottysch den Kampf über die Zeit retten.

Der am 30. Juni 1943 im oberschlesischen Gleiwitz geborene Dieter Kottysch, der 1956 als Dreizehnjähriger nach Deutschland kommt, beginnt vergleichsweise spät mit dem Boxen. Erst 1959, da ist er sechzehn, sammelt er seine ersten Ringerfahrungen, steht aber schon zwei Jahre später bei den Deutschen Meisterschaften der Junioren im Finale und holt sich nicht lange danach durch einen klaren Punktsieg den Meistertitel im Weltergewicht bei den Senioren.  In den Jahren 1964 bis 1968 sichert er sich fünf Mal den Titel des  Deutschen Weltergewichtsmeisters. Für die  Olympischen Spiele 1964 in Tokio kann er sich bei den Qualifikationswettkämpfen für eine gesamtdeutsche Olympiaauswahl nicht qualifizieren. Erst später wechselte er ins Halbmittelgewicht, wo es ihm dann gelingen sollte, nach dem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften 1972 Gold in München zu holen.  

Nach dem Olympiasieg zieht sich Kottysch vom Boxsport zurück. Seit über dreißig Jahren lebt er in Buchholz, wo auch seine Lebensgefährtin wohnt und der er dorthin folgte. Lange Zeit arbeitet er bei der Verwaltung seines Heimatortes, ist jetzt aber schon seit einigen Jahren Rentner. Mit seinem Finalgegner der Spiele von 1972, dem Polen Rudkowski, ist er noch heute freundschaftlich eng verbunden.

Gold für den zweiten deutschen Weltergewichtler in Montreal 1976: Jochen Bachfeld

Im Vergleich zu seinen Schulkameraden ist Jochen Bachfeld, der am 17, Dezember 1952 in Sülte, einer ländlich gelegenen Ortschaft im heutigen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, geboren wird, klein und schmächtig, muss häufig Prügel über sich ergehen lassen. Er beginnt mit einem Judotraining, um mithalten zu können, kommt dann zum Boxsport.  Trainer und Betreuer beim SC Traktor Schwerin sind unter anderem Bruno Guse, der 1959 in Luzern Dritter bei den Europameisterschaften war, und Paul Nickel,  Bronzemedaillengewinner bei den EM in Prag 1957.  Sie erkennen das boxerische Talent des jungen Hungerhakens. Bei den Junioreneuropameisterschaften 1970 im ungarischen Miskolc  stößt er bis ins Finale des Halbfliegengewichts vor und schlägt auf diesem Weg den Bulgaren Georgi Kostaninow, der zwei Jahre später Gold bei den Olympischen Spielen 1972 im Fliegengewicht holen sollte. Im Finale der Junioren-EM wird Bachfeld von dem Ungarn Peter Gluck besiegt.

Bachfeld, der technisch virtuos boxte und auch bekannt für seine Schnelligkeit ist, zeigt sich sehr früh als äußerst verletzungsanfällig. Seine Trainer bauen ihn daher mit großer Vorsicht auf. Die erste DDR-Meisterschaft holt er sich 1972 im Federgewicht. Bei den Olympischen Spielen in München kommt er in dieser Gewichtsklasse bis ins Achtelfinale, wird dort aber von dem rumänischen Federgewichtler Gabriel Pometku besiegt. In den folgenden Jahren nimmt er wegen seiner Verletzungsprobleme teilweise nicht an den DDR-Meisterschaften teil. Erst im Jahre 1976, dem Jahr der Olympischen Sommerspiele in Montreal, startet er voll durch. Zum zweiten Male wird er DDR-Meister, dieses Mal im Weltergewicht. Beim nachfolgenden traditionsreichen Chemie-Pokal, der als Qualifikation für die Olympischen Spiele dient, scheint aber alles vorbei zu sein: Wieder verletzt er sich  und verlässt als Verlierer das Turnier. Mit großem Glück qualifiziert er sich dennoch für Olympia, weil er in einem weiteren Turnier in Gera deutlich siegt und von den DDR-Verantwortlichen für die Spiele nachgemeldet wird.

 Beim olympischen Turnier in Montreal sieht man ihn  von Anfang an in vollster Konzentration. Im Achtel- und Viertelfinale besiegt er klar den Sowjetrussen Waleri Ratschkow sowie den kanadischen Weltergewichtler Carmen Rinke. Das Semifinale übersteht er aber nur knapp, und auch im Finale kann er sich nur mit Mühe gegen seinen Kontrahenten  Pedro Gamarro (Venezuela) durchsetzen. Aber er ist Olympiasieger, Gold für die DDR. Ein weiterer Boxer von Traktor Schwerin, Richard Nowakowski, holt im Federgewicht Silber.

Nach Olympia ist er für die Boxweltmeisterschaften 1978  im jugoslawischen Belgrad nominiert, wird aber bereits im Achtelfinale gestoppt. Bereits drei Jahre später, da ist er noch nicht 27 Jahre alt, nimmt er Abschied vom aktiven Boxsport. Insbesondere seine häufigen Verletzungen haben ihm eine weitere Karriere unmöglich gemacht.  119 Kämpfe sind für Bachfeld registriert, 109 Siege hat er errungen.

An der Leipziger „Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport“ erwirbt er nach dem Rücktritt vom Boxsport das Diplom als Sportlehrer und ist ehrenamtlich als Trainer beim Traktor Schwerin tätig.

Auch später bleibt er dem Boxsport  weiter treu. Jahrelang arbeitet er in der Vereinsspitze beim BSC Schwerin. Nach der Wiedervereinigung ist er im Hotelwesen beschäftigt. Aktuell  arbeitet er als Sporttherapeut in der Helios-Krankenhauskette. 

Rudi Fink holt in Moskau Gold im Federgewicht

Manfred Wolke, der nach seinem Olympiasieg 1968 ein Studium an der Leipziger Hochschule für Körperkultur abgelegt hatte, betreut im DDR-Trainerstab die Auswahl für die Olympischen Sommerspiele in Moskau. In den Vorrunden gelingen Fink klare Siege gegen den Finnen Hannu Kaislama und Esmail Mohamad aus Afghanistan, den er in Runde eins ausknockt. Auch den Mexikaner Carlos Gonzalez besiegt er in der zweiten Runde durch KO. Im Viertelfinale triumphiert er klar gegen Winfried Kabunda aus Sambia, im Halbfinale besiegt er mit 4:1 Richterstimmen Viktor Rybakov aus der UdSSR. Gegen den favorisierten Kubaner Adolfo Horta setzt er sich im Finale deutlich durch.

Rudi Fink, geboren am 06. Juni 1958 in Cottbus, ist noch nicht zehn Jahre, als er mit ersten Boxversuchen beginnt.  Der vielseitig talentierte Jugendliche wird im Jahre 1972, da ist er vierzehn Jahre, in die Sportschule Frankfurt/Oder aufgenommen. In den Jahren 1971/72 siegt er bei der Jugendspartakiade in der DDR. Er absolviert erfolgreich eine Lehre als Kraftfahrzeugschlosser und wird Leutnant der NVA, wo ihm viel Zeit für seine sportlichen Ambitionen belassen wird. Bevor er 1980 seinen ganz großen Durchbruch hat, ist er mehrmals DDR-Meister und auch Juniorenmeister im Bantamgewicht. Im Jahre 1976 erringt  er Silber bei den Junioreneuropameisterschaften. Bei den Europameisterschaften 1979 in Köln  stößt er bis ins Finale vor, wird dort aber von Viktor Rybakow, allerdings nur knapp, geschlagen, dem er dann bei den Moskauer Spielen im Finale wieder begegnen sollte (s.o.)  1981 beendet er seine Laufbahn und kann auf 180 Kämpfe, in denen er 155 Mal siegte, verweisen.

Nach der Wiedervereinigung  wird er für kurze Zeit Trainer des Landesverbandes Brandenburg. Seit 2003 ist er bei seinem ehemaligen Mentor Manfred Wolke als Trainer im Frankfurter Trainingscamp verpflichtet.

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5 Kommentare

  1. robbi
    2. Juli 2012 at 14:01 —

    Wenn kölling ne hohe workrate zeigt kann er es bis ins finale schaffen…härtel genauso, patrick denke ich wird das alles nicht überstehen und wohl nach der ersten runde gehen…für mich fehlbesetzung ein arayk marugtjan ist da stärker….erik pfeifer..hmm mal sehen wie weit er es bringt.

  2. cuba style
    2. Juli 2012 at 22:47 —

    @adrivo kannst du nir ein tipp geben wie ich das turnier verfolgen kann oder geht das überhaupt
    in amerika würd es ja im tv ausgestrahlt und wurde zumindest wie es jetzt ist keine ahnung aber in deutschland kann man damit ja nicht rechnen die zeigen ja bloß die tollen laser shows von den klitschkos mit den ganzen b promis die sich alle für die neuen boxexperten halten

  3. cuba style
    2. Juli 2012 at 22:49 —

    ist auch an andere gerichtet wenn ihr ein stream habt oder so 😉

  4. Bangs
    3. Juli 2012 at 13:45 —

    Schade das man jetzt schon davon ausgehen kann das alles was wir von Olympia sehen werden Laufen , Springen und Kugelstoßen ist. 🙁

  5. Paul
    3. Juli 2012 at 19:06 —

    @ Bangs

    Leichtathletik wird klar bevorzugt; sie gilt als Krone der Spiele. Aber: Ich bin sicher, dass zumindest die Finalkämpfe des Boxturniers live gezeigt werden. 🙂

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