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Denis Lebedev verliert seine Titel

 

Bild: WBA

Im Kampf zwischen Denis Lebedev und seinem Landsmann Murat Gassiev ging es um den IBF-Gürtel im Cruisergewicht. Für Lebedev stand auch der WBA Superchamp – Titel auf dem Spiel, den er im Falle einer Niederlage ebenfalls verlieren würde. So kam es dann auch. Wenn auch etwas umstritten.

Lebedev erwischte bei diesen 12 Runden den besseren Start. Erst ab der 4. Runde schien Gassiev so langsam in Fahrt zu kommen. In Runde 5 feuerte er einen brutalen Körperhaken auf Lebedev ab, der eine verheerende Wirkung zu haben schien. Nach dem Anzählen ging es weiter, doch Lebedev hatte echt zu kämpfen, weil Gassiev jetzt seine Schwachstelle gefunden hatte und ständig versuchte, diesem Mörderhammer noch eins drauf zu setzen. In der Kampfmitte gingen einige Runden an den 23-jährigen Herausforderer. Zu einem weiteren Niederschlag kam es jedoch nicht. Lebedev war zwar in den Rückwärtsgang gedrängt, blieb aber gut im Kampf und entschied auch die letzten beiden Runden zu seinem Vorteil.

Es gab mindestens zwei enge Runden, die man 10:10 hätte werten können. Auf das Urteil konnte man gespannt sein. Von einem knappen Sieg das Titelverteidigers über ein Unentschieden bis zu einem knappen Sieg Gassievs war eigentlich Alles möglich. Das Urteil war dann eine SD – Entscheidung: 112:116, 114:113 und 111:116. Der Ausgang des Kampfes war gerade so hinnehmbar, aber nicht die beiden hohen Wertungen zu Gunsten von Gassiev.

Normalerweise hätte dieser Kampf ein Rematch verdient. Ob es dazu kommt, steht in den Sternen, Vielleicht sollte sich das Team Lebedev mit dem Team von Felix Sturm beraten. In Köln weiss man offenbar sehr gut, wie man aus einer SD-Niederlage ein Rematch zaubern kann.

Auf jeden Fall war dieser Fight einer der besten Kämpfe des Boxjahres 2016. Beide Boxer kämpften auf einem hohen technischen und konditionellen Level. Ringrichter Albert Brown aus den USA hatte relativ wenig Arbeit mit den Boxern, was viel über die Qualität dieses Fights aussagt. Ob dieser Kampf tatsächlich als „Generationswechsel“ anzusehen ist, muss man noch bezweifeln. Man kann aber durchaus sagen, dass sowohl der „alte“ Lebedev, als auch der noch „junge“ Gassiev jedem Top 10 Cruiser das Leben verdammt schwer machen würden.

Die Undercard dieser Veranstaltung war durchweg sehenswert. Den kurzfristig angesetzten Eröffnungskampf bestritten Frauen im Halbwelter um den vakanten IBO-Titel. Die Russin Svetlana Kulakova besiegte dabei die in Karlsruhe bei Dominik Junge trainierende Französin Prisca Vicot nach Punkten. Die 40-jährige hatte nur 5 Tage Vorbereitungszeit, was sich dann auch im Ring bemerkbar machte. Sie kämpfte bis in die letzte Runde tapfer mit, konnte aber einfach kein „Oberwasser“ gewinnen. Gerade in den letzten 3 Runden musste sie mehr dafür tun, sich zu schützen als selber anzugreifen. Trotzdem „Hut ab“ für die mutige Entscheidung, diesen Kampf überhaupt anzunehmen.

Die Enttäuschung des Abends bot Rakhim Chakhkiev gegen Maksim Vlasov im Kampf um den vakanten WBA-International im Cruiser. Es war wieder ein Versuch von Chakhkiev, einen Schritt in Richtung Weltspitze zu machen. Das ging auch diesmal daneben. Wurde er früher zu hektisch, wenn er seine Gegner nicht schnell ausschalten konnte, war es diesmal fast ein Versagen auf ganzer Linie. Sein schlechtester Kampf bisher. Bereits in Runde 2 musste er zum ersten mal runter. In Runde 5 der nächste Niederschlag. Diesmal rettete noch die Pausenglocke. Runde 6 gab es ein letztes Aufbäumen. Beide Boxer waren am Boden. Chakhkiev wurde auch diesmal von der Pausenglocke gerettet. Das „Aus“ kam dann in Runde 7. Chakhkiev hatte sein Pulver längst verschossen. Es reichten ein paar locker geschlagene Kopftreffer um Chakhkiev wieder auf den Boden zu schicken. Diesmal blieb er mit dem Gesicht nach unten liegen, bis der Kampf für beendet erklärt wurde. Er wird mittlerweile verstanden haben, dass damit die großen Träume Vergangenheit sind.

Es gab auch ein paar kurzrundige Überraschungen. Die beiden Debütanten im Cruiser- und Schwergewicht lösten ihre Aufgaben in Runde 2. Eduard Troyanovsky ging überraschend gegen Julius Indongo in Runde 1 KO. Dmitry Kudryashov holte sich mit einem KO 1 über Santander Silgado den WBC-Silver. Alles in Allem war die Veranstaltung durchgängig gut. Nur: Der etwas fade Nachgeschmack des Punkturteils gegen Lebedev bleibt.

Die Kämpfe sind alle auf youtube (Kanal von Prime boxingTV) zu sehen. Hier der Hauptkampf:

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7 Kommentare

  1. 4. Dezember 2016 at 23:37 —

    Stimmt, ein Kampfabend mit genialen Kämpfen, auf jeden Fall. Hatte den Top-Fight 114:113 für Gassiev. Runden 1 – 4 bei Lebe, 5 – 10 bei Murat, die letzten beiden wieder Lebedev, plus der KD. Die größere Aggressivität und die härteren Treffer auch bei Gassiev. „Pitty-pat-punches“, wie Abel Sanchez die Treffer von Lebedev hinterher nannte, als er ziemlich überkritisch über seinen Schützling sprach, waren es aber nicht, auch wenn Lebedev mehr auf Volumen als auf Schlaghärte setzte. Deshalb hat mich Gassiev auch defensiv ziemlich überzeugt und imo den Kampf knapp aber verdient gewonnen.

    „Schlechtester Kampf“ von Chahkhiev kann ich so unterschreiben. Keine boxerische Linie, keinen Jab, kein Distanzgefühl, nur wilde Schwinger, oft low, gegen den zwar gutklassigen und technisch sauberen, aber eigentlich schlagbaren Vlasov, der aus dem Mittelgewicht kommt. Dazu die bekannten Kinn- und Konditionsschwächen. Schade, noch vor fünf Jahren hätte ich ihn für einen Boxer gehalten, der auf jeden Fall mal CW-Champion werden wird.

    Troya war ebenfalls krass – diesen Schwinger mit vorheriger Durchsage riecht ein guter Fighter doch normalerweise aus 10 Meilen gegen den Wind. Mal schauen, wie er das mit 36 wegsteckt. Richtig gute Gegner hat er aus meiner Sicht bisher auch noch nicht geboxt, es sei denn, man zählt die überschätzten Obara und Cuenca dazu. Wobei im Superleicht die Konkurrenz derzeit auch ziemlich ausgedünnt ist, außer Postol, Crawford und – je nachdem ,wie er die Niederlage weggesteckt hat – vielleicht noch Imam, fällt mir eigentlich niemand so richtig ein. Ach ja, es gibt ja noch den Clown aus Cincinnati … mal schauen, ob Granados ihm ebenfalls wie Imam die Lichter ausbläst.

  2. 5. Dezember 2016 at 02:50 —

    Guter Kampf…. aber ich will ehrlich sein. Lebedev sollte sofort aufhören.Die Frage die sich stellt.Wielange geht sein Stil alles zu schlucken noch gut.Auf Dauer hält es kein Gehirn aus mit dem Risiko was er eingeht.Früher oder später geht der Schuß nach hinten los.Lebedev ist leicht am kopf zu treffen.Und hat in einigen Kämpfen massivs viele schwere Kopftreffer schlucken müssen.Er ist über den Zenit in meinen Augen. Gassiev für mich der verdiente Sieger keine Frage und muss man anerkennen.

  3. 5. Dezember 2016 at 06:20 —

    Spannender Kampf zwischen Lebedev und Gassiev.. Finde ehrlich gesagt nicht, dass Lebedev leicht zu treffen ist.. Wer in seinem Alter über 12 Runden noch so ein Tempo gehen kann, gehört noch lange nicht in den Ruhestand!! Alle Achtung wie er nach dem Leberhaken in Runde 5 noch mal zurückgekommen ist, jeder andere wäre liegen geblieben.. Danach hat er für mich die falsche Taktik gewählt.. Wenn ein Boxer wie Gassiev dermaßen Druck ausübt sollte man vielleicht auch mal stehen bleiben und gegendrücken und den Infight suchen.. Das ewige Wegrennen kostet zu viel Kondition und macht anfällig für weitere Wirkungstreffer!!! Chakiev war erschreckend schwach diesmal wahrscheinlich haben ihn die vielen Ko’s als Boxer gebrochen!!???

    • 5. Dezember 2016 at 13:53 —

      Zustimmung, was Lebedev und seine Taktik (war wohl eher die von Roach) angeht, er ist trotzdem noch Top 5 im CW:

      1. Usyk
      2. Gassiev
      3. Briedis
      4. Lebedev
      5. Bellew/Glowacki/Huck/Dorticos

    • 5. Dezember 2016 at 14:01 —

      Dem könnte ich zustimmen, wenn du “Lebedev” durch “Chakhkiev” ersetzen würdest. Lebedev hatte nur eine KO-Niederlage gegen den gedopten Jones. Chakhkiev ist jetzt zum 3. mal KO gegangen (gegen Wlodarczyk, Afolabi und jetzt Vlasov). Jedes mal sah es schlechter aus. Er kommt schon so langsam in Danny Williams Modus. Sobald er leicht angeklingelt ist, werden seine Aktionen völlig planlos. Lebedev ist da anders. Der zieht durch bis zum bitteren Ende wie ein echter Warrior, auch wenn er halb blind ist und schon 150% gegeben hat. Gesund ist das natürlich nicht. Der größte Unterschied zwischen Chakhkiev und Lebedev: Chakhkiev wird unter Druck hektisch. Lebedev zieht seine Linie durch.

      • 5. Dezember 2016 at 15:00 —

        Das das mit Chakhiev nichts mehr wird hat man schon vor seiner Niederlage gegen Afolabi gesehen, er macht immer wieder die selben Fehler z.B.das er von vorne herein zu viel Kraft die seine Schläge legt und nach 4-5 Runden keine Luft mehr hat nur um dann auf eine “dramatische” Art und Weise KO zu gehen

  4. Lebedev hat den Nachteil, dass er Klingone ist und so schon allein wegen seiner Kopfform leichter zu treffen ist.

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