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DAZN-Veranstaltung in Chicago blieb hinter den Erwartungen zurück

Von der DAZN-Veranstaltung am Samstag Abend in Chicago hat so mancher Fan des gepflegten Faustkampfs sicher etwas mehr erwartet. Zumindest die Hauptkämpfe blieben hinter den Erwartungen der Zuschauer in der „Wintrust Arena“ Chicago und weltweit an den Bildschirmen zurück. Dmitry Bivol und Oleksandr Usyk zeigten in ihren jeweiligen Kämpfen weniger als man vorher glaubte und der mit Spannung erwartete Frauenkampf zwischen Erica Farias und Jessica McCaskill war ein einziges Gewürge.

Das Rematch zwischen Farias und McCaskill gehört zu den Kämpfen, die man kein zweites Mal sehen will. Eigentlich hätte man der Meinung sein können, dass die Argentinierin Farias auf Biegen und Brechen versuchen wird, diesmal mit einem souveränen Sieg die beiden WM-Gürtel (WBA und WBC im Superleichtgewicht) davon zu tragen versucht. Doch weit gefehlt: Farias hatte zu Beginn des Kampfes ein paar gute Momente und war die aktivere Boxerin. Doch bereits ab dem 3. Durchgang flachte der Kampf immer mehr ab. Um so besser die Titelverteidigerin in den Kampf fand, um so mehr verlegte sich die Herausforderin auf Kampfverhinderungstaktiken. Farias klammerte, als wäre man bereits in den letzten Runden. Es sah schon ab der 3. Runde so aus, als wolle sie einen Punktvorsprung ins Ziel retten. Ringrichter Christian Curiel bestrafte das in Runde 4 mit einem Punktabzug. In Runde 6 zog er McCaskill einen Punkt wegen Nachschlagens ab. Der Fight kam bis zum Ende der 10. Runde irgendwie überhaupt nicht in Gang. Es war für die Zuschauer erlösend, als es endlich vorbei war. Um so seltsamer war dann das Urteil. Ein knapper Sieg von McCaskill war zu erwarten. Ein Punktrichter gab mit 94:94 ein Unentschieden, aber die beiden anderen Offiziellen hatten es mit 97:91 und 96:92 zu deutlich für McCaskill. Zusammenfassend kann man nur sagen, dass dieser Kampf von allen Beteiligten eine miserable Nummer und absolut keine Werbung für das Frauenboxen war. Die 5 Sterne von Boxrec für diesen Kampf waren nur für die Ansetzung, nicht für den Kampf selbst ein Gradmesser.

Oleksandr Usyk bekam es nach fast einem Jahr Kampfpause bei seinem Schwergewichtsdebüt mit Ersatzgegner Chazz Witherspoon zu tun. Der 38-jährige war kurzfristig eingesprungen, nachdem Spong wegen Dopingverdacht aus der Card gestrichen wurde. Mit keiner ausreichenden Vorbereitungszeit, muss man gleich dazu sagen. Man ging wohl oder übel davon aus, dass der Last- Minute-Ersatzgegner innerhalb von 3 Runden abgefertigt wird. Doch Fehlanzeige: Immerhin boxte Witherspoon sieben Runden Sparring mit und zeigte, dass auch ein Usyk zu treffen ist. Immerhin konnte man anschließend die Kampfspuren ind Usyks Gesicht deutlich genug sehen. Die Ecke des Amerikaners gab nach sieben Runden auf. Dass Usyk bereits vor dem Kampf laut nach einem Kampf gegen Wilder rief, sieht man wohl jetzt etwas kritischer. Trifft Wilder Usyk, wenn er mal wieder etwas zu nachlässig ist, dann könnten da wohl schnell mal die Lichter aus gehen. Usyk würde gut daran tun, erst einmal solche Gegner wie Takam oder Chisora zu boxen, bevor er mit Wilder, Joshua oder Fury auf die erste Reihe des Schwergewichts trifft.

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Der 28-jährige WBA-Halbschwer-Weltmeister Dmitry Bivol (16(11)-0-0) verteidigte seinen Gürtel gegen den 3 Jahre älteren Lenin Castillo (20(15)-3-1) aus der Dom-Rep. Auch dieser Kampf blieb hinter den Erwartungen zurück. Castillo war vor dem Kampf auf#15 des WBA-Rankings zu finden. Das er diesen Rang nicht unverdient inne hatte, konnte er im Ring zeigen. Er boxte 12 Runden lockeres Sparring mit, konnte aber maximal eine Runde für sich entschieden. In Runde 6 musste er zu ersten mal in seiner Karriere runter, nachdem ihn Bivol mit einer harten Rechte am Kopf getroffen hatte. Nach dem Anzählen konnte er aber unbeeindruckt bis zum Ende weiter boxen. Das Urteil: 120:107 und 2x 119:108 für den Weltmeister.

Leider gab es nach dem Kampf zwischen Charles Conwell und Patrick Day um den USBA-Titel im Superwelter (KO 10 Sieg für Conwell) die Gewissheit, dass das Day bei diesem Kampf schwer verletzt wurde. Er hatte kurz vor dem KO bereits eine schwere Rechte kassiert und Conwell traf ihn dann noch ein paar Mal am Kopf, worauf er bewusstlos zusammen brach. Patrick Day wurde in ein Krankenhaus gebracht und musste am Kopf operiert werden. Hier die entscheidende Szene:

Wir hoffen, dass Patrick Day diese Verletzung ohne Dauerschäden übersteht, bald wieder gesund wird und schließen uns der Twitter-Botschaft von Eddie Hearn an: “Unsere tiefsten Gebete sind jetzt mit Patrick”. Einmal mehr zeigt dieser Vorfall, dass Boxen ein gefährlicher Sport ist, in dem die Kämpfer und Kämpferinnen bei jedem Fight ihre Gesundheit zu Markte tragen.

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14 Kommentare

  1. 14. Oktober 2019 at 06:56 —

    Gegen einen 5 klassigen Gegner brauchte Usyk 7 Runden.Sehr schwach.Wilder würde kurzen Prozess mit ihm machen.Usyk sollte ins Cruisergewichtle zurück oder er versucht sein Glück bei Charr.

    • 14. Oktober 2019 at 08:17 —

      Nun war er aber ein Jahr inaktiv, der Gegner kurzfristig eingesprungen und Usyk hat Whiterspoon vllt. auch nicht ganz für voll genommen. Sollen alles keine Ausreden sein, nur mal aber so als Momentum.

      Wenn er seinen Rythmus gefunden hat und vllt. noch zwei/drei Kämpfe gegen Top 20 Boxer gemacht hat, sehen wir sicherlich alle weiter. Ich geb dir aber recht gegen Deontay würden mit der Deckung schnell die Lichter ausgehen.

      btw. Ja, gegen Charr würde ich ihn sofort sehen wollen.

      • 14. Oktober 2019 at 10:30 —

        Guter Kommentar @ Knopster, volle Zustimmung. Usyk ist der Lomachenko des HW, genauso schnell (relativ zu seinem Gewicht) und trickreich, aber es fehlt auch die Power. Denke, er bekommt schon Probleme mit der zweiten Garde wie Povetkin, Kownacki, Whyte oder Miller, weil die sich einfach nicht abschütteln lassen würden und 12 Runden lang Druck machen. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, denn Usyk zuzusehen ist eine Augenweide vom Beyerischen her. Doch leider zählt im HW nicht die Schönheit (siehe Wilder), sondern die Effizienz. Und ich frage mich, wie lange die Schnelligkeit Usyks mit 32 Jahren noch so überragend ist, bei CW-Kollege David Haye war irgendwann damit Schluss und das Ende war ziemlich traurig mitanzusehen.

        • 14. Oktober 2019 at 10:32 —

          *vom Boxerischen her, was für eine Autokorrektur war das denn

        • Ob Usyks HW Ambitionen wirklich was taugen, könnte man ganz einfach herausfinden indem man Usyk vs Pove kämpfen lässt.

          Pove ist besser als die zweite Garde im HW, aber schlechter als die Top HWler. Pove ist ein Gatekeeper. Wenn Usyk ihn nicht ausschalten kann, brauch er es bei den Mutanten wie Wilder, Fury garnicht versuchen.

          Ich hatte mir auch mehr von Usyk erhofft, vielleicht lag es am Gegner etc. , aber letztendlich war schon immer klar Usyk ist kein natürlicher HWler, genauso wie Haye. Das wird schwer für ihn im HW werden, sofern ein WM Gürtel nicht bei einem Gurken Gegner abzugreifen ist.

          Aber Usyk vs Pove wäre schon allein wegen den beiden Nationen perfekt zu vermarkten.

          • 15. Oktober 2019 at 11:27

            Usyks Problem wird im HW auch sein, dass ihm die entsprechende KO Power fehlt, kurzrundig jemanden umzubauen, das hat man auch im CW schon gesehen, ebenso dass er recht langsam in den Kampf findet.

            Sicherlich kann er einen Gegner aufgrund seiner überragenden Technik mürbe boxen und den tKO in späten Runden erzielen. Allerdings muss er damit rechnen dass die Big Boys auch gut über die Distanz kommen können, wenn man sie nur leidlich beschäftigt und die Schlaghärte auch aushaltbar ist. Selbst Witherspoon sah nach den 7 Runden jetzt nicht so kaputtgehauen aus, der hatte eher mit seiner Kondi am Ende zu kämpfen und kein Bock mehr aus der Ecke zu kommen.

            Gegen Pove würde ich das auch gerne sehen, beide sind technisch auf Augenhöhe, Usyk sicherlich mit dem Altersvorteil, der Russe hingegen mit besserer Power. Wäre ein ausgeglichener Kampf meines Erachtens.

          • 15. Oktober 2019 at 12:25

            Doc, es sind ja nicht mal 3 Monate her als Pove das letzte Mal im Ring stand. Daher kam er nicht infrage bzw. stand nicht zur Verfügung. Mal abgesehen davon war Usyk das letzte Mal vor fast 1 Jahr im Ring (eine OP kam dazu). Da wäre es ja von Matchroom dumm gewesen, ihn gleich gegen einen “border line” Top 10 Mann antreten zu lassen. Ich gebe dir Recht, hatte mir auch ein wenig mehr erhofft. Auf der anderen Seiten haben ihm die 12 Runden eher gut getan als geschadet. Hearn wird ihn auf jeden Fall aktiv halten, da wird man sehen, ob er tatsächlich in der Lage ist, die Top Leute ernsthaft herauszufordern.

          • 15. Oktober 2019 at 19:41

            @ Milanista

            Ich meinte ja nicht, dass Usyk gleich gegen Pove hätte kämpfen müssen anstatt gegen Witherspoon.

            Pove würde ich als zukünftigen gegner gerne sehen. Beide sind technisch gut, Körpergröße passt auch. Das wäre mit sicherheit ein interessanter kampf.

          • 16. Oktober 2019 at 11:07

            Sorry Doc, hatte ich übersehen.
            Es wäre bestimmt auf Grund der (nahezu) gleichen “Boxschule” ein interessanter Kampf. Allerdings sehe ich Povetkin zum jetzigen Zeitpunkt seiner Karriere chancenlos. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er ein Mittel gegen Usyks Jab findet. Nach hinten heraus TKO Usyk.

            Knopster, das ihm die KO Power im HW fehlt, ist ja nichts neues. Natürlich ist diese Eigenschaft gerade in dieser Gewichtsklasse besonders hoch angesiedelt, wobei ich nicht verstehe, warum Usyk unbedingt jemanden kurzrundig KO schlagen muss? Meinst du, dass er bei gewissen Kämpfen von vornerein keine UD bekommen wird und dazu verdammt ist auf den KO zu gehen?

            Ich bin da bei dir, einige Big Boys können schon über die volle Distanz gehen. Nur gegen einen Usyk werden ein paar interessante Fragen folgen: Wer ist überhaupt in der Lage, sein Tempo über 12 Runden mitzugehen? Wie kommt man mit seiner überragenden Beinarbeit und der Rechtsauslage zurecht? Wenn schon ein (zum Zeitpunkt) etwas eingerosteter Fury einen Wilder streckenweise ins leere laufen lassen konnte, kann es mMn ein Usyk allemal. Alleine schon durch die Auslage, wäre er imstande, Wilders rechte vollständig zu neutralisieren. Bleibt natürlich abzuwarten, ob seine Defense gut genug ist, Volltreffer zu vermeiden.

        • 16. Oktober 2019 at 13:10 —

          Hm, Usyk hat ja schon mehrfach betont, nicht gegen Pove kämpfen zu wollen, um die politischen Konflikte beider Länder nicht noch zusätzlich anzuheizen, von daher ist das Ganze etwas theoretisch.

          @ Milanista – wie gesagt, seine Schnelligkeit ist phänomenal. Aber er ist mit 32 auch schon am Zenit seiner Leistungsfähigkeit, von daher frage ich mich – wie lange kann er das noch so überlegen einsetzen? Gegner, die ich mir dabei als Test gut vorstellen kann, wären Adam Kownacki, Big Baby Miller oder Dillian Whyte, wobei letzterer mit Sicherheit keinen Bock hat, noch einen Eliminator zu bestreiten 😉

          • 16. Oktober 2019 at 15:50

            Kein Zweifel, Usyk hat definitiv seine Prime erreicht. Dasselbe gilt aber auch für Wilder und Fury. AJ ist da auch nicht mehr weit entfernt. Sie werden alle mit der Zeit abbauen.

            Interessante Gegner, die du vorgeschlagen hast. Kownacki wäre top, wobei PBC (Uncle Al) andere Pläne mit ihm hat. Ich vermute mal, dass er Ende 2020 eine WM Chance gegen Wilder erhält. Unter der Voraussetzung, dass Country Boy das Rematch (wovon ich ausgehe) gewinnt. Big Baby erweckt den Eindruck, dass er nur auf einen Zahltag aus ist. Sollte AJ im Dez. gewinnen, wird er aller Voraussicht nach der nächste Gegner sein. Bei Whyte muss man schauen was aus dieser UKAD Geschichte wird… Whyte, der König der Eliminator. 😀

  2. 14. Oktober 2019 at 07:41 —

    Der Ringrichter hat beim Frauenkampf Farias nur nicht disqualifiziert, weil er die Gelegenheit nutzen wollte, den Frauen bei jeder Trennung “zufällig” an den Busen zu grabschen!
    Was für eine besch… Leistung vom RR. Das kann doch echt nicht wahr sein. Der sollte sein Lizenz gleich mitabgeben

  3. 14. Oktober 2019 at 13:19 —

    Habe nur die beiden Hauptkämpfe gesehen und es war schwierig in den frühen Morgenstunden wach zu bleiben.
    Über Bivol habe ich letzte Woche gelesen das ihm in den USA etwas die Anerkennung fehlt, nun ja bei solch langweiligen Kämpfen wird das auch so bleiben. Castillo war nur darauf bedacht über die Runden zu kommen und Bivol hat gerade mal das Nötigste gemacht, sein Jab ist allerdings klasse.

    Na ja und das Usyk nicht wirklich glänzen konnte ist hauptsächlich seinen Gegner Witherspoon geschuldet der eigentlich auch nur “überleben” wollte.
    Bevor Usyk an einen WM-Kampf denkt sollte er sich, wie schon bemerkt, erst mal mit der 2. Garde des Schwergewichts in den Ring stellen.

  4. 14. Oktober 2019 at 21:11 —

    Naja, dass Usyk im HW nicht plötzlich zum Blitz-KO-König mutieren würde, war wohl zu erwarten, und somit auch, dass er einen Gegner, den Wilder wohl kurzrundig abgefertigt hätte, ausboxen und langsam zermürben würde. Dass Usyks Nehmerqualitäten nicht sooo schlecht sind, hat er im CW eigentlich schon gegen hochkarätige Gegner bewiesen, wobei ein Wilder oder Joshua natürlich schon nochmal ein ganzes Stück härter schlägt als Briedis oder Gassiev…
    Wie sich Usyk gegen die Top-HWler schlagen wird, bleibt nach wie vor schwer zu beurteilen. Nicht nur gegen die genannten Mutanten (oh, reimt sich…), sondern wie ak schon schreibt, auch gegen diverse Leute, die selbst was einstecken UND gut hinlagen können und auch nach Gegentreffern weitermarschieren und Druck machen.
    Stimme zu, dass ein Fight gegen Pove sehr interessant und eine gute Standortbestimmung wäre, wobei Usyk, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, “aus politischen Gründen” eher nicht an einem Pove-Fight interessiert ist.
    Ortiz wäre auch ein sehr interessanter Gegner, wobei der ja jetzt erstmal “größere Aufgaben” vor sich hat.
    In der “erweiterten Weltspitze” bzw. der “zweiten Garde” gibt es sicher eine Menge interessanter Gegner für eine Standortbestimmung, aber nachdem Usyks Gegnerwahl zuletzt irgendwie nach dem “Hans-im-Glück”-Prinzip zu verlaufen schien, bin ich doch etwas skeptisch, ob der nächste Gegner wirklich schon ein Top-20-HW wird…

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