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David Haye verliert Rematch gegen Tony Bellew

Die Fans des Hayemakers mussten am Samstag ganz tapfer sein. Noch niemals zuvor wurde ihr Held derartig gedemütigt wie am Samstag Abend im Rematch gegen Tony Bellew. Im ersten Kampf war die Niederlage verletzungsbedingt entschuldbar. Was Haye diesmal zu bieten hatte, war schlichtweg eine boxerische Bankrotterklärung. Man hatte auf jeden Fall mehr von diesen Kampf und von Haye erwarten können. Die Revange ging zumindest für den Hayemaker absolut daneben. Im Gegensatz dazu hat Bellew die Erwartungen weit übertroffen.

In der Vorbereitungszeit konnte man in den sozialen Netzwerken immer wieder von Haye gepostete Clips finden, wo zu sehen war wie fit und kampfbereit er doch jetzt ist. Das konnte man auch im direkten Vergleich erkennen, als Haye und Bellew sich mit freiem Oberkörper präsentierten. Während Bellew nicht unbedingt austrainiert, sondern immer noch wie ein aufgepimpter Cruiser aussah, machte Haye mit seiner körperlichen Verfassung Eindruck. Genützt hat es ihm allerdings Nichts. Haye war im Ring schlichtweg zu langsam. Er glänzte dabei durch „Selbstüberschätzung“ um es nicht „Überheblichkeit“ zu nennen.

Nach 2 Runden ohne besondere Ereignisse kam  endlich Leben in den Kampf. Haye holte sich die ersten beiden Runden, aber hatte bis dahin vergeblich versucht, Bellew in einen Fehler zu locken. Nach einem eigenen Angriff in Runde 3 musste Haye zurück weichen um sich den Schlägen Bellews zu entziehen. Doch der setzte nach und brachte seine Treffer bei Haye an. Darunter war mindestens ein heftiger Wirkungstreffer und Haye sank an den Seilen auf den Ringboden. Seine Deckung und seine Reaktionsfähigkeit erwiesen sich dabei als auffallend mangelhaft. Er schien einen Augenblick lang so, als hätte er diesen Niederschlag weg gesteckt. Dieser Eindruck täuschte, Bellew wusste jetzt, was er machen muss, setzte nach und traf Haye wieder am Kopf. Diesmal schien der Niederschlag mehr Wirkung hinterlassen zu haben. Nur die Pausenglocke bewahrte ihn vor dem drohenden Aus in Runde 3.

Runde 4 hätte eigentlich schon das Ende bedeuten können. Haye kämpfte im Überlebensmodus und Bellew lies sich Zeit, die passende Gelegenheit für einen weiteren Niederschlag zu finden. Haye überstand die Runde, aber es wurde deutlich, dass dieser Kampf kaum über die Runden gehen würde. Haye war, verglichen mit seinen besten Cruiser-Zeiten, einfach nur noch eine schlechte Kopie seiner selbst. Er war einfach zu plattfüßig, zu langsam und dennoch schien er zu glauben, dass er ohne Deckung auskommt. Es wurde deutlich, dass ihm Jahre an boxerischer Entwicklung fehlten und das ihm seine leichten Siege gegen ausgesuchte Gegner überhaupt Nichts brachten. Der Haye, den man von früher her kannte, hatte Rost angesetzt ohne es wahr haben zu wollen. Sein letzter ernst zu nehmender Gegner vor Bellew war Chisora. Seither sind 6 Jahre vergangen in denen er Pause machte oder gegen schwache Gegner gekämpft hat.

Das Ende kam in der 5. Runde. Bellew landete wieder einen verheerenden Treffer. Haye schwanke und musste runter. Als der Kampf weiter ging, setzte der Liverpooler nach und stellte Haye an den Seilen. Bevor es zu einem weiteren, womöglich finalen Niederschlag kam, ging Ringrichter Howard Foster dazwischen und beendete den Kampf. Die bittersten Sekunden für Haye und seine Fans.

Was bleibt als Fazit? Tony Bellew ist mit noch mehr Biss in den Kampf gegangen als beim ersten mal. Er hat aus seinen Möglichkeiten das Beste heraus geholt. Dabei kam ihm sehr entgegen, dass Haye sich offenbar immernoch für einen der talentiertesten und frischesten Boxer gehalten hat. Sicher hatte er im ersten Kampf das Verletzungspech, aber diesmal wurde er eindeutig geschlagen, weil Bellew einfach mal der bessere Mann im Ring war.

Nach dem Kampf gab es zwischen Beiden faire Gesten. Haye erkannte seine Niederlage an und Bellew war anzumerken, wie die Spannung von ihm abfiel. Er heulte hemmungslos und widmete seinen Sieg seinem kürzlich verstorbenen Schwager. Er hatte sogar einen 3000 Pfund teuren Platz direkt am Ring bezahlt und dafür gesorgt, dass dieser Stuhl symbolisch für seinen Schwager frei bleibt.

Wie es nun mit Haye weiter geht, kann man nur ahnen. Vor dem Kampf sagte er, dass er im Falle einer Niederlage zurück treten will. Jetzt soll er angeblich gesagt haben, er könnte aufhören, wenn er nicht mehr auf Weltniveau boxen kann. Scheinbar nagt es an ihm, dass die letzten beiden Einträge in deinem Kampfrekord „verloren durch TKO 11 gegen Bellew“ und „verloren durch TKO 5 gegen Bellew“ lauten sollen. Ob da noch etwas Anderes dazu kommt, wird man sehen. Offenbar hatte er in diesem Kampf wieder Schwierigkeiten mit seinen Beinen. Auf die direkte Frage, ob er jetzt in Rente gehen will, sagte er, dass sich das nicht toll anfühlen würde. Promoter Eddie Hearn meinte, dass das Optimale vielleicht ein Kampf gegen Dillian Whyte wäre, was für Haye noch drin ist. Ob er das ernst gemeint oder dabei selber nur das Dollar-Zeichen im Kopf hat, wird sein Geheimnis bleiben.

Nachdem Bellew sich wieder einigermaßen gefasst hatte, fing er auf der Welle des Erfolgs an zu sprudeln. Auf jeden Fall hat er jetzt mit diesen beiden Siegen über David Haye allerhand Rückenwind und nennt als zukünftige Gegner alle möglichen Namen von Gassiev bis zu Fury. Auch von einem Kampf gegen den Ex-Champ Andrè Ward ist die Rede. Man wird bald wieder von Bellew hören, nur das ist sicher.

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18 Kommentare

  1. 7. Mai 2018 at 07:47 —

    Haye hat schon alles richtig gemacht, am Samstag. Sein Problem ist nur, dass er bei seinem ersten Comeback zuviel Muskeln aufgebaut und dabei seinen Speed verloren hat. Das hat er aber wohl selbst begriffen, allerdings ist es in seinem Alter fast unmöglich, den einmal verloren Speed wieder zu finden!

    Haye kann nur so boxen, wie er boxt. Seine Defence basierte immer auf seine extrem gute Reaktion, da hätte er am Samstag nichts dran ändern können. Fünf Kämpfe in sechs Jahren sind einfach zu wenig dafür, wenn man von Speed auf Power und Technik umstellen will.

    Prinzipiel hat es Haye am Samstag sehr gut gemacht. Er hat versucht dort anzuknüpfen, wo er aufgehört hat, nur war er einfach zu langsam für Bellew. Wären die wenigen Treffer, die er landete genauso schnell eingeschlagen wie damals, als er noch topfit war, hätte er Bellew in drei Runden abgefertigt, aber so musste er dabei zusehen, wie ihm Bellew immer ein Schritt voraus ist.

    Haye ist gut daran bedient, keinen Kampf mehr anzunehmen und sich zur Ruhe zu setzen. Er war der schnellste und aufgrund dessen einer der gefährlichsten im Schwergewicht und wer gerne nochmal sehen möchte, wie sich Geschwindígkeit im Schwergewicht auswirkt, wenn man genügend davon hat, der muss auf Haye-Videos zurückgreifen, denn bis jetzt gibt es keinen adäquaten Vergleich dazu.

    Schade, schade, schade, aber auch danke, danke, danke!

    • 7. Mai 2018 at 07:51 —

      ich finde nicht, dass haye alles richtig gemacht hat. Er hat denselben Fehler wie im ersten Kampf gemacht. Er hat sich mit einem Schläger geschlagen und seinen damaligen Kampfstil hat er auch nicht seinem Alter angepasst. Kopf vorstrecken und locken funktioniert nur, wenn die Reflexe noch vorhanden sind. Eine anständige Deckung wäre sinnvoller gewesen.

      • 7. Mai 2018 at 10:26 —

        Kopf vorstrecken und locken funktioniert nur, wenn die Reflexe noch vorhanden sind. Eine anständige Deckung wäre sinnvoller gewesen.

        ———

        Haye ging wohl davon aus, dass eine Reflexe noch gut genug sind, sonst hätte er den Kampf nicht angenommen und deshalb musste er genauso agieren, als ob es auch wirklich noch so wäre.

        Haye beherrschte nie eine wirkliche Deckung. Haye beherrschte nur die Geschwindigkeit und um festzustellen, wie es für ihn in Zukunft laufen könnte, musste er auf das zurückgreifen, was er am besten konnte. Aber sein massiver Muskelaufbau vor DeMori war dafür absolut kontraproduktiv. Gegen DeMori selbst und gegen Gjergjaj kam das allerdings nicht zum tragen!

        • 7. Mai 2018 at 12:57 —

          … wenn er nicht merkt, dass er einfach langsam wie ne Schildkröte geworden ist, gehört er nicht in einen Boxring … dafür gibt es Sparringrunden, dort stellt man seine Mängel fest und stellt sie ab … nicht vor 5 Mio Leuten im TV … das sind Profis, die Millionen verdienen, da kann man doch eine etwas bessere Einstellung zum ausgeübten Beruf erwarten … diesen Auftritt kann man einfach nicht entschuldigen, so meine Meinung, dass sah aus, wie sein ersten Kampf … nichts stimmte, timing, Entfernung zum Gegner … rennt in Hände rein, statt rauszugehen … die fehlende Deckung kann ein Markenzeichen sein, wenns gut geht, sie ist aber derbe lächerlich, wenn man 1x je Runde umfällt …

          • 7. Mai 2018 at 15:07

            Ich wollte Hayes Leistung auch nicht gut reden, ich wollte nur erklären, wie es dazu kommt. Die Geschwindigkeit ist ein oft unterschätzter Faktor, der auch nicht direkt messbar ist. Im Gegensatz zu einer Technik, die man lernt und lernt und man sich auch anschliessend darauf verlassen kann, weil man etwas Erlerntes nicht so leicht vergisst, ist der Speed ein wesentlich ungewisserer Faktor in einem Boxkampf.

            Haye war ja nicht so langsam wie eine Schildkröte, aber er war so langsam, dass man seine Speed nicht mehr als seine Stärke bezeichnen kann. Und Hayes Speed war mehr oder weniger immer seine einzige Stärke. Seine Speed hat dafür gesorgt, dass er präzise treffen kann und selbst nicht getroffen wird. Seine Speed sorgte auch dafür, dass er für ein Cruiser ziemlich viel Dampf hatte. Das alles ist jetzt weg!

            Ich finde es gut, dass er vor dem Rückkampf nicht gekniffen hat und Bellew nach dem Kampf den nötigen Respekt gezollt hat. Jetzt wird er wohl selber wissen, dass er das Boxen an den Nagel hängen sollte und auch wenn es das Beste für ihn ist, so ist es für den Zuschauer doch sehr schade, denn für Haye gibt es bisher keinen vergleichbaren Ersatz.

          • 8. Mai 2018 at 10:09

            Hayes “Niedergang” ist ungefähr mit dem eines Roy Jones Jr. zu vergleichen. Kaum lassen Speed und Beinarbeit nach, ist man selbst in der erweiterten Weltspitze nicht mehr wettbewerbsfähig. Das war ihm auch von vornerein klar, man kann die Zeit nicht mehr zurückdrehen. Nichtsdestotrotz ist es kein Hindernis, um nochmal richtig abzukassieren. Hoffentlich geht er diese mal besser mit seinem Geld um und haut es nicht in Miami auf den Kopf.

    • 7. Mai 2018 at 12:44 —

      … kurz vor dem 40. Geburtstag noch Speed zu haben, ist nunmal schwer … das einzusehen, offensichtlich noch mehr … Haye war nie ein guter HW, als Cruser ja, aber ihm fehlte nach meinem Dafürhalten immer die Masse und der Punch für nen guten Boxer. Boxer wie Pove, die bissl ruhiger aber mit Technik und Auge boxen, sind auch noch mit über 35 Jahren in einer guten Situation und können unter den Top 10 mitboxen. Haye mit seinem Ali-Style für Arme kann dies nicht mehr. Die Reflexe lassen dieses Rumstehen und Kopfwegziehen eben nicht mehr zu, dies rechtzeitig zu merken gehört eben auch zum Boxen … notfalls muss der Trainer dies abstellen …

    • 7. Mai 2018 at 20:44 —

      fettundmiboleron
      7. Mai 2018 at 07:47 — Antworten

      Haye hat schon alles richtig gemacht, am Samstag.

      LOL

  2. 7. Mai 2018 at 08:28 —

    Hayes Performance wr echt grottig. Überhaupt kein Antizipationsgefühl zum Gegner mehr vorhanden. Er läuft durchgehend in einer geduckten Haltung und macht dabei den Eindruck wie nen Gladiator in nem Kolosseum, der aufpasst, der der Löwe ihm nicht den Kopf abbeißt. Vollkommen unorthodox für den Boxsport so zu agieren. Dabei zudem total langsam und behebig. Der Mann hat leider in dem Moment angefangen abzubauen, wo er gegen Klitschko verlor und dann als Boxer in den Stand-By-Betrieb gewechselt ist. Die besten Jahre als Boxer mit Inaktivität verschenkt.

    Er sprach ja bereits davon gegen Wilder oder Joshua boxen zu wollen. Ohne da was Schlechtes zu beschwören, aber er wäre gegen beide in ihrer jetzigen Form krachend KO gegangen.

    Haye lebte im Prinzip mal von dem Hype, dass er Valuev geschlagen hat, alles andere davor oder danach waren Momentaufnahmen. Sowohl im Cruiser, wo er ja auch nach der Titelvereinigung gleich ins Schwergewicht hoch ist, ebenso seine Karriere dort als WM, die ja nur kurz war. Nach der Niederlage gegen Klitschko kam doch hier auch nichts mehr. Entweder inaktiv oder drittklassige Gegner geboxt. Man sieht ja, dass es selbst gegen einen Bellew, der sicherlich nicht Weltspitze ist, nicht mehr reicht.

    • 7. Mai 2018 at 12:52 —

      … gegen einen aus der TOP 10 von Boxrec wird es so nicht mehr reichen … gegen die TOP 5 wird er kaum noch 5 Runden schaffen …

  3. 7. Mai 2018 at 10:57 —

    Vor dem Kampf hatte ich schon damit gerechnet das Haye verlieren würde, aber das er derart unter die Räder gerät hätte ich vorher auch nicht vermutet. Schon im 1. Kampf gegen Bellew, vor der Verletzung, war er nicht so überragend wie man es hätte vermuten können und warum hätte es diesmal anders sein sollen!?

    Seine wohl besten Jahre hat er durch Inaktivität verschenkt und nach der desaströsen Niederlage wird bestimmt endgültig Schluss sein, zumindest kann man das nur hoffen.

  4. 7. Mai 2018 at 12:49 —

    Haye soll aufhören oder dem libanesischen Einbauküchenkäufer nen gutes Angebot machen, dann kann er als WBA-Champ abtreten. Gegen die Kunststoffhüfte sollte es, wenn bissl trainiert wird, dann vielleicht noch reichen …
    Gegen die großen Jungs wird es selbst mit Bootcamp nicht mehr für mehr als 3 Runden reichen …

  5. 7. Mai 2018 at 13:21 —

    haye war nie gut, außerdem hat er mehrere Fights durch Verletzungen in die Länge gezogen. tyson fury hatte mal nicht umsonst gesagt das die absagen kurz vorm Kampf gegen ihn im psychisch folterten.

  6. 7. Mai 2018 at 14:46 —

    Haye hat alles richtig gemacht, die Kohle ist auf dem Konto und somit kann er als Millionär schön die Füße hochlegen. War ihm wahrscheinlich auch ziemlich egal ob er gewinnt oder nicht Hauptsache die Kasse klingelt.

    • 7. Mai 2018 at 16:01 —

      alles richtig gemacht? wärst du einer von denjenigen, die für Geld im Ring beim ersten Streischuss umkippen würden, weil die Kohle stimmt? Wenn man nicht gewinnen will, hat man im Ring nichts verloren. Hayes Leistung war beschissen.Er wurde verprügelt. Wie kann man da alles richtig gemacht haben?

  7. 7. Mai 2018 at 20:50 —

    Mit fast 40 Jahren weiß er selbst das Schluß ist, also nochmal Kasse machen und Ende… Siehe Abraham

    • 7. Mai 2018 at 23:01 —

      Da ist das Stichwort…ein WM-Entscheidungskampf zwischen Haye und der alten Doppeldeckung!!

  8. 7. Mai 2018 at 21:02 —

    Schade das vom alten haye nix geblieben ist ,wie schon mehrfach erwähnt waren seine Waffen schon immer Schnelligkeit,sowie gute Reflexe davon ist leider nix mehr übrig ,Er soll zurück treten und seinen Namen nicht noch mehr in dreck ziehen

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