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Das Phänomen Jake Paul

Das Phänomen Jake Paul

Nachdem YouTuber Jake Paul auf der Undercard von „Mike Tyson vs Roy Jones jr“ seinen Kampf gegen den ehemaligen NBA-Star Nate Robinson durch Knockout gewonnen hat, hat die Euphorie seiner Fans keine Grenzen mehr. Der 36-jährige Nate Robinson, der Jake Paul im Ring gegenüberstand, ist zwar 13 Jahre älter als Paul und hat erst im August angefangen, zu trainieren, dem scheinen aber weder seine Fans, noch Jake Paul selber irgendeine Bedeutung zuzumessen.

Schon vor dem Kampf gegen Robinson war Jake Paul in die Kritik geraten, als Videos an die Öffentlichkeit gelangten, in denen er Sparringsgegner niederschlägt.

Unter anderem hatte sich der frühere UFC- und jetzige Bellator-Kämpfer Gerald Harris zu Wort gemeldet.

Ungeachtet dessen scheint Jake Paul seine boxerische Karriere weiter vorantreiben zu wollen: „Ich habe mir im vergangenen Jahr den Arsch aufgerissen. Ich nehme das ernst. Es gibt eine lange Liste von Gegnern, die ich (boxen) möchte, wie Conor McGregor und Dillon Danis. Ich möchte beide ausknocken. Ich liebe das Boxen!“

Bislang könnte man allerdings durchaus den Eindruck bekommen, dass Paul vor allem das Gewinnen im Boxring liebt. Jetzt wäre es an der Zeit für eine größere Herausforderung: einen Journeyman mit boxerischem Hintergrund.

Pauls Trainer BJ Flores geht davon aus, dass sein Schützling durchaus Potenzial hat: „Wir haben Monate mit Technik verbracht. Jake hat eine exzellente Linke. Jake hat in den vergangenen 11 Monaten über 50 Mal mit verschiedenen Profiboxern gesparrt. Das hat seinen Box-IQ enorm erhöht und er hat gelernt, mit verschiedenen Stilen und Techniken umzugehen”, sagte Flores gegenüber „BoxingScene“: „Er war mit guten Kämpfern zusammen. Leute wie J’Leon Love, Ahmed Elbiali, Kevin Newan, Carlos Monroe und Robin Safar. (…) Er wird nächstes Jahr einige große Schritte machen.“

In seinem Kopf hat Jake Paul diese Schritte wohl schon gemacht. Nicht anders lässt sich wohl erklären, dass der 23-jährige – Kampfname: ‚The Problem Child‘ – fiktive Plakate auf seinem Instagram-Account veröffentlicht.

Quelle: jakepaul / Instagram

Trotz vieler Kritiker hat ‚The Problem Child‘ aber auch Befürworter: Mike Tyson fordert mehr Anerkennung und Respekt für die boxenden YouTuber: „Mein Ego sagt viele Dinge, aber die Wahrheit ist: das Boxen schuldet diesen Jungs etwas. (…) Man sollte ihnen Gürtel geben, weil diese Jungs das Boxen lebendig machen. Boxen war ein ziemlich aussterbender Sport. UFC hat uns in den Hintern getreten, und jetzt haben wir diese YouTube-Boxer mit 25 Millionen Views zum Boxen gebracht. Danke an die YouTube-Boxer.“

Ich gebe zu: Ich bin zwiegespalten. Und ich frage mich: Was macht für die Zuschauer den Reiz aus? Ist es der blanke Voyeurismus, der auch dazu führt, dass zum Beispiel in Russland bei einer MMA-Veranstaltung die Russin Darina Madzyuk gegen einen Kämpfer namens Grigory Chistyakov antrat, der mit 529 Pfund Kampfgewicht ins Oktagon kam?

Ist „Jake Paul vs Basketballer X oder YouTuber Y“ schlechter als „Eddie Hall vs Hafthor Björnsson“? Man muss zumindest zugeben, dass Jake Paul die Angelegenheit ernst nimmt.

Im Training erlitt ‚The Problem Child‘ noch drei Wochen vor dem Kampf am vergangenen Wochenende einen Nasenbeinbruch.

Quelle: jakepaul / Instagram

Ein Problem habe ich allerdings mit Jake Paul: solange er nur gegen „Graupen“ kämpft, kann ich ihn nicht als Profiboxer akzeptieren.

Eines hat Jake Paul allerdings erreicht: Die Boxwelt wird auf ihn aufmerksam.

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