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Danny Williams – Boxen bis zum Tod

Danny Williams – Boxen bis zum Tod

Eigentlich hatte der ‚Brixton Bomber‘ seine Handschuhe schon an den Nagel gehängt. Nach einem Kampf im September 2020 gegen Sergey Kharitonov, der bis dato als MMA-Fighter aktiv war und gegen Williams sein Debüt im Boxring gab, den der seinerzeit 47-jährige durch TKO 2 verlor, kündigte Williams seinen Rücktritt an. Und das nicht zum ersten Mal.

Doch ein gutes Jahr später stand Danny Williams erneut im Ring, „kämpfte“ in Kiew gegen den türkischen Schwergewichtler Serdar Avci und fuhr erneut eine Niederlage ein.

Auch, wenn die türkische Tageszeitung Hürriyet den Sieg von Avci feierte und schrieb, dass Danny Williams „… zuvor Mike Tyson besiegt hatte“, so muss man an dieser Stelle ergänzen, dass der Kampf gegen ‘Iron’ Mike Tyson bereits am 30. Juli 2004 ausgetragen wurde. Tyson war zu diesem Zeitpunkt im Ring nur noch ein Schatten seiner selbst, hatte 15 Monate nicht geboxt und zog sich überdies im Kampf einen Bänderriss im linken Knie zu.

Williams erklärte später in einem Interview: „Es ist verrückt. Wenn er der ‚beste Tyson‘ gewesen wäre, hätte ich keine Runde durchgehalten.“ Für Danny Williams war der Sieg über Tyson Segen und Fluch zugleich, der ‚Brixton Bomber‘ bekam die Chance, Weltmeister Vitali Klitschko herauszufordern, was ihn boxerisch auf den Boden der Tatsachen zurückholte: Williams wurde in der ersten, dritten, siebten und achten Runde zu Boden geschlagen, konnte ‚Dr. Eisenfaust‘ nie gefährlich werden und verlor durch TKO 8.

Zwar konnte sich Williams später noch den britischen Schwergewichtstitel holen, zu einem WM-Kampf reichte es allerdings nicht mehr. 2010 verlor der Boxer aus Brixton seinen BBBofC-Titel durch eine TKO 2-Niederlage gegen Dereck Chisora.

Williams verkündete daraufhin wieder einmal sein Karriereende. 10 Monate später stand Danny Williams aber wieder im Ring, als er in Bielefeld gegen den Deutschen Frank Roth boxte und den Aufbaugegner in Runde 2 ausknockte.

Seitdem ist sich Williams sozusagen treu geblieben: nach einer Rücktrittsankündigung folgt üblicherweise der nächste Kampf. Der Mythos, „Mike Tyson Bezwinger“ Williams im Ring zu sehen, lässt sich anscheinend wohl nach wie vor gut vermarkten, auch wenn Williams nur noch als „Watschenmann“ in Erscheinung tritt.

Zuletzt Ende März in Köln. Bei Boxrec ist die Begegnung nicht zu finden, der mittlerweile 48-jährige Brite traf auf den 30-jährigen Berliner Djuar El Scheich. Williams gab in der dritten Runde auf.

Nicht überall aber wird gerne gesehen, dass Danny Williams mit 48 Jahren immer noch im Ring steht. Hall of Fame-Promoter Lou DiBella zum Beispiel kann sich damit nicht anfreunden.

„Danny Williams erleidet immer wieder Hirnschäden, verursacht durch die Gefühllosigkeit von Boxblut-Händlern, ermöglicht durch skrupellose Kommissionen und unverantwortliche Regeln. Das ist die dunkle Seite unseres Sports und es ist verdammt ekelhaft.“

Vermutlich sind es Geldnöte, die den alternden Schwergewichtler immer wieder ins Seilgeviert treiben. Nach Williams` Niederlage gegen Sergey Kharitonov im September 2020 hatte das britische Heavyweight Dave Allen angeblich sogar angeboten, Williams an seinen zukünftigen Kampfbörsen zu beteiligen, wenn er die Handschuhe endgültig an den Nagel hängen würde.

Wohl ohne Erfolg, denn immer wieder kehrt Danny Williams ins Seilgeviert zurück. Ein Twitter-User schrieb als Antwort auf Lou DiBellas Kritik: „Alle, die daran beteiligt waren, Danny Williams kämpfen zu lassen, gehören ins Gefängnis. Völlig skandalös. Wenn nicht  jemand Danny vor sich selbst rettet, wird es einen Todesfall geben.“ Ein anderer empfiehlt eine Spendenaktion, um den ‚Brixton Bomber‘ zum Aufhören zu bewegen.

Eine solche „GoFundMe“-Aktion zugunsten von Williams wurde allerdings schon vor anderthalb Jahren gestartet. Das Ziel sind 100.000 Britische Pfund. Nur 1180 Pfund sind nach 18 Monaten zusammengekommen.

https://www.gofundme.com/f/danny-williams039-2-angels-so-he-never-fights-again

Die Großverdiener im britischen Boxsport sucht man in der Liste der Spender allerdings vergebens. Und so wird der ‘Brixton Bomber’ wohl auch in Zukunft immer wieder seine Gesundheit im Ring aufs Spiel setzen.

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