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Daniel Dubois Aufgabe – Kritik von britischen Boxern

Wie allseits bekannt ist, hat der britische Schwergewichtler Daniel Dubois den Kampf gegen seinen Landsmann Joe Joyce verloren. Zwei Berichte darüber sind hier und hier auf Boxen.de zu lesen. Anders als bei Boxrec eingetragen war es kein klassisches KO, sondern Dubois hat „Knie genommen“ und sich auszählen lassen. Diese Kampfaufgabe oder wie mache auch sagen „Kapitulation“, findet ein geteiltes Echo. Nicht nur beim Publikum, sondern auch bei Boxern.

Je nach Sichtweise finden es manche Leute gut und richtig einen wegen einer Verletzung aussichtslosen Kampf selbst verloren zu geben oder halten es für unehrenhaft, sich dem weiteren Kampfverlauf durch Aufgabe zu entziehen. Es ist scheinbar nicht in allen Köpfen angekommen, dass der Schutz der Gesundheit auch im Boxsport an erster Stelle stehen muss. Dazu gehört auch eine gewisse Form von “Selbstschutz” wenn schon weder der Ringrichter noch die eigene Ecke entsprechend reagieren.

Erstaunlicherweise sind es, aus welchen Gründen auch immer, andere britische Boxer, die Dubois Entscheidung mit teilweise nicht gerade schmeichelhaften Worten kritisieren. Abgesehen davon gibt es natürlich auch genügend Sofahelden, die in Daniel Dubois nun einen „Quitter“ sehen wollen.

Auf der Internetseite der dailymail werden einige Zitate von britischen Boxern veröffentlicht. Es melden sich Dillian Whyte, Carl Frampton und David Haye zu Wort:

Whyte wörtlich: “Der Mann ist hier draußen und hört mitten im Kampf auf. Sie sagten, sie wollen gegen mich kämpfen und sie wollten mich ausschalten. (…)  Wenn ich verliere, werde ich ausgeknockt.(…) Und diese Feiglinge wollen mich erwähnen.“ – Also ist es nach Whytes Meinung „feige“ einen Kampf aufzugeben?

Frampton sinngemäß: “Ich denke, er hat „gekündigt“, so brutal ehrlich muss man sein. Das Auge war geschlossen, aber man müsste mich aus dem Ring ziehen, ich würde kein Knie nehmen.“

Haye sagt es ähnlich: „Ich war unzufrieden mit der Art und Weise, wie er ein Knie nahm. Ich würde lieber verheerend KO gehen.“

Whity, Frampton und Haye stehen nur stellvertretend mit ihrer Meinung, die nicht nur einigen von Dubois Kollegen sondern auch vom Publikum vertreten wird. Ist es also „unehrenhaft“ einen Kampf aufzugeben? Hat ein Boxer, der Knie nimmt und sich auszählen lässt, einfach nur zu wenig Kampfgeist oder Kämpferherz? Auch in deutschen Fanforen war davon die Rede, dass „aus Dubois nie was wird – einmal Quitter immer Quitter“. Das ist sicher leicht gesagt, wenn man mit einer Flasche Bier in der Hand auf dem Sofa sitzt.

Dubios selber sagt von sich: ‘Er traf mich mit einem weiteren Schlag auf das Auge. Ich konnte kaum etwas sehen. Ich kann es nicht erklären. Ich bin ein harter Kerl und werde wiederkommen.“

Meine Meinung als Boxfan und Schreiber dieses Artikels: Die Vernunft hat bei Dubois gesiegt. Er hat nach dem letzten Treffer von Joyce ein paar kleine Schritte zur Seite gemacht und von sich aus den Kampf aufgegeben. Er hat auf einem Auge nichts mehr gesehen und war kampfunfähig. Die Aufgabe war logisch und ehrenvoll.

Frage an die Leser von Boxen.de: Ist es unbedingt notwendig, besser oder ehrenhafter schwer KO zu gehen, wenn man nicht mehr kampffähig ist oder ist eine Kapitulation in so einer aussichtslosen Situation akzeptabel?

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10 Kommentare

  1. 1. Dezember 2020 at 09:39 —

    In einem Rocky Film geht man die vollen Runden und sieht danach „Addriiaaann“ brüllend aus wie als wäre man von einem Zug überrollt worden. Das Drehbuch für den zweiten Teil kann man dann, um das eigentlich unmögliche Comeback aufbauen. Die Realität sieht aber leider oft anderes aus. Besser jemand, der sich schwäche eingestehen kann und sich einschätzen kann, als ein weiter im Rollstuhl.

  2. 1. Dezember 2020 at 09:47 —

    Oh man . Ich finde es traurig , dass keiner was unternommen hat.
    Sein Auge war komplett zu. er hat halt an seine Gesundheit gedacht und fertig. Außerdem hat er in meinen Augen sogar geführt zwar knapp aber er war vorne mit paar Punkten.
    Mann kann jetzt nicht sagen , dass er komplett kassiert hat.

    er ist noch 22 Jahre alt und hatte bis dahin keine Amateur Karriere und trotzdem kann er gut Boxen.

    Er wird besser zurück kommen.

    Ich Wünsche Ihm alles gute

  3. 1. Dezember 2020 at 11:04 —

    man hätte den kampf viel früher abbrechen müssen dan gäbe es diese diskussion gar nicht.

  4. 1. Dezember 2020 at 11:09 —

    Gab es auch einen Kommentar von Abdusalamov?

    Denke nicht, dass Dubois schon genug Kohle gemacht hat, um als Sportinvalide in Rente zu gehen, nachdem er sich ehrenhaft sein Auge zermatschen lassen hat…

    Einen Kampf aufzugeben, weil man davon ausgeht, nicht mehr gewinnen zu können und Angst hat, möglicherweise KO zu gehen, könnte man vllt. schon als unehrenhaft ansehen.

    Einen Kampf aufzugeben, weil man sich (trotz einigermaßen ausgeglichenen Verlaufs) eine schwere Verletzung zugegzogen hat, durch die man im weiteren Verlauf mit großer Wahrscheinlichkeit dauerhaft zum Invaliden geworden wäre, ist gesunder Menschenverstand.

    Dass eine “desaströse” Niederlage eines gefährlichen “Youngsters” für viel Schadenfreude bei der Konkurrenz sorgt, ist nichts Neues…

    Bleibt abzuwarten, wie Dubois die Verletzung und die Niederlage wegsteckt!

    • 2. Dezember 2020 at 09:21 —

      stimme dir vollig zu. wegen einer so schweren verletzung aufzugeben ist was anderes als zu glaub man wird nicht mehr gewinnen etc. es ist vielleich sogar als herausragend zu sehen dass dubois es selbst germerkt hat und nicht wie viele andere ein weiter gekämpft haben. aber vielleicht hätte sein team auch schon früher abbrechen müssen. aber es ist sowohl für den boxer als auch für das team immer eine schwere entscheidung. allein das verdient respekt!

  5. 1. Dezember 2020 at 14:11 —

    Dubois muss sich für nichts schämen warum sollte man mit 23 sein Augenlicht riskieren? Und auf die Ausagen von Whyte Frampton und Haye soll er einen Furz geben, soll er sich erstmal in Ruhe erholen und dann mal schauen ob er überhaupt weiterboxt

  6. 3. Dezember 2020 at 15:56 —

    Es ist sicher fairer aufzugeben, als auf den Kampfrichter loszugehen, weil er den Kampf zu Recht abbricht, weil er den Athleten vor schlimmeren schützen will und sich dann als Sieger feiern zu lassen.
    Klitschkos Auge sah deutlich schlimmer aus und es wurden schon Kämpfe wegen weniger abgebrochen.

  7. 3. Dezember 2020 at 19:46 —

    Tja, der Kampf ist eigentlich so gelaufen wie ich es mir im Vorfeld gedacht habe, in den Anfangsrunden Dubois druckvoll und mit den klareren und besseren Treffern……Jocye musste nur stehen bleiben und seinen Jab etablieren…..Dubois wird dann schon frustrierter und abbauen…..somit war die Aufgabe ok und ich habe meine Wette gewonnen!

    ABER,…ist er wirklich hart genug für den Sport? War er wirklich kampfunfähig? Ich kann das nicht beantworten, das kann nur Dubois!

    Aber es gibt auch andere Beispiele……Abraham vs Miranda 1…gebrochener Kiefer, alle Runden durchgeboxt, Urkal vs Tzyu…gebrochener Kiefer alle Runden durch geboxt oder vielleicht ein besseres Beispiel zum Vergleich…G.Rocchigiani hatte im EM-Kampf gegen A.Blanchard schon in der 2. Runde ein komplett zugeschwollenes Auge und hat den Kampf durch Ko in der 9. Runde noch gewonnen!

    Ich denke das was einige britische Boxer wirklich aufregt ist das Dubois, zumindest meiner Meinung nach, nach 9 Runden nach Punkten noch geführt hat!!!
    Gibt man einen Kampf auf wenn man nach Punkten führt? Schwierig zu beantworten…….

  8. 4. Dezember 2020 at 20:03 —

    Kann man geteilter Meinung sein Fuchs..
    Und da geht´s nicht darum, ob es vernünftig war abzubrechen (denn das war es mit Sicherheit..) sondern eher um das grundsätzliche Mindset..
    Aber mal abgesehen von der Frage, ob er hart genug für den Sport ist oder nicht.. Er ist mMn für die absolute Weltspitze nicht talentiert genug, was die Sache nicht besser macht..

  9. 4. Dezember 2020 at 20:24 —

    Ich bleibe dabei: Die Entscheidung aufzugeben war vollkommen richtig. DIe wenigsten von uns werden schon mal einen Augenhöhlenbruch gehabt haben, aber wenn sich das alles wacklig anfühlt und dann noch eine Nervenschädigung dazukommt die vielleicht im Auge irgendwelche Doppelbilder oder Blitze erzeugen, ist man völlig erschrocken und hat andere Sorgenm, ob man noch gewinnen kann oder nicht…
    Abgesehen davon ist doch ziemlich offensichtlich, dass Dubois wohl nicht das Ausnahmetalent ist, denn dann hätte er den Kampf anders geführt und auch dominiert.
    Und nein: Ich unterschätze Joyce nicht und sehe trotz seines vergleichsweise langsamen Speeds durchaus das Skillset und dass er schwierig zu stoppen ist, sowohl physisch als auch von der mentalen Seite. Dennoch hätte Dubois diesen Kampf bestimmen müssen und den Jab von Joyce durch Adaption während des Kampfes besser vermeiden lernen müssen, wenn er der nächste HW-Star werden wollte.
    Klar ist er noch immer jung, aber man muss jetzt erst mal sehen, wie lange er ausfällt.

    PS: Haye erzählt viel wie der Tag lang ist. Er hätte Wladimir auch sicher kurzrundig ausgeknockt, wenn er kein Problem an seinem kleinen Zeh gehabt hätte…

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