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Culcay und Zeuge feiern K.o.-Siege in Potsdam

Am Samstagabend feierte der Berliner Boxstall Agon Sports & Events eine gelungene Premiere als Veranstalter in der Potsdamer MBS Arena. Das Boxevent wurde ab 22 Uhr live vom rbb übertragen und von Kult-Trainer Ulli Wegner als Experte kommentiert.

In der Halle verfolgten 1500 Zuschauer, darunter Arthur Abraham, Kubrat Pulev und Bob Hanning (Geschäftsführer der Füchse Berlin), die acht Fights und sorgten für gute Stimmung.

Tyron Zeuge vs. Cheikh Dioum

Besonders beim Kampf von Tyron Zeuge (23-1-1, 13 K.o.) aus Berlin wurden die Sprechgesänge immer lauter: „Ha Ho He – Hertha BSC“ und „Tyron Zeuge, du bist der beste Mann!“.

Das zeigte sich dann auch im Ring über acht Runden gegen seinen Gegner Cheikh Dioum (11-3-1, 8 K.o.) aus dem Senegal. Zeuge bekam es, nach seiner überraschenden WM-Niederlage im Juli gegen Rocky Fielding, mit einem zähen Boxer auf dem Weltranglistenplatz 330 zu tun.

Bereits in der ersten Runde musste der Berliner von seinem Coach Jürgen Brähmer zurückgehalten werden, da der Supermittelgewichtler Dioum nach nur zwanzig Sekunden mit harten Schlagsalven eindeckte. Danach schaltete Zeuge einen Gang runter und boxte in guter Form kontrolliert, variabel und technisch überlegen weiter.

Der Senegalese wurde im Kampfverlauf aktiver und deutete durch seine Mimik an, dass die gegnerischen Treffer ihn nicht sonderlich beeindrucken konnten. Dennoch kassierte der 26-jährige Dioum in einem einseitigen Gefecht Treffer um Treffer und gab jede Runde ab.

Im achten und letzten Durchgang stoppte der Ringrichter das Gefecht nachdem Zeuge seinen Gegner durch einen krachenden linken Kopfhaken zum Wackeln brachte und zweimal mit der Rechten nachsetzte. Dioum lag auf dem Hosenboden und Ringrichter Oliver Brienhielt es unnötig ihn anzuzählen. Nach 2:18 Minuten konnte Zeuge einen T.K.o.-Sieg feiern. Ein gelungener Auftakt nach dem Ende der Zusammenarbeit mit dem Team Sauerland!

Auf der Pressekonferenz nach dem Duell machte Jürgen Brähmer mehr als deutlich, dass er den Kampfabbruch korrekt fand, da Dioum bereits im Vorfeld einiges einstecken musste. Das Team wusste im Vorfeld, dass ihr Gegner nicht so schnell umfallen würde und daher sollten Beinarbeit und Beweglichkeit von Zeuge gegen diesen harten, unbequemen Hund getestet werden. Zeuge zum Kampf: „Ich bin relativ zufrieden. Ich sollte nicht so schnell nach vorne rennen.“

Zwei Tage nach der Boxgala resümiert Brähmer: „Das war Werbung für den Boxsport und eine wirklich gut organisierte Veranstaltung mit einer tollen Stimmung in der Halle. Die Zusammenarbeit mit Agon Sports und den Kollegen des rbb war sehr gut.”Bei seinem Schützling sieht Brähmer noch Luft nach oben: „Ich bin grundsätzlich zufrieden mit der Leistung von Tyron. Er hat den Druck vor dem Kampf schon gemerkt. Es war der Plan möglichst die volle Distanz zu gehen. Aber er hat noch viel Potenzial. Wenn er die Geschwindigkeit und Schlagvielfalt aus dem Sparring noch konsequenter im Kampf umsetzt, dann werden wir noch viel Freude an ihm haben.”

Ob der nächste Kampf wieder in Zusammenarbeit mit Agon Sports und dem rbb stattfindet wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. Klar ist, dass die Chemie zwischen Jürgen Brähmer und Ingo Volkmann (Chef von Agon Sports) stimmt. Brähmer selbst plant noch in diesem Jahr in den Ring zurückzukehren – wahrscheinlich im Dezember als EM-Pflichtherausforderer von Robin Krasniqi.

Agon Sports

Der Unternehmer Ingo Volckmann gründete den Boxstall im Oktober 2017 und verdient sein Geld mit Hotels, lebt auf Mallorca und ist Eigentümer des Fußballclubs Atletico Baleares. Auffällig: Im Agon Team arbeiten mit Chefcoach Torsten Schmitz, Sportdirektor Hagen Döring (ehemals Team Sauerland) und Pressesprecher Heiko Mallwitz (ehemals Team Sauerland) Profis der deutschen Boxszene – und die Organisation war perfekt!

Jack Culcay vs. Rafael Bejaran

Einer der ersten Athleten, die Volckmann unter Vertrag nahm war Jack Culcay. Der Darmstädter wechselte Anfang des Jahres vom Team Sauerland zu dem Berliner Boxstall und ist das Zugpferd von Agon Sports.

So bestritt der Mittelgewichtler Jack Culcay (25-3-0, 13 K.o.) den Hauptkampf des Abends gegen Rafael Bejaran (25-3-1, 11 K.o.) in einem Vorentscheidungskampf auf einen WM-Eliminator-Fight um den vakanten IBF International Titel.

Der 32-jährige Culcay ging als Favorit in das Duell und sollte seiner Rolle gerecht werden. Trotz der Reichweitenvorteile des Hamburgers, gelang es Culcay den Fight von der Ringmitte mit seinem Jab zu dominieren. Dazu war er der technisch versiertere Boxer und verstand es nach seinen Kontern blitzschnell aus dem Mann zu gehen. Auch seine gute Doppeldeckung fiel auf, da sich Bejaran durch seine hängende Linke stetig in Gefahr brachte und unnötig Treffer kassierte.

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Der gebürtige Dominikaner vom Boxstall Boxen im Norden (Promoter Thomas Nissen) präsentierte sich in Topform und versuchte einem der besten Techniker Deutschlands das Leben schwer zu machen. Seine Arbeit zum Körper zeigte Erfolg und seine Beweglichkeit ließ Culcay verzögert in den Fight finden.

Dennoch konnte sich „Golden Jack“ die Runden meist sichern und ein vorzeitiges Ende, durch harte Kombinationen zum Kopf von Bejaran, erzwingen. Darauf warf Trainer Khoren Gevor geistesgegenwärtig zum richtigen Zeitpunkt das Handtuch, um seinen angeschlagenen Kämpfer zu schützen. Der „Karibik Tiger“ hatte sich zusätzlich einen großen Cut über dem linken Auge zugezogen. Am Ende hieß es: T.K.o.-Sieg in Runde zehn nach 1:25 Minute für Culcay, der nun auf Platz zwei bei der IBF rangiert.

Culcay auf der Pressekonferenz nach dem Fight: „Ich habe lange gebraucht, um in den Kampf zu kommen. Bejaran war ein würdiger Gegner und hat sich gut bewegt.“

Die nächste WM-Chance rückt immer näher und einen Wunschgegner hat der junge Familienvater auch schon im Visier: „Es wäre schon geil gegen Canelo zu boxen!“

Fabian Thiemke vs. Hans Christian Dulz

Fabian Thiemke könnte die Zukunft im Halbschwergewicht gehören. Erst im Mai wechselte der mehrfache Deutsche Meister und U15, U17 Europameister von den Amateuren zu den Profis. Ingo Volckmann und Hagen Döring verschafften dem jungen Boxer eine Lehrstelle und zeigten ihm Wege auf, um die sportlichen und beruflichen Ambitionen des 18-jährigen Berliners in Einklang zu bringen.

Thiemke (1-0-0, 1 K.o.) stand bei seinem Debüt nicht lange im Ring, dennoch blitze sein Talent nach nur wenigen Sekunden auf. Er feuerte schöne Gerade ab und zeigte sich wendig und abgeklärt im Ring. Mit dem linken Jab traf Thiemke den Kopf seines Gegners, setzte mit rechts nach und schlug einen linken Haken. So beendete der Agon-Boxer den Fight gegen Hans Christian Dulz (3-3-0,1 K.o.) nach nur 1:20 Minute in der ersten Runde durch Knockout.

Fazit: Top-Talent des Abends und von Aufregung keine Spur!

Björn Schicke vs. Achilles Szabó

Björn Schicke (12-0-0, 6 K.o.) aus Berlin stieg im Mittelgewicht gegen Achilles Szabó (24-20-0, 13 K.o.) in den Ring. Das Gefecht ging über sechs Runden und war sehr einseitig geprägt. Schicke brauchte etwas, um seinen Rhythmus zu finden, dominierte aber klar mit seinen harten Händen und Übersicht.

Der Ungar versuchte sein Gegenüber durch kleine Scherze zu provozieren, doch Schicke ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und lauerte auf seine K.o.-Chance. Durch einen knackigen Leberhaken schickte der Schützling von Michel Trabant seinen Kontrahenten in der letzten Runde zu Boden. Doch es gelang Szabó sich zum Schlussgong zu retten. Damit fuhr der 30-jährige Schicke einen einstimmigen und ungefährdeten Punktsieg ein (3x 60:53) und bleibt ungeschlagen.

Fotos: Freitag/ Agon Sports

Quellen: Samira Funk, JB German Sports, Wolfgang Wycisk

 

 

 

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1 Kommentar

  1. 28. September 2018 at 16:35 —

    Zeuge gewinnt gegen einen handverlesenen Gegner und auch Culcay darf sich zwar über seinen neu errungenen Titel freuen, braucht sich aber auf seine bisherigen 3 gewonnen Mittelgewichtskämpfe nichts großes einbilden, die Weltspitze spielt in einer ganz anderen Liga!

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