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Cornelius Bundrage – auch mit 47 noch im Ring

Es schien schon mehrmals so, als habe der mittlerweile 47-jährige Cornelius „K9“ Bundrage seine Handschuhe an den Nagel gehängt. Nach seinem verlorenen WM-Kampf gegen Jermall Charlo im Jahr 2015 schien Schluss zu sein. Doch weit gefehlt. Bundrage macht dabei nicht den Fehler wie viele andere alternde Boxer und trägt seine Haut bis zum bitteren Ende zu Markte. Er setzt seinen immer noch gut klingenden Namen ein und tritt bei Nachwuchsveranstaltungen als Hauptkämpfer und Zugpferd auf. Seinen nächsten Kampf bestreitet er am kommenden Samstag in Bonita Springs / Florida, wo er gegen einen Journeyman aus Milwaukee kämpfen will. Er wird dabei den Hauptkampf des Abends bestreiten, ohne sich der Gefahr auszusetzen, bei diesen Kampf zu viel zu riskieren.

Bundrage begann seine Karriere bereits 1995 in seiner Heimatstadt Detroit. In den 10 Jahren bis 2005 legte er eine Siegesserie über 21 Stationen hin, bis er zum ersten Mal geschlagen wurde. Sein Bezwinger war der bis dahin in 15 Kämpfen ungeschlagene Sechew Powell. Und genau das war einer der bemerkenswert kuriosesten Fights der Boxsportgeschichte.

Nach 22 Sekunden in Runde 1 war bereits alles vorbei. Kaum hatte der Kampf begonnen, führten Bundrage und Powell nahezu synchron einen Schlag zum Kopf des Gegners aus und Beide gingen gleichzeitig kurz zu Boden. Sie sprangen wieder auf, der Ringrichter ließ den Kampf weiter laufen. Gleich darauf landete Powell einen weiteren Kopftreffer bei Bundrage, der offenbar dessen Gleichgewichtssinn lahm legte. Bundrage stand auf und fiel danach gleich zwei Mal um. Ringrichter Dick Flaherty blieb nichts weiter übrig, als Bundrage aus dem Kampf zu nehmen. Das späte Rematch, einen IBF-WM-Kampf, bei dem sechs Jahre später Powell der Herausforderer war, gewann Bundrage einstimmig nach Punkten. Leider lässt sich der Clip aus unerklärlichen Gründen hier nicht einbetten. Aber über diesen Link sollte er auf Youtube zu sehen sein: (Klick)

Die größten Erfolge von Bundrage stellten sich relativ spät ein. Erst mit 37 Jahren und 34 Kämpfen auf der Uhr wurde Bundrage zum ersten Mal IBF-Weltmeister im Super-Weltergewicht. Er nahm 2010 als Pflichtherausforderer IBF-Champ Cory Spinks dessen Gürtel durch TKO 7 ab. Bundrage absolvierte seine erste Titelverteidigung gegen Powell, mit dem er ja noch diese eine alte Rechnung offen hatte. Es gab einen klaren Punktsieg für Bundrige. Ein Jahr später gewährte er Spinks ein Rematch, bei dem er durch TKO 5 erfolgreich war. Im Februar 2013 unterlag er gegen Ishe Smith nach Punkten und verlor den IBF-Titel. Ein Jahr danach siegte er gegen Joey Hernandez nach Punkten und boxte im Oktober 2014 erneut um „seinen“ IBF-Gürtel, der inzwischen dem Mexikaner Carlos Molina gehörte. Er schickte Molina zwei Mal auf die Bretter und siegte souverän nach Punkten. Dieser Kampf war seine letzte große Leistung. Der Gürtel gehörte wieder ihm.

Dann kam das, was irgendwann immer kommt: Ein Generationswechsel. Cornelius Bundrage war inzwischen 42 und bekam es am 12. September 2015 bei einer Veranstaltung in Mashantucket / Connecticut mit dem 25-jährigen Jermall Charlo zu tun. In den beiden ersten Runden musste Bundrage jeweils einmal zu Boden, kämpfte aber ohne sichtliche Beeinträchtigungen weiter. Charlo verschaffte sich damit allerdings Respekt und Bundrage musste sich zusehends auf Verteidigung und Schadensbegrenzung verlegen. Das gelang aber nur ansatzweise. In Runde 3 gab es wieder einen Niederschlag. Jetzt setzte Charlo nach und es dauerte nicht lange, bis Bundrage durch einen weiteren Knockdown endgültig geschlagen war. Der Generationswechsel war vollzogen. Der jetzt 30-jährige Jermall Charlo verteidigte diesen Titel drei Mal, bevor er dann ins Mittelgewicht aufstieg und beim Verband WBC Weltmeister wurde.

Nach dieser Niederlage sollte es bis Januar 2017 dauern, bis man Bundrage wieder im Ring sah. Inzwischen war er nicht untätig. Er hat eine eigene Promotionfirma gegründet und arbeitet nach wie vor seine Trainingseinheiten im (neuen) Kronk – Gym Detroit ab. Detroit ist auch die Wahlheimat von Tommy „Hitman“ Hearns, mit dem Bundrage ab und zu ein paar lockere Sparrings absolviert. Bundrage trat bisher zwei Mal als „Hauptkämpfer“ bei Nachwuchsveranstaltungen auf. Nichts anderes soll es auch am kommenden Samstag sein, wenn er mit seinen 47 Lenzen noch einmal in den Ring steigt. Er boxt weiter und fördert durch seine Auftritte den Nachwuchs. Monitäre Interessen spielen dabei nicht die Rolle, wie bei manch anderen Boxern, die jeden Kampf annehmen, weil sie in finanziellen Zwangslagen sind. So lange es ihm Spaß macht, sei es ihm gegönnt.

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2 Kommentare

  1. 3. November 2020 at 12:09 —

    Tja,…wenn man als Boxer nicht weiss was man mit zunehmenden Alter sonst machen soll bestreitet man halt Kämpfe gegen seeeeeeeeeeeeehr handverlesene Gegner…..allerdings kann man auch mal gegen Journeyman verlieren…..manchen von denen fehlt nur ein Quentchen um besser da zu stehen…könnte manchmal auch an der Einstellung liegen, denn wenn man oft verliert, ob zurecht oder nicht, gewöhnt man sich daran vielleicht!?

  2. 3. November 2020 at 13:56 —

    K9 (steht für „Canine = der Hund“) war schon immer extrem fit, ein echter Gym-Kampfhund sozusagen. Ein paar Kämpfe gegen schwächere Gegner traue ich ihm schon noch zu. Allerdings war er für seine angestammte GK, das Superwelter, mit ca. 1,68 m. schon immer extrem klein (zum Vergleich: Jermall oder auch Demetrius Andrade sind ca. 1, 83 m.), also eher Staffordshire Bullterrier als American Pitbull. Insofern kann ich M. Hagler voll beipflichten: die Gefahr, dass er sich mal von einem „langen Kerl“ einen Schwinger fängt und schwer ausgeknockt wird ist auf jeden Fall da.

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