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Christian Thun: Bei Universum passte einfach alles!

Christian Thun, der Neuzugang der Universum Box-Promotion im Interview. Der deutsch-italienische Schwergewichtler berichtet, wie er zu dem Hamburger Boxstall kam, warum er aber weiterhin in Miami leben möchte.

Wie bist du Profiboxer geworden?

Christian Thun: „2013 habe ich bei der englischen Meisterschaft geboxt und gegen Joe Joyce verloren. Dann habe ich die Möglichkeit bekommen in Italien zu boxen und eventuell die Olympia-Qualifikation mitzumachen. So bin ich umgezogen und habe beim Guanto D’Oro D‘Italia-Turnier mitgekämpft und gegen den Italiener Guido Vianello geboxt. Er war der Favorit, um Roberto Cammarelle zu ersetzen. Nach meiner Meinung habe ich den Kampf relativ unfair verloren. Mir wurden zwei Punkte abgezogen, obwohl ich in 49 Amateurkämpfen und 4 Profifights nie einen Punktabzug erhalten habe. Ich bin kein schlechter Verlierer, aber es hat mich geärgert, weil es nicht fair war. Danach habe ich daran gedacht in das Profilager zu wechseln. Davor habe ich noch ein Jahr weiter als Amateurboxer in England geboxt und begonnen mich umzuschauen.

Was hat sich dann ergeben?

Christian Thun: „Ich hatte das Glück, dass ich in das Wladimir Klitschko-Trainingslager für das Rematch gegen Tyson Fury eingeladen wurde. Das fand dann leider nicht statt. Meine Hoffnung war, dass ich im Klitschko-Camp gute Kontakte knüpfe. Zu dem Zeitpunkt hatte ich auch Angebote von MTK, damals hießen sie MGM, von Matthew Macklin, Mayweather Promotions und anderen aus England. Aber ich wollte abwarten, gut betreut werden und nicht einer von vielen sein. Später wurde ich zu Wladimir Klitschko in das Trainingslager für den Kampf gegen Anthony Joshua eingeladen.“

Wie ist das Team von Wladimir Klitschko auf dich aufmerksam geworden?

Christian Thun: „Ich kannte Tom Löffer und ich glaube, dass wir uns in England kennengelernt haben. Wir sind in Kontakt geblieben und dann hat er mich empfohlen.“

Wurdest du auch schon zum Sparring bei anderen Boxern eingeladen?

Christian Thun: „Ja, ich wurde auch von Luis Ortiz zum Sparring nach Miami eingeladen. Und ich hatte schon vor dem Klitschko-Camp mit Anthony Joshua Sparring gemacht. Auch in England mit Dereck Chisora. So wurde ich weiterempfohlen, weil ich ein freundlicher Kerl bin und nie Probleme gemacht habe. Es ist oft so, dass zu den Sparringcamps viele Boxer kommen und wieder nach Hause geschickt werden, weil sie dreckig Sparring machen oder Unsinn anstellen. Im Klitschko-Camp war wichtig, dass alle sich gut benehmen. Wir bekamen ein Regelprotokoll mit Dingen, die wir tun oder nicht tun sollten. Es war geplant, dass ich eine Woche bleibe. Wir haben nur drei- bis viermal pro Woche Sparring gemacht und meist nur zwei Runden, weil Wladimir Klitschko auch erfahrenere Boxer wie Gerald Washington und Malik Scott vor Ort hatte. An meinem letzten Sparringstag hat sich Washington die Schulter ausgekugelt und ich musste einspringen. Dann habe ich fünf Runden geboxt und eine gute Leistung gezeigt. Bernd Bönte kam nach dem Sparring zu mir und bat mich, darum eine weitere Woche zu bleiben. Das hat sich dann auf zwei weitere verdoppelt. Also habe ich das ganze Trainingslager mitgemacht und super Erfahrungen gesammelt. Am Ende habe ich mit Klitschko vielleicht 30 Runden geboxt und das als einziger Amateurboxer im Trainingslager. Dort habe ich Johann Duhaupas kennengelernt und er hat seinem Manager von mir erzählt. Dann kam der Manager Mehdi Ameur zu mir und hat viel versprochen, was üblich ist in der Boxwelt. Er hat einen professionellen Eindruck gemacht und hatte einen guten Plan und wollte mich aufbauen, um darauf einen größeren Vertrag zu bekommen.“

Wie lief es bei JSUGE, der Boxpromotion von Mehdi Ameur weiter?

Christian Thun: „Nach meinen ersten Profikämpfen hat sich sein Ziel verändert und er wollte vom Manager zum Promoter werden. Er hat viel Asche verbrannt, weil er mich für verrückte Summen irgendwo angeboten hat. Ameur hat seinen Wunsch mit der Realität vertauscht und wir haben Streit miteinander gehabt. Dann habe ich keine Kämpfe mehr bekommen, weil er immer kurz vor einem großen Deal gewesen sein soll. Ich bin 28 Jahre alt und möchte boxen und muss mich verbessern! Die letzten sechs Monate haben wir Ärger miteinander gehabt und Anwälte eingeschaltet.“

Wie bist du zu der Universum Box-Promotion in Hamburg gekommen?

Christian Thun: „Ich war irgendwann zufällig mit meinem Manager Karim Akkar in Hamburg bei Universum und ich fand Ismail Özen-Otto und Flavio super cool. Ich habe die Atmosphäre positiv empfunden und dachte: ‚Let’s go‘. Wir haben Kaffee getrunken und eine Stunde später waren wir uns einig. Das hat dann nur drei Wochen mit den Verträgen gedauert. Mein alter Vertrag ging noch bis Dezember 2020 und Universum hat sich der Sache angenommen.“

Hast du von den anderen deutschen Boxpromotions (SES, Team Sauerland, Agon Sports) auch Angebote erhalten?

Christian Thun: „Wir haben mit allen gesprochen, aber ich kam bei Universum rein und es passte. Das erste Gefühl war gut und das ist mir wichtig. Es war auch ein Geheimnis, dass ich in Deutschland etwas suchte, weil ich davor noch woanders unter Vertrag war. Und ich wollte das nicht bekannt machen. Es wäre nicht richtig gewesen zu Sauerland zu gehen, weil ich wusste, dass sie noch mit meinem alten Manager verhandelt haben.“

Dein Lebensmittelpunkt bleibt Miami?

Christian Thun: „Genau, das war auch ein Grund warum ich mich für Universum entschieden habe. Sie haben Möglichkeiten auch in Florida zu boxen und das werde ich bestimmt auch machen. Außerdem wurde allen Parteien ein faires Angebot gemacht. Meinem Manager, Trainer und auch mir, dass ich weiter in Miami wohnen und trainieren kann. Viele Promoter sagen: ‚Du musst bei uns trainieren.‘ Von Miami aus nach Ostberlin zu ziehen? Also nein. Ich habe in den letzten Jahren in Alabama bei meinem Trainer, in Barcelona, Südfrankreich und in Trainingslagern gewohnt. Mit meinem alten Manager haben wir in Andorra und Südfrankreich trainiert. Ich war zwei Jahre nur mit Koffern unterwegs und ich brauchte ein Zuhause. Das fehlte mir einfach.“

Wann bist du nach Miami gekommen?

Christian Thun: „Ich bin vor einem Jahr nach Miami gekommen, um mit Stacey McKinley ein Probetraining zu machen. Davor war ich noch im 5th Street Gym von Dino Spencer und mochte seine Trainingsphilosophie. Bei Stacey McKinley war es auch super. Dort habe mit Bermane Stiverne Sparring gemacht, aber mir war klar, dass ich mit Dino Spencer trainieren möchte.“

Wird es für dich schwerer beim deutschen Boxpublikum anzukommen, weil du im Ausland lebst?

Christian Thun: „In Deutschland wäre ich erreichbarer, aber das muss nicht besser sein. Ich bin in Miami und trainiere in einem guten Gym mit einem guten Trainer und wir haben auch Promis hier. Es kann für das deutsche Publikum interessanter sein, wenn ein verrückter Deutscher in Miami trainiert und dann nach Deutschland kommt und boxt. So kann man dem Boxpublikum auch was zeigen.“

Das ganze Interview:

Mehr Informationen zum Boxpodcast gibt es hier: http://boxpodcast.de/wordpress/

Foto: Instagram Christian Thun

Quelle: K.o. & Co

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