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Chemiepokal in Halle – Die zweifelhafte „Knock-out“ Entscheidung nach fast 50-jähriger Tradition (Teil 2)

Beitragsbild: st-pauli-boxen

Halten wir mal zwischenzeitlich fest: Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU), der Schirmherr des Chemiepokals, hat die Zuwendungen aus dem Landeshaushalt nicht gekürzt. Die Lotto-Gesellschaft hat die Mittel ebenfalls nicht gekürzt. Was will der DBV eigentlich mit solchen Märchen erreichen? Glauben die Herrschaften etwa, man durchschaut als jahrzehntelanger Chemiepokal-Fan dieses schamlose Spiel nicht?

Auch Detlef Marx, in der Vergangenheit einer der Mitorganisatoren des Chemiepokals und Vorstand des skc-tabea Halle hat seine eigene Meinung zu der DBV-Absage. Er macht auch mit einer einfachen Rechnung deutlich, wie verlogen die Behauptung des DBV ist, es gäbe in Halle keine finanzielle Absicherung des Chemiepokals mehr.

Bericht von Detlef Marx

Zum Thema: “Absage DBV 46. Chemiepokal 2019”

Der DBV hat sich in Sachen Box-Weltcup Chemiepokal wie der Kronprinz aus dem Westen im Osten – Halle (Saale) – benommen. Ohne jegliche Rücksprachen mit den Organisatoren, den jahrelangen Förderern, dem Schirmherrn oder anderen Politikern und Persönlichkeiten vor Ort wurden Förder-Anträge gestellt, die alle bisherigen Dimensionen sprengten.

So konnten sich die Entscheider keinen Reim auf das neue Budget (geschätzte 230.000€) machen und beschieden wie im Vorjahr nachfolgende Budgets: Land 50.000,-€, Lotto 30.000,-€, Stadtwerke Halle 15.000, Stadt Halle 15.000 … mit weiteren Sponsoren/Förderern wäre der DBV auf ca. 130.000-150.000€ gekommen.

Nimmt man die Eigeneinnahmen/Eigenanteile (die mindestens 15% der Gesamtsumme ausmachen müssen sowie Eintritt+VIP sowie Startgelder) dazu, müssten ca. 180.000€ Gesamtbudget zur Verfügung gestanden haben. Dies entspricht dem Budget aus 2018. Also kein Grund “Absagen zu müssen”.

Nun wollte der DBV auch zum ersten Mal offiziell das Olympische Frauen-Boxen austragen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil mit Ornella Wahner, die erste Deutsche Box-Weltmeisterin im Olympischen Faustkampf, für den SKC TABEA Halle e.V. seit 2017 offiziell startet und damit für Sachsen-Anhalt, dem traditionellen Chemiepokal-Standort, dabei sein soll.

Allein diese Tatsache trägt historischen Hintergrund, den man unter allen Umständen hätte ansprechen müssen. Sowohl der Innen- und Sport-Minister Holger Stahlknecht (seines Zeichens auch Schirmherr) hätte ebenso wie Halles OB Bernd Wiegand offene Ohren für Gespräche gehabt. Auch die Saalesparkasse hätte im 200. Jubiläumsjahr vielleicht nicht nur dem HFC geholfen … Aber was macht der DBV? … er verfasst eine Presseerklärung, wonach der “schwarze Peter” in Sachsen-Anhalt, in Halle an der Saale wohnt. Damit waren alle Möglichkeiten und Hilferufe ertränkt, die “angeklagte Seite” konnte nun nicht mehr helfen, zu Mal im Land des Kohleausstiegs die Fördertöpfe spärlicher als im Westen gefüllt sind.

Wer jedoch hinter die Kulissen schaut, muss sich fragen: Wie konnte der DBV innerhalb von 10 Tagen mit Köln einen neuen Ausrichter finden? Da muss er bereits viel früher geplant haben … und nunmehr wird dieses sportlich-finanzielle Theater offenbar. Der DBV wollte schon seit geraumer Zeit eine Verlagerung des weltbekannten Chemiepokals aus dem Osten in den Westen. Die Verhältnisse im Osten entsprechen wohl nicht so dem Charakter des West-DBV? Das wirklich scharze Schaf in der Herde wird offensichtlich!

Der Umzug aus dem Osten in den Westen hält auch im Sport weiter an. Selbst die sportlichen Gremien denken immer stärker in politischen Strukturen. Allein diese Tatsache muss nicht hinderlich sein, wenn sie neue Wege offenbart, wenn sie Bundes-, Landes- und kommunale Mittel vernetzt, wenn sie neue Dimensionen entwickelt. Doch nunmehr wurde einfach ein neuer Ort gefunden, in dessem Umfeld die Gelder einfacher (ob besser?), ausreichender und schneller in den Ring geschmissen werden können. Aber das wird der falsche Weg!

Nunmehr versuchen Fans und Anhänger des legendären Hallenser Chemiepokals einen neuen Chemiepokal aus der Taufe zu heben. Einen Chemiepokal des Nachwuchses (u21), einen Chemiepokal, der ausreichend und längerfristig finanziell abgesichert sein muss, der kreative, neue Wege im Olympischen und professionellen Boxen geht, dem die Fans trauen können, eben weil es nicht nur um den schnöden Mammon geht.

“Halle-Luja, dem neuen Chemiepokal in Halle an der Saale, der hoffentlich auch wieder die Konkurrenz belebt“. Einen prominenten Unterstützer gibt es bereits: Halles OB Bernd Wiegand: “Ich bin dabei”.“

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So weit die Meinung von Detlef Marx.

Die Idee, den Chemiepokal in Halle ohne den DBV fortzusetzen oder einen neuen Nachwuchs-Chemiepokal aus der Taufe zu heben, findet bestimmt Zuspruch. Aber das lassen wir mal so stehen.

Bereits vor Wochen berichtete Boxsportexperte Uwe Betker in 2 Artikeln auf seiner Internetseite über die Umstände für das „Aus“ des Chemiepokals in Halle (Klick) und (Klick).

Auch die Zeitung „Junge Welt“ berichtete über diese unglaubliche Story. Auf Seite 16 der Ausgabe vom 11. Februar kommen in einem Artikel von Oliver Rast Kommunalpolitiker zu Wort:

(Zitat als „Junge Welt“)

Hendrik Lange (Die Linke), MdL und Stadtratsvorsitzender von Halle, zeigt sich gegenüber jW enttäuscht: »Die Stadt Halle hat nach der Absage dem DBV ein Gesprächsangebot unterbreitet, das jedoch nicht angenommen wurde.« Weiter sagt er: »Sollte sich bewahrheiten, dass das Event in Köln unter leicht geändertem Namen stattfindet, muss analysiert werden, welche Interessen noch eine Rolle spielen.« Denn es sei schwer zu glauben, dass der DBV diesen Plan nicht schon länger hatte.

Und weiter:

Wolfgang Aldag (Grüne), MdL, sagt auf jW-Nachfrage: »Es scheint so, als hätten der DBV und allen voran Herr Kyas das Land Sachsen-Anhalt, die Förderer und Sponsoren des Chemiepokals in Halle mächtig hinters Licht geführt.« Er spricht von einem »immensen Vertrauensverlust für den DBV« und hält die angeblichen Verzögerungen bei der Fördermittelvergabe für vorgeschoben, »um den Deal mit Köln zu vertuschen«. Müller vom DBV: »Traurig, eine typische Politikerreaktion.«

Der ganze Artikel: (Klick) 

Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss: Zur „Rettung“ des Chemiepokals in Halle stand noch ein ganz anderes Angebot im Raum. Wie die Seite box-sport.de berichtet, hatte sich ungeahnte finanzielle Hilfe aus dem Profiboxen angeboten. In einen Interview von Kolumnist Wolfgang Wycisk sagt Promoter Ingo Volckmann (u.a. AGON Berlin):

Wolfgang Wycisk: Der DBV will den Chemiepokal ad Acta legen. Wäre es für Sie nicht genau die richtige Challenge, den Chemiepokal zu retten? Das Land Sachsen-Anhalt und die Stadt Halle signalisierten bereits, dass sie weitermachen wollen.  

Ingo Volckmann: Sie werden lachen! Genau das hatte ich versucht. Angeblich gab es eine Finanzierungslücke von 50.000 Euro. Ich war bereit, diese Summe zu investieren. Dann wurde mir jedoch mitgeteilt, dass es dafür zu spät sei, weil man sich anderweitig entschieden hätte.“

Soso, es ist also zu spät dafür gewesen, den Chemiepokal für Halle und Sachsen-Anhalt noch retten zu wollen. Nicht einmal die 50 000 € von Ingo Volckmann fielen ins Gewicht, weil man die Schmierenkomödie von Wegen der “fehlenden finanziellen Absicherung” und den angeblichen “bürokratischen Schwierigkeiten” auf jeden Fall durchziehen wollte. Offenbar wohl deshalb, weil der Plan, das Event von Halle nach Köln zu verschieben, schon längst beschlossene Sache war. Die Veranstaltung, die sonst traditionell im Hochsommer stattgefunden hat, wurde dann auch mal eben auf die Schnelle auf Anfang April vorverlegt. Offenbar will der DBV damit so schnell es geht unumkehrbare Tatsachen schaffen. „Basta“ und gut. Widerspruch zwecklos.

Eins ist also sonnenklar und man kann es nicht anders sagen: Der DBV stützt seine Begründung zur Absage des Chemiepokals auf Lügen. Manchmal kann man es schon etwas bedauerlich finden, dass es bei den deutschen Amateurboxern nur einen einzigen Verband gibt, dem sich die ganze Sportart auf Gedeih und Verderb zu unterwerfen hat. Es sind Zustände wie im Feudalismus. Die Barone entscheiden nach Gutsherrenart. Vielleicht wird es langsam mal Zeit für Veränderungen. 

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12 Kommentare

  1. 21. Februar 2019 at 07:25 —

    Mein Kommentar zu den beiden Beiträgen zur Absage des Chemiepokals:

    Wenn man die beiden Beiträge mit einer Schulnote bewerten würde, schlicht: Note “sechs” – setzen.

    Der unbekannte Autor hält sich überhaupt nicht mit Tatsachen auf, sondern gibt in großer Breite Unwahrheiten, gar Lügen, Halbwahrheiten wieder. Er zitiert Personen, selbsternannte “Mitorganisatoren”, die dieses entweder aus Unkenntnis oder vielleicht auch Absicht, diese verbreiten. Es fehlt die Frage und Antwort auf die Frage, was diese Personen selbst (nicht) zum Erhalt des Chemiepokals beigetragen haben.

    Ich persönlich bedauere sehr, dass die 46. Auflage des Chemiepokals nicht mehr in Halle stattfindet und habe mich in den letzten Jahren sehr intensiv damit befasst.

    Im Grunde genommen kann fast jeder Satz in den beiden Beiträgen widerlegt werden. Da aber bisher keine Einsicht aufgrund der Fakten erkennbar ist, vielleicht nur ein Zitat aus der letzten Pressemitteilung:

    „ Die Finanzierung einer derartig hochrangigen Veranstaltung muss langfristig gesichert sein. Darauf haben wir in den letzten Jahren immer wieder deutlich hingewiesen und zahlreiche Gespräche geführt. Wir haben letztlich am 04.01.2019 den Innen- und Sportminister und die Entscheidungsträger in Sachsen-Anhalt sehr deutlich auf die nicht zu kompensierenden Budgetkürzungen hingewiesen. Hierauf erfolgte bis zur Entscheidung über die Absage am 22.01.2019 keine Reaktion. Nach unseren Recherchen wurde der Bewilligungsbescheid des Landesverwaltungsamtes Sachsen-Anhalt mit der gleichzeitigen Genehmigung des vorzeitigen Maßnahme-beginns als Empfänger des Bescheids an die Stadt Halle versandt. Er sei am 22.01.2019 (am Tag unserer Absage) dort eingegangen, liegt aber bis heute dem DBV nicht vor. Dieser Bescheid ist aber zwingende Voraussetzung, um Verträge oder Vereinbarungen
    treffen zu können. Der DBV war aus der Verantwortung für die Sicherstellung seiner Finanzen gezwungen, die Veranstaltung in Halle abzusagen. Erst dann haben wir nach alternativen Lösungen gesucht.”

  2. 21. Februar 2019 at 07:29 —

    Nachtrag: Der Satz “Ich persönlich bedauere sehr, dass die 46. Auflage des Chemiepokals nicht mehr in Halle stattfindet und habe mich in den letzten Jahren sehr intensiv damit befasst.” könnte falsch interpretiert werden.”
    Deshalb richtig: “Ich persönlich bedauere sehr, dass die 46. Auflage des Chemiepokals nicht mehr in Halle stattfindet. Ich habe mich in den letzten acht Jahren sehr intensiv mit dem Erhalt befasst.”

  3. 21. Februar 2019 at 08:45 —

    Was soll der DBV Pressesprecher auch anderes sagen? Die angeführten Zitate von bekannten Personen belegen eindeutig, was der DBV für ein Spiel spielt.

    Werter Herr Dörrbecker, wenn es hier Noten zu verteilen gäbe, dann hätte sich der DVB schon lange die “6” verdient. Aber das wissen sie ja selbst am besten.

    Lügen haben kurze Beine. Hat der DBV besonders kleine?

  4. 21. Februar 2019 at 09:24 —

    ich habe mich nicht nur als Pressesprecher, sondern auch als ehemaliger Geschäftsführer geäußert, der sich im Gegensatz zu Ihnen intensiv mit dem Chemiepokal beschäftigt hat.

    Die Zitate belegen überhaupt nichts, weil die Aussagen teilweise in Unkenntnis getroffen bzw. schlicht die Unwahrheit ist.

    Da können Sie weiter behaupten oder zitieren, was Sie wollen. Weitere Äußerungen zu Ihren Beiträgen sind schlicht Zeitdiebstahl und wir befinden uns nicht im rechtsfreien Raum.

    Ihre Beiträge und vor allem Ihre Antwort sprechen für sich!!

  5. 21. Februar 2019 at 09:49 —

    Noch haben wir eine Meinungsfreiheit. Das muss sich auch ein DBV gefallen lassen.

  6. 21. Februar 2019 at 11:29 —

    Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut und Grundrecht! Dies bedeutet aber nicht, Lügen, Halbwissen und Unwahrheiten zu verbreiten. Sie bewegen sich langsam aber sicher im strafrechtlichem Bereich. Aber es geht Ihnen ja nicht um Fakten.

  7. 21. Februar 2019 at 13:10 —

    Sie sollten mal in den Spiegel sehen und nicht länger versuchen mir zu drohen.

  8. 21. Februar 2019 at 13:44 —

    Ich drohe nicht, sondern Sie belegen selbst durch Ihren eigenen Erläuterungen Ihre eigene Inkompetenz sehr deutlich.

    Ihnen ist mit Sicherheit nicht die rechtliche Konsequenz Ihres Handelns bewusst. Schauen Sie mal im Strafgesetzbuch unter z.B. den §§ 186,187 nach.

    Um es abschließend und vielleicht auch für Sie verständlich zu machen, was ich aber persönlich bezweifele, gibt es natürlich die Meinungsfreiheit.

    Sie betreiben ist eine unseriöse Meinungsmache, Verbreitung von unbewiesenen, unwahren Behauptungen usw.

    Ich kann im Gegensatz jede Aussage in den offiziellen Mitteilungen belegen!!!

  9. 21. Februar 2019 at 13:59 —

    Ihr Problem ist, dass sie keine anderen Meinungen ertragen. Ich könnte es verstehen, wenn es um eine durchgedrehte Einzelmeinung ginge. Aber schauen sie sich die Zitate, deren Urheber und deren Vielzahl an… Ihre Argumentation hinkt gewaltig. Sie bewegen sich mit Ihren Argumenten auf dünnem Eis. Jetzt versuchen Sie sogar schon, eine Drohkulisse gegen eine freie Berichterstattung aufzubauen,. Das sagt mir Alles….

    Für mich ist jetzt alles gesagt. Ich habe wichtigeres zu tun, als mich dem Thema weiter zu widmen. Wenn sie irgendwelche Probleme haben, dann wenden sie sich an die in den beiden Artikeln zitierten Personen. Das sind Ihre Ansprechpartner, falls sie der Meinung sind, es würden Unwahrheiten verbreitet … nicht ich.

  10. 21. Februar 2019 at 14:11 —

    Ich habe kein Probblem mit anderen Meinungen. Nur müssen sie schon der Wahrheit entsprechen.

    Dies tun sie nicht oder es werden, wie ausgeführt, Halbwahrheiten verbreitet. Wer sich auf dünnem Eis bewegt, ist für einen objektiven Betrachter klar.

    Und als letzte Bemerkung: Eine freie Berichterstattung bedeutet nicht, dass Unwahrheiten, Lügen usw, verbreitet werden. Hier wird wider besseres Wissen dies verbreitet.

    Es gibt eine Menge von Quellen, die die Grenzen der freien Meinungsäußerung festlegen. Und diese haben Sie eindeutig überschritten, egal was immer Sie hier erzählen wollen.

  11. 21. Februar 2019 at 14:13 —

    Nichts gegen eine freie Meinungsäußerung:

    Ihre Beiträge sind dies nicht oder es werden, wie ausgeführt, Halbwahrheiten verbreitet. Wer sich auf dünnem Eis bewegt, ist für einen objektiven Betrachter klar.

    Und als letzte Bemerkung: Eine freie Berichterstattung bedeutet nicht, dass Unwahrheiten, Lügen usw, verbreitet werden. Hier wird wider besseres Wissen dies verbreitet.

    Es gibt eine Menge von Quellen, die die Grenzen der freien Meinungsäußerung festlegen. Und diese haben Sie eindeutig überschritten, egal was immer Sie hier erzählen wollen.

  12. 21. Februar 2019 at 14:15 —

    Wer im Glashaus sitzt…

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