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Charr: „Ich fühle mich als Deutscher“

Als sich Manuel Charr im November letzten Jahres seinen großen Traum erfüllt hat und Schwergewichtsweltmeister geworden ist, gab es in den Medien nur ein Thema: Ist er Deutscher und damit Nachfolger von Max Schmeling, oder nicht?

Der „Diamond Boy“ hatte den Titel noch im Ring dem deutschen Volk gewidmet. „Und dabei bleibe ich“, sagt Charr. „Ich habe den Gürtel nach Deutschland geholt und für Deutschland gewonnen. Egal, was manche Menschen davon halten.“

Vor seiner ersten Titelverteidigung am 29. September in der Kölner LANXESS arena gegen Fres Oquendo sagt Charr: „Natürlich boxe ich unter deutscher Flagge. Das ist für mich selbstverständlich. Wie bei allen meinen Kämpfen werde ich mit deutscher und syrischer Flagge einmarschieren und es wir die deutsche Nationalhymne gespielt. Ich fühle mich als Deutscher. Daran hat sich nichts geändert und daran wird sich auch nichts ändern.“

Einen deutschen Pass hat der 33-Jährige immer noch nicht. „Aber das spielt für mich keine Rolle“, sagt Charr. „Wichtig ist, was ich im Herzen trage. Ich bin Kölner. Das zählt. Ich liebe die Menschen und ich liebe diese Stadt. Ich bin hier zu Hause, will hier alt werden und nie wieder woanders wohnen.“

Dass die Pass-Thematik nach seinem Sieg über Alexander Ustinov so einen großen Stellenwert erhielt, hat Charr geärgert. „Im Vorfeld ging es um mich und meine Geschichte“, sagt der „Diamond Boy“.

„Man darf nicht vergessen: Fünf Monate vor dem Kampf hatte ich eine Hüft-OP, habe zwei neue Hüftgelenke bekommen. Und trotzdem bin ich Weltmeister geworden. Von ganz unten nach ganz oben. Von der Straße zu den Sternen. Das alles hat plötzlich keine Rolle mehr gespielt. Es ging nur um ein Stück Papier. Das habe ich bis heute nicht verstanden.“

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Und warum hat er den Pass noch immer nicht? „Das weiß ich selber nicht so genau. Wer versteht schon die deutsche Bürokratie?“

Charrs Manager Christian Jäger klärt auf: „Wir hatten schon im vergangenen Jahr gesagt, dass Manuel in der Vergangenheit schlecht beraten wurde. Das galt nicht nur in Bezug auf den Einbürgerungsprozess, sondern leider auch bei Steuerfragen. Da ist noch ein Verfahren anhängig, das wohl als Hinderungsgrund für die Einbürgerung gilt. Wir haben erst sehr spät davon erfahren, sonst hätten wir uns gleich um alles gekümmert. Soweit ich das überblicken kann, ist es auch keine dramatische Geschichte. Nach Einschätzung unserer Juristen wird es sich in Wohlgefallen auflösen, aber es dauert eben, solche Dinge, die schon länger zurückliegen, sauber aufzuarbeiten. Wir bitten um Verständnis, dass wir nicht weiter ins Detail gehen können, weil es ein schwebendes Verfahren ist. Nur so viel: Manuel trifft in der Angelegenheit keine Schuld. Er hat sich immer auf andere verlassen. Und da sind Fehler passiert. Das ist menschlich. Wir sind sicher, dass alles geklärt wird und Manuel am Ende deutscher Staatsbürger sein wird. Viel wichtiger ist aber, dass er Weltmeister ist und bleibt. Deswegen soll er sich voll und ganz auf den Sport konzentrieren. Alles andere klären wir als Management-Team für ihn.“

Eine Sache möchte Charr aber doch noch klarstellen: „In Deutschland wird viel von Integration gesprochen. Auch von mangelnder Integrationsbereitschaft. Guckt mich an. Ich habe fast mein komplettes Leben in Deutschland verbracht, bin mit ganzem Herzen Kölner, aber darf trotzdem kein Deutscher sein. Ganz ehrlich: Ich kann Mesut Özil und seine Wut verstehen. Aber ich denke anders. Ich liebe dieses Land und ich möchte es auch weiterhin repräsentieren. Ich hoffe, die Menschen verstehen das und unterstützen mich.“

Tickets für den WM-Kampf zwischen Manuel Charr und Fres Oquendo am 29. September in der Kölner LANXESS arena gibt es unter https://www.koelnticket.de/manuel-charr-tickets/ bei Eventim und bei allen bekannten Vorverkaufsstellen. Weitere Informationen finden Sie unter http://charr-oquendo.com.

Foto: Marianne Müller

Quelle: Global Sports Management

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2 Kommentare

  1. 15. September 2018 at 18:20 —

    Ist doch völlig egal als was sich Charr fühlt, seine Herkunft lässt sich nun mal nicht verleugnen.

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