Top News

Charlo-Twins verteidigen ihre Titel – Nery wieder WBC-Champ

Die mit Abstand am besten besetzte Veranstaltung der Wochenendes fand im „Mohegan Sun Casino“, Uncasville / USA statt. Von den sieben Kämpfen am Samstag Abend ging es in fünf um WM-Titel. Ein Kampf war ein WBO Eliminator im Super-Bantamgewicht. Lediglich im Eröffnungskampf ging es „nur“ um Ruhm und Ehre.

Von den vielversprechenden Ansetzungen her waren die Erwartungen hoch geschraubt. Das weltweite Publikum wurde nicht enttäuscht. Man sah sieben packende Duelle mit -zugegeben- vorhersehbarem Ausgang. Dennoch war die Gegnerschaft nicht zum Verlieren eingekauft oder nur wegen der Börse gekommen. Die Titelträger hatten zwar weitgehend alles im Griff, sahen sich aber siegeswilligen Herausforderern gegenüber, die erst einmal bezwungen werden mussten.

Jermall Charlo hatte die schwierigste Aufgabe des Abends zu lösen. Er wollte seinen WBC-Gürtel im Mittelgewicht gegen Sergiy Derevyanchenko verteidigen. Dieses spannende Gefecht ging über volle 12 Runden. Der gebürtige Ukrainer sah die Chance seines Lebens und verlangte Charlo allerhand ab. Der Kampf war sehr eng. Rundensiege wechselten hin und her. Einige Runden waren dabei, die an sich schon eher ein Unentschieden ergaben. Charlo traf den Herausforderer in Runde 3 recht hart und brachte ihn damit ein wenig zum wackeln. Dank seiner enormen Nehmerfähigkeiten überstand Derevyanchenko diese Treffer und blieb bis zum Ende der 12. Runde „im Rennen“. Das Urteil hätte normalerweise ein hauchdünner Punktsieg für Charlo sein müssen. Vielleicht wäre auch ein Draw akzeptabel gewesen. Die Punktrichter sahen es eindeutiger und bewerteten den Kampf mit 116:112, 117:111 und 118:110 für Charlo, warum auch immer. Man kann wohl davon ausgehen, dass Charlo den Kampf in jedem Fall nach Punkten gewonnen hätte, selbst wenn er beim letzten Gong gerade noch stehen kann. Über ein 115:113 für Charlo hätte man wohl kaum diskutiert. Aber Derevyanchenko nur zwei, drei oder vier Runden zu geben, war seiner guten Leistung einfach nicht angemessen.

Der Kampf von Jermell Charlo gegen Jeison Rosario endete vorzeitig. Bei Jermell Charlo war die Überlegenheit deutlicher zu sehen als im Kampf seines Bruders. Das lag wohl eher weniger daran, dass Jermell besser wäre als Jermall, sondern an den schlechteren Nehmerfähigkeiten von Jeison Rosario. Während Derevyanchenko einige Bomben Charlos wegstecken konnte, war Roasario in den Runden eins, sechs und acht drei Mal am Boden, bevor er schließlich noch in der achten Runde durch einen schweren Körpertreffer endgültig knockdown ging. Der 25-jährige Mann aus der Dom-Rep war anschließend nicht in der Lage, alleine zu gehen und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Es wurden zahlreiche Untersuchungen und Tests mit ihm gemacht. Rosario konnte das Krankenhaus am Sonntag Morgen verlassen, von wo aus er dann die Heimreise antrat.

Für Luis Nery ging es darum, endlich wieder um einen WBC-WM-Titel boxen zu dürfen. Er wurde bereits 2017 gegen den Japaner Yamanaka im Bantamgewicht Weltmeister. Beim Rematch im Jahr 2018 kam er mit zu viel Gewicht zur Wage und verlor deswegen den Gürtel, obwohl er die Revange des Japaners mir einem klaren KO 2 Sieg vereiteln konnte.

Der Gegner von Nery war der in Kalifornien lebende Mexikaner Aaron Alameda. Beide lieferten sich einen guten Kampf, der bis zur Mitte völlig offen war. Dann kamen ein paar Runden nacheinander, die durch Nerys Kampfeswillen bestimmt waren und die er für sich verbuchen konnte, bevor Alameda in den Runden 9 und 10 noch einmal die Initiative übernahm. Den Schlusspunkt in Runde 12 setzte allerdings Nery, der mit diesem Rundengewinn „rein gefühlsmäßig“ den Kampf eigentlich recht knapp gewonnen haben sollte. Als das Urteil dann verkündet wurde, hatten die Punktrichter es wohl deutlicher für Nery gesehen, der sich mit 115:113, 116:112 und 118:110 den vakanten WBC-Titel im Super-Bantam holte. Für Alameda war es nach 25 Siegen die erste Niederlage seiner Karriere. Das wird auf seine weitere Karriere keinen großen Einfluss haben. Er hat als Verlierer in einem WM-Kampf mehr boxerisches Können gezeigt, als so mancher strahlender Sieger in anderen Fights. Man sollte sich schon mal den Namen des 27-jährigen Aaron Alameda merken. Wir werden ihn gewiss bald wieder sehen.

Die vollständigen Ergebnisse dieser Veranstaltung: (Klick)

Voriger Artikel

Boxsport Short News 27.09.2020

Nächster Artikel

Boxpodcast 260 – Großer Kampf auf kleiner Bühne: Mairis Briedis vs. Yuniel Dorticos

5 Kommentare

  1. 28. September 2020 at 12:29 —

    Guter, spannender Kampf! Bin nicht gerade ein Fan der Bros, aber ich finde schon, dass Jermall von den drei Top-MW (Jacobs, GGG, Charlo) gegen Derevyanchenko den besten Job gemacht hat und verdient gewonnen hat. Die Scores von Weisfeld bzw. Sutherland gehen zwar gar nicht, aber wenn alle jetzt mit 116:112 oder 115:113 gewertet hätten, was in meinen Augen beides völlig okay ist, hätte es schließlich auch nichts geändert.

    Schade, dass es mit der Dominanz der (Ost-)Europäer in dieser GK vorbei ist. GGG’s Prime ist vorbei, Pirog musste sich schon früh mit Rückenproblemen verabschieden, Korobov ist zwar bisweilen genial, hat aber leider auch unnötige, teilweise auch verletzungsbedingte Niderlagen einstecken müssen und für Derevyanchenko hat es halt gegen die Besten nie ganz gereicht, dito Sulecki.

    Als Fan wünscht man sich jetzt natürlich instinktiv Jermall gegen Canelo, aber ob dies wegen der unterschiedlichen TV-Ausrichter jemals zustandekommen wird, würde ich mal eher bezweifeln.

    • 28. September 2020 at 13:10 —

      Das mit den Punkten ist zwar richtig was du sagst, aber es wertet die gute Leistung von Derevyanchenko ab. Der Kampfrekord ist für die Ewigkeit und da wäre es schon besser zu wissen, dass er in diesem WM-Fight nur sehr knapp unterlegen war. Durch solche realitätsfremden Wertungen ergibt sich ein falsches Bild.

      • 28. September 2020 at 14:54 —

        Das stimmt natürlich so, wie du es sagst. Meine Aussage sollte auch nicht als Kritik an deinem gut verfasstem Bericht gemeint sein. Derevyanchenko kommt anscheinend grundsätzlich schlecht bei den US-amerikanischen Punktrichtern weg, das war schon bei Jacobs so, bei GGG ist er dann meiner Ansicht nach regelrecht beschissen worden und jetzt das. Dazu kommt halt, dass er ein ausgesprochener Spätstarter ist und fast immer die ersten drei Runden abgibt. Hätte man erst ab der vierten oder fünften Runde beim Kampf zugeschaltet, hätte man sicherlich den Eindruck eines ausgeglichenen Gefechts bekommen können.

        Insgesamt betrachtet finde ich aber eine 3:0 Entscheidung für Charlo aufgrund der physischen Vorteile schon in Ordnung, nur halt nicht in dieser Ausprägung.

  2. 28. September 2020 at 17:48 —

    Ja, so ist es. In den USA ist es auch nicht besser wie anderswo. Punkturteile fallen zu oft parteiisch “nach Nase” aus.

  3. 28. September 2020 at 18:35 —

    Ich fand die gesammte Veranstaltung, bzw. die Kämpfe sehr gut…..außer vielleicht die Ko-Niederlage von Rosario war mehr als kurios, auch in der Zeitlupe war kein wirklicher Treffer zu erkennen! Man könnte fast annehmen das Rosario mit einer guten Schauspielanlage ausgestiegen ist………..aber da es um eine Titelverteidigung ging eher unwahrscheinlich!?

Antwort schreiben