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Carlos Monzòn – Einer der besten Mittelgewichtler aller Zeiten

Im vergangenen August wäre der argentinische Boxer Carlos Roque Monzòn 75 Jahre alt geworden. Das sollte Anlass genug sein, einmal an ihn zu erinnern: Monzòn kam aus schwierigen sozialen Verhältnissen und lebte als eines von 14 Kindern mit seinen Eltern in den 1940/50er Jahren in den „Gran China Slums“ von Santa Fe / Argentinien. Monzòn erlernte das Überleben auf den Straßen seiner Stadt und war schon recht früh regelmäßig in Schwierigkeiten mit dem Gesetz verwickelt. Um ein wenig Geld zu verdienen, verkaufte er Zeitungen, versuchte sich als Schuhputzjunge oder lieferte Milch aus. Wegen einer Schlägerei in einem Bus wurde er erstmals verhaftet. Sein aggressives Verhalten war frühzeitig bekannt.

Seine „Rettung“ kam, als er mit dem Boxtraining anfing. Er wurde ein guter Amateurboxer und gewann 73 von 87 Kämpfen. Mit 20 Jahren wechselte er zu den Profis. In den darauf folgenden 2 Jahren stand er über 20x im Ring und verlor dabei nur 3 Kämpfe nach Punkten gegen erfahrenere Gegner. Das waren die einzigen Niederlagen seiner Karriere. Carlos Monzòn wurde erst argentinischer, dann Südamerika-Meister im Mittelgewicht. Er qualifizierte sich 1969 zum Herausforderer auf die Titel der Verbände WBA und WBC.

monzon-leyendaAm 7. November 1970 war es dann soweit: Carlos Monzòn trat bei seinem ersten Kampf außerhalb Südamerikas in Rom gegen den damaligen Doppelweltmeister Nino Benvenuti an. Die Italiener dachten, sie hätten mit dem „Gaucho“ leichtes Spiel. Doch sie wurden eines Besseren belehrt. Monzòn schlug den Weltmeister in Runde 12 TKO. Dieser Kampf wurde 1970 von „Ring Magazine“ zum „fight of the year“ gekrönt. Auch das Rematch ein halbes Jahr später in Monte Carlo gewann Monzòn. Diesmal schlug er Benvenuti durch TKO 3. Der Italiener beendete drauf hin seine Karriere. Danach verteidigte Monzòn seine Titel noch 15 mal. Der WBC-Titel wurde ihm zwischenzeitlich aberkannt, weil er einer Pflichtherausforderung nicht nachkam. Er konnte beide Titel 1976 wieder vereinigen. Monzòn war ein Boxer, der mit beiden Händen hart und zielgenau schlagen konnte. Er nahm seine Gegner regelrecht auseinander. Man könnte ihn aus heutiger Sicht als den „Golovkin der 70er Jahre“ bezeichnen. Nach insgesamt 100 Kämpfen beendete Carlos Monzòn 1977 im Alter von 35 Jahren seine Karriere. Seine Bilanz: 87 Siege / 59 durch KO, 3 Niederlagen, 9 Unentschieden und 1 „No Contest“.

c1da6d49120511a831215879f794015eDie Zeit, in der Monzòn als Boxer aktiv war, ist mit der heutigen kaum vergleichbar. Die Karrieren von vielen Boxern begannen im Elend und endete auf die eine oder andere Art auch da. Gewiss gab und gibt es auch viele Boxer, die es „geschafft“ haben und den Rest ihres Lebens im edlen Zwirn und gut versorgt verbrachten oder immernoch verbringen. Monzòn gehörte nicht dazu. Er versuchte sich nach dem Ende seiner Boxkarriere mehr schlecht als recht im Schauspielgeschäft. Er war mit international bekannten Größen wie Alain Delon befreundet, aber sein als Boxer erworbener Ruhm verbrauchte sich sehr schnell. Es entstanden Filme wie „The last Round“ oder “El Macho“, die allesamt keine Kassenknüller wurden. Auch das Privatleben von Monzòn lief nicht besonders gut. Er fiel immer wieder wegen Alkoholexzessen und Schlägereien auf.

Letztendlich war es dann auch der Alkohol, der ihm zum Verhängnis wurde. Er tötete im Vollrausch seine Frau und wurde deshalb 1989 zu 11 Jahren Haft verurteilt. Damit war er vollends zur tragischen Figur geworden. Zu dieser Zeit war Monzòn immernoch zumindest in seiner Heimat Argentinien beliebt und der damalige argentinische Staatspräsident Carlos Menem nannte ihn den „größten Mittelgewichtler der Welt“.

monzon SargCarlos Monzòn starb am 8. Januar 1995 im Alter von 52 Jahren. Während eines Hafturlaubs führ er mit seinem Auto mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Baum. Ob es tatsächlich ein Unfall war oder er den Wagen absichtlich an den Baum lenkte, ist bis heute sein Geheimnis, das er mit ins Grab nahm. Es gab bei seiner Beisetzung eine landesweite Anteilnahme und tausende Menschen begleiteten den gefallenen Boxhelden auf seinem letzten Weg. Staatspräsident Menem würdige ihn mit den Worten: „Er war ein großer Champion, der immer versucht hat, Argentiniens Interessen zu dienen. Wir sollten uns stets an den Sportler erinnern, an den guten Freund.“ In Argentinien nennt man den Namen des Boxers Monzòn noch heute im gleichen Atemzug mit anderen argentinischen Sporthelden wie dem Rennfahrer Fangio, dem Tennisspieler Vilas oder dem Fußballer Maradona: Argentinische Idole, die „den Himmel mit der Hand berührt“ haben. Das „Ring Magazine“ wählte den Argentinier nach Sugar Ray Robinson zum „zweitbesten Mittelgewichtler aller Zeiten“. Bereits im Jahr 1990 wurde er in die „International Boxing Hall of Fame“ aufgenommen.

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5 Kommentare

  1. 2. September 2017 at 19:19 —

    Ja, Monzon war ein guter Mittelgewichtler, vielleicht der Beste?!
    Habe mich manchmal schon gefragt wie wohl Kämpfe ausgegangen wären gegen Hagler, Duran, Golovkin oder gegen Leonard?

  2. 2. September 2017 at 19:55 —

    Interessanter Artikel..!
    Allerdings boxte Monzón auch schon lange vor seinem ersten Titelgewinn vs Benvenuti ausserhalb Argentiniens..

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