Top News

‚Canelo‘ und kein Ende …

‚Canelo‘ und kein Ende …

Etwas mehr als eine Meile vom Alamodome entfernt, ist im Jahr 1836 Davy Crockett durch den mexikanischen General Antonio Lopez de Santa Anna ums Leben gekommen. Crockett wurde zu einer amerikanischen Wild-West-Legende.

2020 schlägt hier erneut ein Mexikaner zu: im Alamodome demontiert ‚Canelo‘ Alvarez seinen Gegner Callum Smith aus Großbritannien. Der Unterlegene dürfte jedoch schwerlich das Schicksal von Davy Crockett teilen und zur Legende aufsteigen. Eher ist es Sieger Saul Alvarez, auf den dies zutrifft. Doch zum Mythos hat Alvarez sich schon lange gekrönt.

Da spielt es keine Rolle, dass Kritiker die zu kurze Vorbereitungszeit von Smith bemängeln. Auch dass Smith während des Kampfes am linken Arm eine Bizepsverletzung erlitten hat, dürfte den Ausgang der Begegnung nicht wirklich beeinträchtigt haben.

Fakt ist: Alvarez war der bessere Mann im Ring. Wie (fast) immer sozusagen. „Der Größenunterschied ist mir egal”, hat Alvarez nach dem Kampf gesagt: „Auf meine Boxerfahrung kommt es an. Ob sie (die Gegner) größer und kleiner sind, spielt keine Rolle. Meine Erfahrung gibt mir die Möglichkeit, gegen jeden zu kämpfen.“ Sein Ziel sei es, alle Titel im Super-Mittelgewicht zu vereinen, hat Alvarez noch hinzugefügt. Was bedeutet, dass er gegen den Briten Billy Joe Saunders um dessen WBO-Gürtel und gegen US-Amerikaner und IBF-Champion Caleb Plant kämpfen will.

Aber diese Idee fällt nicht überall auf fruchtbaren Boden: Ex-Weltmeister George Groves kritisiert die Gegnerwahl: „Saunders` Leistungen rechtfertigen einen Kampf gegen Canelo nicht.“ Stattdessen hält Groves Chris Eubank jr für einen würdigeren Gegenspieler.

Abzuwarten bleibt aber erst einmal, ob Alvarez den WBC-Gürtel im Supermittelgewicht gegen Pflichtherausforderer Avni Yildirim verteidigt. Das allerdings dürfte eine reine Formsache sein. Darüber hinaus bleibt fraglich, ob es zwischen 154 und 168 Pfund (wenn man vom Ausflug ins Halbschwergewicht mal absieht) tatsächlich noch Gegner gibt, die ‚Canelo‘ Alvarez gefährlich werden könnten. Insider sehen selbst Terence Crawford, Errol Spence jr und Naoya Inoue nicht auf diesem Level. Nicht, dass die drei genannten oder der jüngst geschlagene Callum Smith schlechte Boxer sind. Aber Alvarez ist einfach so gut, dass er “selbst hochrangige Gegner in Boxsäcke verwandelt” (wie Boxinsider Mike Coppinger jüngst in „The Athletic“ schrieb.)

Nur zwei Mal konnte Alvarez nicht glänzen: 2013 als 23-jähriger im Kampf gegen Floyd Mayweather und im ersten Fight gegen Gennady Golovkin im Jahr 2017. Würden beide Begegnungen heutzutage – mit einer ‚Canelo 2020‘-Version – ganz anders verlaufen? Man kann wohl davon ausgehen.

Fest steht bislang wohl nur eines: ins Cruisergewicht wird der mexikanische Boxstar nicht aufsteigen!

Voriger Artikel

Boxpocast 273 – Konnte Felix Sturm bei seinem Comeback gegen Timo Rost überzeugen?

Nächster Artikel

Oleksandr Usyk: Tyson Fury kann Anthony Joshua schlagen

12 Kommentare

  1. 21. Dezember 2020 at 16:59 —

    „Ex-Weltmeister George Groves kritisiert die Gegnerwahl: „Saunders` Leistungen rechtfertigen einen Kampf gegen Canelo nicht.“ Stattdessen hält Groves Chris Eubank jr für einen würdigeren Gegenspieler.“

    Ergibt natürlich voll Sinn, dieser Satz von Groves, schließlich hat Billie Joe Eubank vor ein paar Jahren klar besiegt. Saint George ist vielleicht ein paarmal zu hart getroffen worden, das könnte es erklären.

    Damit will ich nicht sagen, dass BJS eine Chance hat gegen Canelo. Aber er ist auf jeden Fall ein wesentlich besserer Techniker als Eubank und natürlich auch als Smith. Und gegen gute Techniker (Lara, Floyd und in den ersten Runden auch Khan) sah der Mex bisher nicht immer ganz souverän aus. Glaube, dass Saunders auf jeden Fall 3 – 4 Runden gewinnen kann und ein ordentlicher, wenn nicht sogar der beste Gegner bei 168 wäre.

    • 21. Dezember 2020 at 18:47 —

      Nun ja, die Zeit ist, Gott sei Dank, nicht stehen geblieben. Vor sechs Jahren hätte Grooves die Situation um Canelo sicherlich auch anders eingeschätzt. Aber jetzt?

      Mayweather ist 7 Jahre und 13 Kämpfe her.
      Lara ist 6 Jahre und 11 Kämpfe her.
      Kahn ist 4 Jahre und 8 Kämpfe her.

      Und das BJS Eubank jr. besiegt hat, ist mittlerweile ebenfalls 6 Jahre her.

      Canelo ist bekannt für seine Lernfähigkeit und BJS ist bekannt für seine nicht vorhanden Schlagstärke, was für Alvarez die Türen noch weiter öffnen wird, als gegen Smith. Chris Eubank jr. hatte seinen besseren und wertvolleren Siege nach Saunders. Zudem hat Eubank jr. wesentlich mehr Power.

      Ich stimme Groves da schon zu, dass Eubank jr. der schwierigere Gegner für Alvarez wäre, als Saunders!

  2. 21. Dezember 2020 at 19:26 —

    Eigentlich kann man das Ganze abkürzen, es gibt momentan niemanden der Canelo schlagen kann, außer die jüngere Version von GGG, aber er ist nunmal nicht mehr auf dem Zenit. Was bringt es zu philosophieren ob Beterbiev ihn schlagen kann, kann er vielleicht, aber könnte er dass auch wenn er nicht einen Kopf größer wäre und 15 Kilo schwerer? Warum sollte Canelo in Gewichtsklassen kämpfen die offensichtlich über seiner natürlichen ist, nur um zu beweisen dass er P4P der beste ist? Das ist doch nicht fair, er ist im Mittel sowie im SM der beste! Von Mayweather hat auch nie jemand verlangt im halbschwer sich zu beweisen. Solche Ausnahmeathleten gab es doch immer mal und sie waren in ihrer Zeit auf ihrem Zenit einfach nicht zu schlagen. Calzaghe, Tyson mit Gus als Trainer und und. Jetzt ist ist halt Canelos Zeit, und er wird sich in den Geschichtsbüchern verewigen.

    • 22. Dezember 2020 at 07:38 —

      Kann man so unterschreiben!

    • 22. Dezember 2020 at 08:58 —

      Was bringt es zu philosophieren ob Beterbiev ihn schlagen kann, kann er vielleicht, aber könnte er dass auch wenn er nicht einen Kopf größer wäre und 15 Kilo schwerer? Warum sollte Canelo in Gewichtsklassen kämpfen die offensichtlich über seiner natürlichen ist, nur um zu beweisen dass er P4P der beste ist?
      –––––––––––––––
      @ Sachse – Canelo hat gegen Kovalev gekämpft, von dem er behauptet hat, er sei der Stärkste bei 175. Warum kann er dann nicht gegen Beterbiev, der ja dann offensichtlich der zweit- oder drittstärkste ist, kämpfen?

      Glaubst du, Beterbiev gegen Canelo wäre ein unfairer Kampf und warum?

      • 22. Dezember 2020 at 09:53 —

        Canelo hat gegen Kovalev gekämpft, von dem er behauptet hat, er sei der Stärkste bei 175.

        Was hätte er und sein Promoter denn sagen sollen? Wir nehmen kovalev weil die anderen zu stark sind? Kovalev hatte den größten Namen und ließ sich dadurch als stärkster Gegner bei der breiten Masse vermarkten. Insider wissen das Beterbiev der gefährlicher gewesen wäre und das weiß auch Canelo, jedoch ist er weitestgehend unbekannt in US.

        Glaubst du, Beterbiev gegen Canelo wäre ein unfairer Kampf und warum?

        Ob es unfair wäre weiß ich nicht, da zumindest am Tag der Waage beide im Limit liegen. Wäre es unfair wenn Beterbiev mit 91 Kilo, die sicherlich schafft, im Schwergewicht anzutreten? Ich denke das rein von der Größe her, Canelo eigentlich ein Mittel-Gewicht ist und dank seiner Fähigkeiten auch SM bestens klar kommt. Das Halbschwer ist einfach nichts für seine körperlichen Voraussetzungen wie ich finde. Ich denke Beterbiev würde anders als die ebenfalls großen Smith und Kovalev nicht im Rückwärtsgang versuchen Canelo auszuboxen, er würde mit seiner Physis nach vorn gehen und Canelo in den Rückwärtsgang drängen ähnlich wie es auch GGG im ersten Kampf gemacht hat nur mit dem Unterschied das nun ca. 85 Kilo mit einem guten Bums in den Schlägen, auf ihn zu kommen und nicht 75 Kilo und da hatte Canelo auch so seine Probleme und wurde hart getroffen. Ob er die Dinger von Beterbiev auch so weggesteckt hätte? Das Problem was ich im Halbschwer für ihn sehe ist, daß er da Physich einfach zuviele Nachteile hat, er kommt mit 80 Kilo in den Ring die er aufbauen muss und die ihn sicherlich nicht schneller machen und ein Beterbiev kommt mit locker 86 Kilo natürlicher Masse. Ich denke einen kovalev vor 5-7 Jahren hätte Canelo auch nicht geschlagen. Er muss wie ich finde im Halbschwer gar nichts beweisen er dominiert seine Gewichtsklasse.

        • 22. Dezember 2020 at 10:20 —

          Hmmm … gute Einschätzung, wie ich finde, bin trotzdem ein wenig anderer Meinung. Immerhin hat Canelo Kovalev ausgeknockt und nicht irgendwie auf Leben und Tod eine SD herausgequetscht. Kovalev war vielleicht über seinem Zenit, aber ein ordentlicher Gegner allemal. Canelo hat einen P4P-Anspruch, nicht „der beste bei 168“ zu sein. Das ist er zweifellos. Mayweather hat im Superfedergewicht angefangen, Paq im Halbfliegengewicht, der spätere CW-Champion Guillermo Jones hatte einen WM-Kampf im Halbmittelgewicht, bevor er die Gewichtsklassen aufstieg, Roy Jones jr … usw. DAS müssten die Masstäbe für Canelo sein und nicht Saunders oder Smith.

          Andre Ward meinte, Canelo würde deshalb so weit oben stehen, weil er seine Risiken extrem gut kalkulieren könnte. Für mich eine absolut richtige Einschätzung. „Calculated Risks“ im Gegensatz zu „Stupid Risks“ – Canelo vs. Brook oder Khan, die schwachsinnige GK-Sprünge gemacht haben und dafür bestraft wurden. Und diese Fähigkeit, das Risiko optimal zu kalkulieren, reicht ja auch für einen Privatjet, eine 90-Millionen-Yacht etc. Ein bisschen mehr „Stupid“ und einen Tacken weniger „Calculated“ würde ich mir von Canelo aber definitiv wünschen.

          Spence jr. will ja bspw. bei 160 gegen Canelo kämpfen. So etwas meine ich. Kann zwar sein, dass er es hauptsächlich will, weil er nicht gegen Crawford antreten möchte, aber trotzdem.

          • 27. Dezember 2020 at 07:53

            Hmmm … gute Einschätzung, wie ich finde, bin trotzdem ein wenig anderer Meinung.

            Und das ist auch gut so und erfrischend für jede Form der Diskussion über das Thema.

            Von Canelo wird verlangt das er, wenn er P4P der Beste sein möchte, in höheren Gewichtsklassen als seiner natürlichen, jeden eindrucksvoll besiegen muß, weil es vor ihm deine genannten Boxer auch getan haben. Finde das hat er, er war/ist Weltmeister vom Halbmittel bis zum Halbschwer, mehr haben deine genannten Boxer auch nicht erreicht außer Pac und da muß man dazu erwähnen das die Gewichtsprünge und Größenunterschiede in dein leichten Gewichtsklassen nicht so schwer in der Waagschale liegen und in der Regel die Kämpfe nicht über die Schlaghärte entschieden werden. Klar hat er sich im Halbschwer mit Kovalev vielleicht nicht den Gewichtsklassenbesten ausgesucht, aber hat Jones Jr. mit Ruiz das??? Ich kann dir auch Bespiele von Boxern nennen die nicht in Vier Klassen geboxt haben und trotzdem in ihrer Prime die Besten waren, Calzaghe zum Beispiel.
            Und dazu was Ward da von sich gibt kann man eigentlich nur sagen, kehr mal besser vor der eigen Haustür. Er hatte auch schon Sätze von sich gegeben das er sich als p4p besten sieht nach dem Super Six. Aber in wie vielen Gewichtsklassen hat er denn geboxt??? Noch dazu wie hat er geboxt??? Risikoarm, langweilig und seine besten Skills waren zu klammern und das Boxen zu verhindern und wenn einer kam der gefährlich war, dann musste der Kampf in Phillie stattfinden oder eben gar nicht. Finde seine Strategie oben zu sein als Sinnbild des „Calculated Risks“.

        • 22. Dezember 2020 at 14:29 —

          Er muss wie ich finde im Halbschwer gar nichts beweisen er dominiert seine Gewichtsklasse.

          —–

          So sieht es aus und Du erklärst es auch sehr gut und ausführlich. Für Canelo gibt es da eigentlich auch nichts zu gewinnen. Er kämpft eh schon die lukrativsten Kämpfe und würde er gegen Beterbiev verlieren, stünde seine Reputation auf dem Spiel, obwohl er, wie Du gesagt hast, im Halbschwergewicht nichts zu beweisen hat.

          Würde Canelo gegen Beterbiev gewinnen, müsste Canelo auch noch Usyk besiegen, bevor man ihm das attestiert, was Du ihm bereits attestiert hast!

          Darüber hinaus wäre es auch noch dumm, sich als eingefleischter Mittelgewichtler einem Halbschwergewichtmonster wie Beterbiev zu stellen. Es gibt ja auch immer noch einen Gesundheitsaspekt, denn man nicht aus den Augen verlieren sollte!

          Canelo ist erst dreissig Jahre alt und es gibt noch einige Gegner in seinen favorisierten Gewichtsklassen, die er besiegen will und muss. Einige davon wachsen gerade noch heran und werden Canelo spätestens dann fordern, wenn er über seinen Zenit ist!

          • 22. Dezember 2020 at 15:59

            „Einige davon wachsen gerade noch heran und werden Canelo spätestens dann fordern, wenn er über seinen Zenit ist!“
            –––––––––––
            Und werden dann dasselbe zu hören bekommen wie vor einem Jahr Canelo bei Kovalev!

            „Er muss wie ich finde im Halbschwer gar nichts beweisen er dominiert seine Gewichtsklasse.“
            ––––––––––
            Also erstmal muss grundsätzlich jeder Sportler etwas beweisen und zwar immer gemessen am eigenen Anspruch. Canelos Anspruch ist nicht, eine mittelmäßig besetzte Gewichtsklasse zu dominieren, sondern hier fallen Worte wie Legacy und ATG. Da wird man in einem Atemzug genannt mit Floyd, Pacman, Lennox, RJJ und Konsorten. Und da muss er sich beweisen in „Career defining fights“. Jüngstes Beispiel: Lopez gegen Loma – das ist ein Statement. Demnächst vermutlich irgendwann: Spence gegen Crawford. AJ vs. Fury. Wo sind die von Canelo, außer GGG, wo es in meiner Wahrnehmung unentschieden steht. Und nochmal – wenn Kovalev die #1 war, warum ist dann unmöglich, gegen die # 2 zu kämpfen? Weil er mglw. verlieren könnte? Oder vielleicht, weil er sein Geld auch bequemer verdienen kann? Fandet ihr Ali gegen Foreman vom Gewichts-/Kraftverhältnis fairer als Canelo vs. Beterbiev?

          • 23. Dezember 2020 at 08:55

            Also, gerne nochmal:
            :
            Kein Sportler muss etwas beweisen!
            Und Canelo muss auch niemandem etwas beweisen!

            Sollte Canelo Lust dazu verspüren, sich gegen Beterbiev zu beweisen, dann wird er es tun. Seine Boxreputation wird aber keineswewg leiden, wenn er sich nicht gegen Beterbiev beweisen will. Der Sachse hat das etwas weiter sehr gut auf den Punkt gebracht!

      • 27. Dezember 2020 at 10:47 —

        Unfair wäre er nicht unbedingt.. allerdings mit deutlich mehr Risiko und letzendlich auch Schmerzen verbunden als Kämpfe gegen die Smith bros, Kovalev oder gar Golovkin..
        Ich würde es Canelo nicht anlasten, wenn er sich da für andere und zudem lukrativere Optionen entscheidet..

Antwort schreiben