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Brähmer und Kölling müssen sich „echten“ Gegnern stellen

Bei der Sauerland-Veranstaltung am 1. Oktober in Neubrandenburg kommt es endlich zum Showdown zwischen Jürgen Brähmer und Nathan Cleverly. Auch im zweiten Hauptkampf geht es um einen Titel. Enrico Kölling will seinen WBA Inter-Conti im Halbschwergewicht gegen Ryno Liebenberg verteidigen. Die Undercard ist recht gut durchwachsen, obwohl da nach bewährtem Sauerland-Strickmuster die voraussichtlichen Sieger und Besiegten schon bei den Ansetzungen erkennbar sind. Nur Brähmer und Kölling haben Gegner, die den Sauerland Boxern gefährlich werden können.

Der Kampf zwischen Brähmer und Cleverly war bereits 2011 und 2013 ein Thema, als Cleverly noch den WBO-Titel im Halbschwergewicht trug. Einer der Vorbesitzer war Brähmer, der damals „seinen“ Gürtel zurück haben wollte. Als Cleverly dann überraschend in einem als leichten Zwischenkampf geplanten Fight gegen Sergey Kovalev demontiert wurde, war von dem WBO-Pflichtherausforderungsrecht keine Rede mehr. Statt gegen den neuen Titelträger anzutreten, wählte das Sauerland-Team in Windeseile einen anderen Weg um Brähmer sicher zum WBA-Weltmeister zu machen.

Diesmal sind die Vorzeichen anders. Brähmer ist der reguläre WBA-Champ und Cleverly der Herausforderer. Cleverly hat sich nach seiner vernichtenden Niederlage gegen Kovalev mit mäßigem Erfolg im Cruiser versucht. Zuletzt verlor er vor einem Jahr in Chicago gegen Andrzej Fonfara nach Punkten. Es fällt schwer, sich von seiner momentanen boxerischen Leistungsfähigkeit ein Bild zu machen. Wer Cleverly schon eine Weile beobachtet, hat seine Fights gegen Karo Murat und Robin Krasniqi im Hinterkopf. Lässt Brähmer dem Briten so viel Freiraum wie diese Beiden, wird er gegen Cleverly seinen Gürtel los. Brähmer ist zwar ein guter Konterboxer, aber er darf Cleverly nicht das Heft des Handelns überlassen. Es wird darauf ankommen, von Beginn an keine Runden zu verschenken. Wird der Kampf nach Punkten entschieden, könnte es sonst womöglich eng werden für den Schweriner. Rechtsausleger Brähmer verfügt zwar über eine „mörderische“ KO-Linke zum Körper, aber nur darauf verlassen sollte er sich nicht.

Enrico Kölling steht vor einer Bewährungsprobe. Ryno Liebenberg konnte von seinen letzten 4 Kämpfen nur 3 gewinnen. Trotzdem ist der Südafrikaner nicht zu unterschätzen. Schaut man auf die bisherige Gegnerschaft Köllings, ist Liebenberg der erste Boxer, der nicht als von vorn herein als bezwingbar einzuschätzen ist. Selbst mit seinen zuletzt verlorenen Kämpfen steht Liebenberg auf Rang 32 in der BoxRec-Liste noch besser da als Kölling auf Rang 37. Solche Platzierungen ändern sich zwar auch schnell und sind nur ein Orientierungespunkt, geben aber Auskunft über die Qualität der bisherigen Gegnerschaft.

Der Berliner Kölling hat eine erstklassige boxerische Ausbildung. Woran es ihm etwas mangelt, ist die Fähigkeit einen Gegner auszuknocken. Einer KO-Quote von 27% von Kölling steht die von Liebenberg mit 60% gegenüber. Wie es mit der Kondition des an Diabetes erkrankten Kölling über 12 Runden aussieht, bleibt auch diesmal erst abzuwarten. Seit ihm bekannt ist, dass er diese Krankheit hat, kann er sich darauf einstellen. Geht dabei allerdings etwas schief, kann bei großer körperlicher Anstrengung ein Leistungsknick eintreten. Kölling boxt in jedem Kampf nicht nur gegen einen Boxer, sondern auch gegen die Diabetes.

Weiter auf der Card vertreten ist Vincent Feigenbutz, der es mit dem Argeninier Andino zu tun bekommt. Mehr als ein Zwischentest vor dem Fight gegen Mike Keta im Dezember sollte das nicht werden. Man kann gespannt sein, ob Feigenbutz auf ein schnellen KO-Sieg aus ist oder eventuell neu gewonnene boxerische Fähigkeiten an seinem Gegner austesten will.

Auch der Brite David Price wird in Neubrandenburg in den Ring steigen. Sein Gegner ist der 42-jährige kroatische Journeyman Ivica Perkovic. Die große Price-Frage ist, ob das Sauerland-Team tatsächlich darauf setzt mit dem Briten noch einen Blumentopf zu gewinnen oder ob Price nur noch im Team ist, weil sein Vertrag erfüllt werden will. Vielleicht hätte Sauerland etwas tiefer in die Tasche greifen und Francois Botha als Gegner verpflichten sollen. Der wäre für einen Kampf gegen Price bestimmt auch nach Deutschland gekommen ohne vorher trainiert zu haben. Dann hätte dieser Kampf wenigstens Unterhaltungswert und wäre ergebnisoffen.

Mit Artur Mann. Ohara Davies, Alexander Peil, Leon Bauer und Kai Havnaa treten bei diesem Event in Neubrandenburg ungeschlagene Boxer gegen machbare Gegner an. Besondere Beachtung verdient hier der 18-jährige Leon Bauer, der zuletzt in Las Vegas auf der Undercard von Pacquiao vs Bradley und Ramirez vs Abraham die Ehre des deutschen Boxsports retten konnte.

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7 Kommentare

  1. 30. September 2016 at 22:02 —

    Ob ihr die Jungs nun für gute Boxer haltet oder nicht, wenigstens gehen sie nicht voller Aufbaumittel und Koks in den Ringe wie euer Fury…

    • 30. September 2016 at 23:19 —

      Ja, gerade der schöne Photoshop-Jürgen mit seiner Frauenschläger-Vergangenheit ist natürlich der Vorzeigesportler schlechthin.
      Wenn der eigene Manager Koka-Kalle ist…

      Wann wurde Fury bei einem Kampf positiv getestet?

      • 30. September 2016 at 23:37 —

        naja gegen Christian Hammer halt auf nandrolon!

        • Du meinst genauso wie Vitali vor den Olympischen Spielen?

          • 1. Oktober 2016 at 21:55

            Nein anders, denn Vitali wurde erwischt und bestraft und hat dann seine Sperre abgesessen nicht wie fürs der dann um 5 WM Titel boxen durfte

          • 1. Oktober 2016 at 21:56

            Fürs = fury

  2. 1. Oktober 2016 at 08:57 —

    Denke Cleverly gewinnt nach Punkten….oh Mann…ich hab vergessen…der Kampf findet in Deutschland statt..nach Punkten kann er also nicht gewinnen….wenn er Brähmer aber schwer ko schlägt, kann er ein Unentschieden bekommen

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