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Bradley bezwingt Alexander: Angekündigter Super-Fight bleibt hinter den Erwartungen zurück

Devon Alexander, Don King ©Kevin Blatt/ONTHEGRiND BOXiNG.

Devon Alexander, Don King © Kevin Blatt/ONTHEGRiND BOXiNG.

Es hätte der Kampf werden sollen, der dem amerikanischen Boxen wieder Flügel verleiht: der Vereinigungskampf im Halbweltergewichts zwischen WBO-Champion Timothy Bradley (27-0, 11 K.o.’s) und WBC-Weltmeister Devon Alexander (21-1, 13 K.o.’s). Beide Boxer waren jung, ungeschlagen und mussten sich ihren Weg nach oben erst hart erarbeiten. Eine klassische amerikanische Erfolgsstory also.

Dennoch erzeugte der Fight schon im Vorfeld nicht die erhoffte Begeisterung: mit der Verlegung ins neutrale Detroit begingen die Promoter den ersten Fehler. Denn in der verschneiten, von der Wirtschaftskrise stark gebeutelten “Motor City” haben die Menschen andere Sorgen. Der Pontiac Silver Dome wurde daher von 90.000 auf 10.000 Plätze “heruntergeregelt”, wobei auch noch zahlreiche Tickets verschenkt wurden.

Auch der Kampf selbst blieb hinter den Erwartungen zurück: beide Boxer neutralisierten sich auf Grund ihrer hervorragenden technischen Fähigkeiten großteils, Timothy Bradley schien aber den Erfolg mehr zu wollen. Alexander kreiste zumeist nur um Bradley, um den stets nach vorne marschierenden “Desert Storm” abzukontern. Die ersten zwei Runden waren ausgeglichen, in der dritten Runde, die Bradley zu gehören schien, kam es schließlich zu einem, wie sich später herausstellen sollte, kampfentscheidenden unabsichtlichen Kopfstoß: beide Männer bewegten sich im Clinch nach vorne, dabei platzte bei Alexander über dem rechten Auge ein relativ schlimmes Cut auf.

Alexanders Cutman schien die Wunde aber wieder unter Kontrolle gebracht zu haben, und Alexander schien nach einer guten fünften Runde wieder im Gefecht drinnen zu sein. Auffällig war aber, dass die Aggression zumeist von Bradley ausging und er auch der einzige war, der Serien schlug. Die sechste Runde ging auf Grund der klareren Treffer wieder an Bradley, in der siebenten Runde boxte der WBO-Champion aber zu passiv und schien die Runde abgegeben zu haben.

Nach sieben Runden war die Bilanz sehr ausgeglichen, Bradley führte auf Harold Ledermans inoffiziellem Punktzettel mit einer Runde Vorsprung, beide hatten zu diesem Zeitpunkt gleich viele Treffer ins Ziel gebracht. In der achten Runde krachten beide Boxer zwei Mal mit den Köpfen zusammen, ein häufiges Problem, wenn Rechts- gegen Normalausleger boxen. Am Ende der Runde kam Bradley mit einer guten Rechten durch, die ihm die Runde gesichert haben dürfte.

Die neunte Runde war erneut bei Bradley, der Alexander zunehmend den Kampf aufzuzwingen schien. In der zehnten Runde gab es einen weiteren Zusammenstoß der Köpfe, allerdings auf Alexanders rechter Gesichtshälfte. Alexander drehte sich unter Schmerzensschreien ab und klagte über ein Brennen in beiden Augen. Von außen gesehen schienen die Verletzungen nicht dermaßen gravierend zu sein, dem Ringarzt blieb aber nichts anderes übrig, als den Kampf für beendet zu erklären.

Es ging also zu den Punktzetteln, wobei auch die angebrochene zehnte Runde gewertet wurde. Das Urteil der drei Punktrichter deckte sich in etwa mit jenem Ledermans. Es lautete 97-93, 96-95 und 98-93 zugunsten von Timothy Bradley.

“Devon Alexander ist ein toller Fighter. Ich hätte nicht gedacht, dass der Kampf so endet”, meinte Bradley im Ringinterview mit Larry Merchant. “Wir kamen beide gleichzeitig mit den Köpfen rein, als wir versucht haben, unsere Schläge unterzubringen. Wenn man Alexander Zeit zum Nachdenken gibt, dann boxt er dich gnadenlos aus. Ich musste zum Körper schlagen, nahe rangehen und die Action forcieren. Auf meiner Liste ist nun wahrscheinlich Khan ganz oben, ich will, dass die Fans sich meinen nächsten Gegner aussuchen.”

Devon Alexander: “Ich konnte echt nichts mehr sehen. Es hat gebrannt. Ich habe noch nie so viele Kopfstöße abbekommen. Er kam immer wieder mit seinem Kopf rein, ich habe sechs Kopfstöße gezählt. Das soll aber keine Ausrede sein.” Auf einen möglichen Kampf gegen Amir Khan oder Marcos Maidana angesprochen, meinte Alexander: “Es gibt eine Rematch-Klausel, ich kämpfe als nächstes gegen Timothy Bradley.”

Der Gedanke an ein mögliches Rematch wird aber wohl nur bei wenigen Fans Begeisterung hervorrufen, denn im Vergleich zum Feuerwerk zwischen Amir Khan und Marcos Maidana war das heute nur ein laues Lüftchen. Larry Merchant sah das in seiner Analyse genauso: “Es gibt keinen Grund, warum wir diesen Kampf noch einmal sehen sollten, zumindest fürs Erste. Zwei, fünf oder acht Kämpfe später – wer weiß? Mir gefällt an Bradley, dass er gegen Khan oder Maidana kämpfen will, da er weiß, dass ein Kampf gegen Pacquiao nicht realistisch ist. In Amerika sucht man nach dem nächsten amerikanischen Superstar. Es gibt eine Lücke, die es zu schließen gilt. Das heute hat die Lücke nicht gefüllt, für einen Fighter war es aber ein Schritt in die richtige Richtung.”

© adrivo Sportpresse GmbH

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4 Kommentare

  1. Saul
    30. Januar 2011 at 14:32 —

    gut das ich den kampf nich geguckt habe. war mir doch zu spät für solch unbekannte boxer.

  2. Danny
    31. Januar 2011 at 02:48 —

    unbekannte boxer?? also davon kann wirklich keine Rede sein ^^

  3. Boxfanatiker89
    31. Januar 2011 at 16:59 —

    @danny ja das stimmt aber es war ein langweiliger kampf

  4. Danny
    1. Februar 2011 at 14:41 —

    @Boxfanatiker89

    ja der Kampf war langweilig da geb ich dir recht

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