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Boxsport: Short-News in Corona-Zeiten

Beitragsgrafik: Adam Nieścioruk

Auch das Boxen kommt nur langsam wieder zurück in den halbwegs normalen Veranstaltungskalender. Vorerst soll es nur Boxsport-Events ohne Zuschauer, also sog. „Geisterkämpfe“ geben. Am kommenden Samstag findet eine solche Veranstaltung hinter den für Live-Publikum verschlossenen Türen in der Dom-Rep statt, bei der u.a. zwei vakante WBA Fedelatin Titel ausgeboxt werden sollen. Ansonsten gibt es für das Pfingstwochenende keine weiteren BoxRec-Einträge. Eine schon für den 23. Mai vorgesehene Veranstaltung von Roy Jones jr in Mexiko wurde erst um eine Woche auf diesen Samstag verschoben und nun auf den 6.Juni verlegt. Dabei soll IBF-Ex-Champ Carlos Molina der Hauptkämpfer sein.

Roy Jones jr macht derweil anderweitig von sich reden. Der mehrfache Weltmeister in 4 Gewichtsklassen und absolute Superstar vergangener Tage springt zumindest erst einmal medial auf den Ü 50 Comeback-Trend auf und kommt als Gegner für Mike Tyson oder Evander Holyfield in Frage. Damit ist er einer von vielen Boxern, die genau das gerade wollen: Noch einmal bejubelt werden im Rampenlicht. Das ist  wohl eher die Triebfeder, als die sportliche Leistung im Ring. Ein Kampf zwischen Jones jr und Tyson oder Holyfield wäre sicher sehenswerter und in einer gewissen Weise vielleicht auch „glorreicher“, als manch anderes Ansinnen in dieser Richtung.

Jones jr hatte vor fast 20 Jahren kein Problem damit, ins Schwergewicht aufzusteigen und gegen Ruiz WBA-Champ zu werden. Ein etwas verschwurbelt-nebeliger Bericht auf „boxingscene.com“ ohne glasklare Aussage bringt Jones jr mit Tyson und Holyfield in Verbindung. Ob das Thema Roy Jones jr eine reine Spekulation oder Jones jr der „großen Namen“ ist, gegen den Tyson tatsächlich demnächst kämpft, wird sich bald heraus stellen.

Mike Tyson vs Roy Jones jr wäre, wenn sie richtig über 12 Runden und ohne jegliche Show aufeinander losgelassen werden, auch Ü 50 ein absoluter Hammerkampf für die Boxfans in aller Welt. Wer eine andere Meinung hat, ist entweder minderjährig oder hat nicht den blassesten Schimmer vom Boxsport. PUNKT !!!

Am Freitag nach Pfingsten gibt es eine kleine Veranstaltung ohne prominente Beteiligung in Houston / Texas. Der Samstag der nächsten Woche bringt das Boxen u.a. auch zurück nach Europa. Neben zwei Veranstaltungen in Mexiko und einer in den USA wird lt. Boxrec-Eintrag auch in Österreich gekämpft. Marcos Nader und Eva Voraberger sind die Hauptkämpfer dieser Veranstaltung. Hoffen wir mal, dass es dabei bleibt. 

Während man gegenwärtig davon hört, dass Milliarden € schwere „Rettungspakete“ für angeblich systemrelevante Konzerne geschnürt werden und deren Eigentümer nicht nur ungeschoren bleiben, sondern auch weiter schamlos hunderte Millionen an Gewinn kassieren (allein über 1 Milliarde € an die Familien Klatt und Quandt (BMW) und Pieäch / Porsche (VW)) bleibt der „kleine Mann“ (oder Frau) meistens alleine gelassen. Es gibt hier und da gibt es vielleicht ein paar Corona-Hilfen, aber das dann meistens nur in Form von rückzahlungspflichtiger Kredite. Wer schon vor der Krise nicht “kreditwürdig genug” war, bekommt jetzt auch kein Darlehen von der Bank. Ganz und gar alleine gelassen fühlen sich viele Künstler und auch Sportler, die im weitesten Sinne als Freiberufler gelten. Hier ein Beispiel:

Die britische Boxerin Savannah Marshall ist eines der „Corona-Opfer“, ohne selbst von dem Virus betroffen zu sein. Sie kämpft unter der Flagge von Eddie Hearn, aber das allein ist keine Garantie dafür, gut durch die Corona-Krise zu kommen. Statt einen WM-Kampf zu machen, auf den sie sich lange vorbereitet hat, musste sie jetzt einen Job bei Lidl-GB annehmen. Auf den Kosten für ihre Kampfvorbereitung bleibt sie alleine sitzen. Marshall wollte eigentlich schon am 4. April in Australien gegen die WBO-Weltmeisterin (Halbschwergewicht) Geovana Peres kämpfen. Aus den bekannten Gründen wurde die Veranstaltung abgesagt und Marshalls Vorbereitung war „für die Katz“. Die Kosten für die Vorbereitung, Trainer, Trainingslager, Sparringspartnerinnen usw. beliefen sich auf ca. 10 000 britische Pfund, die sie aus eigener Tasche und über Sponsoren aufbringen musste. Nun ist das Geld wegen Corona im „Schornstein“. Jetzt räumt die „Lautlose Mörderin“, wie sie sich per Kampfnamen nennt, notgedrungen bei Lidl Regale ein und hofft darauf, wegen Corona dass bessere Zeiten kommen. Savannah Marshall ist dabei nur ein Beispiel von womöglich hunderten oder gar tausenden Boxen/Boxerinnen, bei denen die finanzielle Lage wegen der hochgepeitschten Corona-Krise ähnlich erbärmlich geworden ist.

Auch in Deutschland ist eine erste Veranstaltung nach der großen Corona-Flaute genehmigt. Am 12. Juni nimmt der Boxsport wieder Fahrt auf, wenn auch unter erschwerten Corona-Bedingungen. Unter strengen Auflagen durch den Berliner Senat für Inneres und Sport wurde ein AGON-Event in den Berliner Havelstudios genehmigt. Jack Culcay und Björn Schicke sind die Hauptkämpfer und wollen ihre jeweiligen Gürtel verteidigen. Vincenzo Gualtieri will um einen vakanten deutschen Meistergürtel kämpfen. Das Ganze findet nur im Beisein der Teams und den offiziellen Vertretern der Verbände, aber ohne Publikum statt. Wer die Kämpfe sehen will, kann sie sich im Livestream auf Bild.de anschauen..

Nur mal so ganz nebenbei: Wäre Tyson vs Jones jr ein Ü50 Kampf, den sehen willst?

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2 Kommentare

  1. 28. Mai 2020 at 15:46 —

    Na ja, wenn endlich mal wieder Boxveranstaltungen anlaufen würde, wäre das ja eigentlich zu begrüßen, nur ob Stimmung so ohne Publikum aufkommt sei mal dahingestellt……..

    Tja und vom Rentnerboxen halte ich so rein gar nichts.

    Sind wir doch mal ehrlich, ob nun Holyfield, Jones Jr,. Briggs oder auch Tyson, sie alle waren im Spätherbst ihrer Karrieren doch nur noch Opfer, konnten nur noch gegen sehr handverlesene Gegner gewinnen….allerdings hat das damals bei Tyson schon nicht mehr funktioniert, er wurde von D.Williams und auch von K.McBride vorgeführt..2 Boxer die er in seiner Prime vermutlich in wenigen Sekunden vernichtet hätte.
    Und dieser Tyson soll jetzt 15 Jahre später besser sein?
    Diese Sekunden-Clips von “Trainingseinheiten”, egal ob nun von Holyfield oder Tyson sagen gar nichts über ihre Fitness aus oder gar ob sie noch halbwegs gute Kämpfe bestreiten könnten.
    Rentnerboxen = Zirkusnummern!

    • 28. Mai 2020 at 19:31 —

      Naja, ich kannte das mal von meinem Kampfsport, den ich ewige Jahre ausgeübt habe. Manchmal wird man einer Sache müde, wenn sie zur Routine wird. Routine ist ein Killer für Lebensfreude und Leidenschaft.
      Eine Pause kann ein Feuer wieder entfachen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.
      Man schläft ein, wenn man nicht aufpasst.

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