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Boxsport – Rückschau auf das Wochenende (KW33)

Es lohnt sich kaum, das letzte Wochenende nach großen Boxsportereignissen abzusuchen. Das Sommerloch hat jetzt zwar so langsam sein Ende, aber das vergangene Wochenende war noch einmal typisch für die Pause, die im großen Boxgeschehen in der Sommerzeit zu verzeichnen ist: Keine „Big-Fights“, dafür einige kleinere Events mit Kämpfen, die dem Nachwuchs oder der Verbesserung der Kampfrekorde vorbehalten waren. Wenige Ausnahmen bestätigen die Regel.

Bereits am Freitag gab es einen Frauen-WM-Kampf, der in Argentinien ausgetragen wurde. Die IBF-Weltmeisterin im Fliegengewicht Leonala Paola Yudica (16-0-3) wollte ihren Gürtel gegen die Mexikanerin Isabel Millan (25(9)-5(2)-1) verteidigen. Dieses Vorhaben endete in Runde 4, als die Boxerinnen unabsichtlich mit den Köpfen zusammen stießen und die Weltmeisterin dabei einen tiefen Cut an der Stirn davon trug. Der Kampf wurde daraufhin abgebrochen und als „No-Contest“ gewertet.

Die Ereigisse der Sauerland-Veranstaltung in Ludwigshafen muss man nicht unbedingt näher beleuchten. Es war eines der typischen Sauerland-Events, bei denen ausgesuchte Gegner standesgemäß abgefertigt werden. Bei Aufbaukämpfen ist sowas durchaus legitim. Erfahrenen Boxern, die größere Ansprüche stellen und dennoch für ihren Kampfrekord schwache Gegner boxen, kann man nur bescheinigen, dass sie sich beschäftigt gehalten haben. Der einzige Kampf, der von der Ansetzung her vielleicht interessant gewesen wäre, war der zwischen Ahmand Ali (15(10)-0-1) und Arman Torosyan (19(16)-7(2)-1). Dabei ging es um den GBU-Gürtel im Super-Welter. Ahmand Ali hatte den vakanten Gürtel im Januar gegen Dennis Krieger gewonnen. Der Kampf gegen Torosyan war die erste Titelverteidigung. Offenbar war der Siegeswillen des Herausforderers doch nicht ganz so groß (117:109, 117:110 und 115:113 für Ali). Wie man nach dem Kampf hörte, will Torosyan seine Handschuhe ohnehin an den Nagel hängen und hat diesen Zahltag nur noch mitgenommen.

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Bereits bei der Durchsicht der anstehenden Veranstaltungen am Wochenende fiel eine Veranstaltung in Tschechien auf. Bei BoxRec eingetragen war ein Event in Usti. Ein Veranstalter war selbst am Freitag noch nicht vermerkt. Man konnte nur ahnen, wer „dahinter steckt“: Lukas Konecny. Die Card bestand aus 08/15 Kämpfen zwischen überwiegend schwachen Boxern und Debütanten. Für einen Moment dachte man darüber nach, was der Sinn dieses Events war und ob mit solchen Kämpfen für den Veranstalter finanziell ein „Blumentopf“ zu gewinnen ist. Die Aufklärung gab es dann heute: Der Veranstalter ist nun bei Boxrec eingetragen: Es war tatsächlich Lukas Konecny. Und man konnte nun auch die vervollständigte Fightcard sehen. Ganz oben dabei waren zwei bekannte Namen aus Deutschland. Tom Schwarz und Adam Deines. Beide hatten zuletzt Niederlagen zu verzeichnen. Offenbar hat man mit den nicht weiter beworbenen Kämpfen in Tschechien etwas Kosmetik für den Kampfrekord betreiben wollen. Die Gegnerschaft war zum verlieren eingekauft. Tom Schwarz (25(17)-1(1)-0), der in Nevada nach seinem TKO 2 gegen Tyson Fury für 6 Monate gesperrt wurde, bekam es mit dem 42-jährigen Radek Varak (6(3)-8(5)-0) zu tun. Varak ging erwartungsgemäß bereits in Runde 1 TKO. Adam Deines (18(9)-1-1), der zuletzt in Macao den IBF-Eliminator im Halbschwergewicht gegen den Chinesen Fanlong Meng nach Punkten verlor, hatte den 23-jährigen Tschechen Josef Lehr als Gegner, der mit dem sagenhaften Kampfrekord von 1-0-0 in den Ring stieg. Lehr hatte vor ein paar Wochen einen anderen Debütanten nach Punkten besiegt und erwies sich als relativ zäher Bursche. Es dauerte bis in die Mitte der 5. Runde, bis die Ecke des Tschechen das Handtuch warf.

Die „Hauptveranstaltung“ des Wochenendes, wenn man es so nennen will, gab es in Los Angeles zu sehen. Bob Arum und der mexikanische Veranstalter Fernado Beltran hatten eine recht interessante Card zusammengestellt. Im Hauptkampf ging es um den WBO-Titel im Superbantam. Titelverteidiger Emanuel Navarette (28(24)-1-0) wehrte den Angriff auf seinen Gürtel eindrucksvoll ab und bezwang den Herausforderer Francisco De Vaca aus Arizona durch TKO 3. Der bis dahin ungeschlagene De Vaca war bereits in Runde 2 am Boden und wurde in Runde 3 stehend aus dem Kampf genommen, als er im Trommelfeuer des Weltmeisters an den Seilen kaum noch Gegenwehr zeigte. Der Ref hatte nach unzähligen Kopftreffern genug gesehen und wurde seiner Verantwortung gerecht. Für Emanuel Navarette war De Veca kein wirklicher Gegner. Interessant wäre jetzt vielleicht ein Vereinigungskampf gegen seinen Landsmann Ray Vargas (WBC) oder WBA/IBF Champ Daniel Roman aus den USA, falls der am 13. September seine Titelverteidigung gegen den Usbeken Murodjon Akhmadaliev gewinnt.

Bis auf zwei Anfänger-Kämpfe war die Undercard gespickt mit guten Ansetzungen. Auffällig: Der gebürtige Kasache Janibek Alimhanuli (7(3)-0-0). Der Mittelgewichtler war als Amateur im Jahr 2013 Asien-Meister und AIBA-Weltmeister. Nach zwei ersten Profikämpfen in den Jahren 2016 und 2017 ist er seit 2018 bei Bob Arum unter Vertrag und wird gezielt aufgebaut. In Los Angeles schlug er den Kanadier Stuart McLellan (27(11)-4(2)-3) durch KO 5. McLellan war in Runde 2 und 5 am Boden und wurde dann noch in Runde 5 stehend aus dem Kampf genommen, weil keine Gegenwehr mehr kam. Janibek Alimhanuli verteidigte in diesem Kampf seinen WBC „Continental America“ und den WBO „Global“ Titel. Ob der 26-jährige an die Erfolge seiner Landleute Gennady Golovkin und Kanat Islam anknüpfen kann, bleibt noch abzuwarten.

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