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Boxsport – Rückschau auf das Wochenende (KW 39)

Über einige Kämpfe vom Wochenende haben wir bereits berichtet. Wallisch verlor, wenn man so sagen darf: „erwartungsgemäß“ gegen Yoka. Für Benavidez ist die Welt wieder in Ordnung. Er holte sich seinen Titel zurück und hätte den Kampf gegen Dirrell gewiss auch ohne dessen Cutverletzung gewonnen. Bei den Veranstaltungen, die in der Vorschau angekündigt waren, gab es keine allzu überraschenden Ergebnisse.

Der gebürtige Russe Arslanbek Makhmudov erzielte beim Kampf in seiner Wahlheimat Montreal genau den vorausgesagten leichten Erfolg. Der Mexikaner Julian Fernandez war trotz seinem optisch guten Kampfrekord kein wirklich guter Gegner für den Titelfight um den NABF-Gürtel im Schwergewicht. Vorherige Titelträger wie Oscar Rivas und Andy Ruiz jr standen da schon schwereren Kalibern gegenüber. Fernandez wurde bereits in Runde 3 abgefertigt. Er stand zum Schluss wie angenagelt an den Seilen und hat nur noch kassiert, ohne sich zu wehren. Es war richtig, dass Ringrichter Jack Woodburn ihn aus dem Kampf genommen hat. Arslanbek Makhmudov hatte keine all zu große Mühe, diesen Kampf zu gewinnen. Angeblich hält sein Team jetzt nach besseren Gegnern Ausschau, wobei Namen wie Bryant Jennings und Chris Arreola gefallen sind.

Die SES-Veranstaltung in der Stadthalle Magdeburg brachte die Ergebnisse, wie sie sich der Veranstalter vorgestellt hatte. Tom Schwarz besiegte Ilja Mencenzev auch im Rematch. Diesmal gab die Ecke des Hamburgers nach 6 Runden auf, weil Mencenzev einfach zu viele harte Schläge kassiert hatte und sich nach der 6. Runde kaum noch auf den Beinen halten konnte. In Runde 7 wäre er von Schwarz gnadenlos bearbeitet worden und womöglich schwer KO gegangen. Das blieb ihm durch die Aufgabe erspart. Auch die übrigen Kämpfe der Veranstaltung endeten mit Siegen der SES-Boxer. Schwergewichtler Peter Kadiru hatte da wohl mit dem Weißrussen Andrei Mazaník den größten Aufwand. Der Kampf ging über volle 6 Runden. Kadiru tut es zwar gut, echte Profi-Kampferfahrung zu sammeln, aber man merkt auch, dass er noch zu vorsichtig und sein „Killerinstinkt“ nicht besonders hoch ausgeprägt ist. Er scheint seine Kämpfe nach Punkten gewinnen zu wollen oder müssen, weil ihm noch die Power und die bedingungslose Entschlossenheit zu einem vorzeitigen Sieg fehlt. Er ist gerade 22 Jahre alt und hat noch genügend Zeit, sich zu entwickeln.

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In der Ankündigung nicht erwähnt, aber dennoch ganz interessant war wohl die Veranstaltung in Zgorzelec / Polen (ehemaliger Ostteil der deutschen Stadt Görlitz). Hierher hatte der kleine Verband GBC einige Titelkämpfe verlegt. Gezeigt wurde ehrliches Boxen mit Beteiligten auf Augenhöhe ohne das absehbar war, ob Gegner nur zum Verlieren eingekauft war, wie man das von manch anderer deutschen oder internationalen Veranstaltung kennt. Im Hauptkampf absolvierte der mittlerweile 44-jährige Rene Hübner (50(28)-19(6)-2) seinen 71. Kampf. Er verteidigte seinen GBC-Gürtel im Cruisergewicht gegen den 25-jährigen Ungarn Mate Kristof (11(8)-12(10)-0) und erzielte dabei einen Punktsieg. Das Bemerkenswerte bei dieser Veranstaltung war, dass der BDB die Aufsicht hatte und die Punkt- und Kampfrichter aus Deutschland angereist waren. Lediglich der Veranstalter Mariusz Karpinski war Pole, der bereits vor einem Jahr zusammen mit Matchmaker Mario Pokowietz eine Veranstaltung an gleicher Stelle auf die Beine gebracht hatte.

Ebenfalls recht interessant schien wohl auch der Kampf um die EBU-Meisterschaft im Weltergewicht zu werden. Die Begegnung zwischen Titelträger David Avanesyan und Ex-Champ Kerman Lejarraga fand in Bilbao, der Heimatstadt Lejarragas statt. Kurz die Vorgeschichte: Der Spanier hatte den Titel durch eine KO 4-Niederlage gegen den Briten Gavin verloren. Gavin hatte aber Übergewicht und bekam den Gürtel nicht. Kerman Lejarraga bekam die Chance, erneut darum zu kämpfen. Sein Gegner war David Avanesyan, der ihn durch TKO 9 besiegte. Am Samstag bekam der Spanier noch einmal die Chance, „seinen“ Gürtel zurück zu holen. Auch diesmal gelang es nicht. Avanesyan setzte den Hoffnungen des Spaniers ein jähes Ende. Er schlug Lejarraga schon in der ersten Runde zweimal zu Boden, worauf der finnische Ringrichter Anssi Perajoki den Kampf beendete. Für Kerman Lejarraga war es sicher ein Alptraum, zum dritten Mal nacheinander vor seinem heimischen Publikum „baden“ zu gehen.

Bei der Veranstaltung im Staples Center Los Angeles gab es neben Dirrell vs Benavidez noch zwei weitere Hauptkämpfe: Errol Spence jr bezwang Shawn Porter per SD (116:111, 115:112, 116:111) und erfüllte damit die Erwartungen der Mehrzahl der Boxfans. In den meisten Umfragen tippten ca. 75% auf einen Sieg von Spence und lagen damit richtig. Bei der gleichen Veranstaltung holte sich der Texaner Mario Barrios den vakanten WBA-Titel im Superleichtgewicht durch einen Punktsieg über den gebürtigen Usbeken Batyr Akhmedov.

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5 Kommentare

  1. 30. September 2019 at 08:14 —

    Spence Jr. vs Porter war ein sehr unterhaltsamer Kampf, Porter hat sich ausgezeichnet verkauft. Man konnte streckenweise erkennen, dass Spence gegen Leute mit guter Beinarbeit Probleme bekommt. Nichtsdestotrotz geht der Sieg in Ordnung, allerdings waren die Scorecards mMn viel zu eindeutig. Hatte durch den KD 1 Runde Vorsprung für Spence gewertet. Gemessen an der letzten Performance, würde Spence gegen Crawford nicht den Hauch einer Chance haben. Ich gehe soweit, dass ihn Crawford nach hinten heraus KO schlagen würde.

  2. 1. Oktober 2019 at 05:58 —

    Naja, 116:111 ist schon okay, Porter hatte seine Momente und auch ein paar Runden, aber mehr auch nicht. Der Kampf war hintenraus klarer als es zunächst mal aussah. Die Bodyshots von Spence (einige allerdings so low, dass selbst Ward neidisch wurde) haben den Unterschied ausgemacht. Porter ist halt ein Dogfighter, da nutzt es nichts, schön aussehen zu wollen, es hilft nur, dreckig zurückzufighten, und das hat Spence erfolgreich getan.

    Vielleicht ist Crawford der Beste im WW, vielleicht auch nicht. Dazu müsste er gegen die Besten kämpfen, aber er hat halt dasselbe Problem wie früher Pac, nur dass es damals wenigstens noch Marquez und Bradley bei TopRank gab. Heute gibt es niemanden mehr – der nächste Gegner (vermutlich Kavaliauskas) hat als besten Sieg Denis Ilbay. Oder war es Avanesyan? Egal, jedenfalls interessiert sich keine Sau für ihn. Spence dagegen kämpft gegen Pac oder Danny Garcia, selbstverständlich auf Fox PPV. Solange es solche Fights wie am Samstag gibt, soll es mir recht sein!

    • 1. Oktober 2019 at 07:41 —

      Das bedeutet, dass du jede “swing round” und da gab es jede Menge, Spence gegeben hast. Für meinen Geschmack ein wenig übertrieben, aber gut…. der Sieg geht in Ordnung. Richtig, da gab es durchaus jede Menge low blows, wobei Showtime auch kein Kind von Traurigkeit ist.

      Was glaubst du was Crawford mit Spence in der Verfassung angestellt hätte? The Truth sieht technisch ganz ordentlich aus, aber er schlägt ständig die gleichen Kombinationen, seine Beinarbeit ist absoluter Durchschnitt. Bud sieht sich so was max. 2 Runden an und dann würde er anfangen ihn zu demütigen. Spence ist gut, keine Frage, aber weit davon entfernt ein “elite Fighter” zu sein. Das weiß die PBC, allen voran Al Haymon. Zudem ist seine Power (wie bei Thurman) mehr als überschätzt. Ich gebe dir Recht was die TR Seite angeht, da muss sich Bob was einfallen lassen. Es wird u.a. spekuliert, dass Jose Ramirez ins Weltergewicht aufsteigt. Allerdings gibt es Hoffnung was die Zusammenarbeit zwischen ESPN und Fox angeht, Fury vs Wilder 2 ist ja bereits in Planung. Warten wir ab was passiert.

      • 1. Oktober 2019 at 13:45 —

        Ja, das mit der angesprochenen Ring-IQ Crawfords und der „Durchschnittlichkeit“ (gemessen an den Top 10 P4P) von Spence stimmt schon, aber, wie gesagt, Bud hatte eben auch noch nie einen richtig dreckigen Dogfighter wie zum Beispiel Porter. Wie würde er sich gegen einen physisch überlegegenen, ständig Druck machenden WW schlagen? Das würde mich schon interessieren, denn selbst Floyd sah bspw. im ersten Kampf gegen Maidana nicht soo brillant aus wie sonst.

        • 1. Oktober 2019 at 15:23 —

          Da wäre ich mir nicht sicher, Jeff Horn hat einen ähnlichen rough/rugged style wie Porter, wobei ich jetzt nicht behaupten möchte, er wäre qualitativ auf der gleichen Ebene. Physisch konnte er locker mit ihm mithalten, das Ergebnis ist allseits bekannt. Was viele nicht wissen, dass Bud in seiner Jugend Ringen trainiert hat. Daher sollte man sich von seiner Statur nicht täuschen lassen.

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