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Boxlegende Al Certo mit 90 gestorben

Ein Beitrag von FW

Boxlegende Al Certo mit 90 gestorben

„Er hat geredet wie ein harter Kerl, aber er hatte ein großes Herz. Er war ein großartiger Mensch, man musste ihn nur kennenlernen!“ so James Walter „Buddy“ McGirt über seinen ehemaligen Trainer Al Certo. Die Boxlegende aus New Jersey, die genauso wie Rocky Marcianos Coach Charley Goldman hätte ein Vorbild sein können für die Rolle des Trainers Mickey Goldmill in den Rocky-Filmen, ist gestorben.

Al Certo, der – auch unter seinem Geburtsnamen Al Certisimo – im Lauf der Jahrzehnte als Kämpfer, Cornerman, Manager, Trainer und Matchmaker aktiv war – starb am vergangenen Mittwoch an den Folgen eines Oberschenkelbruchs. Certo wurde am 28. September 1928 in Hoboken, New Jersey, geboren. Hebamme  war eine Frau namens Dolly Sinatra, die Mutter des damals noch unbekannten späteren Weltstars Frank Sinatra. Ob sie dem jungen Al die Liebe zur Musik in die Wiege legte? Lange, bevor das Boxen ein Thema für Certo wurde, hatte der nämlich etwas ganz anderes im Sinn: „Ich wollte nie ein Boxer werden, ich wollte tanzen!“ sagte Certo, der als Kind Gene Kelly und Fred Astaire vergötterte, einmal in einem Interview. Meine Schwester Joanne und ich, wir waren gut! Einmal  waren wir auf einer Tanzveranstaltung in Hoboken und alle Gäste  hörten auf zu tanzen und sahen uns zu. Wir waren großartig.”

1953 wurde Al unter seinem Geburtsnamen Al Certisimo Boxprofi. Innerhalb eines Jahres boxte er zehnmal und verlor davon nur einen Kampf. Dann verletzte sich der 26-jährige bei einem Unfall an der Hand und musste seine aktive Karriere beenden. Als Trainer betreute Al Certo unter anderem “Buddy” McGirt, mit dem er Weltmeistertitel im Junior- und Weltergewicht holte. Andere Kämpfer, mit denen Certo arbeitete, waren der Mittelgewichtler Mustafa Hamsho oder Schwergewichtler Andrew Golota, der im Jahr 2000 mit Mike Tyson im Ring stand.

Alle, die den Kampf gesehen haben, werden sich vermutlich daran erinnern, dass ein älterer grauhaariger Mann aus dem Team von Golota sich bemühte, seinen Boxer zum weitermachen zu bewegen und ihm den Mundschutz wieder in den Mund zu schieben: Al Certo. „Als ich versuchte, ihm den Mundschutz in den Mund zu stecken, hätte ich ihn besser in seinen Arsch geschoben!“ sagte Certo dazu später in einer Folge von HBOs Legendary Nights.

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Wenn Al Certo nicht im Boxgym war, konnte man ihn in seinem Schneidergeschäft in Secaucus finden. Über 50 Jahre war Certo dort ansässig, machte unter anderem Anzüge für Frank Sinatra, Muhammad Ali und Bobby Vinton. Robert DeNiro soll ihn dort besucht haben, als er den Film Raging Bull produzierte, ebenso wie die Schauspieler des Mafia-Thrillers Goodfellas von Martin Scorsese. Auch Al Certo war beschuldigt worden, Verbindungen zum organisierten Verbrechen zu haben, ein Beweis konnte allerdings nie erbracht werden.
„Er war ein guter Freund von Joey Giardello, Willie Pep und Jersey Joe Walcott!“ erinnert sich Al Certos Neffe, der Cutman Danny Milano: „All diese Jungs kamen in die Schneiderei und ich saß einfach da und fühlte mich wie in der Boxing Hall of Fame.“
Keine Frage: mit dem Tod des Allrounders aus New Jersey endet ein Stück Boxgeschichte.

 

Hier ein kurzes Video mit der angesprochenen Szene aus dem Kampf Golota vs Tyson

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4 Kommentare

  1. 29. Dezember 2018 at 15:44 —

    R.I.P. legend….

    Al Certo. „Als ich versuchte, ihm das Mundstück in den Mund zu stecken, hätte ich es besser in seinen Arsch geschoben!“

    hahahhhahah….alltime cla.ssic……

  2. 30. Dezember 2018 at 12:17 —

    R.I.P. Al

  3. 30. Dezember 2018 at 19:55 —

    R.I.P. Al

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