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Boxing Bonanza in Monte Carlo

Die Matchroom-Veranstaltung in Monte Carlo ging ohne wirklich herausragende Spitzenfights über die Showbühne. Sieht man von ein paar Kleinigkeiten ab, gab es auch keine besonderen Überraschungen. Die Undercard kann man getrost vernachlässigen. Hier ein paar Worte über die wichtigsten Kämpfe:

Einer der wenigen wirklich guten Boxr aus dem „Reich der Mitte“, der auf internationalem Level mithalten kann, ist der 30-jährige Rechtsausleger Fanlong Meng. Er verteidigte seinen IBF-Interconti im Halbschwergewicht gegen den Briten Frank Buglioni. In einem Kampf, bei dem der deutsche Ref Timo Habighorst als 3. Mann im Ring stand, sah man gutes Boxen. Das Ende dieses sehenswerten Kampfes kam in Runde 5, weil der Brite wegen einer Cutverletzung am rechten Augenlid vom Ref nach Abstimmung mit der Ringärzin aus dem Kampf genommen wird. Das war eine richtige Entscheidung, aber es ist bedauerlich, dass man diesen Kampf nicht bis zu einem verletzungsfreien Ende sehen konnte.

Der Brite Khalid Yafai verteidigte seinen WBA-Gürtel im Super-Fliegengewicht zum vierten mal. Der Herausforderer Israel Gonzalez war aus Mexiko angereist und stellte Yafai in der Endkosequenz vor keine all zu schwierigen Aufgaben. Es waren einige hart umkämpfte enge Runden dabei, aber mehr als 3 kann man Gonzalez eigentlich nicht geben. Das Urteil nach 12 Runden: 117:111 und 2x 116:112. Kein Anlass zur Sorge für den 29-jährigen aus Birmingham, er damit auch in seinem 25. Profikampf ungeschlagen geblieben ist. Dennoch war Yafai mit sich selbst nicht ganz zufrieden. Sein Gegner glaubte sogar bis zur Urteilsverkündung an seinen Sieg und verließ enttäuscht den Ring.

Um den vakanten WBA-International-Gürtel sollte es zwischen Alexander Ustinov (Russland) und dem Amerikaner Michael Hunter gehen. Dieser Titel scheint bei der WBA ein schnelles Verfallsdatum zu haben. Er wird ab und zu ausgeboxt aber nur selten verteidigt. Auch Ustinov trug ihn schon einmal im Jahr 2015. Danach waren Eugene Hill, Manuel Charr, Johann Duhaupas und zuletzt im Juli 2018 Dereck Chisora seine Besitzer.

Der fast 42-jährige Ustinov hatte gegen den 12 Jahre jüngeren Hunter in keiner Runde eine Chance. Er ist mittlerweile noch langsamer als in seinem letzten Kampf gegen Manuel Charr. Nach der ersten Kampfhälfte kämpfte Ustinov nur noch um sein „Überleben“. In Runde 8 musste er runter und rettete sich gerade noch in die Pause. Das „Aus“ kam in Runde 9. Ustinov klammerte nur noch und versuchte jede weitere Kampfhandlung zu unterbinden. Nach ein paar Treffern sank Ustinov entkäftet zu Boden. Der Kampf wurde darauf richtigerweise von Ringrichter Gustavo Padilla abgebrochen. Es hatte keinen Zweck mehr. Alles weitere wäre eine Freakshow geworden, die Ustinov durch den Abbruch erspart blieb. Zu diesem Zeitpunkt hatten es alle 3 Punktrichter 71:80 für Hunter. Ustinov sollte sich überlegen, wie lange er sich das noch antun will. Er kann mit seiner Körpermasse vielleicht noch technisch schwache Gegner besiegen. Aber sobald er gegen einen guten Boxer kämpfen muss, der noch halbwegs Puls hat, wird es immer schlecht für ihn ausgehen.

Im Hauptkampf der Veranstaltung standen sich der altbekannte Russe Dennis Lebedev und der Amerikaner Mike Wilson gegenüber. Man war nicht sicher, was der bis dahin in 19 Kämpfen ungeschlagene Wilson zu bieten hat. Nach einigen Runden war klar, dass er zu den „ungeschlagenen“ Boxern gehört, die in den Rankings nach oben gehievt werden, ohne jemals eine besondere Leistung gebracht zu haben.

Was man im Ring zwischen Lebedev und Wilson zu sehen bekam, ist in Rekordzeit erzählt: Es waren 12 Runden Sparring, die mit 117:111 und 2x 119:109 für Lebedev bewertet wurden. (Punkt) Jetzt einen Kampf gegen Usyk zu wollen, ist wohl nur aus der Sicht Lebedevs und aus monitären Gründen nachvollziehbar. Für den Kampf wäre Lebedev nach diesem Sieg gewiss qualifiziert. Aber: Der „Superchamp in Pause“ hätte gegen Usyk wohl kaum eine Siegchance. Mal sehen, ob es zu diesem Kampf zwischen 2 WBA – Superchamps kommt oder ob Usyk lieber ins Schwergewicht geht.

Boxer wie Wilson sind dafür da, in Kämpfen als „würdige Gegner“ anerkannt zu werden, ohne es tatsächlich zu sein. Wilson trug bis gestern Abend den WBA-NABA Gürtel im Cruisergewicht. Das war wohl die einzige Rechtfertigung für #11 bei der WBA und für einen Kampf gegen Lebedev. WBA-Superchamp Lebedev ist vom Verband auf das einstweilige Abstellgleis verschoben worden. Den gleichen Titel trägt Oleksandr Usyk. Regulärer Champ ist Beibut Shumenov. Einen „Interim-Champ gibt es auch noch: Arsen Goulamirian. An dieser Stelle hört man am besten damit auf, weiter darüber nachzudenken, welches Titelgeschachere bei der WBA vorgeht.

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