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Boxen in Karlsruhe – KO Siege am laufenden Band

Fotos: Marco Baumann

Besser konnte dieses Event am Samstag Abend in Karlsruhe, zumindest im Sinne der Veranstalter, gar nicht laufen. Es gab fast in jedem Kampf einen vorzeitigen Sieg zu bestaunen. Das ist scheinbar das Erfolgsrezept, bei dem der Zuschauer in der Halle bei einem Live-Boxerlebnis für sein Geld etwas Spektakuläres geboten bekommt. Auf der Undercard zu den Hauptkämpfen gab es 6 kurzrundige Kämpfe zu sehen. In einem 7. Kampf (Araik Marutjan vs Islam Teffahi), der eigentlich ins Vorprogramm gehört hätte, kam das KO „erst“ in Runde 8. Es wurde genau das geboten, was die Leute scheinbar sehen wollen: Ungeschlagene Boxer gewannen ihre Fights gegen machbare Gegner. Ein Boxspektakel mit grandiosen Siegen der gesetzten Helden. Von den Rängen her bejubelt durch ihrer jeweiligen Fanbase. Ein Konzept, dass immer funktioniert, wenn ein Boxer seine möglichst breite Fanbase mitbringt.

Die Kämpfe mit teilweise höherem sportlichen Wert kamen dann in der zweiten Hälfte des Abends und wurden auf Sport1 übertragen. Völlig unverständlich bleibt dabei allerdings, dass man den Frauenkampf zwischen Doppelweltmeisterin Sarah Bormann und der belgischen Herausforderin Sanae Jah um 2 Gürtel im Halbfliegengewicht  in die Undercard verbannt hat und im TV nicht zu sehen bekam. Statt dessen gab es ab 20:00 Uhr eine Stunde lang „The next Rocky“ und dann ab 21:00 Uhr als ersten Live-Kampf Marutjan vs Teffahi – 8 Runden um Nix – in voller Länge zu sehen.

Eingeschoben: „The next Rocky“: Es wäre eigentlich am besten, wenn man das hier so weit es geht aus der Nachberichterstattung ausklammern könnte. Das Ganze leidet nicht nur unter dem plötzlichen Tod von Rocky, der dieser Idee seinen Namen gegeben hatte. Es war gewiss in seinem Sinne, dieses Format auch ohne Graciano Rocchigiani zu Ende zu bringen. Was dabei heraus gekommen ist, konnte man im auf 4 Runden angesetzten Finalkampf sehen. Was Rocky selber dazu zu sagen gehabt hätte, bleibt der Fantasie jedes Einzelnen überlassen.

Der auf Sport1 nicht gezeigte Frauenkampf war die risikoreichste Ansetzung der ganzen Veranstaltung. Die bei Rainer Gottwald unter Vertrag stehende Sarah Bormann war früher eine sehr gute Amateurboxerin und wurde innerhalb von nur einem reichlichen Jahr im Profibereich zielgerichtet aufgebaut. Allerdings: Ihre bisherigen Kontrahentinnen waren durchweg „machbar“. Die Gegnerin am Samstag war die erste, die über eine gute Kampferfahrung verfügte und bereits vor Jahren mit der Weltspitze in Frauen-Profiboxen im Ring stand. Sarah Bormann meisterte diese Reifeprüfung mit einem souveränen Punktsieg. Nach 10 Runden werteten die 3 Punktrichter 8, 9 und 10 Runden für Bormann. Es ist wirklich schade, dass man diesen Kampf bei Sport1 nicht zu sehen bekam. Die Belgierin bekam in diesem Kampf wegen unsportlicher Aktionen einen Punkt abgezogen, was für den Kampfausgang keinerlei Rolle spielte.

Ab 21:00 Uhr klinkte sich der Sender dann in die Veranstaltung ein und zeigte den Kampf zwischen Marutjan und Teffahi, der mit einem KO 8-Sieg für Marutjan endete. Danach ging es zwischen Amand Ali und Dennis Krieger im Weltergewicht um den GBU-Titel. Dieser Kampf war schon eher etwas für die Freunde des gepflegten Faustkampfs. So sehr sich Ali auch abmühte, den von Khoren Gevot trainierten Krieger vorzeitig zu bezwingen, es gelang einfach nicht. Krieger besitzt offenbar bessere Nehmerfähigkeiten, als so manch anderer Boxer an diesem Abend. Er steckte nicht auf und hatte auch in Runde 10 noch Puls genug, um Amand Ali eigene gute “Antworten” zu geben. Am Ende hieß es dann aber doch recht überzeugend mit 119:109, 120:108 und 117:11: Sieg und Titelgewinn für Amand Ali. Khoren Gevor war sichtlich unzufrieden mit der Leistung seines Schützlings. Aber der hätte auch verloren, wenn er in 2 oder 3 Runden etwas mehr Initiative gezeigt hätte. Ali war an diesem Abend einfach der bessere und dominantere Mann im Ring. Er will jetzt in den Rankings weiter nach oben kommen. Mal sehen wie weit er es schaffen kann.

Dann gab es das auf 4 Runden angesetzte Finale von „The next Rocky“ zwischen Enis Agushi und Serdar Kurun zu “bewundern”. Kurz und bündig: Es war ein ungleicher Kampf. Agushi hatte mit Kurun leichtes Spiel und besiegte ihn innerhalb von 2 Runden durch KO. Wie der Unterlegene im Nachhinein sagte, musste er 2 Gewichtsklassen über seinem Limit kämpfen und war diesem Gegner einfach nicht gewachsen. Ob das Ganze im Sinne des Erfinders war, muss man bezweifeln. Und ob das unbedingt in dieser Form so fortgesetzt werden muss, sei mal dahingestellt. Rocky hätte sicher einen markigen Kommentar zu diesem „Finale“ abgegeben. Das, was man zu sehen bekam, hatte jedenfalls keinerlei Bezug zu einem „next Rocky“. Man braucht vielleicht hier und da ein paar Lückenfüller um die langen Boxabende mit Programm zu polstern. Aber ob es wirklich diese krampfhafte Talentsuche sein muss? Vielleicht sollte man erst einmal ein paar Leute zum Talk einladen, die an der Basis des Boxens tätig sind und seit Jahren selber Veranstaltungen abhalten. Es wäre gewiss interessant, auch mal die Meinungen von Leuten wie Werner Kreiskott, Detlef Loritz oder Enrico Schütze u.v.a.m. zu hören und mit denen über den deutschen Boxnachwuchs zu fachsimpeln. Auch eine Talkrunde mit Vertretern von BDB, GBA, BDF und der ABF (Austrian Boxing Federation) wäre vielleicht ganz amüsant. Mit diesen Leuten, die genau wissen wovon sie reden, könnte man vielleicht neue Ideen entwickeln und Wege zu einer Talentesuche vorstellen.

Im Hauptkampf standen sich Vincent Feigenbutz und der Pole Przemyslaw Opalach gegenüber. Ein Gegner wie gemacht für den Karlsruher. Opalach kam als die Nr.1 des polnischen Supermittelgewichts in den Ring. Das ist soweit richtig, sagte aber nichts über die Fähigkeiten des 32-jährigen „Spartan“ Opalach. Eigentlich entspringt es schon einem gewissen Wortwitz, wenn man sagt, dass sein boxerisches Talent recht “spartanisch” war: Willen ja, Können nein.

Nach einer ersten Abtastrunde hielt sich Feigenbutz in der zweiten Runde noch etwas zurück, seine Rechte ins Ziel zu schicken. In den Runde 3 und 4 merkte man dann deutlich, was die polnische Nr. 1 zu bieten hat. Es war so gut wie nichts, was da kam. Er stand unbeweglich auf seinen hölzern wirkenden Stöckchenbeinen vor Feigenbutz herum und hat sich fast nach Belieben treffen lassen. Im Gegensatz zu diesem statischen Ziel, das Opalach bot, wirkten die Beinarbeit und Meidbewegungen von Feigenbutz schon fast wie großes Boxen. Die Schläge des Polen landeten fast ausnahmslos im Nirgendwo oder auf der Deckung. In der 4. Runde wurde Opalch schon mal heftig durchgerüttelt und war angeklingelt. Der Ausgang des Kampfes war besiegelt. Das vorzeitige Ende kam in Runde 5, als Feigenbutz die Schlagzahl erhöhte und dann auch die Entscheidung bewusst suchte. Nach einigen harten Kopftreffern wurde Ringrichter Jörg Milke seiner Verantwortung für die Gesundheit des Boxers gerecht und nahm den Polen aus dem Kampf, bevor es zu seiner endgültigen „Hinrichtung“ kommen konnte. Diese Entscheidung war im Hinblick auf die Gesundheit Opalachs richtig.

Mit diesem weiteren Sieg sind für Vincent Feigenbutz die eher mäßige Vorstellung und der umstrittenen Abbruch-Sieg gegen Liebenberg erst einmal etwas in die Ferne gerückt. Das man ihn dann mit kleinen Moderatorentricks zu der Aussage verleitete, jetzt gegen Canelo boxen zu wollen, ist wohl etwas zu hoch gegriffen. Was hätte er auch anderes sagen sollen, wenn er gefragt wird gegen wen er am liebsten kämpfen würde. Dass er gegen Canelo nicht gewinnen kann, weiss er selbst und das weiss auch sein Management. Mehr als eine gute Börse wäre gegen Alvarez nicht zu holen. Man muss jetzt schauen, gegen wen es Sinn macht als Nächsten zu kämpfen. Vielleicht sollte Feigenbutz erst einmal seinen wieder zurück gewonnenen GBU-Titel gegen einen deutschen Gegner verteidigen, bevor man ihn international ins Rennen um die großen Börsen schickt.

Randnotiz: Nach dem Veranstaltungsende hat der Lorbeerkranz von Vincent Feigenbutz einen neuen Liebhaber gefunden. Derjenige, der diese ihm nicht gehörende Trophäe an sich gebracht hat, ist freundlich aufgerufen, das gute Stück freiwillig, gerne auch anonym per Boten, zurück zu geben.

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9 Kommentare

  1. 28. Januar 2019 at 13:45 —

    Neben Abraham wäre auch Tyron Zeuge ein ebenbürtiger Gegner für Feigenbutz. Dieser Fight ist jedoch eher unwahrscheinlich, da sich Zeuge ja nicht gerade von Sauerland in freundschaftlichem Verhältnis getrennt hat.
    Bei Canelo wird nun auch bald das Ende der Fahnenstange, bezüglich Aufstieg in eine höhere Gewichtsklasse, erreicht sein .
    Wie wäre wohl ein Kampf gegen Callum Smith oder George Groves anstatt gegen Rocky Fielding ausgegangen?
    Smith knockte Fielding relativ kurzrundig aus.
    Oder gegen die Spitze im Halbschwergewicht; auch hier hätte Canelo aufgrund seiner körperlichen Nachteile wohl kaum eine Chance.

    • 28. Januar 2019 at 22:08 —

      groves ist vorbei,er ist heute zurückgetreten,sehr gute entscheidung,guter mann,aber zuviel genommen in den letzten paar jahren…

    • 29. Januar 2019 at 08:29 —

      Fielding war lediglich ein Showcase Fight für DAZN, mehr auch nicht. Man sollte Canelo die Möglichkeit geben, zuerst die Titel im Mittelgewicht zu vereinigen bevor man überhaupt über einen Aufstieg nachdenkt. Auf Grund der derzeitigen Konstellation in der Gewichtsklasse, sind die Kämpfe auch ohne Probleme machbar. Daher macht ein Aufstieg in eine Gewichtsklasse, die deutlich weniger Talent verfügt, keinen Sinn. Interessant finde ich, dass bei GGG von einem Aufstieg ins SMW geschweige denn ins LHW nie die Rede war.

  2. 28. Januar 2019 at 15:36 —

    Die Veranstaltung liest sich spannender als es die Realität war. Die Gegner für die Heimboxer waren allesamt handverlesen.

    Das Problem in Deutschland ist doch, dass man versucht mit der vorhandenen Substanz an Boxern einen möglichen “großen” Event aufzuziehen. Wie viele Leute lockt man damit in die Halle, vielleicht 2.000? Wie viel vor den Fernseher beim Spartensender Sport1? 10.000?

    Mit den aktuell vorhandenen deutschen Top-Boxern, gewinnt man international keinen Blumentopf. Momentan sehe ich keinen, der in den nächsten 1 oder 2 Jahren einen WM Titel bei den großen Verbänden gewinnen wird und sowas wie einen Hype auslöst, wo man als Zuschauer auch gerne zusieht.

    Selbst der gute Manuel wird spätestens beim Kampf gegen Jarrell Miller hoffnungslos unterlegen sein und dann war es das auch erstmal mit dem “WM Glanz” in diesem Land.

    • 29. Januar 2019 at 14:47 —

      ob miller jemals gegen charr boxen wird. milller will ja scheinbar gegen joshua. damit hätte sich das auch erledigt.

      • 29. Januar 2019 at 15:09 —

        Mir persönlich ist das wurscht, wer Charr auf die Fresse haut. Wir sind uns ja alle klar, dass er nur “Paper”-WM ist und diesen Gürtel früher oder später verlieren wird.

        • 29. Januar 2019 at 20:39 —

          naja jeder wm wird seinen gürtel früher oder später verlieren. das ist unausweichlich. ich hoffe er hält ihn lange und verteidigt noch einige mal erfolgreich. vielleicht ja länger als Schmeling damals!

          • 30. Januar 2019 at 08:26

            Naja, halten wir mal fest, bei Charr steht bisher nichts auf der Habenseite. Er hat den “Titel” durch glückliche Umstände gegen einen Opa aus Weißrussland gewonnen und seit über einem Jahr nicht verteidigt. Sein geplanter Kampf gegen einen alten Amerikaner wurde erst einmal verschoben und dann aufgrund eines Dopingverdachts abgesagt. Jetzt hat er seit über einem Jahr nicht mehr geboxt, der Kampf gegen Oquendo ist immer noch nicht fest und bei jeder sich bietenden Gelegenheit teilt er der Welt mit, was er für ein toller “WM” ist.

            Und wenn man dann aus seinem Lager Stimmen hört, kommt immer nur die Argumentation, dass man den Regeln der WBA folgt und gegen die boxt, die der Verband bestimmt. Würde also auch heißen, wenn sie ihm erlauben, dass er 5 Jahre Pause machen kann, dann nimmt er das auch so hin als “WM”.

            Bisschen dünne für einen, der sich doch mit den besten Boxern der Welt vergleicht, findest du nicht?

  3. 30. Januar 2019 at 14:04 —

    Brainoff, die Uschi Obermaier der deutsch-syrischen-oder welcher Nation man sich gerade anbierdert Boxelite

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