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Boxen in Großbritannien – der steinige Weg zurück

Boxen in Großbritannien – der steinige Weg zurück

Nachdem die britische Regierung schon vor einiger Zeit ein 60-seitiges Dokument mit dem Titel „Our Plan to Rebuild“ verabschiedet hat, in dem detaillierte Pläne für die Zulassung von Sport-Events aufgelistet sind, folgt nun das British Boxing Board of Control nach. In Kürze – so heißt es – sollen Regeln für den Neustart festgelegt und publik gemacht werden.

Nach Rücksprache mit einer Gruppe medizinischer Berater wird ein offizielles Dokument mit Protokollen und Testverfahren für Veranstaltungen folgen. Im Juli soll es dann voraussichtlich wieder möglich sein, in Großbritannien Boxevents durchzuführen. Vorausgesetzt, dass die Infektionszahlen weiter sinken.

Im Lauf der kommenden Woche – und zwar am Donnerstag – plant das BBBofC, sein Regelwerk zu veröffentlichen. Soweit bekannt, werden diese Regeln unter anderem die folgenden Punkte beinhalten: alle Anwesenden einer Veranstaltung werden auf das Corona-Virus getestet, über 70-jährige und Schwangere erhalten keinen Zutritt und es werden keine großen Titelkämpfe stattfinden, damit weniger Offizielle vor Ort sein müssen. Das zumindest sah eine erste Version des Regelwerks vor, die der Dachverband des professionellen Boxens in Großbritannien schon in Umlauf gebracht hatte.

Dieses Dokument – so ein BBC-Bericht – enthielt auch den Passus: „Kein Spucken von Boxern in Ecken”.  Jeder Boxer auf den Fightcards müsse seinen eigenen „Spuckeimer” haben, der bei Nichtbenutzung mit einem Deckel abzudecken sei. Darüber hinaus müsse die Außenseite des Eimers während jeder Runde und nach der Benutzung abgewischt werden. Dabei habe der „Reiniger“ Gesichtsmaske, Augenschutz, langärmelige, flüssigkeitsabweisende Kleidung und Einweghandschuhe zu tragen.

Ich gebe zu: beim Lesen dieser Auflagen habe ich leise Zweifel bekommen, ob unter solchen Bedingungen ein auch nur halbwegs normaler Boxbetrieb machbar ist. Man kann also wohl davon ausgehen, dass vorerst auch keine Zuschauer erlaubt sein werden.

Wie Robert Smith, der Generalsekretär des BBBofC, erklärt hat: „Das Dokument wird derzeit fertiggestellt und nächste Woche nach einem sehr ausführlichen Treffen mit unseren sieben regionalen Ärzten und leitenden Ärzten an alle Veranstalter, Lizenzinhaber und Boxer gesendet. Es wird die Testverfahren und medizinischen Geräte festhalten, die für die Durchführung von Veranstaltungen erforderlich sind. Wir haben aber noch keinen Termin, ab wann das Sparring wieder zugelassen wird, da die Regierung Regeln zur sozialen Distanzierung aufstellt.” Heißt also: Kämpfen ist erlaubt, Sparring verboten? Klingt etwas unlogisch.

Wenn das Boxen wieder aufgenommen wird – so besagte die erste Version des Regelwerks weiterhin – müssten die Veranstalter außerdem sicherstellen, dass Ringstufen, Ringseile und die Leinwand auf dem Ringboden zwischen den Kämpfen „nach medizinischem Standard” zu reinigen sei.  „Wir müssen die Dinge so steril wie möglich halten” sagte BBBofC-Generalsekretär Robert Smith im BBC „5 Live Boxing Podcast“.

Kein Wunder also, dass Smith davon ausgeht, dass viele der kleineren Promoter auf der Strecke bleiben werden: „Leider werden wir einige verlieren. Das ist ein Geschäft. Wenn sie stark genug sind, werden sie überleben, wenn nicht, werden wir einige verlieren. Wir versuchen, zu helfen, wo wir können, aber wir haben nicht endlos Geld. Es ist nicht schön zu sagen: es wird Verluste geben, aber die Starken werden es schaffen.”

Nichtsdestotrotz steht neben den anderen britischen Promotern auch Eddie Hearn schon in den Startlöchern. Der Matchroom Boxing-Boss hat sich mittlerweile wohl mit der Idee anfreunden müssen, „Geisterkämpfe“ durchzuführen. Wie Boxen.de schon berichtete (KLICK) plant Hearn ein „Fight Camp” hinter dem kolossalen Herrenhaus, in dem sich die Büros von Matchroom Boxing befinden. Eddie Hearn möchte im Juli und August dort vier Outdoor-Events veranstalten.

Auch Frank Warren hat Hearns Ankündigung zur Kenntnis genommen. Die Antwort des Matchroom Boxing-Rivalen: „Ich habe die Sache mit dem Hinterhof, dem Feuerwerk und den ‚Leuten, die über den Hügel kommen‘, zur Kenntnis genommen. Wir (von Queensberry Promotions) haben darüber gesprochen, es in meinem Blumenkasten mit Fliegengewichten und ein paar Wunderkerzen zu tun.“

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2 Kommentare

  1. 23. Mai 2020 at 10:37 —

    Das Thema Corona ist auch eines der Themen, welche nicht frei diskutiert werden sollen und auch nicht dikutiert werden dürfen. Der gemeine Bürger soll wohl zu dumm dafür sein, so dass die Staatsdiener in dieser Affäre mal wieder völlig selbstständig agieren, weil sie ja so kompetent sind.

    Und wenn man sich die ganzen Auflagen und Auswirkungen einmal etwas genauer ansieht und sich die Profiteure der Krise Stück für Stück offenbaren, dann kann man auch sehen, wer die Reise gestartet hat und wohin sie führen soll!

  2. 23. Mai 2020 at 10:47 —

    So seh ich das auch.

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