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“Boxen im Norden” ein Erfolg mit einem starken Rafael Bejaran

Am Samstagabend war das Highlight der Hamburger Veranstaltungsreihe „Boxen im Norden“ das Duell zwischen Rafael Bejaran und Bartlomiej Grafka im Mittelgewicht. In der Boxsporthalle Braamkamp veranstaltete Promoter Holger Petersen ein kleines, aber feines Kleinringevent mit einem starken Hauptkampf und einigen jungen Boxtalenten im Vorprogramm. Aufgrund einer kurzfristigen Absage seines Gegners muss Vincenzo Gualtieri vom Rocchigiani-Stall sein Profidebüt verschieben, war aber dennoch mit Rocky live am Ring dabei.

Dabei konnte besonders der Lokalmatador Rafael Bejaran über 8 Runden gegen Bartlomiej Grafka aus Polen überzeugen. In einem dominanten Gefecht sicherte sich der gebürtige Dominikaner souverän jede Runde gegen den Mann aus Katowice. Der Underdog hatte im Juli einen Sieg gegen den ehemaligen Sauerland-Boxer Dustin Dirks für sich verbuchen können und seinen letzten Kampf gegen Attila Szladek in der zweiten Runde durch technischen Knockout gewonnen. Somit kam er hochmotiviert nach Hamburg, um sich dem „Karibik Tiger“ zu stellen. Dennoch verlief das Gefecht weniger eng als erwartet, denn bereits im ersten Durchgang gelang es Bejaran seinen Gegner zu Boden zu schicken. Die harte rechte Gerade saß perfekt, dennoch konnte sich der 27-Jährige in die nächste Runde retten und die gesamte Kampfdauer durchstehen. Boxerisch beeindruckte Bejaran bis zum Schlussgong durch seine gute Technik und Beweglichkeit. Er ist ein Boxer, dem man gerne im Ring zuschaut, weil er seine Ring-Dominanz konzentriert, unverkrampft und unterhaltsam darzubieten vermag. Sein Kontrahent versuchte zwar dagegen zu halten, konnte aber nie die Oberhand gewinnen. Dazu fehlen ihm die Puncher-Qualitäten, was einen Sieg immer aussichtsloser werden ließ. Der „karibische Tiger“ war einfach zu schnell und beweglich für ihn, was es schwer machte die richtige Distanz zu finden und klare Treffer zu landen. So endete der Fight mit einem einstimmigen Punktsieg für Bejaran, der in der Halle lautstark von seinen Fans angefeuert wurde. Grafka wird am 17. Oktober zu einem Rematch gegen Pawel Glazewski antreten, dem er vor über zwei Jahren klar nach Punkten unterlag. Ober er sich seitdem weiterentwickelt hat und sich etwas von der karibischen Lockerheit Bejarans abschauen konnte, wird sich zeigen.

Im Vorprogramm lautete das Motto: „Ladies first“ und so gab Sanja Fillipovic ihr Profidebüt im Halbweltergewicht gegen die ziemlich schwache Aufbaugegnerin Dajana Bukva. Die unterlegene Boxerin aus Bosnien-Herzegowina konnte von ihren bisher sechs Fights keinen gewinnen und hatte es noch nie über die Runden geschafft. Wenn man ihr zusah, wusste man warum! Sie beherrschte nicht einmal die Grundlagen des Boxens und man musste sich fragen, wie man sie überhaupt in einen Profiring stellen konnte. So war es nicht verwunderlich, dass Filipovic keine Probleme hatte das Gefecht zu bestimmen und die vielen Unsicherheiten ihrer Kontrahentin für sich zu nutzen. Dabei landete sie die besseren Treffer, welche Bukva durch ihre Willenskraft und ihre Nehmerqualitäten einsteckte, mehr nicht. Fillipovic war die bessere Frau im Ring, wobei das noch nichts über ihre weitere Karriere aussagt, da auch sie nicht gerade vor Talent strotze und ihre Bewegungsabläufe noch nicht internalisiert wirkten. Nach vier Runden konnte sie sich dennoch über den ersten Sieg in ihrer Profikarriere freuen, der klar über die Punkte erfolgte. Eine gute Werbung für das Frauenboxen war das sicher nicht. Da war ich froh, einen Tag zuvor, bei dem Fight zwischen Susi Kentikian und Susana Cruz Perez gewesen zu sein…

Hingegen überzeugte der zweite Debütant des Abends Sebastiano Lo Zito im Supermittelgewicht gegen Edin Hajric aus Bosnien-Herzegowina. Der Hamburger mit sizilianischen Wurzeln lieferte ein Traum-Debüt mit einer Lockerheit, der man sonst nur auf der größten Mittelmeerinsel begegnet. Seine unzähligen Kämpfe als erfolgreicher Amateurboxer in Hamburg trugen sicher auch nicht im geringen Maße dazu bei. So durchlief Lo Zito einen kurzen Prozess mit seinem Aufbaugegner, der einen Boxring noch nie erfolgreich verlassen konnte. Locker, fast verspielt, aber dennoch konzentriert wartete der Newcomer aus Eppendorf auf seine Chance, die er sich schnell herausgeboxt hatte. Eine krachende Linke ließ Hajric zu Boden gehen und angeschlagen wieder aufstehen, was kein gutes Ende mehr für ihn nehmen konnte. Beim Nachsetzen des “Sicilian Stallion” überstand der unterlegene Mann den Schlaghagel nicht lange und machte erneut Bekanntschaft mit dem Ringboden, wo er dann vom Ringrichter ausgezählt wurde. Insgesamt war es kein hartes Stück Arbeit für Lo Zito, der sicher schon härtere Gegner zermürben konnte. Dennoch war es ein gelungener Einstand als Profiboxer unter Trainer Khoren Gevor. Für den nächsten Fight wünscht sich Neuprofi einen stärkeren Gegner, um mehr von seiner Qualität präsentieren zu können. Bis dahin trainiert er fleißig weiter, studiert Soziale Arbeit und geht seinem Job in der Gewaltprävention an Schulen nach, wo er andere in die „Sweet Science“ einführt und sein Können weitergibt.

In einem weiteren Kampf boxte Mansur Elsaev aus Österreich gegen den Wuppertaler Moris Markowitsch im Halbschwergewicht. Das Duell war spannend und kämpferisch. Elsaev startet gut in den Fight und sicherte sich durch klarere Treffer die erste Runde, wobei der zweite Durchgang sich als enger erwies, weil Markowitsch sich zäh zur Wehr setzte und einen Cut bei seinem Gegner verursachte. Die dritte Runde sollte den Kampf dann entscheiden, weil ein harter Treffer zum Körper den 36-jährigen Deutschen zu Boden schickte. Von nun an arbeitete der Wiener weiter verstärkt zum Körper und sicherte sich damit die folgenden Runden. Nach sechs Runden siegte Elsaev einstimmig nach Punkten in einem Gefecht, welches im einiges abforderte.

Darauf kam es zu einer Begegnung im Supermittelgewicht zwischen Jürgen Doberstein und dem Ungarn Daniel Regi. Auf diesen Fight hatte sich der Deutsche aus Kleinblittersdorf ganze zwei Monate bei seinem Trainer aus Kuba, Pedro Diaz, in Miami vorbereitet, wo er neben Hamburg auch weiter trainieren wird. Die harte Arbeit wurde durch einen K.o.-Sieg in Runde 6 belohnt, wobei auch die vorhergehenden Durchgänge auf seiner Seite zu verbuchen waren. Der solidere und aktivere Boxer war eindeutig der „Dobermann“, der seinem Gegner keine Chance zur Entfaltung gab. Sein nächster Kampf wird am 5. Dezember in der Saarlandhalle in Saarbrücken stattfinden, wo ein internationaler Titel ausgeboxt werden wird. Der Vorverkauf soll in der nächsten Woche an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie auf www.eventim.de starten. Karten werden ab 20 Euro erhältlich sein.

Ein sehenswertes Duell war die Ansetzung im Halbschwergewicht zwischen Abel Gevor und Steve Krökel. Der Rechtsausleger Gevor präsentierte sich in guter Form und zeigte dem Hamburger Boxpublikum, dass er ein sehr beweglicher Boxer ist, der gute Kombinationen zum Körper und Kopf ins Ziel bringen kann. Sein variabler und unterhaltsamer Boxstil sicherten ihm Runde um Runde. Zwar brachte er Krökel oft in Bedrängnis, doch wollte er nichts überstürzen, oder gar ein Risiko eingehen und boxte die Runden konzentriert runter. Seine guten Reflexe ermöglichten es ihm vielen Treffern auszuweichen, sodass er selbst kaum hart getroffen wurde. Seine Körpersprache im Ring war von einer souveränen Lockerheit bestimmt, die ihn sicher noch weit nach oben bringen und nicht weniger Aufsehen erregen wird als bei seinem Bruder Noel Gevor vom Sauerland-Team. Einen erfahrenen Trainer hat er mit seinem Stiefvater Khoren bereits an seiner Seite, der davon überzeugt ist, dass zu der Familie Gevor drei gleichwertige Top-Boxer gehören. Sein Name ist zumindest schon in die deutsche Boxgeschichte eingegangen und man darf gespannt sein, welche Erfolge Abel und Noel noch feiern werden.

In einem Halbmittelgewichtsfight kam es zu dem Aufeinandertreffen zwischen dem Wiener Leo Levani und dem amtierenden brasilianischen Meister Claudinei Lacerda. Schnell machte Levani deutlich, dass der Underdog und Showman Lacerda sich keine Chance auf einen Sieg ausrechnen brauchte. Im Vorwärtsgang sicherte er sich die vollen acht Runden, weil sein Gegner es dabei beließ das Gefecht in der Defensive zu überstehen und boxerisch nicht mithalten konnte. Am Ende reichte es für Lacerda zwar noch für einen Salto im Ring, aber der verdiente Punktsieger hieß Leo Levani.

Foto: Holger Petersen Promotion

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