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Bob Fitzsimmons: Dreifach-Weltmeister im Mittel,- Halbschwer- und Schwergewicht

Als der Weltmeister im Mittelgewicht, Bob Fitzsimmons, im März 1897gegen den damaligen Schwergewichtsweltmeister Corbett antritt, ist er nach Einschätzung der „Experten“ chancenlos. Der Kampf scheint auch genau so abzulaufen. Corbett ist dem Herausforderer weit überlegen, kann ihn aber nicht zu Boden zwingen. In der vierzehnten Runde geschieht das Unfassbare: Corbett sinkt nach einem Treffer auf den Solarplexus auf die Knie, kommt nicht mehr hoch, wird ausgezählt. Der Mittelgewichtschamp ist Weltmeister im Schwergewicht.

Familie und erste Boxversuche

Bob Fitzsimmons kommt als Robert James Fitzsimmons am 26. Mai  1863 in dem kleinen, aber historisch bedeutsamen Ort Helston in Cornwall (Großbritannien) als jüngstes von zwölf Kindern zur Welt. Seine Eltern sind der in Irland geborene James Fitzsimmons und die aus Cornwall stammende Jane Strongman. Zwei Jahre ist er alt (in anderen Quellen ist er zwölf Jahre), als seine Eltern Cornwall den Rücken kehren und mit Sack und Pack nach Timaru in Neuseeland übersiedeln. In dem Ort leben viele Siedler aus Cornwall, so dass sich die Familie fast „heimisch“ fühlt.

Ruby, wie er von vielen gerufen wird, geht mit vierzehn Jahren in die Lehre eines Hufschmieds. Seine körperlichen Gegebenheiten werden als „zweigeteilt“ beschrieben: Von der Hüfte aufwärts sieht er wie ein muskulöser Schwergewichtler, abwärts eher wie ein wie auf Stelzen wandelnder Leichtgewichtler aus. In der Schmiede jedenfalls eignet er sich die Körperkraft an, mit der er seine Fans später oft beeindruckte.

Schon bald stößt er zum Boxen. Im Jahre 1880 nimmt er am „Jem-Mace-Turnier“ teil, einer Veranstaltung, die in Erinnerung an den englischen Bare-Knuckle-Weltmeister stattfindet. In vier Kämpfen siegt er und gewinnt damit  das Turnier. Gerade mal  achtzehn Jahre ist er da alt. Mit diesem Turniersieg wird er als neuseeländischer Meister der Amateure geführt. Das Boxen lässt ihn jetzt nicht mehr los. Im folgenden Jahr siegt er bei diesem Turnier erneut. Seinen Beruf als Schmied gibt er auf. Er reist durch die Lande, und Immer da, wo ein Ring aufgebaut wird, ist er zu finden. Über zehn Jahre lang gestaltet er so sein Leben. Die gewaltige Anzahl an Kämpfen, die er dabei absolviert, ist nirgendwo aufgezeichnet.

Übersiedlung nach Australien und der Aufstieg

Kämpfe, die „offiziell“ registriert sind, finden sich erst ab dem Jahre 1885. Da ist Fitzsimmons nach Australien übergesiedelt. Sein offizielles Debüt ist Anfang März 1885 (das genaue Datum ist nicht bekannt). Im australischen Sydney trifft er auf einen gewissen Joe Riddle – und siegt nach Punkten. In Australien wird er zur größten Attraktion unter den Boxern, die sich für Geld anbieten. Bis ins Jahr 1890 hält er sich in Australien auf und holt sich im Februar 1890 durch einen Knockout-Sieg über Jim Hall in Sydney den australischen Mittelgewichtstitel. Nicht lange danach geht er in die Vereinigten Staaten und erwirbt nach  relativ kurzer Zeit die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

Weltmeister im Mittelgewicht

Am 14. Januar 1891, nach drei vorzeitig siegreichen Kämpfen, fordert er den Weltmeister im Mittelgewicht heraus. Das ist zu diesem Zeitpunkt „Nonparell“ Jack Dempsey, ein in den USA absolut populärer Boxer, von dem der spätere Schwergewichtsweltmeister, Jack Dempsey, den Namen übernommen hat. Dempsey, der Mittelgewichtler, ist in bislang  sechzig Kämpfen noch ungeschlagen. Der Kampf findet in New Orleans statt, beide Kontrahenten sind mit Drei-Unzen-Handschuhen ausgestattet, also Handschuhen, von denen man kaum behaupten kann, dass sie gepolstert sind. In Runde drei ist Dempsey am Boden. Er erholt sich aber und versucht, noch eine Wende des Kampfes zu erzielen. Aber bald übernimmt Fitzsimmons wieder das Kommando im Ring und gibt es nicht mehr ab. In der dreizehnten Runde kommt für Dempsey das Ende. Neuer Weltmeister im Mittelgewicht: Bob Fitzsimmons. Er bleibt es bis ins Jahr 1897.

Die lange Reise zum Titel im Schwergewicht

Ende der 1890er Jahre ist das Halbschwergewicht noch nicht eingeführt. Erst im Jahre 1903 wird das geschehen.  Bis dahin muss sich Fitzsimmons mit Schwergewichtlern rumschlagen, wenn er in die nächsthöhere Gewichtsklasse hineinriechen will. Um diese Zeit nimmt er jeden Kampf an, und es sind einige Angebote von Schwergewichtlern darunter, die bestimmt nicht zu den schlechtesten zählen.

Am  02. März 1892 steht er in New Orleans mit dem Schwergewichtler Peter Maher, einem gebürtigen Iren, im Ring. Nach 12 Runden gibt Maher auf. Der Ire ist für Fitzsimmons deshalb von besonderem Interesse, weil er zu den wichtigen Leuten im Umfeld des wenige Monate späteren Weltmeisters im Schwergewicht, „Gentleman“ James Jim Corbett, zählt. Maher will seine Niederlage nicht wahrhaben und betont in der Öffentlichkeit bei jeder Gelegenheit, dass der Sieg Fitzsimmons ein reiner Glücksfall gewesen sei und dass er in einem Revanchekampf den „Mann auf Stelzen“ zerbrechen werde. 

Es wird noch vier Jahre dauern, bis es zu einem erneuten Aufeinandertreffen der beiden kommen kann. Zuvor setzt Fitzsimmons seinen einmaligen Siegeszug an. Nach dem Kampf gegen Maher  geht er in achtundzwanzig Kämpfen, in aller Regel vorzeitig, als Sieger hervor. In sogenannten „Exhibitions“ tritt er häufig auf, will dort seine Boxkunst präsentieren. Wenn Fitzsimmons beteiligt ist, werden diese Schaukämpfe aber oft genug zu ernsthaften Auseinandersetzungen, denn ihm gelingt es nicht, über längere Zeit  seine Angriffslust unter Kontrolle zu halten. In einem solchen Kampf mit dem kalifornischen Schwergewichtler Con Riordan Mitte November 1894 drischt Fitzsimmons wie wild auf Riordan ein, der schwerste Treffer hinnehmen muss. Noch am gleichen Tag stirbt er in einem Krankenhaus. Fitzsimmons wird unter Anklage gestellt, aber freigesprochen. Die in solchen Fällen auch heute noch geläufige Begründung für den Freispruch ist, dass der verstorbene Riordan durch die Annahme des Kampfes ein entsprechendes Risiko eingegangen sei.  

Titelkampf-Qualifikation gegen  Maher

Der Kampf gegen Maher, der als Ausscheidungskampf zum Titelfight im Schwergewicht gewertet ist,  wird auf den 21. Februar 1896 festgesetzt. Er soll in der Nähe von Langtry, einem Ort in Texas, stattfinden. Die Wahl des Ortes hat wichtige Gründe. Für einige Staaten der USA und auch für Mexiko ist ein Boxverbot ausgesprochen. Dennoch versucht man, weiterhin Profikämpfe zu veranstalten, allerdings in verschwiegenen Orten, zum Beispiel auf Schiffen, in nicht mehr öffentlich zugänglichen Hallen und anderen Verstecken. Die Veranstaltungen werden von betuchten Leuten unterhalten, die sich das Boxvergnügen eine Menge an Dollars kosten lassen. In diesem Fall, so wird berichtet, wird der Kampf den verantwortlichen Verwaltungsstellen verraten, und alles wird aufgeboten, um das Aufeinandertreffen zu verhindern.  Die Organisatoren des Kampfes versuchen, dem Zugriff zu entgehen, bauen den Ring in der Nähe des Ufers am Rio Grande auf, einem Ort, der von Texas und Mexiko begrenzt wird. Das kleine Zelt, in dem der Ring aufgebaut ist, steht auf mexikanischem Gebiet, so dass die gefürchteten Texas Rangers außen vor bleiben müssen. Das Zelt kann nur über eine winzige Brücke erreicht werden.

 Peter Maher ist der erste, der im Ring zu sehen ist. Laut brüllt er über die Zuschauer hinweg, dass er dieses Mal seinen Gegner „in zwei Hälften“ zertrümmern werde. Der nach ihm in den Ring steigende Fitzsimmons sagt nichts dazu. Da hört man aufgeregte Rufe unter den Zuschauern. Mexikanische Polizei ist gesichtet worden, um den Kampf zu stoppen. Der Veranstalter ruft nach dem Eingangsgong aufgeregt in den Ring, dass sie sich beeilen sollten, weil die Mexikaner bald da seien. Fitzsimmons macht genau das, was der Promoter will. Er stürmt auf seinen Gegner zu, deckt den sieben Kilogramm Schwereren mit einem Schlaggewitter zu. Und es klappt: Noch vor Rundenende wird Maher ausgeknockt. Damit sie den Ring schneller verlassen können, hilft Fitzsimmons, den bewusstlosen Gegner in dessen Ecke zu schleppen.  Dann geht‘s im Galopp zu der Grenzbrücke zwischen Mexiko und Texas, bis sie amerikanischen Boden erreichen. Bob Fitzsimmons ist es aber mit diesem Sieg gelungen,  sich zum ersten Herausforderer des Weltmeisters im Schwergewicht, James J. Corbett, anzumelden.

 Kampf gegen Tom Sharkey – und der Spezialschlag

Der 02. Dezember 1897 hätte seine Titelambitionen im Schwergewicht fast zerplatzen lassen. An diesem Tag steht er im kalifornischen San Francisco mit dem irischen Schwergewichtler Tom Sharkey im Ring. Zum Ringrichter hat man die Westernlegende Wyatt Earp überredet. In der achten Runde landet Fitzsimmons eine punktgenau geschlagene Rechte in der Magengegend Sharkeys, auf den Solarplexus. Sharkey geht schwer zu Boden. Der Schlag ist legal, aber Wyatt Earp urteilt, es sei ein „Tiefschlag“ gewesen. Sharkey wird zum Sieger erklärt. Später kommt heraus, dass der Kampf „verschoben“ war, denn Earp hatte mit einigen Kumpeln ein Wettteam geschmiedet, das eine hohe Dollarsumme auf Sharkey eingesetzt hatte. Der Spezialschlag Fitzsimmons ist nach diesem Kampf nie mehr als „illegal“ bewertet worden.   

Weltmeister im Schwergewicht – die Sensation

Ein Jahr nach den kuriosen Ereignissen im Kampf gegen Maher ist es soweit: Der Weltmeister im Mittelgewicht, „Ruby“ Bob Fitzsimmons, tritt gegen den Schwergewichtsweltmeister an, gegen „Gentleman Jim“ James J. Corbett. Für die allermeisten Fans hat der ehemalige Hufschmied nicht den Hauch einer Chance. Beide sind tief miteinander zerstritten, ja gegenseitig hasserfüllt. Wenn sie sich vor dem Kampf, so wird berichtet, irgendwo auf der Straße begegnen, verschwinden sie in den Seitenstraßen, um sich nicht in die Augen blicken zu müssen. Beide sondern bissige und herabsetzende Bemerkungen über den anderen ab, so z.B. von Corbett über Fitzsimmons: „Du lachhafte Kampfmaschine auf Stelzen, stolpere nicht über Deine dürren Beine“. Umgekehrt Fitzsimmons über Corbett: „James, Du bist und bleibst eine boxende Lady“. Eine Flut von gegenseitigen Beleidigungen verzeichnen die Quellen. Bei einem anderen Auftritt wird Corbett von Fitzsimmons beschimpft, dass er vor Angst unter einem „Weiberrock“ flüchten würde, wenn er auf ihn träfe. Alle Welt erwartet, dass Corbett sich nun auf eine Keilerei  mit Fitzsimmons einlässt, aber er lässt seine Hände in den Taschen und bespuckt stattdessen Fitzsimmons.

Bei den Fans ist Corbett weitaus weniger beliebt als der Herausforderer. Aber er ist Frauenliebling. Immer, wenn er sich vor Frauen präsentiert, wird er begeistert gefeiert. Jedenfalls wird der Kampf in ganz Amerika herbeigesehnt. Am 17. März 1897 sind  um den Ring herum fünftausend Zuschauer versammelt. Corbett tänzelt nervös auf dem Ringboden. Er bringt acht Kilogramm mehr auf die Waage als der Mittelgewichtschamp. 30 Jahre ist Corbett alt, fünf Jahre jünger als Fitzsimmons. Die Zuschauer wollen einen hitzigen Kampf sehen, weil sie die gegenseitige persönliche Abneigung der beiden kennen. Ringrichter George Siler ermahnt die Kontrahenten, einen fairen Kampf zu führen. Den Handschlag aber, den ihn Corbett zu Kampfbeginn anbietet, weist Fitzsimmons brüsk zurück.

Der Kampf beginnt so, wie sich das die meisten Fachleute vorgestellt haben. Corbett tänzelt um den Gegner herum, sticht mit seiner Linken in das Gesicht des Herausforderers. Und Fitzsimmons lässt es geschehen, bleibt inaktiv, wartet auf seine Chance. Aber immer wieder muss er die Linke des Weltmeisters nehmen, und einige Male lässt Corbett eine harte Rechte folgen. In der sechsten Runde liegt Fitzsimmons nach einer solchen Kombination am Boden, kann aber wieder aufstehen und weiterkämpfen. Jeder sieht, dass Corbett den Herausforderer boxerisch beherrscht. Da hört man die Frau Fitzsimmons laut und gellend  rufen, er solle den Weltmeister „auf den Bauch“ hauen. Aber es gelingt ihm nicht. Immer wieder schrillt es von seiner Frau durch den Ring: „Geh zum Körper, Bob“. Am Kopf, so meint sie, sei Corbett nicht zu besiegen. Nach dreizehn Runden scheint der Kampf unrettbar für Fitzsimmons verloren zu sein. Da endlich, in der vierzehnten Runde, gelingt es Bob, seinen berüchtigten Schlag auf den Solarplexus zu setzen. Corbett selbst erzählt, was dann passiert: Er sei gelähmt gewesen, konnte sich nicht mehr bewegen, sei dann ausgezählt worden. Sein Bewusstsein sei aber die ganze Zeit intakt gewesen. Während des Zählens versucht Corbett noch, sich an den Seilen wieder hochzuziehen, bricht dann aber vollends zusammen.

Eine der größten Sensationen der Schwergewichtsgeschichte ist passiert: Bob Fitzsimmons, der Mittelgewichtschamp, wird Weltmeister im Schwergewicht.

Titelverteidigung und das Ende als Schwergewichtsweltmeister

Corbett will den Verlust des Weltmeistertitels nicht akzeptieren. Bei jeder Gelegenheit tönt er, dass Fitzsimmons nur durch einen Glückstreffer gewonnen habe. Bei einem erneuten Aufeinandertreffen würde er ihn zermalmen. Der neue Schwergewichtsweltmeister aber genießt seinen Titel, man findet ihn auf Schaukampftourneen, bei Tanzveranstaltungen und Revuen. Einem Refight gegen Corbett geht er konsequent aus dem Weg.

1899 fordert ihn ein neuer Stern am Himmel des Schwergewichts heraus. Es ist „The Boilermaker“ James Jim Jeffries, ein Kesselschmied, der in Kalifornien seinen Wohnsitz hat. Jeffries ist ein Kraftpaket. Er wiegt bei seinen 1,83 m Körpergröße weit über neunzig Kilogramm, fast zwanzig mehr als der Weltmeister. Fitzsimmons lässt sich auf den Kampf schon deshalb ein, weil er, wie er der Presse erzählt, den Kalifornier für zu langsam hält. Er glaubt, dass Jeffries nicht in der Lage sein wird,  seinen harten Schlägen wegen dessen Langsamkeit ausweichen zu können.  Der Kampftermin wird auf den 09. Juni 1899 gesetzt; der Fight findet auf Coney Island statt.

Von Beginn an sieht man den nun 36jährigen Fitzsimmons im Angriff,  er stürmt unablässig auf den Herausforderer ein, der 12 Jahre jünger ist als er selbst, deckt  ihn in jeder Runde mit Schlägen ein. Jeffries aber steht, kontert einige Male mit harten Kombinationen und geht seinerseits immer wieder auf den Weltmeister los. Er ist sich sicher, dass seine Chance noch kommen wird.  Selbst Fitzsimmons Spezialschlag auf den Solarplexus scheint den Herausforderer nicht zu beeindrucken. Punktemäßig liegt der Weltmeister klar vorn, als  die elfte Runde eingeläutet wird.  Jeffries trifft den Weltmeister mit einem schweren Linkshaken und lässt einen vernichtenden Aufwärtshaken folgen. Fitzsimmons sinkt zu Boden. Seinen Titel ist er los. Neuer Schwergewichtsweltmeister: James J. Jeffries, der den Titel lange Jahre tragen und ihn dann ungeschlagen zurückgeben wird.

Drei Jahre später, im Juli 1902,  kommt es zu einem Rematch mit dem neuen Weltmeister. In San Francisco siegt der mit 99 kg  einundzwanzig Kilogramm schwerere Jeffries in der achten Runde durch Knockout. Allerdings: In der Zwischenzeit hatte Fitzsimmons in fünf Kämpfen vorzeitig siegen können, darunter auch in einem Refight gegen Tom Sharkey durch Knockout in der zweiten Runde. 

Weltmeister im Halbschwergewicht

Im Jahre 1903 wird das Halbschwergewicht eingeführt. Als erster Weltmeister dieser Gewichtsklasse wird Jack Root benannt, dessen Manager dafür gesorgt hatte, dass es diese Gewichtsklasse nun gibt. Root hatte im Frühjahr 1903 Charles Kid McCoy nach Punkten besiegen können. Bei seiner ersten Titelverteidigung, am 04. Juli 1903, holt sich George Gardner durch einen Knockout in der zwölften Runde den Halbschwergewichtstitel. Als Bob Fitzsimmons den neuen Weltmeister aus Chicago am 25. November 1903 herausfordert, ist er bereits an die vierzig Jahre alt. Nach zwanzig Runden in San Francisco siegt Fitzsimmons nach Punkten.

Damit ist er der erste „Triple“-Weltmeister der Boxgeschichte.  Nacheinander war er Weltmeister im Mittelgewicht, dann Schwergewicht, zuletzt im Halbschwergewicht. Mit fast 41 Jahren war er lange Zeit in der Reihe der Weltmeister im Halbschwergewicht der älteste Titelträger, bis ihn Archie Moore jahrzehntelang später in diesem Punkt ablöste. Bis 1905 konnte er den Titel halten, da hat er ein Alter von dreiundvierzig erreicht. Im Kampf gegen Philadelphia Jack O’Brien, den er in einem ersten Nicht-Titelkampf noch besiegen konnte,  wird er am 20. Dezember 1905 im Refight gegen O’Brien in der dreizehnten Runde gestoppt. Seinen letzten Titel ist er damit los.

Ausklang

Bob Fitzsimmons sieht man noch bis 1914 mit einundfünfzig Jahren (!) im Ring. Gegen den weitaus jüngeren Jersey Bellew erreicht er ein „Unentschieden“, nachdem er ihn in der zweiten Runde am Boden hat. Von Bellew hat man nach diesem Kampf nie mehr was gehört.

Insgesamt hat Bob Fitzsimmons 98 Kämpfe regulär bestritten, wovon er in 66 siegen konnte. 59 Kämpfe beendete er vorzeitig. Er musste acht Niederlagen hinnehmen, und fünf „Unentschieden“ sind registriert

Bob Fitzsimmons starb am 22. Oktober 1917, nur knapp vier Jahre nach seinem letzten Auftritt im Ring. Eine schwere Lungenentzündung hatte er nicht überstanden. Bob Fitzsimmons wurde 54 Jahre alt.

Resümee

Zweifellos gehört Bob Fitzsimmons zu den „All Time Greats“ in der Boxgeschichte. In drei Gewichtsklassen schaffte er es, den Weltmeistertitel zu erringen. Es hat vor und nach ihm kaum ein Mittelgewichtler gegeben, der einen so harten Punch wie Fitzsimmons vorweisen konnte, mit dem er in der Lage war, auch Schwergewichtler niederstreckte. Sein spezieller Schlag, der Solarplexus-Schlag, ist legendär geblieben.  Mit ihm brachte er den boxerisch weit überlegenen Corbett über die Zeit auf die Bretter.

Setzt man andererseits den Fokus auf das Schwergewicht, so muss man konstatieren, dass Fitzsimmons in den zwei Jahren seiner „Herrschaft“ allenfalls eine Randfigur in der Reihe der Schwergewichtsweltmeister war. Boxerisch war Corbett deutlich überlegen, und nicht von ungefähr hat Fitzsimmons einen Refight gescheut. Gegen einen wie James J. Jeffries hatte er nie die geringste Chance, und auch gegen die nachfolgende Schwergewichtslegende, Jack Johnson, hätten seine boxerischen und kämpferischen Mittel  nach übereinstimmender Ansicht der Fachleute niemals ausgereicht.

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9 Kommentare

  1. Alex
    25. Oktober 2012 at 20:08 —

    Er war mal ein Topboxer der sich wie viele Boxer seine Karriere am Ende nochmal versaut hat

  2. johnny l.
    26. Oktober 2012 at 01:40 —

    mal wieder ein toller artikel. wer hat es ausser fitzsimmons und rjj denn noch geschafft, im mittelgewicht und im schwergewicht weltmeister zu werden?

  3. Alex
    26. Oktober 2012 at 10:49 —

    Heutzutage würde es niemand mehr schaffen im MW und HW Wm zu werden

  4. Paul
    26. Oktober 2012 at 12:32 —

    @ johnny l.

    Das war Roy Jones Jr., der IBF-WM im Mittel- und Supermittelgewicht war, WBC-WM im Halbschwer- und WBA-WM im Schwergewicht wurde.

  5. Alex
    26. Oktober 2012 at 12:53 —

    @ Paul

    Den hat er doch schon genannt

  6. Paul
    26. Oktober 2012 at 19:13 —

    @ Alex

    Stimmt. Da hab ich wohl nicht so genau hingeschaut. Sorry.

  7. johnny l.
    26. Oktober 2012 at 22:06 —

    ähm, ja, ich hätte den Namen ja auch ausschreiben können 😉

    ich denke halt, dass damals noch häufiger boxer mit relativ krassem gewichtsunterschied gegeneinander angetreten sind, so dass die leistung von jones vielleicht noch höher zu bewerten ist als die von fitzsimmons. wobei – ohne auf keinen fall die power von rjj unterbewerten zu wollen – die von fitzsimmons vielleicht noch spektakulärer war. während bei jones ja ein unglaubliches bewegungstalent, Schnelligkeit und einzigartige Kombinationen eigentlich schon ausreichend waren, um in seiner prime fast jeden boxer vor probleme zu stellen und die kraft nur noch das sahnehäubchen obendrauf war, hatte fitzsimmons „pure power“ ohne großartige Technik. ansonsten fallen mir nur noch floyd patterson ein, der ähnlich leicht war, aber er hat halt nur als amateur im mw gekämpft und, genauso michael spinks. aber bei all denen würde jetzt auch niemand auf die Idee kommen, sie als „absolute hw-dominatoren“ zu bezeichnen. sobald „native“ hws auf den plan traten, waren sie weg vom Fenster. wobei patterson halt als erster das „never come back Gesetz“ durchbrochen hat und sich am längsten gehalten hat. so gebührt vielleicht ihm die krone des „erfolgreichsten sehr leichten heavyweights aller Zeiten“.

    zum Thema „leichte Kämpfer in oberen Gewichtsklassen“ finde ich immer noch erstaunlich, dass Alexander Povetkin mit 17 noch im halbmittelgewicht unterwegs war. er sollte sich ab und zu mal wieder die alten kämpfe aus der zeit anschauen 😉

  8. Alex
    26. Oktober 2012 at 22:16 —

    @ johnny l.

    Also wenn man Michael Spinks noch dazurechnet ist er der King. Er hat selbst 2 mal gegen Larry Holmes gewonnen und 1 mal gegen Gerry Cooney. Nur sein letzter Kampf gegen Mike Tyson war nicht so gut aber da war er nicht wie bei seinen anderen Kämpfe ( hatte ich auf jeden Fall das Gefühl )

  9. babylein
    19. Dezember 2012 at 18:16 —

    endlich mal eine plattform mit kennern und nicht mit “hirnis”,machte spass zu lesen.
    ich bin fan von hollyfield nach seinem ersten sieg úber tysen,hatte der nicht auch mehrere wm titel in verschiedenen klassen?ich war damals in las vegas und hatte den formel 1 sprecher kai ebel zwischen meinen beinen sitzen,denn mit seiner rtl karte kam er damals in las vegas nicht weit(lach).an diesem abend waren 3 wm kámpfe im schwergewicht der verschiedenen verbánde wenn ich mich nicht irre,moorer-glonka,botah-akiwanda.die paarungen kőnnten auch anders gewesen sein weiss nur noch das moorer und auch akiwanda gewonnen haben.

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