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„Blitz und Donner“ in Hamburg

Die für Samstag Abend unter dem heroischen Motto „Blitz und Donner“ angekündigte Veranstaltung in Hamburg lies vermuten, dass es für das Publikum boxerische Naturgewalten zu sehen geben wird. Zumindest teilweise wurde man dem Motto gerecht. Von den angekündigten 8 Kämpfen endeten 5 vorzeitig. Nur die Kämpfe von Agron Smakici, Albon Pervizaj und Araik Marutjan gingen über volle 6 Runden und endeten mit Punktsiegen. Der vorzeitige Sieg von Klara Svenson (TKO 4) über eine 19-jährige Georgierin in einem Aufbaukampf  war eine Pflichtübung.

Ali Eren Demirezen ist neuer WBO Europameister

Um den vakanten WBO-Europameistergürtel ging es zwischen Eren Demirezen aus Hamburg und Rad Rashid aus Frankfurt. Hier hätte man vielleicht einen längern Kampf erwartet, aber der 27-jährige Hamburger dominierte den Kampfverlauf von Beginn an und zwang dem 38-jährigen Frankfürter seinen Kampf auf. Das Ende kam schon in Runde 2, als Rashid in einer Ringecke gestellt und nach einer Schlagserie ausgezählt wurde. Er war in dieser Runde bereits zuvor 2x am Boden. Man muss jetzt sehen, ob der neue WBO-Europameister demnächst „höhere Aufgaben“ bekommt.

Karo Murat holt sich den vakanten IBO-Gürtel

Der Kampf zwischen ECB-Boxer Karo Murat und Don King`s Travis Reeves verlief alles andere als man sich das vielleicht vorher gedacht hatte. Murat tat sich schwer, sich eindeutig gegen den Amerikaner durchzusetzen. Nach 8 oder 9 Runden lag Murat mindestens 2 Runden hinten. Selbst als er ihn fast am Rande eines KO hatte, liess er ihm in der nächsten Runde wieder Luft um sich zu erholen. Mit einer an „Brechstange“ erinnernden Aktion setzte Murat dann eine Minute vor Kampfende Alles auf eine Karte und prügelte auf Reeves ein. Als der sich nicht gleich wehrte, brach der Ringrichter den Kampf ab. Damit wurde Murat kurz vor Kampfende doch noch vorzeitiger Sieger. Nach Punkten hätte es sicher nicht gereicht. Man kann unterschiedlicher Meiunung darüber sein, ob der Abbruch gerechtfertigt war. Co-Kommentator Rocky Rocchigiani sah es jedenfalls anders als der Ringrichter. Heute wird in der Presse gesagt, dass Murat bereits ab Runde 1 mit gebrochener Rippe geboxt hat. Um so unverständlicher bleibt, weshalb er so wenig getan hat um sich zu schützen. Im Gegenteil: Er kassierte in fast jeder Runde mehr Treffer als nötig.

Sebastian Formella bezwingt Angelo Frank

Um den IBO-Inter-Conti und den WBO-Europameistertitel sollte es zwischen den Hamburgern „Hafenbasti“ Formella und „Europa“ Frank gehen. Im Vorfeld glaubte man an eine Ringschlacht. Der Kampf war recht gut anzusehen, aber die erwartete Schlacht blieb aus. Formellas Ringdominanz wurde im Verlauf des Kampfes immer deutlicher. Er bestimmte das Kampfgeschehen und war dabei auf schnellen Beinen unterwegs. In Runde 7 schickte er Angelo Frank durch einen heftigen Körpertreffer zu Boden. Davon erholte sich Frank nicht rechtzeitig gut genug. Er war sichtlich „angeklingelt“. Noch bevor Hafenbasti sein „Werk“ vollenden konnte, kam das Handtuch aus der Ecke geflogen.

Tyron Zeuge sorgt im Rematch für klare Verhältnisse

Im Rückkampf zwischen WBA-Weltmeister Tyron Zeuge und Herausforderer Isaac Ekpo lies der Titelverteidiger diesmal nix anbrennen und suchte von Beginn an die Entscheidung. Ekpo war zum Ende der ersten Rund am Boden und Zeuge setzte in Runde 2 nach. Der Nigerianer musste wieder runter und wurde angezählt. Ringrichter Mark Nelson befand Ekpo für nicht mehr kampffähig und nahm ihn aus dem Kampf. Das löste natürlich großen Jubel in der Sauerland-Ecke aus. Die TV-Zuschauer von Sport1 wurden etwas um diesen Moment geprellt, weil die Werbung für den Sender scheinbar wichtiger ist, als die Dramaturgie einer solchen Entscheidung.

Die Sieger dieser Veranstaltung hatten Aufgaben, die sie mehr oder weniger gut und überzeugend gelöst haben. Man wird sehen, was sie mit ihren Titeln anfangen und ob die zukünftige Gegnerschaft ihnen mehr abfordert. Besonders gespannt kann man darauf sein, ob das Sauerland – Team Zeuge in Stallduelle gegen Abraham oder Feigenbutz schickt, wie es gerade in sozialen Netzwerken diskutiert wird.

Man kann über das deutsche Boxen denken wie man will, aber es ist nicht unbedingt zielführend, solche Veranstaltungen mit überschwenglichen Anpreisungen wie “Blitz und Donner” zu bedenken. Genau so wenig gerecht ist es, wenn ewige Nörgler immer alles nur schlecht reden und sagen, uns wird Bockwurstwasser als Longdrink des Jahres verkauft. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

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2 Kommentare

  1. 26. März 2018 at 23:59 —

    Eine Veranstaltung mit Höhen und Tiefen. Zeuge hat seine Pflichtaufgabe mit Bravour gelöst, mehr aber auch nicht. Wird Zeit das er mal einen wirklich starken Gegner, der boxen kann und gewinnen will, vor die Fäuste bekommt.

    Der Kampf Murat vs Reeves war auf jeden Fall spannend bis zum Schluss, ob der Abbruch hätte sein müssen steht auf einen anderen Blatt…………..
    Murat sollte den Titel gegen gut, aber handverlesene Gegner noch 1-2 Mal verteidigen und seine Handschuhe dann an den berühmten Nagel hängen, für noch höhere Aufgaben reicht es einfach nicht. Ob Rippenbruch oder nicht, das rechtfertigt nicht das er völlig offen vor seinen Gegner steht und sich vermöbeln lässt.

    Demirezen hat bisher noch gar nichts bewiesen, außer das er gegen Aufbaugegner gewinnen kann.

    Formella könnte es vielleicht mal zum EBU-EM schaffen!?

    Smakici und Pervizaj wurden in der Vergangenheit wohl etwas zu sehr über den grünen Klee gelobt, nichts besonderes was die beiden darstellen, ihr Weg wird wohl nicht all zu weit nach oben führen!?

    Es gibt nur wenig Klasse im Frauenboxen, deshalb sollten die Kampfansetzungen vielleicht etwas ausgeglichener angesetzt werden, solche Aufbaukämpfe braucht kein Mensch, auch nicht die favorisierten Boxerinnen, denn das bringt sie auch nicht weiter.

  2. 27. März 2018 at 08:44 —

    Zeuge und Coach Brähmer forderten den Wackelprinz aus KA. Das wäre ein guter Fight, gehe aber schwer davon aus das Feigenbutz und sein Manager kneifen. Zeuge braucht für den Wackelprinz mit Sicherheit keine 5 Runden.

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