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Artur Beterbiev vs Adam Deines – 20. März Moskau

Am 20. März ist es nun endlich soweit. In Moskau werden der Russe Artur Beterbiev und der Magdeburger Adam Deines gegeneinander kämpfen. Ort des Geschehens ist der Khodynka Eispalast, der 2007 wegen der Austragung der damaligen Eishockey-Weltmeisterschaft errichtet wurde. Boxveranstaltungen fanden dort bisher selten statt. Im Eröffnungsjahr standen sich hier Ibragimov und Holyfield gegenüber. Zuletzt kämpften an dieser Stelle im Jahr 2016 Lebedev und Gassiev gegeneinander. In den Jahren dazwischen ab es kleinere Veranstaltungen. Für den zweimaligen Olympiateilnehmer Beterbiev, der in Kanada lebt, ist es der erste Profikampf im heimatlichen Russland.

Adam Deines kam auf Umwegen zu diesem IBF-Pflichtkampf. Er hatte den Eliminator gegen de Chinesen Fanlong Meng nach Punkten verloren und war da eigentlich „raus“. Leider reichte auch ein Niederschlag nicht aus, um Deines für den Kampf gegen Beterbiev zu qualifizieren. Ein Punktabzug wegen Nachschlagen egalisierte den Niederschlag. Das Urteil von 110:116, 109:117 und 111:115 war schon nicht abwegig, weil Deines zu wenig Entschlossenheit zeigte und als Rechtsausleger mit einem anderen Rechtsausleger nicht so gut klar kam. Er ist an Normalausleger gewohnt und seine Hände fanden zu selten den Weg ins Ziel. Mehr „Glanzlichter“ als den Niederschlag konnte er nicht setzen.

Also wäre es der Chinese gewesen, der um die WM kämpfen sollte. Zu diesem Kampf kam es nicht wegen Visa-Problemen und Corona-Reisebeschränkungen. Damit war Deines wieder im Spiel, aber auch die Austragung dieser Kampfpaarung hatte ihre Tücken. Erst war Deines verletzt, dann hatte sich Beterbiev mit Corona infiziert. Bleibt nur zu hoffen, dass sich in den paar Tagen bis Samstag nicht noch irgend etwas Unvorhergesehenes ereignet.

Über die Favoritenrolle in diesem Kampf muss man sich nicht großartig unterhalten. Wer sich nicht ganz so gut auskennt, kann ein bisschen über Zahlen und Namen aus den Kampfrekorden nachdenken oder wenn er meint vielleicht auch an die berühmten Pferde vor der Apotheke glauben. Es macht wenig Sinn an Wunder zu glauben, selbst wenn man weiß, dass auch dem besten Boxer mal ein fataler Fehler passieren kann. Jeder ist schlagbar, auch wenn die Vorzeichen in dem Fall eindeutig für einen Sieg des Titelverteidigers sprechen. Deines schätzt das schon selbst richtig ein: „Ich habe nichts zu verlieren.“ sagt er in einem MDR-Trailer, in dem auch Enrico Kölling seine Erfahrung mit Beterbiev zum Besten gibt. (Klick)

Auch wenn es vielleicht nicht jeder gerne hören will: Sollte es sich heraus stellen, dass Deines zum wehrlosen Prügelknaben wird, ist es bestimmt nicht ehrlos, wenn seine Ecke Verantwortung für die Gesundheit ihres Boxers zeigt. Noch einen Alexander Mengis oder Eduard Gutknecht brauchen wir nicht. Hoffen wir einfach nur, dass die Gesundheit über Allem steht.

Hier ein Trailer zur Einstimmung:

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7 Kommentare

  1. 17. März 2021 at 06:54 —

    „Noch einen Alexander Mengis oder Eduard Gutknecht brauchen wir nicht. Hoffen wir einfach nur, dass die Gesundheit über Allem steht.“
    ––––
    Danke für diese wahren Worte, mehr gibt es dazu nicht zu sagen!

  2. 17. März 2021 at 09:00 —

    Muss man solch eine Kampfansetzung zulassen?

    Kölling hatte es fast über die Runden geschafft…..könnte Deines derjenige sein der nur nach Punkten verliert? Ich denke eher nicht, da muss man sich nur mal den Kampf Härtel vs Deines ins Gedächnis rufen um zu wissen das dass am Samstag wohl eher einen Massaker gleich kommen wird!!

  3. 17. März 2021 at 18:36 —

    Ach was soll Mann dazu noch sagen?
    Schwarz hat es ja ich geschafft gegen fury anzutreten obwohl er nicht mal annähernd geeignet war,feigebutz genauso und es gibt viel mehr Beispiele,für mich grob fahrlässig das ganze

    • 17. März 2021 at 22:43 —

      Es geht ja auch nicht unbedingt darum zu gewinnen. Es geht darum, einen Boxer bei einem Verband möglichst gut in Position zu bringen und dann bei einem gut bezahlten Titelkampf zu vermarkten. Das ist z.B. SES immer wieder gut gelungen… schon mit Zavec und Konecny war das nicht anders.

      • 18. März 2021 at 00:14 —

        Ja, es geht erst mal um die Position, aber hauptsächlich geht es dann um Geld..um viel Geld!
        Du schreibst es selbst in deinen Bericht…noch einen Alexander Mengis und Eduar Gutknecht brauchen wir nicht….!
        Beterbiev hat nicht die aller Besten geschlagen, aber sein Können und seine Schlagkraft sprechen für sich, gleichzeitig sind die überschaubaren Kämpfe gegen handverlesene Gegner von Deines ein sehr großer Kontrapunkt

        • 18. März 2021 at 06:57 —

          Meines Erachtens muss die Kritik hierbei an die Verbände gerichtet sein, die so etwas als Titelkampf sanktionieren. Das sind in diesem Fall der WBC, aber vor allem die IBF mit ihren Irrsinnsrankings. Mit Meng Fanlong, Adam Deines, Ricards Bolotniks, Craig Richards, Mathieu Bauderlique, Nick Hanning, Blake Caparello und weiteren No-Hopern haben sie hier mal wieder ein Sammelsurium von Paperchamps am Start, das den Niedergang des heutigen Boxsports auf traurige Weise dokumentiert: Die Gewichtsklassen sind in der Spitze derzeit viel zu dünn besetzt, als dass man es sich leisten könnte, vier unterschiedliche, halbwegs legitime Champions parallel zu führen.

          In der LHW-Klasse sehe ich grade mal Beterbiev, Bivol und vielleicht noch Ramirez, wenn der mal irgendwann nochmal kämpft – alles andere sind mehr oder weniger Opfer (Fanlong & Co.), haben ihre beste Zeit längst hinter sich (Pascal, Badou Jack) oder besitzen maximal Prospect-Status (Buatsi, Arthur). Und mit Smith jr. gibt es noch einen, der wenigstens interessante Kämpfe abliefert, auch wenn er gegen Bivol schon verloren hat und gegen Beterbiev kein Land sehen würde … aber immerhin ist er ein würdiger Herausforderer.

          • 18. März 2021 at 12:47

            starker Beitrag, Adolf. Genau diese absurden Rankings der Verbände hat Doug Fischer erst kürzlich kritisiert. Wen haben Leute wie Deines oder Caparello überhaupt geschlagen, um Pflichtherausforderer zu werden? Das ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Wobei er eine Mitschuld den Networks gibt, die sich anscheinend verpflichtet fühlen, dem (casual) Fan einen “Champion” zu präsentieren. So kommen auch diese Papiergürtel zustande. Was ich nicht wusste, dass viele Titelträger Verträge mit ihren Promotern abgeschlossen haben, wo Sonderzahlungen bei der Anzahl an Titelverteidigungen getätigt werden. So lässt sich natürlich gutes Geld mit Leuten verdienen, die von Beginn an chancenlos sind. Daher muss man sich auch nicht wundern, dass dieser Sport immer mehr in die Bedeutungslosigkeit verschwindet. Auch wenn Doug ein wenig voreingenommen ist, ist der Ring Magazine Gürtel tatsächlich der wahre Gürtel dieses Sports.

            Die oberen Gewichtsklassen (angefangen vom SMW) sind sehr dünn besetzt. Da hast du 2 – 3 Topleute und der Rest ist nahezu Lichtjahre entfernt.

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