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Arthur Abraham vs Paul Smith – Der Komödie zweiter Teil

Es ist zwar bereits fast 25 Jahre her, aber so etwas bleibt für die Ewigkeit im Gedächtnis hängen: Marktplatz Halle / Saale, Mai 1900: Ein Gemüsehändler, offenbar mit seinem Laster weit aus westlicher Richtung angereist, steht an seinem Stand zwischen seinen reichlich gefüllten Kisten und bietet seine Waren feil. Neben einigen begehrten Südfrüchten und heimischem Obst auch Kartoffeln und Spargel. „Friiischer rrrrrheiniiischer Spargel !“ schallt er mit kehliger Stimme über den Marktplatz. Dieses Edelgemüse war zuvor immer knapp. Der Bedarf an frischem Obst und Gemüse wurde in der DDR-Mangelwirtschaft nie gedeckt. Angebot und Nachfrage lagen meilenweit voneinander entfernt. Wer keinen eigenen Garten oder gute Beziehungen hatte, bekam niemals Spargel auf den Tisch.

Doch was dem Händler wohl nicht so ganz klar war: Man wusste irgendwie schon, wie frischer Spargel auszusehen hat. Pralle Stangen, durchgehend weiß, oben geschlossene Köpfe und unten ein frischer Anschnitt. In den Kisten lag aber alles Andere als das. Die Stangen waren in der Länge bis zu 2/3 braunfleckig. Der Spargel war regelrecht vertrocknet, als hätten die Stangen schon eine Woche lang in der Sonne gelegen. Geerntet war das edle Gemüse gewiss schon vor 10 Tagen. Wenn das „frischer rheinischer Spargel“ sein sollte, dann hatte man ihn wohl zu Fuß nach Halle getragen. Das Angebot war die komplette Verarsche – zumindest der Versuch. Regelrechter Plunder wurde für kostbare D-Mark angeboten. Eine Dreistigkeit ohne Ende, sowas überhaupt noch anzubieten. Unbegreiflich, selbst für sonst eher Leichtgläubige.

Zurück zum Boxsport. So leichtgläubig kann man gar nicht sein, dass man nicht durchschaut, wenn einem als Zuschauer nicht zum ersten mal Boxkämpfe als Weltmeisterschaft angedreht werden, die zwischen einem Weltmeister und einem drittklassigen Boxer stattfinden. Gut, einmal lässt man sich das vielleicht gefallen. Aber wenn dieser Kampf dann auch noch unbedingt ein zweites mal durchgezogen werden muss, weil ja der Gegner so stark gewesen sein soll und ein Rematch zwingend erforderlich ist, dann stehen einem fast die Haare zu Berge. Man bemerke: Abraham ist WBO-Weltmeister. Herausforderer Paul Smith ist mit knapper Not in den Top 40 des Supermittelgewichts zu finden. Abraham hat den ersten Kampf klar und deutlich nach Punkten gewonnen (119:109 und 2x 117:111). Das gewiss ohne sich dabei ein Bein auszureißen – warum auch. Für die Zuschauer war das ein Kampf für die Statistik, mehr nicht. Man hätte in einem WM-Kampf vielleicht einen besseren Boxer als Herausforderer erwarten können. Doch einen leichteren Gegner bei einer freiwilligen Titelverteidigung „für zwischendurch“ billigt man jedem Boxer mal zu.

Nicht genug damit, dass den Zuschauern dieser Gegner ein zweites mal präsentiert wird. Es muss auch noch kräftig getrommelt werden. Es ist von einem „Tag der Abrechnung“ die Rede. Weltmeister Abraham wird von seinem Trainer Wegner in Kienbaum „abgeschirmt“, damit er sich in aller Ruhe und konzentriert vorbereiten kann. Fehlt nur noch, dass das Wort „Handyverbot“ fällt, dann ist die dramatische Rhetorik komplett. Abraham sei daheim zu abgelenkt und deshalb müsse er in „die Isolation vor den Toren Berlins“. Soweit die offiziellen Töne. Man hätte auch sagen können, dass Abraham ein paar Tage Trainingslager in Kienbaum absolviert. Aber das klingt vielleicht nicht wichtig genug.

Ob man im Verborgenen nicht vielleicht doch klammheimlich lacht, weil man den Zuschauern den gleichen billigen Gegner ein zweites mal völlig ungeniert andrehten kann? Das steht auf einem anderen Blatt. Man kann gespannt ein, ob es Abraham wenigstens im 2. Anlauf gelingt, diesen Paul Smith standesgemäß abzufertigen. Ein überzeugender Sieg ist das mindeste, was man erwarten kann. Wenn es denn wenigstens diesmal geht, vielleicht vorzeitig und mit Schmackes, damit das Geheule der Briten wegen einem ungerechten Punkturteil nicht gleich nach dem Kampf wieder von Neuem beginnt.

Autor Johannes Passehl

Foto Picture Alliance

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13 Kommentare

  1. 14. Februar 2015 at 13:47 —

    “… Mai 1990” sollte es natürlich heißen…

  2. 14. Februar 2015 at 14:56 —

    Man stelle sich mal dieses Szenario vor,……Abraham nimmt seinen Gegner nicht ernst weil er ihn schon mal besiegt hat und verliert………..

  3. 14. Februar 2015 at 15:05 —

    Die Mauer muss wieder her !!!!!!
    Ich kann ja mal Vitali fragen der wollte eigendlich ne mauer einrichten im osten der ukraine,aber die ukrop “Cyborgs” und die nazischergen des Asow Battalion, die sind aber leider alle im Kessel von Debalcevo eingefangen.
    Die hätten es hier leichter hier ne Mauer einzurichten.
    Wiederstand würde es auch fast keinen geben und es würde sogar begrüsst werden die Ossis einzumauern^^
    Und gleich bitte die stasi Ferkel Merkel auch gleich mit.

  4. 14. Februar 2015 at 16:03 —

    Guter Artikel Johannes 🙂 und kann mir mal einer erklären was an den “Ossis” so schlimm sein soll? Ok der Aksent ist gewöhnungsbedürftig aber sonst? ein paar bauen Scheisse und der Rest wird einfach bestraft und der Soli Zuschlag ist eher auf die “Wessis” gewachsen.

    Mfg geboren in Hamburg bis heute dort Wohnhaft

    • Das liegt alles allein an Brähmer. Durch die Antipathie die er mitbringt, haben alle Wessis auch automatisch einen Hass auf alle Ossis, obwohl die natürlich nix dafür können.
      Brähmer gehört per One-Way Ticket nach Guantanamo Bay verfrachtet.

    • 14. Februar 2015 at 18:33 —

      sorry, das heisst akzent, und ich komme aus dem osten.
      ist nicht böse gemeint aber ansonsten hast du recht 😉

  5. 14. Februar 2015 at 16:35 —

    Ich komme mir einfach nur veräppelt vor, wenn mir als Zuschauer 2x nacheinander ein WM-Gegner von Abraham serviert wird, der normalerweise nie im Leben zu einem WM-Kampf kommen dürfte. Oder ist Abrahams Level schon so weit gesunken? Scheinbar ja.

    • 14. Februar 2015 at 18:28 —

      fuchs
      welches level?
      jetzt schreibe nicht, du hast AA mal boxen gesehen. der einzige vorteil war seine bombe im MW, im SMW ist der doch nur untergegangen.
      das war der einige gegner, gegen den er noch gewinnen kann, haben bestimmt versucht, einen von der 100 auf WM niveau zu finden.

  6. 14. Februar 2015 at 21:14 —

    Er kann anscheinend entweder nur Runden lang nichts machen und sich hinter seiner DD verstecken und dann einen entscheidenden Schlag setzen oder 12 Runden mitboxen, – dann fehlt ihm aber die Power einen Kampf vorzeitig zu beenden.

  7. 15. Februar 2015 at 01:37 —

    @Grabimir “dr octopus” Clinchko

    Wie kommst du auf so einen quatsch ne Mauer um den Osten bauen zu wollen ???
    Alles schlechte kommt doch aus dem Westen soweit ich mich als Kind erinnern kann war damals alles etwas sorgloser.
    Nicht jeder wollte jeden abzocken (kapitalismus)
    Kein Harz 4 da zu 99% jeder Arbeit hatte.
    Keine Penner
    Keine Säufer (wie sie heute vor jeden Supermarkt stehen)
    Nicht soviele stinkende Autos (zugegeben die waren extrem teuer und mit mehr als 10 Jahren Wartezeit eher unerschwinglich)
    Keine sinnlosen Demos weder von recht noch von links.
    Gut hier musste man aufpassen zu wem man was sagt (Stasi aber das hat ja heute der BND und NSA übernommen)
    Das was ich heute für einen Pfannkuchen bezahle dafür hat man früher ein ganzes Brot bekommen.
    Es gab keinen Markenklamotten für möchtegern Proleten.
    Ganz abgesehn von dem Komasaufen was ja anscheint heutzutage Mode ist.
    Was ich damit sagen will ich hatte bestimmt ne bessere Kindheit im Osten als du mit dem ganzen kapitalistischen unmenschlich unfreundlichen arroganten Volk auf deiner Seite der Grenze.
    Das ganze Ossi Wessi gelabere nervt echt extrem was bistn du für Affenkind das du sowas flaches vom Stapel lässt.
    Das ist über 25 Jahre sowas sollte überhaupt kein Thema mehr in unsrer heutigen Zeit sein.

  8. 15. Februar 2015 at 02:22 —

    GBF.Boxing
    Meine fresse nicht mal ein bisschen sarkasmus wird hier toleriert
    Ps.Das mit Ferkel Merkel meine ich ernst

  9. 17. Februar 2015 at 00:01 —

    @Grabimir “dr octopus” Clinchko

    Im bezug auf die Merkel muss ich dir aber recht geben…

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