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Arslanbek Makhmudov – nächste Station Weltmeisterschaft?

Arslanbek Makhmudov – nächste Station Weltmeisterschaft?

Zugebenermaßen eine provokante Headline. Ich hatte den russischen Schwergewichtler eigentlich auch gar nicht richtig auf dem Schirm, bis ich kürzlich in einem Boxforum auf ihn aufmerksam wurde. Die frenetischen Lobgesänge über den 31-jährigen überraschten mich und als ich leichte Zweifel an Arslanbek Makhmudovs Fähigkeiten äußerte, musste ich mich „niederrüffeln“ lassen. Wobei ich nicht generell seine Fähigkeiten in Frage stellte, sondern lediglich nachfragte, ob es nicht etwas früh wäre, gegen einen Weltmeister anzutreten.

Doch nun haut Makhmudovs Promoter Camille Estephan in die gleiche Kerbe: „Arslanbek Makhmudov wird einen Kampf gegen Anthony Joshua oder Tyson Fury erzwingen, wenn er seine Jagd nach einem Weltmeistertitel im Schwergewicht wieder aufnimmt“, erklärte Estephan vor ein paar Tagen bei „SkySports“. Das kann das übliche „Promotoren-Werbesprech“ sein, muss es aber nicht. Schauen wir uns Arslanbek Makhmudov – Kampfname ‚The Lion‘ – also einfach mal etwas genauer an.

Arslanbek Makhmudov wurde am 6. Juli 1989 in der Kleinstadt Mosdok nahe der georgischen Grenze geboren. Der Vater war Busfahrer, die Mutter Lehrerin. Schon als Kind war Makhmudov des Öfteren in handgreifliche Auseinandersetzungen auf der Straße verwickelt. Als er 9 Jahre alt war, brachte ihn sein Onkel deswegen in eine Boxhalle in Mosdok. Hier sollte Arslanbek Disziplin lernen, um Ärger zu vermeiden. Der Onkel war es auch, der während einer Autofahrt zu seinem Neffen sagte, dass er eines Tages „ein großer Star wie Muhammad Ali und Mike Tyson sein würde”, ließ Makhmudov  in einem Interview verlauten: „Das hat mich motiviert.“

Dem Boxen blieb Arslanbek Makhmudov treu, auch als er nach Moskau ging, um an der „Russischen Staatlichen Universität für Leibeserziehung, Sport, Jugend und Tourismus“ zu studieren. Er trat für das in Moskau ansässige Boxteam „Dinamo” an und gewann unter anderem die Studenten-Europameisterschaft.

Als Amateur besiegte er zum Beispiel Mahammadrasul Majidov, Erik Pfeifer und Mihai Nistor. Mit einer Bilanz von angeblich über 200 Kämpfen bei nur 10 Niederlagen zog Makhmudov im Alter von 28 Jahren ins kanadische Montreal und wechselte ins Profilager. Seinen ersten Kampf bestritt er im Dezember 2017.

Makhmudov gewann sein Debüt durch TKO. So wie auch alle Folgekämpfe. Im Mai 2019 holte sich der ‚Löwe‘ mit einem Sieg über Jonathan Rice seinen ersten Titel, den vakanten kontinental-amerikanischen Gürtel der WBC. Wenig später folgte der NABF-Titel der WBC.

Auch Samuel Peter fiel dem ‚Löwen‘ zum Opfer und verlor im Dezember 2019 durch TKO 1. Sicher: ein Sieg über ‚The Nigerian Nightmare‘ gehört heutzutage eher zu Pflicht als zur Kür, aber wenn man die Ringauftritte von Arslanbek Makhmudov – Bilanz: 11-0-0 bei 11 Siegen durch KO – mit denen von Filip Hrgovic vergleicht, kommt der ‚Löwe‘ besser weg: mehr Speed, bessere Technik, die bessere Beweglichkeit und vielleicht auch die größere Schlaghärte.

Coach von Makhmudov ist Marc Ramsay, der auch Jean Pascal trainierte und der unter anderem mit David Lemieux, Eleider Alvarez und Oscar Rivas zusammenarbeitet. Promotet wird der Boxer aus Russland vom Eye of the Tiger Management aus Montreal und Golden Boy Promotions. Keine schlechten Voraussetzungen also.

Und so geht Manager Camille Estephan auch davon aus, dass der 31-jährige bald ganz vorne mit boxt: „Er wird sicherlich ein großer Name im Schwergewicht sein, und ich glaube, er hat die Chance, noch viele Jahre an der Spitze zu stehen.“ Doch für eine echte Standortbestimmung müssten bessere Gegner her: Gegenspieler wie zum Beispiel Charles Martin, Carlos Takam oder Robert Helenius. Aber die Suche gestaltet sich schwierig, erklärt Estephan: „Er wird gemieden wie die Pest.“

Estephan glaubt ohnehin, „ … dass die einzige Opposition, die konkurrieren kann, wirklich die Champions und die Top-Fünf-Anwärter sind. Anthony Joshua und Tyson Fury werden Arslanbek Makhmudov nicht ausweichen können!“

Man darf gespannt sein.

Hier Arslanbek Makhmudov im November 2018 bei seinem fünften Profikampf gegen den US-Amerikaner Andrew Satterfield

Und hier ein Best-of Arslanbek Makhmudov:

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5 Kommentare

  1. 1. Februar 2021 at 00:33 —

    Erstaunlich ist die Tatsache, das der Kaukasus nur wenige Millionen Einwohner hat ,aber prozentual die meisten gute Kämpfer in Boxen und MMA hat.
    So wie Joshua gegen Andy Ruiz geboxt hat, traue ich Arslanbek Makhmudov einen Sieg zu.Joshua kann vor ihm nicht wegrennen.Fury ist einfach nicht berechenbar.
    Ich möchte ihn vorher gegen einen von diesen Top Boxer Chisora, Dillian Whyte,Joe Joyce…
    kämpfen sehen.

  2. 1. Februar 2021 at 09:34 —

    Ohne Frage bringt Makhmudov alles mit, was ein Heavyweight für den WM-Titel braucht und in manchen Bereichen sogar etwas mehr.

    So ist Makhmudov von Natur aus ein wahres Physismonster, der auch recht schnell auf den Beinen und mit den Händen ist. Seine Skills sind auch nicht von schlechten Eltern, aber hier gibt es dennoch das große Fragezeichen. 20 Profirunden gegen machbare Gegner sagen noch nicht wirklich etwas aus, zumal er in diesen Runden noch nicht ein einziges Mal unter Druck gesetzt wurde.

    Im Gegensatz zum Steinmann Hrgovic ist The Lion geradezu ein Kätzchen, welches auch Schlägen ausweichen kann, während er mindestens so hart zuschlägt wie Hrgovic. Im Gegensatz zu Wilder kann Makhmudov richtig Boxen und im Gegensatz zu Joshua ist Makhmudov kein geshapter Bodybilder, der “Angst” vor Treffern hat. Kämpfe gegen Chisora und Whyte sollten auf dem Weg zum WM-Titel beinahe Pflicht sein, aber ich sehe für beide keine wirkliche Chance, dafür boxt Makhmudov mit seiner Größe zu gut.

    Dubois und Joyce dürften einem Sieg näherkommen können, aber ich vermute das Makhmudov das reinste Gift für deren recht übersichtliche Deckungsarbeit ist, zumal Makhmudov auch bei Deckung ordentlich Wirkung hinterlässt. Ortiz und Povetkin halte ich mittlerweile für zu alt, wobei Ortiz mit seinen Skills und seiner Größe wohl der bessere Prüfstein wäre.

    Unterm Strich denke ich auch, dass Makhmudov in Bälde aus den vorderen Rängen nicht mehr wegzudenken ist und er seinen Meister nur in Fury finden wird. Dafür braucht er aber Kämpfe mit adäquaten Gegnern, welche ihn in der Tat wie die Pest meiden, was aber auch verständlich ist.

    Chisora würde noch wollen, der kämpft eh gegen jeden, aber alle anderen genannten haben gegen Makhmudov viel zu verlieren und das relativ sicher. Wir werden sehen was passiert, Makhmudov ist mit seinen gerade mal 31 Jahren in jedem Fall eine Bereicherung für das Schwergewicht. Es wird Zeit, dass er Erfahrung sammelt!

  3. 2. Februar 2021 at 16:11 —

    Sieht boxerisch und physisch soweit alles ordentlich aus bei Makhmudov. Die Frage ist halt, warum kämpft ein ex-Amateur mit einer Bilanz von 200 – 10 in seinem 11. Profikampf gegen Dillon Carman (14 (13) – 6 (5)), der drei seiner letzten fünf Kämpfe durch Knockout verloren hat, wenn er sich auf AJ, Wilder oder Fury vorbereiten will?

  4. 3. Februar 2021 at 01:00 —

    In Sky Sports steht ,er will als nächstes Joe Joyce kämpfen.
    Das wäre sehr interessant,weil beide im Gegensatz zu AJ viel einstecken können.Aber ob Joe Joyce seine Stellung als Herausforderer riskieren wird, ist die Frage. Aber es kann 1,5 Jahre dauern bis JJ den Champion herausforden kann,falls Fury einen Rückkampft gegen Wilder macht,dauert noch länger.

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