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Archie Moore: Der KO-Weltmeister

10 Jahre ist er der unbestrittene und alles überragende Weltmeister im Halbschwergewicht. 131 offiziell registrierte  KO-Siege schafft er in seiner aktiven Profizeit. Ein Rekord, der bis heute nicht gebrochen wurde. Archie Moore, die Halbschwergewichtslegende, will noch höher hinaus. Er versuchte zwei  Mal in Titelkämpfen, Weltmeister im Schwergewicht zu werden. Und scheitert zum Ersten an Rocky Marciano, zum Zweiten an Floyd Patterson. Dennoch: Archie Moore zählt nach der großen Zeit von Joe Louis  neben Sugar Ray Robinson zu den überragenden Boxern.  Noch mit weit über vierzig Jahren ist er Halbschwergewichtsweltmeister. In seinem letzten Kampf ist er bereits um die fünfzig.

Jugend und Amateurzeit

Schon hinsichtlich seines Geburtsdatums  gibt’s keine klaren Gewissheiten. Archie selbst setzt als Geburtsdatum den 13. Dezember 1916 an; seine Mutter behauptet, er sei 1913 geboren. Es gibt sogar manche, die behauptet haben, er sei bereits 1910 geboren. Im Übrigen: Die Mutter muss ihn kurz nach der Geburt zu seinem Onkel geben, weil ihr (sie ist erst 17 und hat eine „Teenie-Ehe“ eingegangen)  die Mittel zur Ernährung eines Kindes fehlen.  Eigentlich heißt er Archiebald Lee Wright. Mit der Aufnahme durch die Familie seines Onkels nimmt er dessen Namen an: Moore.

Sein Geburtsort ist Benoit / Mississippi.  Archie verschafft sich Respekt durch die üblichen Streetfights mit den Nachbarboys. Wegen seines Rüpelverhaltens wird er in eine sogenannte „Reformschule“ aufgenommen, damit er „anständige“ Verhaltensweisen entwickeln kann. Dort aber kommt er erstmals mit dem Boxen in Berührung und beschließt, kaum sechzehn, später Profiboxer zu werden.

Zunächst beginnt er bei den Amateuren.  Bei den Boxfans wird er damit bekannt, dass er in ununterbrochener Reihenfolge 16 Gegner ausknockt. Allerdings gibt es über diese Kämpfe keine sicheren Quellen. Seine Rechte vergleicht man schon sehr früh mit Max Schmelings rechter Geraden. Er arbeitet  bei einem Kohlenhändler für einen Hungerlohn  (berichtet wird von einem Dollar pro Tagesarbeit) und  in mehreren anderen Jobs, fühlt sich dabei bis auf die Knochen ausgebeutet. Bis er sich dazu durchringt, mit dem Boxen sein Geld zu verdienen. Auch da dauert es, bis er einen Manager findet, dem er vertrauen kann.  Es ist Felix Thurman. Vorher hat er wenig Glück mit seinen Managern, die  kaum weniger als der Kohlenhändler darauf scharf sind, möglichst viel Geld mit ihm zu scheffeln und ihn an den Gagen nur gering beteiligen.   Mit  Thurman verlässt er den Süden der USA, ab in den Westen.  Während der Reise kommt es übrigens zu einem schweren Unfall, als  sich sein Wagen durch ein riskantes Manöver des entgegenkommenden Fahrzeugs überschlägt.  Er übersteht den Unfall mit nur wenigen Blessuren und meint später,  es sei ein Zeichen gewesen, dass er auf einem Glück verheißenden Weg sei.

Archie Moore als Profi

Archies erster  publik gewordener Profikampf findet am 03. September 1935 in Poplar Bluff, einem Ort in Missouri, statt. Da ist er 19 Jahre alt, wenn man sein Geburtsjahr bei 1916 belässt.  Er schlägt Billy Simms in der zweiten Runde entscheidend.   Nach einer Reihe von Siegen (bei einer Punktniederlage), die er meistens vorzeitig gestalten kann, kämpft er erstmals im Westen der USA,  im kalifornischen  San Diego.  Wiederum passiert ein Unglück, als die eigentlich vorgesehene Arena, das Coliseum, in Flammen aufgeht. Die Veranstalter verlegen den Kampf in einen Freizeitpark, dem  Lane Field. Dort trifft er auf Jimmy Brent, einen eher limitierten Mittelgewichtler, und siegt nach wenigen Minuten in der ersten Runde durch KO.  Nach einem weiteren vorzeitigen Sieg gegen Ray Vargas, ebenfalls in San Diego, trifft er am 24. Juni 1938 auf den äußerst erfahrenen Rechtsausleger Johnny „Bandit“ Romero, der bis dahin bereits 120 Kämpfe gewonnen hat. Romero siegt nach Punkten. Im Revanchekampf, am 02. September 1938, besiegt er ihn dann im wiederhergestellten Coliseum von San Diego  aber nach 8 Runden durch TKO, nachdem Romero zwei Mal am Boden ist. Nach weiteren Siegen, die meisten vorzeitig, kehrt er nach Missouri zurück. Mitterlweile hat er sich in den USA bereits einen ziemlich guten Ruf erworben. Im Jahre 1939 gestaltet er (bei zwei Punktniederlagen)  seine Kämpfe siegreich.   Dann packt ihn die Reiselust. Und er schifft sich ein für eine längere Reise nach Australien, wo er einige Kämpfe bestreiten will.

Archie Moore in Australien

Während der Überseefahrt macht er sich an die Bordküche. Mit dem Ergebnis, dass er, in Australien angekommen, weit übers Mittelgewichtslimit hinaus ist. Da die vertraglich abgesegneten Kämpfe ausschließlich im Mittelgewicht angesiedelt sind, setzt er alles dran, sein Limit wieder zu erreichen, und kocht ab. Er berichtet selbst, wie er sich  an den genügsamen  australischen Ureinwohnern, den Aborigines, orientiert: Er verringert die Flüssigkeitsaufnahme radikal, vertilgt nur den Fleischsaft von wenig fetten Steaks und hält sich immer länger in der prallen Sonne auf, damit weitere Flüssigkeit verloren geht. Seine Fähigkeit, das Gewicht kurzfristig zu steuern, ist auch in der Folgezeit phänomenal, wenn er das Limit im Mittelgewicht, später im Halbschwergewicht,  tief halten muss. Aber andererseits auch, wenn er Gewicht zulegen muss, um im Schwergewicht zu bestehen.  In Australien  gewinnt er  ab März 1940, als bereits in Europa der Zweite Weltkrieg tobt, sechs Kämpfe gegen durchaus überdurchschnittlich einzuschätzende Gegner vorzeitig. Allerdings:  Gegen den  australischen Mittelgewichtler Ron Richards, den er in einem ersten Kampf noch ausgeknockt hatte, obwohl er in der ersten Runde bis Sechs am Boden war,  ist er am 11. Juli 1940 in Sydney im zweiten Kampf „nur“ nach Punkten erfolgreich.  Immerhin ist Richards aktueller Empiremeister und australischer Meister im Mittelgewicht.

Back in den USA und schwere Krankheit

Ab Oktober 1940 ist er wieder in den Staaten und absolviert einige erfolgreiche Kämpfe. Seine Formkurve zeigt aber strikt nach unten. Den Kampf gegen Eddie Booker in San Diego im Februar 1941 übersteht er nur knapp mit einem Unentschieden. Dann wird klar, dass er schwer erkrankt ist. Im Beisein seiner damaligen Freundin bricht er zusammen. Im Krankenhaus muss eine Notoperation angesetzt werden, weil man bei ihm  diverse Magengeschwüre  feststellt und das Bauchfell vereitert ist.  Nach der sehr zögerlichen Genesung ist sein Gewicht radikal abgesunken. Und er will einfach nicht mehr zunehmen, bis man eine Blinddarmentzündung feststellt und ihn erneut operiert. Danach geht’s aufwärts. Er selbst berichtet, dass ihm seine Tante Hühnerfleisch ins Krankenhaus gebracht und ihn ermuntert habe, sich in die Sonne zu legen. Danach habe er sich erholt. Die Ärzte verbieten ihm das Boxen. Archie missachtet die Ratschläge, trainiert heimlich, indem er Schattenboxen, Langstreckenläufe oder gymnastische Übungen  betreibt. Sparring ist ihm zunächst wegen der Narben am Bauch verwehrt. Bis sein Betreuer und Freund, Felix Thurman, eine Idee hat: Er polstert seinen Bauch mit einem aufgeschnittenen Tiefschutz und  zusätzlich mit einem Blechaufsatz von Nummernschildern.  Damit hat er endlich die Möglichkeit, das Sparringtraining aufzunehmen.

Rückkehr in den Ring

Fast ein Jahr nach seinem  Kollaps, Ende Januar 1942,  steht er gegen Bobby Britt, einem allerdings eher limitierten Halbschwergewichtler, im Ring. Nach drei Runden siegt er vorzeitig. Britt hat man nach dieser schweren Niederlage nie mehr in einem Boxring gesehen. Auch in den weiteren Kämpfen siegt er vorzeitig, abgesehen von einem Punktsieg im zweiten Kampf gegen Booker, in dem es immerhin um die kalifornische Mittelgewichtsmeisterschaft geht. Insgesamt bleiben seine Einnahmen aus den Kämpfen aber gering. Er muss sich zwischendurch mit anderen Arbeiten durchschlagen, unter anderem als Mitarbeiter in einem Bahnrestaurant. Er nimmt nun jeden Gegner an, der sich bereit findet, mit ihm in den Ring zu steigen. Gegen viele bekannte Halbschwer- und Schwergewichte, die man in den Weltranglisten findet, tritt er an. Drei Mal sieht man ihn im Kampf gegen den späteren Schwergewichtsweltmeister Ezzard Charles. Am 20. Mai 1946 verliert er, aber denkbar knapp, in Pittsburgh nach Punkten. Er ist zwar in der achten Runde nach einem linken Aufwärtshaken am Boden, kann die folgenden Runden aber durchaus ausgeglichen gestalten. Am fünften Mai 1947 steht er mit Charles in Cincinnati im Ring und verliert wiederum knapp nach Punkten, nachdem er in der siebten Runde nach einem linken Körperhaken am Boden ist. Am 13. Januar 1948, dieses Mal in Cleveland, wird Moore  im dritten Kampf gegen Ezzard Charles in der achten Runde ausgeknockt. 1951 und 1952 tritt er in drei Kämpfen  gegen Harald Johnson an. Er siegt in den ersten  beiden nach Punkten, muss aber im dritten eine Niederlage hinnehmen. 

Weltmeister im Halbschwergewicht

Trotz seiner vielen Siege, die er im Laufe der Jahre in den verschiedenen Gewichtsklassen erringt, bleibt ihm ein Kampf um die Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht unendlich lange verwehrt. Die Manager der Weltmeister im Halbschwergewicht, die Archies Weg kreuzen, nämlich Freddie Mills, Gus Lesnevich und Joey Maxim , weigern sich, die Herausforderung Archie zum Titelkampf anzunehmen. Erst nachdem er eine Pressekampagne entfacht und dem aktuellen Weltmeister, Joey Maxim, eine Gage garantiert, die er per Vertrag notfalls aus seiner eigenen Tasche auffüllen will, erklärt sich der Weltmeister zum Titelkampf bereit. Am 17. Dezember 1952 schlägt er den Weltmeister in einem Kampf über 15 Runden klar nach Punkten und ist endlich am Ziel angekommen: Weltmeister im Halbschwergewicht. Da ist er bereits 36 Jahre alt (oder 39 bzw. 42, wenn man die Geburtstage anderer Quellen zu Rate zieht).

Nach dem Titelgewinn

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Seine Siegesserie geht nach seinem Titelgewinn im Halbschwergewicht unvermindert weiter. In einem ersten Revanchekampf gegen Joey Maxim verteidigt er seinen Titel im Halbschwergewicht knapp nach Punkten. Für zwei Monate, im August und September 1953, hält er sich in Südamerika auf.  Dort bestreitet er  zwei Kämpfe siegreich und wird  vom argentinischen Präsidenten Perón und seiner Ehefrau Evita im Präsidentenpalast glanzvoll empfangen, wofür er harsche Kritik einstecken muss. Nach seiner Rückkehr in die USA steht er in einem weiteren Rematch  gegen Joey Maxim und verteidigt  seinen Titel, dieses Mal  durch einen ungefährdeten  Punktsieg, nachdem Maxim in der achten und elften Runde am Boden ist. Dann tritt er In einem vierten Kampf erneut gegen Harald Johnson an, in dem  es ebenfalls  um den Halbschwergewichtstite geht, und  schlägt ihn entscheidend. Archie ist zwar in der 10. Runde am Boden, kann den Kampf aber drehen und siegt in  der 14. Runde durch TKO.  In Saint Louis war er schon im März 1953 auf den kubanischen Schwergewichtler Nino Valdes, der mit 95 kg erheblich schwerer als Moore ist, getroffen.  Archie hat mit seinem  Kampfgewicht von 81 kg wieder einmal an Gewicht zugelegt. Und  schlägt Valdes in zehn Runden nach Punkten. Im Mai 1955 kämpft er erneut gegen Valdes und siegt  in 15 Runden wiederum klar nach Punkten. Immerhin ist Nino Valdes einer, der den europäischen Titelträger im Schwergewicht, Heinz Neuhaus, schwer KO geschlagen und sich auch gegen andere Schwergewichtler der Weltklasse durchgesetzt hatte. 

 Titelkampf gegen Olson

Im Juni 1955 fordert ihn der Weltmeister im Mittelgewicht, Carl Bobo Olson, heraus. Der hatte sich durch einen Sieg gegen Joey Maxim für die Herausforderung qualifiziert.   Der Kampf geht in den Polo  Grounds von New York  über die Bühne und wird als Kampf des Jahres propagiert. Mit viel Ballyhoo wird das Ereignis monatelang begleitet. Olson wird von Moore als „halbe Portion“ beschimpft, Moore  umgekehrt von Olson als „alter Mann“ oder „Waschweib“. 30.000 Zuschauer sehen am 22. Juni 1955 den Kampf. Olson greift von Beginn an, trommelt auf Moore ein, der aber keine Schwierigkeiten mit der Abwehr der Angriffe hat. Archie zeigt sich überaus beweglich und schnell. Besonders seine Reaktionen sind hervorragend. Man muss sich vergegenwärtigen, dass er da schon an die Vierzig oder auch weit drüber ist, wenn man die unterschiedliche Quellenlage zu seinem Geburtstag ansetzt. Zur dritten Runde sieht man  Olson wieder im Angriff, aber hervorragend von Moore gekontert. Dann schlägt seine Rechte blitzartig ein, und Olson wird voll getroffen. Die dann folgende Linke haut Olson um. Moore bleibt Halbschwergewichtsweltmeister durch einen grandiosen KO-Sieg. Er fordert den Weltmeister im Schwergewicht. Und das ist Rocky Marciano.

Archie Moore im Kampf gegen Rocky Marciano und Floyd Patterson  um den Schwergewichtstitel

Der Kampf findet am 21. September 1921 im New Yorker Yankee Stadium vor 60.000 Fans statt und  erzielt vergleichsweise hohe Einnahmen für die Kontrahenten.  In der zweiten Runde legt er den Favoriten bis „Vier“ auf die Bretter. Moore behauptet später, Ringrichter Harry Kessler habe den Kampf verschaukelt, weil er ihn nach dem Niederschlag viel zu spät wieder frei gegeben habe.  Auch sonst sei Kessler während des gesamten Kampfes auf der Seite des Schwergewichtsweltmeisters gewesen. In der Kampfaufzeichnung ist davon allerdings  kaum was zu sehen. Jedenfalls erholt sich Rocky schnell, schickt Moore fünf Mal zu Boden und siegt in der neunten Runde durch KO. 

Er steckt die Niederlage aber ein, siegt in weiteren elf Kämpfen, davon nur zwei nach Punkten. Unter anderem schlägt er den kanadischen Schwergewichtsmeister James Parker vor mehr als 24.000 Zuschauern  in Toronto im Juli 1956 durch TKO in der neunten Runde. Erscheint im Ring bei der Vorstellung  mit einem schwarzen Zylinder, um anzudeuten, dass dem Gegner keine Hoffnungen verbleiben.  Nachdem Rocky Marciano ungeschlagen seinen Titel zurückgegeben hat, verdient er sich damit einen weiteren Titelkampf im Schwergewicht. Dieses Mal gegen Floyd Patterson. Am 30. November 1956 boxt er in Chicago um den verwaisten Schwergewichtsthron. Und hat keine Chance. In der fünften Runde verliert er vorzeitig. Patterson wird Schwergewichtsweltmeister.

Archies Kampfeifer lässt aber keineswegs nach.  Unermüdlich geht’s weiter. Er reist nach Deutschland. Schlägt den aufstrebenden deutschen Schwergewichtler Hans Kalbfell in Essen im Mai 1957 klar nach Punkten, nachdem er ihn in der vierten und neunten Runde am Boden hat. Max Schmeling ist  übrigens als Ringrichter tätig. Auf über 93 kg hat Moore da sein Kampfgewicht geschraubt. Besiegt auch das belgische Schwergewicht Alain Cherville mit einem überzeugenden TKO.

Die legendären Kämpfe gegen Yvon Durelle

Nach seiner Rückkehr in die Staaten verteidigt er seinen Halbschwergewichtstitel gegen Tony Anthony, den er im September 1957in Los Angeles in der siebten Runde vorzeitig besiegt. Da hat er sein Gewicht wieder mal auf unter 80 kg heruntergezogen. Nach einer Reihe von Kämpfen, die er alle siegreich beendet, sieht man ihn in zwei  legendären Titelverteidigungen gegen Yvon Durelle, dem kanadischen „Fighting Fisherman“,  im Ring. Durelle gilt als überaus hart schlagender Kämpfertyp, der mit seinem Stil auch in den USA ziemlich populär ist. Auch in Deutschland ist der Halbschwere bekannt, seitdem Gerhard Hecht im Dezember 1954 sich in Berlin nur sehr knapp gegen ihn durchsetzen konnte.  Im ersten Kampf gegen Durelle, der am 10. Dezember 1958 in Montreal abgeht, sieht man den ehemaligen Weltmeister im Schwergewicht, Jack Dempsey, als Ringrichter. Moore hat sich unter einem heißen Sonnenhimmel in Florida vorbereitet. In Montreal ist‘s dagegen bitter kalt. Er wird nun als „alter Mann“ gesehen und findet zunächst keinen Zugang zum Kampf, kommt nicht in Gang. Und wird von Durelle hart angegriffen, geht drei Mal in der ersten Runde zu Boden. Wird vom Herausforderer  weiter angegriffen, der seine große Chance aufleuchten sieht. Noch einmal findet er sich in der vierten Runde auf dem Ringbelag. Der Kampf scheint fast aussichtslos für Moore zu sein. Erst ab der siebten Runde kann sich Archie der Angriffe besser erwehren. Bringt nun Durelle in die Defensive und schlägt ihn zu Boden. Obwohl sich Durelle ebenfalls wieder erholt, ist nun Archie Moore Chef im Ring. In der zehnten Runde ist Moore, der alte Mann, der auf die Fünfzig zugeht, wenn man seinen Geburtstag auf das Jahr 1910 legt, immer noch im Vorwärtsgang. Dem kanadischen Herausforderer bleibt die Luft weg, die Kraft ist dahin, obwohl er fast zwei Jahrzehnte jünger ist. Archie Moore ist dagegen noch voller Power. In der 11. Runde muss Durelle erneut zu Boden, und bleibt dort, bis er ausgezählt ist. Archie Moore bleibt Weltmeister im Halbschwergewicht.

Nach einem Kampf gegen den Wrestler Sterling Davis, den er durch einen TKO vorzeitig gewinnt, nachdem er sich wieder auf ein Kampfgewicht von über 87 kg gezaubert hat, tritt er erneut in der zweiten Titelverteidigung im Halbschwergewicht  gegen Durelle an. Dieses Mal gibt es keinen Zweifel, keine Anlaufzeit. In der dritten Runde schlägt er Durelle drei Mal zu Boden und siegt durch KO.  

Die letzten Jahre

Seinen Kampfnamen „Alter Mungo“ bezieht er nach seiner eigenen Aussage aus der Fähigkeit des Mungos, die größten und giftigsten Schlagen töten zu können, und genau dies mache er auch mit den Schwergewichtlern. Nach seinen Durelle-Kämpfen verteidigt er seinen Titel gegen den italienischen Halbschwergewichtler und späteren Europameister, Giulio Rinaldi,  im Juni 1961 im Garden. Dann ist er wieder im Schwergewicht. Und schlägt das argentinische Schwergewicht Ajejando Lavorante und  den Weltranglistenboxer Howard King vorzeitig. Trifft am 15. November 1962  dann auf Muhammad Ali, der ihn nach vier Runden vorzeitig durch TKO besiegt. Archie ist drei Mal am Boden, chancenlos. In seiner Autobiographie schreibt Ali, dass er über diesen Sieg eher traurig gewesen sei, als dass er gejubelt habe. In seinem letzten Kampf, am 15. März 1963, besiegt er den Schwergewichtler Mike de Biase, einen Wrestler, der am Kampftag 104 kg wiegt,  nach drei Runden durch TKO. Er selbst hat sein Gewicht wieder mal auf 93,4 kg gebracht. 

Seine Kampfstatistik ist phänomenal: Archie Moore lieferte während seiner Profikarriere insgesamt 219 Kämpfe ab. 185 Siege sind zu verzeichnen, davon 131 durch KO oder TKO. 23 Niederlagen musste er hinnehmen, 10 Kämpfe gingen unentschieden aus.

Bekannt wurde Archie einem größeren Publikum auch durch seine Mitwirkung bei der Verfilmung von Mark Twains „Huckleberry Finn“ als Sklave Jim. Häufig war als Prediger mit dem Ziel unterwegs, Kinder von der Straße wegzubekommen. Dort, wo er die meisten seiner Kämpfe absolviert hatte, blieb er auch nach seiner Karriere: in San Diego. Am 09. Dezember 1998, nur wenige Tage vor seinem 85. Geburtstag (nach Archies Angaben),  verstarb er in einem Pflegeheim in San Diego, nachdem er sich vier Jahre zuvor einer Herzoperation unterziehen musste, an einem Herzinfarkt.    

Fazit

Archie Moore ist zumindest im Halbschwergewicht als ein ganz Großer, ja als Jahrhundertboxer, wie  ihn manche bezeichnet haben, einzuordnen. Über zehn Jahre beherrscht er die Szene im Halbschwergewicht, gilt quasi in dieser Gewichtsklasse als unschlagbar. In seiner Karriere trat er gegen nahezu alle Boxer im Halbschwergewicht und auch Schwergewicht an, die in den damaligen Weltranglisten zu finden sind. Frappierend ist, dass er sich offenbar mit zunehmendem Alter immer mehr verbessern und steigern konnte, sowohl im Bereich der Technik als auch auf dem konditionellen Gebiet, selbst hinsichtlich der Beweglichkeit. Auch seine Schlagkraft blieb bis ins hohe Boxeralter erhalten. In Europa gab es auch im Schwergewicht  kaum einen, der ihm hätte widerstehen können. Für viele unfassbar war seine Fähigkeit, sein Gewicht den jeweiligen Herausforderungen seiner Kämpfe anzupassen.  In kurzer Zeit ist es ihm immer wieder gelungen, sein Gewicht aus Kämpfen mit Gegnern aus dem Schwergewicht, in denen er   z.T. über neunzig Kilogramm „einbrachte“, ins Halbschwergewichtslimit zu drücken oder sogar  die Anforderungen fürs Mittelgewicht  zu erfüllen. Seine Kampfkraft hat dadurch nach übereinstimmenden Berichten niemals gelitten.  Umgekehrt schaffte er es ebenfalls, und das manchmal in wenigen Wochen. Das „Rezept“ hierzu hat er aber nie wirklich preisgegeben.  Sein Alltime-Rekord in KO-Siegen besteht nach wie vor. Aber nicht nur deshalb wird er eine Legende bleiben.

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19 Kommentare

  1. Dampfhammer
    9. Februar 2012 at 13:04 —

    Ich finde diese remember-Artikel immer sehr interessant, danke!

  2. Tom
    9. Februar 2012 at 13:15 —

    @ Paul

    Hast mal wieder einen klasse Bericht verfasst,bei dem ich wieder einige Einzelheiten neu dazu erfahren habe.

    Aber ab dem Absatz…”Die letzten Jahre” ist dir offenbar etwas durcheinander geraten,denn du schreibst das er gegen Ali am 15.Nov.´63 geboxt hat und gleich darauf das Moore seinen letzten Kampf am 15. März´63 bestritten hat.
    Außerdem steht im ersten Absatz das er 145 Kämpfe durch Ko gewonnen hat(so ist mir das auch bekannt),aber in seiner Statistik schreibst du das es “nur” 131 Ko-Erfolge waren!

  3. Shannon Arreola
    9. Februar 2012 at 13:17 —

    So, und jetzt z.B. mal mit dem Lebenslauf vom “Deutschland sucht den Superstar” – Model felix Sturm vergleichen.Und dann mit dem jeweiligen Einkommen als Profiboxer.Für Archie Moore müssen solche Boxer wie “Mädchen” wirken.

  4. Ayotec
    9. Februar 2012 at 15:34 —

    Wow
    solche beiträge frischen Erinnerungen von vergessene Legenden und Talenten auf, die man bei so einem Tohubabohu im Boxsport vergessen hat.

  5. Rock
    9. Februar 2012 at 17:57 —

    @Paul
    Kann mich nur anschließen. Die Artikel sind wirklich gut.
    Boxerisch hatten vor allem die 60er und 70er Jahre ein ganz andere Qualität. Zumindest im Schwergewicht.

  6. gutszy
    9. Februar 2012 at 18:33 —

    klasse, weiter solche artikel!

  7. gutszy
    9. Februar 2012 at 18:33 —

    klasse, weiter solche artikel!

  8. Paul
    9. Februar 2012 at 18:40 —

    @ Tom

    Danke für die Hinweise.
    Bei Ali habe ich die Jahreszahl verwechselt: Es war der 15.11.1962, nicht 1963.
    Zu den KO-Siegen: Auf die Zahl 145 bin ich gekommen, weil ich da wohl einige nicht offiziell registrierte Kämpfe einbezogen habe, wie sie in manchen Quellen angegeben sind. Zutreffend ist aber die offizielle Zahl 131. Das habe ich auch entsprechend geändert. Nochmals: Danke. 🙂

  9. DR_BOX
    9. Februar 2012 at 18:58 —

    @ Shannon

    Also so wie der Plakettenverkäufer?

  10. Paul
    9. Februar 2012 at 19:25 —

    @ Ayotek

    Das ist einer der Gründe, weshalb die Kategorie “Boxgeschichte” eingeführt wurde. 🙂

  11. DR_BOX
    9. Februar 2012 at 19:40 —

    @ Paul

    Noch schöner wäre, wenn Ihr “Autoren” Euch nicht hinter Nicks verstecken würdet.

  12. Paul
    9. Februar 2012 at 19:47 —

    @ Dr_Box

    Der “Nick” ist mein echter Vorname. Aber das nur nebenbei. 🙂

  13. DR_BOX
    9. Februar 2012 at 19:51 —

    @ Paul

    Interessant … wo steht der dennn hier?

    Geschäftsführer: Stefan Wiegard, Mario Witte, Nico Zeifang

    Weitere Redaktion:
    Benjamin Antemann
    Lisa Wichert
    Stefan Wiegard
    Mario Witte
    Nico Zeifang

  14. Paul
    9. Februar 2012 at 22:49 —

    @ Dr_Box

    Ich gehöre nicht zur Stammredaktion, sondern arbeite nur gelegentlich mit. Hauptberuflich mache ich was anderes. Ich hoffe mal, dass Dir das als vorläufige Info genügt. *g

  15. bareknuckles
    9. Februar 2012 at 22:55 —

    Die Rubrik ist mein Hauptinteresse hier.
    Danke für all die guten Artikel!

  16. DR_BOX
    10. Februar 2012 at 14:54 —

    @ Paul

    So wie “adrivo”?

  17. Tom
    12. Februar 2012 at 01:47 —

    @ bomberman

    Abgesehen davon das es bei dir anscheinend keine Regel gibt für Groß-und Kleinschreibung,hapert es auch dir an Satzzeichen!

  18. Paul
    12. Februar 2012 at 10:59 —

    @ Bomberman

    1. Ich kann in dem Artikel nicht erkennen, dass da eine reine Aufzählung der Moore-Kämpfe stattfindet. Bei der Vielzahl von Fights, die Archie bestritten hat, ist nur ein geringer Teil der wichtigsten oder interessantesten angesprochen worden.
    2. Ich glaube nicht, dass die Länge von Sätzen oder ihre Verschachtelung dazu dient, einen Artikel “interessanter” oder “flüssiger” zu gestalten. Du kannst aber davon ausgehen, dass ich durchaus in der Lage bin, Sätze zu formulieren, die durch Satzzeichen verbunden sind.
    3. Die in Deinem Beitrag erkennbare Ansicht, der durchschnittliche Leser von boxen.de habe einen wenig hohen Bildungsgrad, klingt nach meiner Auffassung ziemlich arrogant. Natürlich gibt’s auch in diesem Portal Leser bzw. Kommentatoren, die wenig Bildung und Verständnis erkennen lassen. Das gilt aber keinesfalls für den “durchschnittlichen” Leser.

  19. DR_BOX
    12. Februar 2012 at 12:14 —

    @ bomberman

    LOL

    Ich sehe hier vor allem einen, der vermuten lässt, dass sein

    Bildungsgrad Anlass zur Besorgnis gibt … bomberman.

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