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Diesen Samstag: Anthony Joshua vs Kubrat Pulev PLUS Staredown-Clip

Diesen Samstag: Anthony Joshua vs Kubrat Pulev

Muss man über diesen Kampf noch einmal Worte verlieren? Und kann man überhaupt etwas ansprechen, was im Bezug auf diese Begegnung nicht schon gesagt oder geschrieben wurde? Vermutlich nicht. Und doch verlangt die journalistische Sorgfaltspflicht noch einen abschließenden Vorbericht.

Aber was schreibt man, wenn der jüngere und größere Boxer schon Weltmeister ist und sein Gegner im Spätsommer seiner Karriere nur als Underdog gehandelt wird? Sicher, im Schwergewicht kann ein Schlag alles entscheiden. Aber steckt so ein Schlag noch in der 39-jährigen ‚Cobra‘? Die Quoten der Wettanbieter und die meisten Experten sehen Kubrat Pulev als den krassen Außenseiter. Das war Andy Ruiz allerdings auch.

Fraglich ist, ob es Pulev gelingt, ‚AJ‘ zu beindrucken. In einem Interview hat ‚The Cobra‘ seinem Gegner zwar gute Technik attestiert, jedoch auch eine Schwachstelle ausgemacht: „Ja, er (Anthony Joshua) hat das Können, aber er hat seine mentale Stärke noch nicht gezeigt. Das ist etwas, das in dir stecken, das muss dir im Blut liegen, und das fehlt ihm. Und egal, wie stark er mental ist, ich weiß ich bin der Härtere. Das ist der Unterschied, meine Stärke wird sich durchsetzen.“

Anthony Joshua hält dagegen: „Ich habe mir eine dickere Haut zugelegt und war schon immer hart im Nehmen. Der Druck, den ich letztes Jahr erlebt habe, war hart. Aber er hat mich mental stärker gemacht.”

Experten gehen davon aus, dass Pulev den Infight vermeiden und sich nicht auf einen Schlagabtausch einlassen sollte. Doch der bulgarische IBF-Pflichtherausforderer scheint andere Pläne zu haben: „Es wird die ganze Zeit ein psychologisches Spiel, ein Schachspiel sein. Ein Schachspiel auf höchstem Niveau, doch das Kampfende wird blitzschnell kommen. Ich kann den Fans sagen, dass ich AJ ein weiteres Mal bloßstellen werde. Ich werde beweisen, dass sie den Falschen vergöttern. Ich werde ihn zum zweiten Mal vor der Welt bloßstellen.“

Man darf gespannt sein. Im Kampf gegen Rydell Booker im November 2019 ließ Pulev spektakuläre Aktionen vermissen und gewann am Ende „nur“ einstimmig nach Punkten. Ein Jahr später schlug ‚Stone Man‘ Hrgovic den US-Amerikaner durch TKO 5.

Möglicherweise hatte Kubrat PulevRock n’ Rye“ Booker nicht ernst genommen, doch das ist im Bezug auf ‚AJ‘ nicht der Fall, wie die ‚Cobra‘  erklärt hat: „Ich laufe 10 km innerhalb von circa 50 Minuten im Pirin-Gebirge im Südwesten Bulgariens, um meine Ausdauer zu trainieren. Ich bin auch auf den berühmten Tooth Peak geklettert, was wirklich schwieriges Gelände ist. Der Peak ist bis zu 2600, 2700 Meter hoch, wo die Luft sehr dünn wird. Ich habe auch oben in den Bergen, im berühmten olympischen Sportkomplex von Belmeken, trainiert. Der wurde für die Sportler der ehemaligen DDR gebaut, die auf der Suche nach den besten Trainingsbedingungen in Europa waren. Physisch und mental fühle ich mich so gut, wie noch nie zuvor im Leben.“

Falls Kubrat Pulev tatsächlich gewinnt, würde es das Schwergewicht gehörig durcheinanderwirbeln: ein Kampf zwischen ‚AJ‘ und ‚Gypsy King‘ Tyson Fury wäre zumindest vorläufig „vom Tisch“.  Pulev müsste möglicherweise den WBO-Gürtel gegen Oleksandr Usyk pflichtverteidigen und Tyson Fury würde möglicherweise doch noch gegen Deontay Wilder boxen.

So oder so bleibt zumindest zu hoffen, dass der Kampf am Samstagabend keine einseitige Angelegenheit für Anthony Joshua wird. Und einen Vorteil hat der 31-jährige Anthony Joshua auf jeden Fall auf seiner Seite: trotz Corona dürfen 1000 Fans – vermutlich durch die Bank britische – den Kampf in der Londoner O2 Arena live verfolgen.

Ab 19 Uhr laufen die Vorkämpfe, unter anderem mit den Begegnungen Lawrence Okolie vs Nikodem Jezewski, Hughie Fury vs Mariusz Wach und Martin Bakole vs Sergey Kuzmin.

Mit dem Beginn des Hauptkampfes ist gegen 23 Uhr deutscher Zeit zu rechnen. DAZN überträgt den Kampfabend live. Die deutschen Kommentatoren sind Uli Hebel und Andreas Selak.

Quelle: Matchroom Boxing

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13 Kommentare

  1. 11. Dezember 2020 at 14:09 —

    Wie sehr Pulev Schachspielchen im Ring beherrscht, hat man gegen Klitschko gesehen. Da war er der Meinung, er müsse noch Mätzchen machen, wo er die ersten Male zu Boden ging. Wäre auch spaßig, wenn es am Ende nicht komplett nach hinten losgegangen wäre.

  2. 11. Dezember 2020 at 14:19 —

    Ich sehe keine großen Chancen für Pulev, aber schön wäre es, wenn er gewinnen würde und gönnen würde ich es ihm auch. Und ja, es wäre auch möglich. Ruiz hat es gezeig!

    • 11. Dezember 2020 at 14:34 —

      Ruiz hab ich es am Ende gegönnt, weil er wirklich das kleine Dickerchen war, der komplett unterschätzt seine Chance genutzt hat. Bei Pulev hab ich da neben seinen durchshcnittlichen boxerischen Qualitäten wenig Sympathie für den Erfolg. Ich weiß nicht, was es ist, aber das Gesamtpaket, wie er rüberkommt, ist nicht meins und lässt ihn komplett blaß wirken.

      Ich denke auch nicht, dass er irgendeinen Skill im Ring hat, der AJ gefährlich werden könnte. Am Ende würde ich Pulev mit seiner durchschnittlichen Schlagkraft nicht mal nen Luckypunch zutrauen. Am Ende kann Pulev nur gewinnen, wenn sich AJ quasi selber schlägt und wenn er nen komplett katastrophalen Tag erwischt.

      • 11. Dezember 2020 at 14:49 —

        Was seine Boxkünste anbelangt, so ist Pulev für mich nicht mehr als eine giftlose Kobra. Ich sehe ihn ebenfalls chancenlos und gehe auch mit allem anderen Dakor, was Du schreibst, aber seit AJ vs. Ruiz II mag ich Joshua im Ring nicht mehr sehen und schon gar nicht mehr möchte ich ihn siegen sehen. Und schon noch viel mehr gar nicht, möchte ich dabei Hearn eingeblendet sehen.

        Aber das sind nur meine persönlichen Vorlieben, welche auf ein Jahrzehnt Klitschko-Bönte-Stil basieren.

        Allerdings hat Pulev diesen Kampf schon einige Jahre vorher verdient und er wurde, ähnlich wie Whyte, immer wieder ignoriert und daher gönne ich ihm ein Sieg.

        • 11. Dezember 2020 at 15:42 —

          Auch ich hab immer ein Herz für den Underdog, es fragt sich hier in diesem Fall allerdings, ob der Underdog genug Herz (und Skills) besitzt, die Überraschung zu schaffen.

          Vor ein paar Jahren durfte Pulev Wlad herausfordern. Wie immer, wenn der Ukrainer einen einigermaßen im Vorfeld vielversprechenden Gegner vor den Fäusten hatte, verfolgte ich den Kampf mit großen Hoffnungen – und bin noch nie derart enttäuscht worden. Ich muss sagen, dass Pulev die ebenfalls unterirdischen Leistungen von Haye und Povetkin, den Boxern, denen ich ebenfalls einiges gegen Klitschko zugetraut hatte, nochmals unterboten hat. Und zwar nicht nur boxerisch, sondern auch taktisch und mental. Seine Art zu kämpfen, planlos offensiv, ohne dabei gefährlich zu werden und dann im Clinch ständig auf den Hinterkopf Waldemars einzudreschen und defensiv komplett haltlos zu agieren – das war schon fast traurig. Und, in der Zwischenzeit wissen wir, das Wlad keinesfalls der „GröBaZ“ war, wie ich es in meinem Avatarnamen andeute, sondern nur ein relativ mittelmäßiger, physisch jedoch brutal starker HW, der aufgrund mangelnder Konkurrenz jahrelang quasi „für lau“ das Schwergewicht beherrschen durfte. Denn nur ein Jahr später konnte ihn ein auf Spitzenniveau damals komplett unerfahrener Tyson Fury mehr oder weniger mühelos entthronen.

          Da, wie schon Digger es genau beschrieben hat, AJ heute die Rolle von Wlad 2.0 übernommen hat – noch stärker, aber boxerisch noch beschränkter – denke ich, dass Pulev für ihn ein absoluter Traumgegner sein wird. Ein schwerer KO in der ersten Kampfhälfte würde mich nicht wundern. Auf die Folgen dagegen, sprich Hearns Getrommel im Vorfeld eines möglichen AJ vs. Fury Kampfes und die entsprechenden finanziellen Machtspiele, habe ich weniger Bock. Allen Boxfans wünsche trotzdem einen spannenden Fight und ein schönes Wochenende!

          • 11. Dezember 2020 at 16:42

            Sehr schön beschrieben. Ebenfalls ein schönes Wochenende und einen spannenden Fight.

  3. 11. Dezember 2020 at 16:02 —

    Übrigens: da in letzter Zeit wieder, wie bei Miller mit seinem SARMs-konsum oder bei Spence jr. und
    Israel Adesanya mit ihren deutlichen Anzeichen von Gynäkomastie, öfters mal über Doping gesprochen wird – was haltet ihr von Joshuas körperlicher Verfassung? Ist er Naturalathlet und einfach ein genetischer Ausnahmefall, der darüber hinaus noch hart trainiert oder hilft er nach? Was denkt ihr?

    • 11. Dezember 2020 at 18:44 —

      Ich bin ja eigentlich ein strikter Doping-Gegner. Auf professioneller Ebene hat es nichts zu suchen, weil es den Wettbewerb verfälscht und auf privater Ebene hat es nichts verloren, weil es zu gefährlich ist. Leider ist es aber auf beiden Ebenen nicht mehr wegzudenken, dafür hat die Pharmaindustrie schon frühzeitig Sorge geleistet.

      Was nun im Speziellen Joshua betrifft, so gehe ich davon aus, dass er sehr professionell sowohl für Muskelaufbau als auch für Kondition dopt. Er mag gewisse natürliche Vorteile haben, aber ich kann mir nur sehr schwer bis gar nicht vorstellen, dass man mit dieser Muskelmasse einen professionellen Boxkampf über zwölf Runden bestreiten kann.

      Aber mich persönlich störte es nicht, wenn ich mit dieser Aussage recht hätte. Joshua boxt nur gegen Gegner, welche sich auf ähnlicher Leistungsstufe befinden und somit “defacto” selbst Doping betreiben. Für die Dopingagenturen wäre es prinzipiell auch nicht allzu schwer, eigentlich jeden Dopingsünder, zumindest im “professionellen Bereich” zu entlarven, aber dafür müssten die Dopingagenturen länderübergreifend zusammenarbeiten, weil die Wettbewerbe ja auch länderübergreifend stattfinden. Allerdings machen das die Dopingagenturen nicht und man muss sich fragenFrage, warum nicht?

      Die Antwort liegt auf der Hand; denn im Segment des Profisports lässt sich mit Siegen, Pokalen, Gürteln, Medaillen unglaublich viel Geld und Prestige generieren. Wenn man da seine stärksten Konkurrenten gleich via Dopingagentur aus dem Wettkampf kegeln kann, ist der Drops quasi schon gelutscht. Umgekehrt lässt man regelmäßig Gelder an die richtigen Stellen fließen und die eigenen Athleten werden nicht mehr des Dopings überführt.

      Doping ist für mich nur noch ein Politikum und ich erinnere da gerne an das russische Staatsdoping und die Folgen. Allerdings wird das stets auf den Rücken der Sportler ausgetragen, denn wenn es sich um einen aufgedeckten Dopingfall dreht, steht jeder Sportler plötzlich ganz alleine da. Das er ein ärztliches Betreuerteam auf höchster Ebene hat, welches den gesamten Medikamentenhaushalt und auch das Doping kontrolliert, weil Doping eben nicht ungefährlich ist und der Promoter eines Top-Boxers das für ihn finanziell kostbare Leben seinen Schützling nicht lapidar aufs Spiel setzen will, wird in keinem Artikel erwähnt!

      Würde man Doping generell weltweit und einheitlich verbieten, dann wäre das eine gute Sache, allerdings müssten wir uns dann so von einigen Boxern verabschieden und so manch einen hätten wir gar nicht erst auf großer Bühne gesehen. Rekorde würden kaum noch gebrochen und die Hall of Fame wäre nur noch die Hall of Shame. Wäre das unter den gegebenen Umständen soviel besser?

  4. 11. Dezember 2020 at 16:37 —

    Hab Pulev noch nie so schlank gesehen. Wo sind die Arme hin ???

  5. 11. Dezember 2020 at 23:28 —

    Für mich stellt sich nur eine Frage…hat Pulev an seiner Deckung gearbeitet?……Wenn nicht geht er gegen Joshua schneller und heftiger Ko als gegen W.Klitschko!

    Habe bei Pulev nicht immer alles verstanden…er war 2 Mal Europameister… mit dem Titel hätte er viel Geld verdienen können, hat aber nie verteidigt….!?

    Ja, er hat die Chance Joshua zu besiegen,..aber ist er dazu noch fit genug,..hat er neben Plan A auch noch Plan B,C,D und F….?

    Gut, ich habe auf Pulev gewettet,…haushoher Favorit ist allerdings Joshua!

    • 12. Dezember 2020 at 14:00 —

      @ Marvin … ich meine auch, dass der ehemals ziemlich prestigetächtige EBU-EM-Titel mittlerweile kaum noch eine Rolle spielt (dafür gibt es jede Menge Silver-Belts – vor allem Charr hat die ja eine Zeitlang gesammelt wie ein kleines Kind Ü-Eier). Weißt du zufällig, woran das liegt und, wieviel Geld ungefähr man damit früher – vielleicht sogar heute noch – man mit so einer TV verdienen konnte/kann?

      • 12. Dezember 2020 at 20:31 —

        @ adolf klitschko

        Ja, es ist leider so das anscheinend der EBU-EM-Titel leider nicht mehr so viel zählt wie es eigentlich sein müsste!

        Ein guter EBU-EM hat in früheren Jahren….in den 50igern aufwärts richtig gutes Geld verdient!
        Gut, keine Millionenbörsen, aber richtig gutes Geld!

        Die Titelflut der verschiedenen Verbände macht vieles kaputt, denn hast du z.B. einen kleinen Titel bei der WBA,WBC,IBF,WBO, steigst du in deren Ranglisten mit jeder Titelverteidigung nach oben, dabei wird aber vergessen das der WBC und die EBU irgendwie verbandelt sind….soll heissen jede Titelverteidigung des EBU-Titels treibt dich bei der WBC ganz schnell nach oben!

        Nehmen wir mal einen Boxer wie Rene Weller, der hat in den 80igern mit seinen Titelverteidigungen des EBU-EM-Titels ein kleines Vermögen verdient!

        Mir persönlich ist ein richtig guter EBU-EM tausendmal lieber als eine Pseudo-Champ der, z.B.WBA, M. Charr!

        Bin auch der Meinung das die Spitze in den verschiedenen Gewichtsklassen der EBU härter umkämpft sind, soll heissen…..die Spitze, bzw. die Topleute sind näher zusammen!

        Kann mich noch an den Anfang der 80iger erinnern als man als Boxfan noch richtig stolz war wenn ein Deutscher oder ein Boxer der für einen, damals sehr wenigen, Boxstall die Titelchance bekam um den EBU-Titel zu boxen!

  6. 12. Dezember 2020 at 15:18 —

    Na da kann es wohl jemand kaum erwarten, sich eine Tracht Prügel abzuholen… 😀

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