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Anthony Joshua – Rückkehr auf die Siegerstraße nur mit neuem Trainer?

Anthony Joshua – Rückkehr auf die Siegerstraße nur mit neuem Trainer?

Unmittelbar nach dem Sieg von Oleksandr Usyk über Anthony Joshua war die Boxwelt genau so geteilt, wie vor dem Kampf. Die einen ließen sich feiern, weil sie den Sieg des Ukrainers vorhergesagt hatten, die anderen mussten zugeben, dass sie mit ihren Prognosen – einen KO-Sieg oder zumindest die klare körperliche Überlegenheit des britischen Heavyweights betreffend – danebengelegen hatten. Einig waren sich alle nur in einem Punkt: von Anthony Joshua kam bei weitem nicht genug, um Usyk auch nur ansatzweise in Verlegenheit zu bringen.

Kein Wunder, dass auch irgendwann Kritik an Joshuas Coach Robert McCracken laut wurde, zumal aufmerksame Zuschauer gehört haben wollen, dass der 53-jährige seinem Schützling „brillant“ zurief, während der gerade im Seilgeviert vorgeführt wurde. Auch als ‚AJ‘ auf den Punktzetteln schon deutlich zurück lag, soll McCracken Joshua in den Ringpausen gelobt haben.

Fraglich ist, warum Joshuas Trainer so gehandelt hat. An mangelnder Kenntnis der Sachlage kann es eigentlich nicht gelegen haben. McCracken stand fast zwei Jahrzehnte als Amateur und Profi im Ring, begann im Weltergewicht und beendete seine aktive Karriere als Mittelgewichtler mit einer Profibilanz von 33 Siegen bei 35 Fights.

Im Rahmen seiner Arbeit als Boxcoach war McCracken nicht nur Cheftrainer des britischen Boxteams bei den Olympischen Spielen 2012 und 2021, sondern zudem der einzige Trainer, den Carl Froch in seiner gesamten Profikarriere hatte. Auch Joshua, den McCracken zum IBF-Weltmeister und zum WBA-Superchampion machte, wurde bisher sowohl bei den Amateuren als auch bei den Profis ausschließlich von ihm trainiert.

Nach dem enttäuschenden Auftritt gegen Usyk, muss man sich nun aber wohl die Frage stellen: ist McCracken noch der richtige Mann? Möglicherweise haben sich Joshua und sein Promoter Eddie Hearn auch schon mit diesem Gedanken beschäftigt. Bislang ist aber nicht an die Öffentlichkeit gedrungen, dass man McCracken ersetzen oder dem Team einen zusätzlichen Strategietrainer hinzufügen wolle.

Vielleicht hat Anthony Joshua immer noch die KO-Niederlage gegen Andy Ruiz im Kopf und es fehlt schlicht und einfach die mentale Stärke. Wie Ex-Weltmeister Sergio Mora vor ein paar Tagen bei „DAZN“ dargelegt hat, hält er McCracken durchaus für einen guten Coach: „Er (Joshua) braucht einen neuen Strategen, (…) keinen neuen Trainer. Er hat einen verdammt guten Trainer in Rob McCracken. Er braucht nur eine neue Stimme, eine neue Perspektive und einen neuen Strategen.“

Doch nicht alle sind der Meinung, dass McCracken und ‚AJ‘ weiter zusammenarbeiten sollten. Und es hat in der Vergangenheit vergleichbare Fälle gegeben, in denen sich der Wechsel des Coaches positiv bemerkbar gemacht hat: Emanuel Steward konnte die Karrieren von Lennox Lewis und Wladimir Klitschko nach ihrer Entthronung neu gestalten, machte beide Boxer defensiver, arbeitete an ihren Jabs.

Auch Freddie Roach könnte man nennen, der das Training von Amir Khan nach seiner KO-Niederlage gegen Breidis Prescott übernahm. Oder Buddy McGirt, der Callum Smith nach seiner Niederlage gegen Saul Alvarez wieder aufgebaut hat.

Und es gibt Fachleute, die in diesem Zusammenhang auch den Namen Teddy Atlas nennen. Der US-amerikanische Sportjournalist Chris Mannix hat jüngst in einem Interview gesagt: „Er (Atlas) ist jemand, der schreit und einen anderen Kampfstil diktiert. Ich denke, das ist es, was Anthony Joshua gerade braucht.“ Ich persönlich glaube allerdings nicht, dass Atlas für Joshua der richtige Mann wäre.

In einem „DAZN“-Interview hat sich jetzt Tyson Fury ins Spiel gebracht und behauptet, wenn er Anthony Joshua für das Rematch mit Oleksandr Usyk trainieren würde, dann würde sich Joshua seine Gürtel zurückholen können: „Ich habe meine Dienste angeboten, um ihn für seinen Rückkampf zu trainieren. Und ich garantiere Ihnen: er würde gewinnen! Ich würde ihn dazu bringen, wie ein großer Mann zu kämpfen.”

Was meinen die Leser von Boxen.de? Sollte Anthony Joshua weiter mit Robert McCracken arbeiten, sich einen zusätzlichen Strategiecoach ins Team holen oder besser „auf ein neues Pferd“ setzen? Und falls ja: mit wem sollte ‘AJ’ zusammenarbeiten?

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13 Kommentare

  1. 7. Oktober 2021 at 21:45 —

    Haha, Tyson Fury … das wärs doch. Oder aber Big John, sein Daddy. Oder aber Ben Davison, milanista82, ein User, der hier öfters mal interessante Kommentare schreibt, hatte das vorgeschlagen. Und Mora hat vielleicht recht: McCracken nicht auswechseln, sondern nur eine neue Stimme, einen neuen Berater zum Team ergänzen, ist eventuell das Richtige, weil McCracken derjenige ist, dem AJ vertraut. Bedingung ist dann aber , dass diese Stimme auch gehört wird.

  2. 8. Oktober 2021 at 16:48 —

    ich kann mir nicht vorstellen das das problem von joshua lösen wird.aj hat nach der niederlage gegen ruiz völlig sein selbstvertrauen verloren und den hunger (auge des tigers lol).ruiz hatte im ersten kampf den unbedingten wille zu gewinnen und natürlich auch usyk.aj hat mehr angst sich zu blamieren als unbedingt gewinnen zu wollen,wie bei dem super fight mit klitschko.so wirkt er auf mich wenn er in bedrängniss im ring gerät.meistens fängt er dann nur blöd an zu zu grinsen wie bei ner schulhofschlagerei aber nichts zu sehen davon sich wieder zurrück zu kämpfen mit aller macht.wenn er das nicht wieder findet sollte er besser aufhören mit profi boxen .

  3. 8. Oktober 2021 at 17:19 —

    Wenn überhaupt kann da doch nur ein anderer bzw zusätzlicher Mental-Coach was bewirken.. Wie gesagt, wenn überhaupt..
    AJ hat ja keine großartigen technischen Schwachstellen, die man unbedingt verbessern müsste.. Er ist einfach mental so “stark” und widerstandsfähig wie ein Blatt Papier.. Ob man da was ändern kann..? Vermutlich wird das eher schwierig..
    Hinzu kommt, dass seine punch-resistance ähnlich low ist wie sein Wille sich gegen drohende Niederlagen zu stemmen..
    Wer meint, dass AJ´s Schwächen erst seit dem Ruiz Fight vorhanden sind, hat mMn nur bedingt Recht.. Sowas passiert eben, wenn das Level der Gegner steigt..

  4. 8. Oktober 2021 at 17:42 —

    Wenn überhaupt kann da doch nur ein anderer bzw zusätzlicher Mental-Coach was bewirken.. Wie gesagt, wenn überhaupt..

    ja da stimme ich dir 100% zu .

    Wer meint, dass AJ´s Schwächen erst seit dem Ruiz Fight vorhanden sind, hat mMn nur bedingt Recht.. Sowas passiert eben, wenn das Level der Gegner steigt..

    ich fand er war vor der ruiz niederlage mental besser und dadurch viel stärker .
    gegen white oder pow war er auch in bedrängniss geraten, dass sah doch schon viel besser aus als die letzten 3 kämpfe revenge gegen ruiz inbegriffen .

    • 8. Oktober 2021 at 18:54 —

      Ich fand ihn trotz des Sieges vs Povetkin ehrlich gesagt auch nicht sonderlich stabil..
      Aber das kann auch jeder anders empfinden bzw deuten..

      • 8. Oktober 2021 at 21:36 —

        Seh ich genauso, Povetkin 4 Jahre jünger und AJ hätte auch da schon seinen Lehrmeister gefunden. Past WK zu schlagen, ist für mich kein Zeichen absoluter Dominanz.

        • 9. Oktober 2021 at 07:44 —

          Ja denke ich auch..
          Ich will ja jetzt nicht übertreiben ,aber selbst vs Pulev hatte ich das Gefühl, dass das ne knappe Kiste geworden wäre, wenn der Bulgare nicht schon deutlich past prime gewesen wäre..

  5. 8. Oktober 2021 at 21:43 —

    Das jetzt überall diskutiert wird das AJ mit einem anderen Trainer erfolgreicher boxt ist in meinen Augen nicht ganz fair. AJ ist mit seinem Talent an seiner Grenze angelangt und egal wer ihn trainiert, er wird Leute wie Usyk, Fury niemals schlagen können, dafür fehlt ihm einfach das letzte Quäntchen Talent. So einfach seh ich das. Was auch nicht weiter schlimm ist, da er ja sehr viel erreicht hat! Regina Heimlich hat mal einen, wie ich finde, sehr gut Vergleich zu Axel Schulz gezogen: ” du kannst einen Pudel noch so sehr und gut trainieren, er wird nie ein Kampfhund und bleibt einfach ein Pudel” AJ kann und soll stolz auf seine Erfolge sein aber für Ausnahmen wie Usyk oder Fury reicht es halt nicht, egal mit welchem Trainer auch immer. Ist ja schließlich keine Schande der dritt oder viert, beste Boxer der Welt im Schwergewicht zu sein.

  6. 9. Oktober 2021 at 10:59 —

    Mit dem Pudelvergleich war Steffen Kretschmann gemeint und nicht Axel Schulz und zwar vor dem Rückkampf gegen Denis Bakhtov. Ich denke AJ ist nicht mental schwach, er ist so übertrieben überzeugt von sich, dass er andere Boxer garnicht für voll nimmt. Ein Trainerwechsel bringt überhaupt nichts weil er schon alles hat um erfolgreich zu sein. Das beste Team, die besten Sparringspartner, eigene Köche usw… Er wird sich nicht mehr großartig verbessern können!! Es gibt manchmal einfach Leute, gegen die gewinnt man halt nicht weil sie eben besser sind…

    • 9. Oktober 2021 at 11:38 —

      Von mir aus hat sie das über Kretschmann gesagt, mir ging es um den treffenden Vergleich. AJ hat meiner Meinung nach nicht den unbändigen Willen auch in schwierigen Situationen alles für den Sieg zu riskieren. Das kann man nicht lernen, es ist da oder eben nicht.

  7. Sicher hätte der Trainer was besser machen können, geändert hätte es wohl trotzdem nix.

    Usyk hat seinen Vorteil(Technik, workrate) ausgenutzt während AJ seinen Vorteil(power) nicht ausgenutzt hat.

    AJ hat das gleiche verhalten gezeigt wie schon gegen Ruiz. Sobald er gegenwehr bekommt wirkt er ratlos. Wilder hat ein ähnliches Problem, nur das Wilder dann wenigstens den KO noch versucht während AJ sich weiter zurückzieht.

    Mental war AJ gegen Graf Clinchula auf einem anderen Level. Da hat er trotz harten treffern zurückgeschlagen. Als parallele dazu genauso Wilder vs Ortiz.

    Irgendwie können beide nicht die Mentale stärken wie in diesen zwei kämpfen nochmal abrufen.

    Glaube AJ ist auch keiner der sich das noch lange antun wird. Egal ob Fury oder Usyk die Gürtel hat, die chancen sie wieder zu kriegen sind sehr gering.

    Sehe AJ noch einen großen fight und zahltag in UK gegen Fury machen und danach das Karierende.

  8. 9. Oktober 2021 at 13:13 —

    Aj wird wohl nie wieder champ werden solange usyk und fury am thron sitzen, auch gegen ein wilder wird es meiner meinung nach schwer bis unmöglich.
    Er sollte wohl den großen zahltag gegen usyk eingehen.

    Danach könnte man doch Versuchen In GB oder den USA gegen Trevor Bryan um den Überflüssigen Wba Titel zu boxen.

    So Könnte man doch noch Aj als Champ verkaufen und in GB ein paar 2 klassike “”titel-kämpfe”” auf die beine Stellen wie Damals hierzulande mit Klitschko.
    Mit Diesem 2t Rangigen Titel könnte man Anschließend doch noch in 1-2 Jahren versuchen ein Champ vs Champ Joshua fury Kampf zu bringen und es Großreden.

    Auf diese weiße Könnten Aj doch noch paar zahltage Winken und er dürfte sich nochmal “”champ”” nennen.

    Wie oben gesagt wird es auf dem Oberen Titel Niveau bei der besetzung derzeit nicht mehr reichen.

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