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Anthony Joshua – die Qual der Gegnerwahl

Ein Beitrag von FW

Anthony Joshua – die Qual der Gegnerwahl

Fast kann man die Schweißperlen rieseln hören bei Eddie Hearn. Immerhin muss der britische Promoter noch einen Gegner für seinen Schützling Anthony Joshua aus dem Hut zaubern. Das heißt: im Idealfall nicht irgendeinen, sondern einen interessanten. Hearn hat für den kommenden Kampf seines vierfachen Weltmeisters am 13. April 2019 immerhin schon das Wembleystadion reserviert – allein es fehlt noch dekorative Gegnerschaft.

Und das ist die Krux. Tyson Fury und Deontay Wilder werden wohl erst noch einmal gegeneinander antreten, für Anthony Joshua bleiben also nur die nicht ganz so „prickelnden“ Gegner übrig. Zur Erinnerung: Joshua hält die WM-Gürtel der Verbände IBO, IBF, WBA und WBO. Wilder ist Weltmeister des Boxverbandes WBC. Ein Titelvereinigungskampf ist also erst mal nicht in Sicht. Auf der anderen Seite drohen von den Verbänden angeordnete Titelverteidigungen. Im Moment heißen die aktuellen Pflichtherausforderer Dillian Whyte (WBO) und Kubrat Pulev (WBA).

Pulev hat gerade erst einen Deal mit Top Rank ausgehandelt und Bob Arum wird seinen neuen Schwergewichtler mit Sicherheit nicht sofort verheizen wollen. “Unser Plan für ihn ist, dass er in den ersten drei Monaten des Jahres, wahrscheinlich im März, einen Hauptkampf auf ESPN macht!“ sagte Arum in einem Interview: “Es macht keinen Sinn, wenn er (Pulev) nicht auf Joshua vorbereitet ist, aber wenn er einen Top-Mann besiegt und seine Fähigkeiten verfeinert, kann er Joshua schlagen!“

Bleibt also noch Dillian Whyte. Natürlich wäre Eddie Hearn ein Kampf von Dillian Whyte gegen Anthony Joshua am liebsten. Beide Boxer sind bei ihm unter Vertrag, sodass alle Einnahmen und die WM-Gürtel so oder so bei Matchroom Boxing blieben.

Whyte sicherte sich das Recht, den Weltmeister herauszufordern, mit seinem Sieg gegen Dereck Chisora. Damit ist allerdings der „Rahm auch schon abgeschöpft“. Whyte stand schon zweimal mit Joshua im Ring. Das erste Mal zu Amateurzeiten. Im Jahr 2009 konnte Whyte den späteren Olympiasieger Joshua einstimmig nach Punkten besiegen, hatte ihn in der zweiten Runde sogar am Boden. Das Video (siehe Link unter dem Artikel) zeigt einen wenig überzeugenden Sieg. Um so weniger, wenn man berücksichtigt, dass Whyte zu dieser Zeit schon eine mehrjährige Karriere als Kickboxer hinter sich hatte: „The Body Snatcher“ war zuvor zweimaliger britischer Kickbox-Champion im Schwergewicht gewesen, hatte seine Karriere mit einem K1-Rekord von 20-1 beendet, bevor er über die MMA zum Boxen wechselte. Anthony Joshua war zum Zeitpunkt der ersten Begegnung mit Whyte im Ring noch „grün hinter den Ohren“, hatte erst 2 Jahre zuvor das erste Mal ein Boxgym von innen gesehen.

Die Niederlage des seinerzeit überforderten heutigen Weltmeisters sollte man deswegen als das einschätzen, was sie ist: Lehrgeld. So sieht es Joshua auch selber: „Dillian war zu dieser Zeit schon sehr erfahren. Das war gut, weil es mir damals zeigte, wo ich stand. Wichtig ist: ich bin nach dem Niederschlag aufgestanden und habe weitergekämpft.“
Im zweiten Kampf, in dem beide im Dezember 2015 in der Londoner O2-Arena aufeinandertrafen,  hatte sich das Blatt gewendet. Dillian Whyte hatte sich trotz seiner technischen Defizite im Ranking weiter nach oben geboxt, einziger nennenswerter Gegner des damals 27-jährigen Boxers war zu diesem Zeitpunkt Brian Minto gewesen, den Whyte in Runde 3 durch KO geschlagen hatte. Minto – dies nur nebenbei bemerkt – war zu dieser Zeit schon reichlich „über den Berg“ und hatte  Whytes „natural power“ –  wie die Briten es formulieren – nichts entgegenzusetzen. AJ dagegen hatte seine Amateurkarriere mit einer Goldmedaille bei den Olympischen Spielen gekrönt und galt als guter Techniker mit variabler Defensivarbeit.
Kein Wunder also, dass Joshua schon in der ersten Runde gute Treffer landete und sich durch KO in Runde 7 durchsetzen konnte. Whyte vertraut – wenn man vom Kampf gegen Joseph Parker mal absieht, in dem der
„Body Snatcher“ auch mal technisches Boxen aufblitzen ließ – nach wie vor mehr auf seine Schlagkraft. Sicher: im Schwergewicht kann ein Schlag alles entscheiden, aber für einen interessanten Kampf oder gar einen Sieg gegen Joshua braucht es wohl ein wenig mehr, als der Boxer aus Brixton zu bieten hat.

Das weiß vermutlich auch Eddie Hearn. Aber Boxen ist ein Geschäft und Klappern gehört zum Handwerk. Nicht anders sind wohl Hearns  Aussagen wie „Dillian Whyte gegen Anthony Joshua wäre ein ganz großer Fight!“ oder „Ich habe das Gefühl, dass Dillian eine weitere Titel-Chance verdient hat und ich habe das Gefühl, als ob er gerade jetzt in der Form seines Lebens ist.“ zu interpretieren. Fakt ist vielmehr, dass sich außer Dillian Whyte nicht viele Möglichkeiten bieten: Wilder und Fury kommen aus bekannten Gründen vorerst nicht in Frage, Povetkin hat im September gegen Joshua im Ring gestanden und verloren, Pulev steht noch nicht zur Verfügung und Jarrell „Big Baby“ Miller ist mit einem Kampf im Januar 2019 schon anderweitig verplant. Millers Gegner: vermutlich WBA Interim Schwergewichtschamp Trevor Bryan. Bliebe allenfalls noch Luis Ortiz, doch der wird wohl eher auf die Herausforderung von Joe Joyce eingehen.

Schlechte Karten also für AJ und seinen Promoter Hearn. Gibt es eine andere Option als einen Fight gegen Dillian Whyte? Allenfalls, wenn Hearn die Notbremse zöge und einem Underdog die Chance gäbe, gegen AJ anzutreten.

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Hier die im Artikel angesprochenen Links:

 

Amateurfight Joshua vs Whyte

 

Erster Profikampf Joshua vs Whyte 2015

 

 

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7 Kommentare

  1. 29. Dezember 2018 at 12:42 —

    manuel charr ist dann nicht mehr gesperrt?

    das wäre wohl der stärkste gegner, und definitiv der kampf des jahres

    oder was sagst du brennov?

    • 29. Dezember 2018 at 22:12 —

      da charr zuerst gegen oquendo boxen muss steht er auch nicht zur verfügung.

      • 30. Dezember 2018 at 08:48 —

        Genau, und wenn das dieses Jahr auch nicht zustande kommt, es gibt aktuell nicht mal einen Termin oder eine konkrete Ankündigung dazu, dann kannst du dir das immer noch als Highlight für 2020 einreden.

        Auch wenn du das vllt. nicht hören willst, aber der nächste Kampf deines Lieblings, sofern es überhaupt jemals noch einen geben wird, ist der gegen den WBA Interims Champ Trevor Bryan oder meinste die WBA wird deinem Idol ewig Zeit geben?

        • 30. Dezember 2018 at 21:28 —

          soll bryan sein interim jetzt nicht gegen miller verteidigen?

          • 30. Dezember 2018 at 21:48

            Bei boxrec seh ich aktuell noch nichts. Gut möglich. Das sollte zumindest aber spätestens danach dann so sein, dass dann der gute Manuel gegen den Sieger ran “muss”.

        • 30. Dezember 2018 at 22:18 —

          Termin für charr oquendo im April. die Arena ist schon geblockt!

          • 31. Dezember 2018 at 02:05

            steht da um den wba titel?

            wurde der charr nicht aberkannt?

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