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Als das „kleine, fette Kind“ Boxweltmeister wurde

Als das „kleine, fette Kind“ Boxweltmeister wurde

Diese Schlagzeile hört sich an wie ein Märchen. Und in gewisser Weise ist das, was am Wochenende in den ehrwürdigen Hallen des Madison Square Garden in New York stattgefunden hat, auch eines: ein kleiner korpulenter Junge entthront einen Modellathleten, den wohl alle im Vorfeld als Favoriten in diesem scheinbar ungleichen Gefecht gesehen hatten.

Wie wir nun alle wissen, kam es anders. Der von vielen für unschlagbar gehaltene Dreifachweltmeister ging baden, wirkte abwesend, benommen und unkonzentriert, fragte am Ende der fünften Runde seinen Coach, die wievielte Runde das gewesen sei. Nach der sechsten Runde eine erneute Frage an den Trainer: „Warum fühle ich mich so?“

Was die Leistung von Andy Ruiz Jr. nicht schmälern soll. Ruiz schlug Joshua in Runde 3 zweimal zu Boden, in der siebten Runde gab es erneut zwei Niederschläge …  der Rest ist Geschichte.

Und zwar eine gute, trägt der Sieg des mexikanisch stämmigen Schwergewichtlers doch dazu bei, wieder frischen Wind und Bewegung in die Division zu bringen.

Allerdings gefiel nicht allen der Sieg des Außenseiters. Stephen A. Smith vom US-amerikanischen Sportsender ESPN zum Beispiel schien sich nicht mit der Niederlage Joshuas anfreunden zu können:

 

“Es ist krank! Für mich! Für die Boxfans! Und vor allem für Deontay Wilder, der eigentlich diesen KO hätte erringen sollen!“ beklagte sich Smith bei Twitter: „Ich bin gerade so verdammt angewidert! Ich habe den Kampf dreimal gesehen. Ruiz ist gut. Solider Boxer. Schnelle Hände. Aber der Kampf, auf den wir alle gewartet haben – Wilder vs. Joshua – ist jetzt ruiniert!“

“Es war eine vernichtende Niederlage für Anthony Joshua” sagte der frühere Supermittelgewicht-Champion Carl Froch bei skysports.com. „Eine der größten, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Niemand hat das erwartet. Das Problem für Joshua ist, dass er damit jedem anderen Schwergewicht gezeigt hat, wie zerbrechlich er sein kann. “

Auch David Haye zeigte sich überrascht: „Das war wahrscheinlich die größte Überraschung, seit Buster Douglas Mike Tyson ausgeschaltet hat”, ließ Haye bei IFL TV verlauten: „Verrückt zu sehen, wie Anthony Joshua von jemandem geschlagen wurde, der ihm körperlich unterlegen war. Aber alle reden nur davon, dass Anthony Joshua verloren hat. Andy Ruiz hat gewonnen! Und wir sollten diesem jungen Mann dankbar dafür sein, dass er der Welt gezeigt hat, dass er die Nummer 1 ist!“

Erklären kann allerdings auch David Haye den „gebremsten“ Auftritt von Anthony Joshua nicht: „Es gibt einen Grund, warum er Olympiasieger ist. Es gibt einen Grund, warum er drei Weltmeistergürtel hatte! “ sagte Haye. „Aber zu keinem Zeitpunkt hatte er die Kontrolle über diesen Kampf. Es gab keine Runde, die er dominiert hat. Es war seltsam.“

Natürlich ließen es sich auch Tyson Fury und Deontay Wilder nicht nehmen, öffentlich Stelllung zu beziehen: „ Ich denke, er ist ein gebrochener Mann. Boxen ist 96% Kopf und 4% Körper.“ äußerte der „Bronze Bomber“ im Interview mit „78 Sports tv“ und nannte auch die Gründe für Joshuas Niederlage: „Ausdauerprobleme und fehlende Schlaghärte. Vielleicht könnte sich das ändern, wenn Joshua 30 Pfund an Muskeln verliert, wenn er sich darauf konzentriert, viel zu laufen, eine Diät zu machen und sich vom Gewichte stemmen fernhält.“

Ganz ohne Spot und Häme ging es bei Wilder natürlich nicht:

 

Lediglich Tyson Fury, der sich vermutlich in den Niederungen des Seelenlebens besser auskennt, als die meisten, fand auch tröstende Worte:

“Solche Dinge können passieren. Ruh Dich aus, finde Dein Gleichgewicht wieder, strukturier Dich um und komm zurück.”

 

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11 Kommentare

  1. 3. Juni 2019 at 14:45 —

    Dadurch wird die Niederlage von Alexander Dimitrenko ( 5 RD. t.k.o) gegen Andy Ruiz jr.) wiederum um einiges aufgewertet.

  2. 3. Juni 2019 at 14:47 —

    Eigentlich müsste es heißen: Boxer schlägt Bodybuilder.
    Wobei den Boxer Ruiz haben die meisten nicht zugetraut, weil er kleiner ist, dick ist und kurze Arme hat.Aber Ruiz hat harte Schläge genommen und gleich ausgeteilt.Viele haben aber auch gesehen,dass Joshua mental nicht bei der Sache war.Lennox Lewis hatte damals vor den Vitali Kampft gesagt :Nicht der gewinnt,der am härtesten schlägt.Sondern der,der am meisten verträgt.JH Schwachstelle ist auch seine schwache Nehmerqualitäten.Es ist abzuwarten ,wie JH die Niederlage verarbeiten kann.

  3. 3. Juni 2019 at 17:58 —

    Was sind das den für Theorien hier.Joshua würde nichts vertragen. Er wurde von Ruiz an den Schläfen getroffen da geht jeder runter. Ist mir auch mal passiert. Da sieht man wortwörtlich Sterne herum fliegen.Der Schock lässt den Körper regelrecht erstarren.Man will alles aus sich herausholen aber es geht nicht mehr.Man wird ängstlich und möchte keine harten Schläge mehr kassieren.Wo Joshua am Ringecke stand konnte man die Verwirrung in seinen Augen ablesen.Ich denke, der Engländer wird nie wieder so sein wie früher.

  4. 3. Juni 2019 at 19:27 —

    Ruiz ist als erster runtergegangen und hat ihn gleich danach auf den Ringboden geschickt.Ruiz hat Warrior Mentalität.JH hatte zwar kein Glaskinn,aber er war anfällig.Was noch wichtiger ist, er ist mental angeschlagen.Anstatt nach hinten sich den Schlaghagel zu entziehen, hat er sich klein gemacht und kassiert.Er hat den Kampft pracktisch schon verloren,bevor er im Ring war.Der physische Druck hat ihn besiegt.

  5. Das mit der Muskelmasse ist definitiv ein Problem bei Joshua.
    Es gibt Genetik Monster wie Hollyfield, Tyson, Buster etc. für die war die Muskelmasse viel natürlicher, da bessere Genetik.

    Joshua hingegen ist ein Bodybuilder. Zwar ist er auch Schwarz und kräftig gebaut, aber er sobald er einen Zahnstocher hochhebt muss er ins Sauerstoffzelt. Das hat man bei ihm zu oft gesehen. Egal wie viel ausdauert er noch trainiert, das was die Muskeln an Sauerstoff wegfressen wird er durch ausdauer Training nie kompensieren können.

    Wenn man den angeschlagenen Joshua anschaut im vergleich zum angeschlagenen Wilder, dann sieht man deutliche Unterschiede. Joshua brauchte jedesmal mehrere Runden bis er wieder luft hatte. Bei Wilder ging es gegen Ortiz viel schneller, obwohl Wilder brutale Treffer kassiert hatte.

    10-15 kg weniger Muskelmasse würden Joshua absolut helfen und sie würden ihn keineswegs schwächer machen.

    • 3. Juni 2019 at 21:19 —

      Gute Analyse mein Freund.Joshua würde ich trotzdem nicht abschreiben. Er hat eine ungeheure Wucht in seinen Fäusten.Seine Schwachstelle ist sein Kopf.Eine bessere Deckung, mehr Kondition und dann hat er durchaus gute Chancen auf einen Sieg gegen unseren deutschen Interims-Weltmeister Manuel CHARR.🤣🤣

    • 4. Juni 2019 at 19:03 —

      “Zwar ist er auch Schwarz und kräftig gebaut..”

      ..und erfüllt damit immerhin schon 2 Deiner 3 absoluten Hengst-Prioritäten..

      Davon abgesehen hast Du natürlich bezüglich AJs Physis absolut Recht, der ist offensichtlich nach jeder einzelnen Aktion erstmal im Regenerationsmodus.. Da ist Wilder im Vergleich tatsächlich bei Weitem stabiler..
      Aber was mir aus AJs Sicht sogar noch mehr Sorgen machen würde ist seine Schlagresistenz, die sah einfach katastrophal aus.. In der Verfassung würde er nicht nur vs Wilder, sondern garantiert auch vs Opa Ortiz untergehen..

      • Joshua hat Nigerianische Wurzeln und daher sicher auch keine schlechte Genetik, aber unter den Afrikanern gibt es diesbezüglich auch große Unterschiede.
        Schaut man sich die Workrate eines Tyson, Holyfield etc an ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht zu Joshua. Besonders wenn Joshua wie gegen Ruiz angeschlagen war, kam nichts mehr von ihm.
        Es gibt natürliche Monster und es gibt welche wie Joshua die eine gute Genetik haben um Muskeln aufzubauen, damit aber klar zu kommen ist eher eine Last.

        @ carlos

        Ich denke auch das Joshua den Rückkampf gewinnen wird. Joshua ist noch nicht vom Fenster. Nur sollte er vielleicht seinen Adoniskomplex etwas nach hinten stellen und agiler werden. Auch seine Beinarbeit im infight ist Katastrophal. Oft neigt sich Joshua breitbeinig nach vorne, womit er bei einem Konter kaum chancen hat auszuweichen.

  6. 4. Juni 2019 at 05:09 —

    Da kann man ja fast schon auf das ” Deutsche Schwergewichtswunder” in ein paar Wochen hoffen!!!!???😂 Ich habe zwar gewusst, dass Joshua irgendwann verliert aber ausgerechnet gegen den kleinen Andy Ruiz?? Nicht falsch verstehen, er ist definitiv sehr talentiert aber die körperlichen Voraussetzungen waren dann doch zu immens. Joshua sollte dringend mal an seiner Führhand arbeiten, die ist auf Weltniveau richtig mies. Ein so kleiner Mann darf einfach nicht so leicht an einen Grösseren ran kommen zumal Ruiz ja nicht mal richtig die Wege abgeschnitten hat und Joshua unter Dauerdruck gewesen wäre.. Nein, Joshua hat wie immer mitgekeilt und diesmal ging es schief.. Muskeln hin oder her, beim Boxen kann man auch schon nach 60Sek platt sein wenn man den falschen Gegner hat da hilft auch Kräfte einteilen nichts….

    • Absolut richtig.

      Joshua hatte keinen Jab gegen Ruiz. Ruiz hat mit AJ gekämpft als sei Aj genauso klein und hätte keine körperlichen Vorteile.

      Aber auch dauerhaft zu Jaben kostet kraft. Ich erinnere mich als Graf Clinchula im spätherbst seiner Karriere noch paar Kilos verloren hatte, wirkte er auch viel leichter und agiler. Und kein HWler konnte seine gegner so zu tode jabben wie er.
      Das würde Joshua ebenfalls gut tun, auch wenns mies zum anschauen ist.

  7. 5. Juni 2019 at 13:24 —

    Wenn man den angeschlagenen Joshua anschaut im vergleich zum angeschlagenen Wilder, dann sieht man deutliche Unterschiede.

    Augen auf Doc. Dann erkläre doch mal bitte, warum der Ref. Wilder zu Beginn der Runde nochmal Zeit gab sich zu regenerieren???

    AJ würden definitiv 10 – 15 kg weniger Muskelmasse gut tun. Zudem ist er extrem hüftsteif, am head movement sollte er dringend arbeiten. Ich vermute mal, dass er immer noch Gewichte stemmt. Das sollte er künftig sein lassen.

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