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AIBA in Finanznöten?

Beitragsbild: AIBA Präsident Wu Ching-Kuo

Offenbar gibt es beim Amateurboxverband „AIBA“ erheblich Stress. Der Präsident des Verbandes, Wu Ching-Kuo, bekommt allerhand Gegenwind aus den eigenen Reihen. Bei einer angeblich „turbulenten“ Sitzung in Moskau habe man sich bei Abstimmungen mehrheitlich gegen Wu ausgesprochen. Es geht nicht zuletzt um Verbindlichkeiten in Millionenhöhe, die der Amateurverband hat. Innerhalb der nächsten 3 Monate soll es erneut zu einem AIBA-Treffen kommen. Dabei soll u.a. dann auch erörtert werden, ob es in Zukunft bei den Olympischen Spielen weniger Gewichtsklassen bei den Männen, dafür mehr bei den Frauen geben soll.

Die AIBA steht laut einem Bericht vom „Handelsblatt“ bei einem aserbaidschanischen Unternehmen in der Kreide. Diese Forderungen sollen sich auf 10 Mio Dollar belaufen und seit 4 Jahren offen sein. Laut einem Bericht der „New York Times“ wollen die Aserbaidschaner das Geld jetzt binnen 30 Tagen zurück haben. Ein weiterer Investor soll 19,5 Mio Dollar zurück fordern, die an die Vermarktungsgesellschft der AIBA geflossen sein sollen. Dem früheren Exekutivdirektor Kim Ho aus Südkorea wurde finanzielles Missmanagement vorgeworfen. Offenbar scheint nicht ganz geklärt zu sein, wie mit den Finanzen umgegangen wurde. Eine kurzfristige Rückzahlung dieser Summen übersteigt momentan die Möglichkeiten der AIBA.

Dabei wird man als außenstehender Laie daran erinnert, was man bisher nur im Profiboxen vemutet hat. Dubiose Finanzgebaren scheint es also auch bei der AIBA zu geben. Der Amateurverband und einige seiner Funktionäre scheinen keinen Deut besser zu sein, wie einige Profiverbände und Manager. Denkt man dann neben diesen undurchsichtigen Finanzen auch noch beispielsweise an die schamlosen Betrügereinen bei den Kampfurteilen während der letzten Olympischen Spiele, ist der Bonus des ach so sauberen Amateurboxens gegenüber dem ach so zwielichtigem Profiboxen längst aufgebraucht.

Man kann gespannt sein, wie lange sich der 70-jährige Taiwanese Wu noch an der Spitze der AIBA halten kann. Mit solchen Schuldenbeträgen im Nacken würde wohl jeder Chefsessel in der privaten Wirtschaft schnell zum Schleudersitz werden. Oder man findet irgend welche Bauernopfer, die die Verantwortung übernehmen oder aufgeladen bekommen. Ansonsten bleibt für ein Unternehmen oder einen Unternehmer nur der Weg in den Konkurs: Die “Pleite”.  Ob es jemals Einblick geben wird, wie die AIBA sich aus dieser heiklen Situation heraus windet, muss man bezweifeln. Finanzielle Transparenz gibt es scheinbar weder im Fußball noch im Boxsport.

Das deutsche AIBA-Exekutivmitglied Jürgen Kyas sagte, dass diese momentanen Querelen „zur Unzeit“ kommen. Die Weltmeisterschaften der Amateure stehen unmittelbar bevor und finden vom 25. August bis 2. September in Hamburg statt. Es dürfte wohl klar sein, dass ein Stich ins Wespennest immer zur Unzeit kommt, besonders wenn es um Finanzen in dieser Höhe geht. Mit der WM in Hamburg soll das Image des Boxsports in Deutschland aufpoliert werden. Insgesamt werden 280 Boxer aus 80 Ländern daran teilnehmen.

Die WM 2019 wurde an Sotschi und die WM 2021 an Neu-Deli vergeben. Bleibt zu hoffen, dass sich die AIBA bis dahin wieder in ruhigerem Fahrwasser bewegt.

 

 

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2 Kommentare

  1. 26. Juli 2017 at 02:19 —

    „Der Amateurverband und einige seiner Funktionäre scheinen keinen Deut besser zu sein, wie einige Profiverbände und Manager. Denkt man dann neben diesen undurchsichtigen Finanzen auch noch beispielsweise an die schamlosen Betrügereien bei den Kampfurteilen während der letzten Olympischen Spiele, ist der Bonus des ach so sauberen Amateurboxens gegenüber dem ach so zwielichtigem Profiboxen längst aufgebraucht.“

    Kann ich so unterschreiben.

  2. 26. Juli 2017 at 17:06 —

    Die AIBA ist bald Vergangenheit
    und wird als
    misslungenes Pilotprojekt
    in die Geschichte eingehen,
    wie der Alpenflug von Andy Lubitz

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