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Adam Amkhadov über Streit mit Coach: „Das liegt aber an mir, weil ich ein Dickkopf bin.“

Adam Amkhadov wünscht sich, dass die irre Corona-Pandemie so schnell wie möglich vorüber geht. Er ist 20 Jahre alt und boxt im Mittelgewicht für den Berliner Profistall Agon Sports & Events. Normalerweise lebt und trainiert der Bielefelder gemeinsam mit seinen Kameraden in Berlin. Er beklagt: „Die Situation mit dem Coronavirus ist alles andere als chillig.“

Adam, als Amateur bist du mit dem SV Brackwede und Trainer Andreas Blum dreimal deutscher Meister geworden. Man hat dir eine glänzende Karriere im olympischen Boxen prophezeit. Warum bist du mit 18 zu den Profis gewechselt?

Adam Amkhadov: „Ursprünglich stamme ich aus Tschetschenien. Ich lebe zwar seit 16 Jahren in Deutschland, habe aber keinen deutschen Pass. Deshalb durfte ich weder für Deutschland in der Nationalmannschaft boxen noch an den Europameisterschaften teilnehmen. Für mich war nach der ‚Deutschen‘ Schluss. Ich liebe das Boxen und wollte schon immer Weltmeister werden. Weil es bei den Amateuren nicht geht, muss es halt bei den Profis klappen. Gottseidank ist damals Agon auf mich aufmerksam geworden. Eigentlich hatte ich Glück im Unglück, denn ich weiß, dass Ingo Volckmann und Agon keine Boxer aus dem Nationalkader ansprechen oder gar abwerben.“

Du lebst seit 16 Jahren in Deutschland und hast keine deutsche Staatsangehörigkeit? Haben deine Eltern versäumt sie zu beantragen?

Adam Amkhadov: „Nein, das haben sie bereits vor Jahren getan! Ich weiß wirklich nicht, warum das ewig dauert. Aber Dr. Strickrodt (Agon Team-Manager) sagte mir, dass ich nun bald meinen Pass bekommen würde.“

Wie sah dein Tagesablauf vor Corona aus?

Adam Amkhadov: „Der war wunderbar geregelt. Aufstehen, danach Frühstück. Dann ab ins Gym zum ersten Training. Am Nachmittag die zweite Einheit. Dazwischen etwas chillen.“

Was bedeutet chillen für dich?

Adam Amkhadov: „Nach dem ganzen Sport ausruhen, entspannen, runterkommen.“

Und nach dem Training und an den Wochenenden auch chillen?

Adam Amkhadov: „Ja, ich habe abends viel mit Fabian Thiemke unternommen oder mit meinen anderen Freunden. An den Wochenenden sowieso.“

Schlägst du ab und zu über die Stränge?

Adam Amkhadov: „Überhaupt nicht! Ich gehe auch so gut wie gar nicht in Clubs. Ich bin halt gerne mit meinen Freunden zusammen und lache viel. Es muss ja nicht immer Party sein, weil ich dann auch Probleme mit dem Training bekäme. Ich entspanne lieber, chille halt.“

Wie ist das Verhältnis zu deinen Stallgefährten?

Adam Amkhadov: „Das ist wirklich Bombe. Mit den Boxern verstehe ich mich super. Nach dem Training machen wir ab und zu kleinere Wettkämpfe. Im Bankdrücken zum Beispiel. Darin sind Björn Schicke und Jack Culcay echt stark. Mit unserem Trainer Michael Stachewicz verstehe ich mich ebenfalls sehr gut, obwohl er sehr streng sein kann.“

Wieso ist Michael Stachewicz streng?

Adam Amkhadov: „Wir bekommen manchmal sogar Streit. Es ist selten, aber es kommt vor. Das liegt aber an mir, weil ich ein Dickkopf bin. Wenn das Training sehr anstrengend ist, nehme ich mir ab und zu eine kleine Pause. Dann wird Michael wütend, genauso wenn ich mich mal verspäte.“

Das Mittelgewicht ist bei Agon stark besetzt. Gibt es so etwas wie eine Rangordnung?

Adam Amkhadov: „Im Mittelgewicht sind wir zu viert. Jama Saidi, Björn Schicke, Vincenzo Gualtieri und dann gibt es noch mich. Für den Coach gibt es keine Rangordnung oder einen Liebling. Im Training sind wir für ihn alle gleich. Was mich ärgert, ist, dass ich der Einzige ohne Titel bin. Ich will unbedingt einen bekommen, egal welchen.“

Egal welchen Titel?

Adam Amkhadov: „Genau! Ich will endlich wissen, wie es sich anfühlt, wenn man so eine Trophäe um die Hüften geschnallt bekommt. In Wuppertal hätte ich meinen ersten Achtrunder boxen sollen. Ich hatte mich in der Vorbereitung für diesen Kampf echt gequält. Wer weiß, nach einer tollen Leistung hätte ich vielleicht als nächstes einen Meisterschaftskampf bekommen. Natürlich ist es mein Ziel, irgendwann um eine WM zu boxen. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg.“

Wegen Corona ist das Gym in Berlin geschlossen. Jetzt bist du bei deinen Eltern in Bielefeld.

Adam Amkhadov: „Dass das Gym wegen Corona vorübergehend zu ist, hat uns alle hart getroffen. Aber es ist jetzt so. Obwohl ich daheim in Bielefeld bei meiner Familie bin, fühle ich mich einfach leer. Habe ich mich in Berlin im Training nach chillen gesehnt, sehne ich mich jetzt, wo ich chillen könnte, nach Berlin, dem Training, meinem Coach und den Jungs.“

Machst du jetzt Pause?

Adam Amkhadov: „Nein, der Coach hat uns Übungspläne mit nach Hause gegeben. Zwei Einheiten pro Tag. Ausdauer und Kraftausdauer. Bei dem Kraftausdauertraining arbeite ich mit dem eigenen Körpergewicht. Zusätzlich hat mein Vater mir einen Sandsack aufgehängt und mein Bruder Arbi hält mir die Pratzen.“

Kontrolliert jemand eure Leistungen?

Adam Amkhadov: „Nein, das Training ist Vertrauenssache. Wir haben eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet, in der wir uns zu jeder Einheit an- und abmelden. Darüber hinaus telefoniere ich mit dem Coach und hole mir Tipps.“

 Welches sind für dich die größten Unterschiede zwischen Amateur- und Profiboxen?

Adam Amkhadov: „Von der Anzahl der Runden abgesehen gibt es für mich zwei große Unterschiede: 1. Die Handschuhe bei den Profis wiegen nur zehn Unzen. Bei den Amateurboxern wiegen sie in meiner Gewichtsklasse zwölf. Wenn du einen mit zehn Unzen abbekommst, dann würdest du dich über die zusätzlichen zwei Unzen an Dämpfung freuen. 2. Was für mich sehr anstrengend ist, ist die Konzentration mehr als drei Runden zu halten. Bei den Profis muss ich vier-, sechs-, acht- und bei Titelkämpfen sogar zehn- oder zwölfmal drei Minuten hellwach bei der Sache sein. Wie sagte Björn Schicke so schön: ‚Wenn du nicht aufpasst, dann gehst du böse pennen.‘ Damit hat er recht. Diese Wachsamkeit über viele Runden zu halten, empfinde ich als brutal hart.“

Was läuft zurzeit oder besser, was läuft zurzeit nicht?

Adam Amkhadov: „Ich mache gerade meinen Führerschein. Der ist aber wegen Corona unterbrochen.“

Du könntest für den Führerschein üben!

Adam Amkhadov: „Womit? Mit dem alten Dreirad von meinem kleinen Bruder? Gottseidank habe ich meine Familie und daheim das Training. Ansonsten wäre es wirklich schlimm, völlig trostlos.“

Dein Stallgefährte Artur Mann hat die Hausarbeit für sich entdeckt.

Adam Amkhadov: „Ich noch nicht. Für meine Mutter bringe ich den Müll raus. Das war es aber auch schon.“

Wenn du einen Zauberstab hättest…

Adam Amkhadov: „… dann würde ich mir wünschen, dass alle Menschen gesund durch Corona kommen, dass ich ganz schnell nach Berlin ins Training darf und, dass ich bald für einen Titelkampf im Ring stehen werde.“

Foto: Freitag

Quelle: Agon

 

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1 Kommentar

  1. 14. April 2020 at 19:38 —

    Was macht der beruflich? Kennt den jemand?

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