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Joe Fournier – Ein Boxer, kluger Geschäftsmann oder Glückspilz?

Manche Menschen scheinen viele Talente zu besitzen. Zu diesen gehört ohne jeden Zweifel der 38-jährige Brite Joe Fournier. Als Sohn eines wohlhabenden Piloten wuchs er bis zur Trennung seiner Eltern in Monaco auf. Dann zog er mit seiner Mutter nach London. Schon während der Schulzeit und seines Studiums (Humanbiologie und Sportwissenschaft) war er darauf bedacht, gute Verbindungen zu knüpfen.

Sportlich gesehen, war Fournier erst mit dem Basketball beschäftigt. Er war 38 Mal Kapitän der britischen Nationalmannschaft. Wegen einer Beinverletzung musste er den Basketball aufgeben und fiel in einen regelrechten Alkoholsumpf. Dieser depressive Zustand hielt etwa ein halbes Jahr an, bis er sich aufraffte und neue Pläne schmiedete. Fournier eröffnete mit wenig Kapital einen eigenen Fitness-Club. Die Einrichtung dafür hatte er größtenteils gebraucht bei ebay gekauft. Dabei war aller Anfang schwer. Fournier besorgte sich die Kundendatenbank von einem Londoner Spa. Er rief ca. 1500 Leute an. Es dauerte ca. 1000 Anrufe, bis er den ersten halbwegs prominenten Kunden gewonnen hatte. Diese Person entpuppte sich dann aber als Schlüssel zum geschäftlichen Erfolg, weil sich in der Folge eine Reihe berühmter Leute bei ihm einfand und trainierte. Dazu gehörten u.a. Gwyneth Paltrow und Madonna. Fournier musste zum Teil sogar Geheimhaltungsverträge unterschreiben, um die richtige Identität seiner Kundschaft nicht preiszugeben. Bekannte Models, Schauspieler und Musiker gaben sich die Klinke in die Hand.

Die Mundpropaganda unter seiner Kundschaft funktionierte gut. Fournier konnte expandieren und schrieb sogar ein Buch „Red Carpet Workout“. Eine große Fitnesskette interessierte sich für sein Unternehmen und er verkaufte seine Läden. Über den Kaufpreis schwieg er sich aus. Er suchte etwas neues, was ihn ebenso reizte.

Er stieg bei einem Freund mit ein, der Nachtclub-Besitzer war. Es war viel enfacher die Leute zum Trinken zu animieren und Pizza zu essen, als mit den Promis zu trainieren.

O-Ton Joe Fournier: „Ich  eröffnete bald den VIP-Raum London, das Restaurant Hotel Chantelle, die Streaky Gin Regent Street, den Mahiki Beach Miami und ein Sommer-Popup namens Bonbonniere auf Mykonos. Ich habe das Gefühl, dass diese Clubs meine Babys sind und ich bin unglaublich stolz darauf, so viele neue zu eröffnen. Es ist meine Leidenschaft. Ein erfolgreicher Geschäftsmann zu sein, hat nichts mit Vermögen zu tun. Es geht darum, das zu tun, was du liebst und was du zurückgibst. Meine Unternehmen verdienen etwa 20 bis 30 Millionen Pfund (31,3 bis 47 Millionen Dollar) pro Jahr. Sie können mich also als Multimillionär bezeichnen, aber es geht nicht ums Geld.“

Der Tatendrang Fourniers schien keine Grenzen zu kennen. Er war bestens vertraut mit Promis wie Paris Hilton, Nicole Scherzinger, 50 Cent, Snoop Dog und anderen „Lichtgestalten“ der modernen Zeiten. Zu seinem Bekanntenkreis gehörte auch David Haye. Er ging irgendwann zu Haye ins Boxtraining – eigentlich nur um Gewicht zu verlieren. Das Boxen lag ihm einigermaßen und er wollte unbedingt Profiboxer werden, was er 2015 realisierte. Seine Journeyman-Gegnerschaft, vorwiegend aus der Dom-Rep, wurde gut bezahlt und so kam ein bisheriger offizieller Kampfrekord von 8(8)-0-0 zusammen. Im Halbschwergewicht-Ranking der WBA stieg er bis auf #11. In seinem Höhenflug machte er sogar Callum Smith ein „unmoralisches Angebot“: “Ich werde ihm ein Düsenflugzeug oder ein Haus kaufen, wenn er gegen mich kämpft!”

Das diese Boxerei nicht ganz mit rechten Dingen zuging, beweist allein schon die Tatsache, dass Fournier regelmäßig durch den Drogentest fiel. Manche seiner Kämpfe, wie der um den “WBA-International“, verschwanden sogar ganz aus seinem Boxrec-Kampfrekord.

Irgendwann Ende 2016 war dann „Schluss mit lustig“ und Joe Fournier kassierte wegen seiner ständigen Dopingeskapaden 5 Jahre Sperre, die auf seinen Antrag hin auf 3 Jahre verkürzt wurden. Im April 2021 will Joe Founier wieder einen offiziellen Kampf bestreiten. Er tritt an 14. April in Atlanta/Georgia gegen einen Debütanten an. Hinter dieser ominösen Veranstaltung steckt scheinbar der youtuber Jake Paul, der auch gegen einen Debütanten kämpfen wird. Ebenfalls dabei: Antonio Tarver, Regis Progais und Ivan Redkach.

Bei allem Respekt vor der umtriebigen Geschäftstüchigkeit von Joe Fournier: Ist das ein bedeutender Teil der Zukunft des Boxens, was die Fans sehen wollen? Scheinbar ja. Sonst würden solche Gestalten wie Jake Paul damit nicht Millionen Zuschauer anziehen und bergeweise Geld verdienen. Modern Times …

Hier ein Bericht der “Daily Star”: Klick

David Haye über den Youtuber Jake Paul und seinen Schützling Joe Fournier:

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1 Kommentar

  1. 24. März 2021 at 14:25 —

    R.I.P. Lee Noble – fuck cancer 😰

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