Gastkommentare

„Super Six World Boxing Classic“ – ein fragwürdiges Projekt

Super Six World Boxing Classic. © Werner Dittmair.

Wenn sich am kommenden Samstag (27.November) Arthur Abraham und Carl Froch in Finnlands Hauptstadt Helsinki im Kampf um den vakanten WBC-Weltmeisterschaftsgürtel im Super-Mittelgewicht gegenüberstehen, dann dürfen sich die Box-Fans wohl auf einen ganz besonderen Leckerbissen freuen. Es ist das Duell zweier schlagstarker Ex-Champions, die beide über ein unbändiges Kämpferherz verfügen und jederzeit das vorzeitige Ende suchen.

Keineswegs ein Leckerbissen ist dagegen der Rahmen, in dem das Duell zwischen „King“ Arthur Abraham und Carl „Kobra“ Froch stattfinden wird. Gemeint ist das Super Six World Boxing Classic, das bis Mitte 2011 aus sechs Boxern im Rahmen einer Vor- und K.O.-Runde den angeblich besten Super-Mittelgewichtler der Welt ermittelt haben soll. Nachdem die Veranstaltung im Herbst 2009 vom US-amerikanischen Pay-TV-Sender „Showtime“ und Initiator Kalle Sauerland mit großen Visionen vorgestellt worden war und als „Champions League des Boxens“ (Sauerland) angepriesen wurde, macht sich rund ein Jahr später Ernüchterung breit. Und dass, obwohl die Box-Welt durchaus packende Gefechte zu sehen bekam – beispielsweise die dramatische Ringschlacht zwischen Carl Froch und Mikkel Kessler. Doch nachdem zunächst Jermain Taylor im Anschluss an seine K.O.-Pleite gegen Abraham aus dem Turnier ausstieg und dann noch Kessler sowie Andre Dirrell verletzungsbedingt aufgaben, nahm die Kritik an der Veranstaltung kontinuierlich zu.

Zu Recht! Denn bereits die Zusammenstellung des Teilnehmerfeldes erscheint zumindest ansatzweise fragwürdig. Dass ein Kessler, Froch oder auch Abraham zu den Besten ihrer Gewichtsklasse zählen, ist unbestritten und auch die Nominierungen der hoffnungsvollen Talente Dirrell und Andre Ward sind nachvollziehbar, obwohl beide zuvor bereits Schwächen gegen durchschnittliche Gegner gezeigt hatten. Jedoch lässt die Einladung von Jermain Taylor Raum für Kritik zu. Zwar galt der heute 32-jährige US-Amerikaner nach seinen beiden Triumphen über Box-Legende Bernard Hopkins im Jahr 2005 als unumstrittene Nummer Eins im Mittelgewicht, doch danach ging es mit dem Mann aus Little Rock/Arkansas kontinuierlich bergab. Nachdem er 2007 gegen Cory Spinks einen umstrittenen Punktsieg feiern konnte, verlor er bis zum Start der „Super Six World Boxing Classic“ drei seiner vier folgenden Kämpfe – darunter die vernichtenden Krabbeleinlagen gegen Kelly Pavlik und Carl Froch.

Weshalb vor mehr als einem Jahr nicht der bis heute ungeschlagene IBF-Weltmeister Lucian Bute oder der damals aufstrebende Károly Balzsay (ehemaliger WBO-Weltmeister) in das Teilnehmerfeld aufgenommen wurden, bleibt das Geheimnis der Veranstalter. Sportliche Gründe können es kaum gewesen sein, vielmehr dürfte Taylors Berühmtheit den Ausschlag gegeben haben. Aus wirtschaftlicher Sicht war das ein nachvollziehbarer Entschluss, zumal sowohl Bute als auch Balzsay als weniger publikumswirksame Weltmeister galten. Schade ist nur, dass dadurch letztlich zwei Weltmeister auf der Strecke blieben, die doch eigentlich bei der Ermittlung des besten Boxers ihrer Gewichtsklasse ein Wörtchen mitreden sollten und aufgrund ihrer mentalen Frische – im Gegensatz zu Taylor – wohl auch noch die Kraft gehabt hätten, Rückschläge wegzustecken.

Keine Frage: Verletzungen – wie bei Kessler und Dirrell der Fall – gehören zum Sport dazu, und dafür können die Veranstalter nicht kritisiert werden. Wie jedoch darauf reagiert wurde, ist bedenklich. So nominierte man im Anschluss an Taylors Ausstieg den unbekannten US-Amerikaner Allan Green (Nr. 24 der BoxRec-Rangliste) nach, der sich mit zwei sang- und klanglosen Niederlagen wieder aus dem Turnier verabschiedete. Für den am Auge verletzten Mikkel Kessler holten sich die Veranstalter den 41-jährigen Ex-Weltmeister Glen Johnson ins Boot, der seinen Zenit nach drei Niederlagen in zweieinhalb Jahren längst überschritten hatte. Der Gipfel aber folgte nach Dirrell´s Aus, der in seinem letzten Vorrundenkampf gegen Andre Ward antreten sollte. Diesmal präsentierten die Veranstalter keinen Ersatz-Boxer, sodass der bereits für das Halbfinale qualifizierte Ward seinen WBA-Weltmeistertitel am 28.November außerhalb des Turniers gegen Sakio Bika verteidigen darf. Bei einer Ward-Niederlage wäre der Super-Gau für das „Super Six World Boxing Classic“ perfekt, schließlich würde dann nur noch der WBC-Weltmeistergürtel auf dem Spiel stehen. Ob sich der Sieger des Turniers angesichts dreier Weltmeister, die nicht an der Veranstaltung teilgenommen haben, dann zu Recht als bester Supermittelgewichtler der Welt fühlen darf – fraglich.

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9 Kommentare

  1. mark
    21. November 2010 at 22:31 —

    lucian bute ist der beste………………..

  2. Kevin22
    22. November 2010 at 09:47 —

    Mittlerweile ist das Projekt nicht nur fragwürdig, sondern zutiefst blamabel!

  3. Shlumpf!
    22. November 2010 at 10:04 —

    Ich bleib dabei: super Idee, schlechte Ausführung.
    Trotzdem hoffe ich, dass solche Projekte öfter versucht werden, denn generell tragen Turniere zur Spannung bei.

  4. Kevin22
    22. November 2010 at 10:11 —

    Aber nicht wenn sie von Sauerland aus reiner Geldgier mit seinen Boxern stattfinden!

  5. Shlumpf!
    22. November 2010 at 11:49 —

    Genau. Die Turniere müssten von den Verbänden veranstaltet werden, nicht von einzelnen Boxställen. Und dann auch harte Strafen für Drückeberger; in dem Sinn finde ich es ganz richtuf, dass Povetkin aus den Top 15 der IBF entfernt wurde.

  6. UpperCut
    22. November 2010 at 17:05 —

    danke! kann dem gastkommentar nur zustimmen sehe es aber noch viel kritischer. beispielsweise ist es kein zufall dass abraham gegen taylor zuerst ran durfte etc.

  7. michael
    25. November 2010 at 16:40 —

    Der Autor dieses Artikels hat keine Ahnung. Wer es schafft fünf so gute Kämpfer in einem Turnier zu vereinigen, den sollte man loben. Ohne das Turnier hätten die meisten doch nur Journeyman geboxt. Allein das es zu Kämpfen wie Kessler vs. Froch, Ward vs. Kessler, Abraham vs. Taylor und Dirrell vs. Froch, Dirrell vs. Abraham gekommen ist, ist doch verdienst des Super-Six. Ohne das Turnier hätte es diese Anzahl guter bis sehr guter Kämpfe nicht gegeben. Hier sind so viele Traumtänzer unterwegs. Nur wenn alle vier Weltmeister teilnehmen ist das Turnier gut? Das überhaupt zwei Titel ausgeboxt wurden und zwei Super-Talente wie Ward und Dirrell dabei sind/waren ist doch eine tolle Leistung. Der Modus – also die länge des Turniers, vielleicht die Anzahl der Teilnehmer (wodurch es ja so in die Länge gezogen wird) kann man hinterfragen. Aber das Turnier alleine hat für viele tolle Kämpfe gesorgt, wird einen Doppelweltmeister herausbringen und ist beispiellos. Aber wenn ihr lieber Abraham gegen Journeyman XY sehen wollt, bitte!

  8. Berlin Boxing
    25. Dezember 2010 at 19:36 —

    “Turnier”? Lächerlich!

  9. Baron
    19. Januar 2011 at 14:56 —

    Michel hat recht.

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