Gastkommentare

Sergio Martinez untermauert Position als “Fighter of the year 2010”

Die krachende Linke, die Sergio Martinez am Samstagabend in Atlantic City in der zweiten Runde am Kinn von Paul Williams unterbrachte, machte den Argentinier nicht nur zum heißesten Anwärter auf den Gewinner des Titels „KO des Jahres“, sondern auch zur so gut wie sicheren Wahl zum Boxer des Jahres 2010.

Nachdem Martinez ein unglückliches Jahr 2009 erlebte, in dem ihm ein klarer Sieg gegen Kermit Cintron zu einem Unentschieden gemacht wurde, und er im Hinkampf gegen Paul Williams einen engen Kampf nach Punkten verlor, obwohl ihn die meisten knapp vorne gesehen hatten, gelangen ihm 2010 die beiden größten Siege seiner bisherigen Karriere. Zuerst punktete er den favorisierten amtierenden linearen Mittelgewichtsweltmeister Kelly Pavlik aus um daraufhin am vergangenen Samstag seine Rechnung mit Paul Williams eindrucksvoll zu begleichen.

Bis zu eben diesem KO hatte sich, obwohl das Jahr sich dem Ende neigt, niemand so wirklich aus der Masse herauskristallisiert, der den vom Ring Magazine seit 1922 vergebenen Titel vom „Fighter of the year“ verdient hätte. Manny Pacquiao hatte ein gutes Jahr, wie gewohnt, aber mit Siegen über zwei menschliche Sandsäcke in Joshua Clottey und Antonio Margarito nicht wirklich an die Jahre 2006, 2008 und 2009 anknüpfen können, in denen er den Titel zuvor gewinnen konnte, und in denen er Leute wie Erik Morales (2 mal), Juan Manuel Marquez, Oscar De La Hoya, Ricky Hatton und Miguel Cotto bezwang. Sein Konkurrent um den Titel des pound-for-pound besten Boxer der Welt und um den besten Boxer dieser Generation, Floyd Mayweather, nahm sich dadurch, dass er nur einmal dieses Jahr antrat, auch wenn es ein starker Sieg über Shane Mosley war, selbst aus der Rechnung.

Für Schwergewichtsweltmeister Wladimir Klitschko ist 2010 ein weiteres dominantes Jahr, aber das Fehlen von ernsthaften Herausforderern in der talentarmen Königsklasse macht es Wladimir weiter schwer einen herausragenden Kampfrekord aufzubauen. Ungefährdete Siege gegen Samuel Peter und Eddie Chambers tragen zwar weiter zu seiner Ausnahmestellung im Schwergewicht bei, sorgen aber nicht gerade für Begeisterungsstürme oder für eine ernsthafte Kandidatur zum herausragenden Boxer des Jahres. Ein Sieg über Derek Chisora, der als wohl schwächster Gegner von Wladimir dieses Jahr gelten muss, im Dezember dürfte daran rein gar nichts ändern.

Die Topanwärter dafür kamen bis Samstag eher aus den unteren Gewichtsklassen. Halbfliegengewichtsweltmeister Giovanni Segura schlug zuerst Walter Tello und Ronald Ramos, bevor er im August die Titel gegen zuvor ungeschlagenen Ivan Calderon vereinigte und für viel Aufsehen sorgte. Nächste Woche macht Segura sogar noch einen weiteren Kampf, doch sein Gegner Manuel Vargas ist zu schwach, als dass er Seguras Position noch mal deutlich verbessern dürfte.

Juan Manuel Lopez stieg dieses Jahr aus dem Superbantamgewicht auf um WBO-Federgewichtsweltmeister Steven Luevano eindrucksvoll zu entthronen. Der ungeschlagene Puertoricaner entledigte sich dann Pflichtherausforderer Bernabe Concepcion in zwei Runden um schließlich den zukünftigen Hall of Famer Rafael Marquez in acht Runden zu stoppen. Drei vorzeitige Siege gegen Gegner, die allesamt zum Zeitpunkt des Kampfes zur Top10 einer der besten Gewichtsklassen des Sports zählten, sind durchaus eine Hausmarke, aber ein richtig überragender Sieg gegen Leute wie Yuriorkis Gamboa, Chris John oder Celestino Caballero fehlen Lopez.

So einen konnte Bantamgewichtsweltmeister Fernando Montiel landen, als er im April als leichter Außenseiter zu einer Titelvereinigung nach Japan reiste, und dort den hoch angesehenen Titelträger Hozumi Hasegawa in vier Runden KO schlug. Da dieser jedoch nur eingebettet war zwischen zwei kurzrundigen Siegen gegen schwächere Gegner in Ciso Morales und Rafael Concepcion fehlt auch Montiel ein wenig das Zeug zum Fighter of the year 2010.

Daher kam die linke Gerade von Sergio Martinez nach ziemlich genau einer Minute der zweiten Runde am Samstag genau richtig. Der linearen und wahren Weltmeisterschaft im Mittelgewicht fügte der Argentinier einen eindrucksvollen KO-Sieg über einen der am meisten gemeideten und besten Boxer der Welt hinzu. Paul Williams war vor dem Kampf vom Ring Magazine Pound-for-Pound als fünftbester Boxer der Welt geführt worden und hatte zuvor nur eine einzige Profiniederlage erlitten, die er prompt mit einem Erstrunden-KO gerächt hatte. Martinez selber wurde bislang vom Ring Magazine auf Platz 6 Pound-for-Pound geführt, dürfte aber jetzt noch einmal um ein paar Plätze klettern. Ob er mit 35 Jahren noch lange so weit oben an der Spitze des Sports bleiben kann, ist sicherlich fraglich, zudem ihm Gegner fehlen, die sowohl sportlich sinnvoll als auch finanziell lukrativ sind. Catchweightkämpfe gegen Pacquiao oder Mayweather sind im Gespräch, aber wohl für alle Beteiligten nicht erste Wahl, im Mittelgewicht fehlen die großen Namen. Sportlich interessanten Leuten wie Dmitry Pirog oder Felix Sturm fehlt in den USA der große Name, bei finanziell sinnvollen Gegnern wie Julio Cesar Chavez Jr. fehlt der sportliche Reiz, und bei seinem Pflichtherausforderer Sebastian Zbik mangelt es gleich an beidem.

Wie auch immer es für Sergio Gabriel Martinez weiter geht, so bleibt 2010 wohl sein Jahr. Kein anderer Boxer hatte dieses Jahr ähnliche Erfolge aufzuweisen, und einem Mann, der im letzten Jahr zwei Mal zumindest sehr unglückliche Entscheidungen der Punkt- und Ringrichter hinnehmen musste, und der außerhalb des Rings stets mit Bescheidenheit glänzt und Sympathie ausstrahlt, ist der Titel des Boxers des Jahres 2010 wohl vollauf zu gönnen.

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5 Kommentare

  1. Shlumpf!
    22. November 2010 at 10:00 —

    Vsrchafft einen ordentlichen Überblick über die gewichtsklassen, danke

  2. Kevin22
    22. November 2010 at 10:10 —

    “Vsrchafft”… lol… die beiden Buchstaben liegen ja nichteinmal nebeneinander, ist deine Katze über die Tastatur gelaufen!? 😉

  3. Shlumpf!
    22. November 2010 at 12:09 —

    Schön wärs. Keine Ahnung, wie ich so einen Stuss dahin geschmissen hab^^

  4. UpperCut
    22. November 2010 at 17:08 —

    so ein misst, schade dass man ihn ncht zwingen kann sbik zu verhauen…

  5. Ahmet
    22. November 2010 at 22:58 —

    Sehr guter Artikel.

    Die letzten beiden Jahre waren sehr schöne für unseren Sport, es geht wieder bergauf!

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