Gastkommentare

Ein Talent auf Abwegen

2011 hat begonnen – da ist es Zeit, das alte Jahr Revue passieren zu lassen. Für den deutschen Promoter Wilfried Sauerland wird die Bilanz wohl durchwachsen ausfallen – trotz verlängertem Fernsehvertrag mit der ARD und spektakulären K.O.-Triumphen wie der von Cruisergewichtler Alexander Frenkel im Kampf um die Europameisterschaft gegen den Waliser Enzo Maccarinelli. Denn nicht nur die zwei bitteren Pleiten von Super-Mittelgewichtler Arthur Abraham liegen dem 70-jährigen gebürtigen Wuppertaler schwer im Magen, auch mit der Entwicklung von Schwergewichtler Alexander Povetkin ist Deutschlands derzeit erfolgreichster Promoter alles andere als zufrieden. „Alexander ist für mich eine der Enttäuschungen des vergangenen Box-Jahres“, kritisiert Sauerland den als Profi in 21 Kämpfen ungeschlagenen Amateur-Olympiasieger von 2004.
Dabei hatte der 1,88 Meter große Russe Anfang 2010 noch große Ziele vor Augen: Den IBF- und WBO-Weltmeister Wladimir Klitschko wollte der 31-Jährige endlich herausfordern. Und seine aufgrund von Verletzungen ins Stocken geratene Karriere krönen, die vor knapp drei Jahren noch unter so einem guten Stern stand: Dank eines überzeugenden Punktsieges Anfang 2008 gegen den US-Amerikaner Eddie Chambers setzte er sich an die Spitze der Ranglisten der Verbände IBF und WBO und die allermeisten Experten sahen in Povetkin den kommenden Superstar der Königsklasse. Aus den großen Zielen wurde bekanntlich nichts. Weil „The White Lion“ die erste offizielle Pressekonferenz für den im September geplanten Klitschko-Kampf sausen ließ, sodass ihm schließlich der Status des Pflichtherausforderers aberkannt wurde. Teddy Atlas, erst seit Mitte 2009 Povetkins Trainer, dürfte dies wohl kaum geärgert haben: Schließlich brauche der 31-Jährige nach Befinden des US-Amerikaners sowieso noch „etwas mehr Zeit, um sich zu entwickeln“. Mit dieser Einschätzung mag der einstige Co-Trainer des jungen Mike Tyson richtig liegen, jedoch ist es schlichtweg lachhaft, mit welchen Kämpfen „The White Lion“ auf einen als zeitnahes Ziel ausgegebenen Weltmeisterschaftskampf vorbereitet wird.
Drei klare Siege hat Povetkin 2010 eingefahren – allesamt gegen limitierte Boxer, die nicht einmal ansatzweise auf weltmeisterlichem Niveau boxen. In seinem jüngsten Kampf gegen den US-Amerikaner Nicolai Firtha, die derzeitige Nummer 46 der BoxRec-Weltrangliste, war der 31-Jährige gar so überlegen, dass er selbst mit gebrochener Hand einen haushohen Punktsieg feiern konnte. Wieder einmal zeigte Povetkin technisch allerfeinstes Boxen, aber wieder einmal waren auch seine Deckungslücken unübersehbar. Und diesmal offenbarte Povetkin sogar ungeahnte Schwächen bei der Beinarbeit, was sich in seinen vorherigen Kämpfen bereits angedeutet hatte. „Povetkin wird von Kampf zu Kampf schlechter“, sagt Ring-Arzt und Boxexperte Prof. Dr. Walter Wagner, der mit seiner drastischen Einschätzung nicht allein da stehen dürfte.
Im Team des 31-jährigen Amateur-Olympiasiegers von 2004 muss es zu einem Umdenken kommen. Möglicherweise ist sogar ein Trainerwechsel unausweichlich, obwohl Teddy Atlas keineswegs ein schlechter Coach ist. Da er aber Povetkin in etwa anderthalb Jahren Zusammenarbeit nicht stärker machen konnte, zeigt wieder einmal, dass sich US-amerikanische und europäische Boxschule einfach nicht miteinander vertragen. Deshalb gehört Povetkin wieder unter die Fittiche eines europäischen Trainers, womöglich sollte der 31-jährige Russe auch eine Rückkehr zu seinem ehemaligen Coach Waleri Below in Erwägung ziehen. Dieser hat erst vor knapp zwei Wochen eindrucksvoll seine Fachkompetenz unter Beweis gestellt, als er seinen Schützling Denis Lebedev, der höchst umstritten gegen WBO-Cruisergewichtsweltmeister Marco Huck unterlag, eine hervorragende Kampfstrategie mit in den Ring gab.
Noch hat „The White Lion“ alle Möglichkeiten sein außergewöhnliches Potenzial auszuschöpfen, jedoch sollte der Amateur-Olympiasieger von 2004 zeitnah handeln. Um an die ansprechenden Leistungen aus der Anfangsphase seiner Karriere gegen die hoch eingestuften Larry Donald, Chris Byrd und Eddie Chambers anzuknüpfen und um doch noch Schwergewichtsweltmeister werden zu können – spätestens, wenn die Ära der Brüder Klitschkos zu Ende gegangen ist.

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8 Kommentare

  1. Berlin Boxing
    2. Januar 2011 at 20:52 —

    Wird nichts mehr mit Povetkin. 2 Jahre verschenkt und nicht einmal den Status quo gehalten. Trainer und Sauerland haben da mal wieder viel falsch gemacht!

  2. Mr. Wrong
    2. Januar 2011 at 21:51 —

    „Alexander ist für mich eine der Enttäuschungen des vergangenen Box-Jahres“

    wenn das sauerland wirklich sich so geäußert hat, sollte povetkin dem ihm den rücken zu kehren.
    der trainerwechsel war ganz bestimmt nicht povetkins wunsch, sondern geht auf das konto von sauerland oder seinem bub. damals hiess es belov kann wegen gesündlicher probleme seine tätigkeit nicht weiter ausüben, komisch das der selbe belov beim lebedev-hukic genau so fit zu sein schien wie noch vor 2 jahren.
    außerdem hat sauerland damals hryunov (manager von povetkin) versprochen einen ihrer handlanger zur pk gegen WK zu schicken, dies ist nicht geschehen und deswegen hatte k2 auch einen grund den kampf abzusagen.

  3. mamaz
    2. Januar 2011 at 23:50 —

    „Alexander ist für mich eine der Enttäuschungen des vergangenen Box-Jahres“

    mal ganz ehrlich, es stimmt schon, dass povetkin mehr hätte machen können. ABER, wenn man über entäuschungen spricht, dann wohl eher über die von sauerland boxpromo. , denn in diesem jahr haben die es geschafft den boxsport in deutschland endgültig zu vernichten. die haben abraham geld in den hintern geschoben, damit er die gewichtsklasse wechselt damit sylvester den titel bekommt, das ende vom lied abraham schafft den wechsel nicht. sylvester gewinnt gegen kamazin bzw. bekommt ein draw (es wurde natürlich nachgeholfen), obwohl die ganze welt es anders sah. und zu guter letzt marco ‘die hässliche dumpfbacke ‘ huck gewinnt gegen lebedev, was mir bis dato auch noch nicht in den kopf geht.
    sauerland war die größte entäuschung aus allen die im deutschen boxsport vertreten sind.

  4. mamaz
    2. Januar 2011 at 23:50 —

    „Alexander ist für mich eine der Enttäuschungen des vergangenen Box-Jahres“

    mal ganz ehrlich, es stimmt schon, dass povetkin mehr hätte machen können. ABER, wenn man über entäuschungen spricht, dann wohl eher über die von sauerland boxpromo. , denn in diesem jahr haben die es geschafft den boxsport in deutschland endgültig zu vernichten. die haben abraham geld in den hintern geschoben, damit er die gewichtsklasse wechselt damit sylvester den titel bekommt, das ende vom lied abraham schafft den wechsel nicht. sylvester gewinnt gegen kamazin bzw. bekommt ein draw (es wurde natürlich nachgeholfen), obwohl die ganze welt es anders sah. und zu guter letzt marco ‘die hässliche kröte‘ huck gewinnt gegen lebedev, was mir bis dato auch noch nicht in den kopf geht.
    sauerland war die größte entäuschung aus allen die im deutschen boxsport vertreten sind.

  5. Mike
    3. Januar 2011 at 01:16 —

    Wie kann man sich den als Promoter hinstellen und so abwertend über seinen Boxer reden. Das motiviert Povetkin bestimmt…..
    Gib dem Jungen nen anderen Trainer, dann wird das schon!

  6. Marco huck
    7. Januar 2011 at 09:13 —

    Insider News!! Die Veranstaltung am 29. Januar von Universum ist ausgefahlen

    Hauptkämpfer ; dimitrie Sartison,susi kentikian,rahim chaikiev,Manuel charr,Jack Culcay,Marcel Meierdickz ,Karolay balzsay!!!

    In der O2 World Hamburg war es geplant!!

    Universum macht dicht und die haben kein neuen fernsehe Partner und Sponsoren!!!

  7. El Cubano
    14. Mai 2012 at 13:30 —

    @ Mike

    richtig erkannt, ein Conny Mittermeier, aber nur ein Conny Mittermeier würde aus Povetkin boxerisch einen Superstar machen.

    LG
    El Cubano

  8. Erika
    4. Juni 2012 at 20:31 —

    El Cubano sagt:
    “richtig erkannt, ein Conny Mittermeier, aber nur ein Conny Mittermeier würde aus Povetkin boxerisch einen Superstar machen.”

    Aber nur wenn er menschlich noch zulegt. Ein Trainer muss Vaterfigur sein um das letzte aus seinem Schützling heraus zu holen.
    Technisch ist Conny Mittermeier super, menschlich unfähig und versagt immer wieder.

    Welchen Boxer ausser Vitali Tajbert hat er den groß herausgebracht?? In seiner jetzigen Boxbude läuft ihm ja der Nachwuchs davon, wenn er nicht schon weg ist, der Rest sind fertige Boxer die man ihm gegen Bezahlung zugeteilt hat.

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