Gastkommentare

Der Fall Arthur Abraham

© Werner Dittmair.

© Werner Dittmair.

Carl Froch war in den Tagen vor seinem Kampf im Rahmen des „Super Six World Boxing Classic“ gegen Arthur Abraham die Zuversicht ins Gesicht geschrieben. Der gebürtige Armenier habe abgesehen von seiner Schlagkraft nichts, was ihm gefährlich werden könnte, tönte der Mann aus dem britischen Nottingham. Und auf Abrahams Aussage, nach der herben Pleite gegen Andre Dirrell eine neue Kampfstrategie entwickelt zu haben, reagierte der 33-Jährige lapidar: „Einem alten Hund kann man keine neuen Tricks beibringen.“
Nach dem überdeutlichen Punktsieg vom vergangenen Samstag (119:109, 120:108, 120:108), mit dem der Brite den vakanten WBC-Weltmeisterschaftsgürtel im Super-Mittelgewicht zurückeroberte, bleibt die Erkenntnis, dass Froch mit seinen provokanten Annahmen scheinbar Recht behalten hatte. Zwar wirkte Abraham zu Beginn tatsächlich etwas aktiver als zuletzt, doch mit zunehmender Kampfdauer offenbarte der 30-Jährige erneut die Schwächen aus dem Dirrell-Kampf vor etwa acht Monaten: In der Defensive zeigte Abraham kaum Meidbewegungen, bot Froch ein stabiles Ziel, und in der Offensive versuchte es der gefürchtete Puncher nur mit vereinzelten Schwingern, die den taktisch klug boxenden Briten nie ernsthaft in Verlegenheit brachten.
Wie kann es nach zwei solch vernichtenden Niederlagen für den einstigen unangefochtenen IBF-Weltmeister im Mittelgewicht weitergehen, steht möglicherweise sogar die Karriere als Berufsboxer auf dem Spiel? „Auf jeden Fall geht es so nicht weiter“, meinte ein ratloser und arg verbeulter Abraham am späten Samstag Abend. Auf den 30-Jährigen wird in den kommenden Wochen viel Kritik einprasseln, jedoch wäre es schlichtweg unfair, Abraham als eindimensionalen Boxer ohne Perspektiven abzustempeln, nachdem er jahrelang in höchsten Tönen für seinen spektakulären Kampfstil gelobt worden war. Schließlich ist Abraham lediglich zweimal von technisch versierten Gegnern, die zu den Besten ihrer Gewichtsklasse zählen, ausgeboxt worden – das allein sollte noch kein Rücktrittsgrund sein. Abrahams Trainer Ulli Wegner forderte von seinem Schützling unmittelbar nach dem Kampf, er sollte „sich ganz schnell Gedanken machen“, wie eine solche Niederlage zu Stande kommen konnte. Erklärungsansätze dafür sind nicht allzu schwer auszumachen, denn mittlerweile können sich Abrahams Gegner einfach besser auf seinen Boxstil, der in den vergangenen Kämpfen doch sehr berechenbar war, einstellen – das war nicht immer so: Man erinnere sich nur an die Anfangsphase seiner Karriere – beispielsweise an die starken Leistungen gegen die hoch eingestuften Héctor Velazco, Howard Eastman oder Kingsley Ikeke. Damals war Abraham flink auf den Beinen, beweglich im Oberkörper und seine Schlagserien kamen explosionsartig. Kurzum: Sein Kampfstil war unberechenbar.
Hat „King Arthur“ das alles verlernt? Sicher nicht, aber nachdem er 2005 den IBF-Weltmeisterschaftsgürtel im Mittelgewicht errungen hatte, gewöhnte sich Abraham einen gemütlichen Boxstil an: Hinter einer stabilen Doppeldeckung abwarten, die Gegner auspowern lassen und sie dann spät ausknocken – wie beispielsweise 2007 im Kampf gegen Khoren Gevor. Sein spektakulärer K.O. in der elften Runde täuschte damals über den eigentlichen Kampfverlauf hinweg, denn Gevor hatte Abraham klassisch ausgeboxt, ehe der heute 31-Jährige seinem hohen Anfangstempo Tribut zollen musste. Dass eine solche Taktik gegen taktisch und konditionell bessere Boxer als Gevor irgendwann schief gehen würde, liegt eigentlich auf der Hand.
Abrahams Ziel muss es sein, wieder an seinen früheren Stil anzuknüpfen – nur dann wird er in der Weltspitze im Super-Mittelgewicht ein Wörtchen mitreden können. Ob das schon bis zum im Frühjahr 2011 geplanten Halbfinale des „Super Six World Boxing Classic“ gegen Andre Ward gelingen kann – schwierig. Aber insofern Abrahams Psyche durch die zwei deutlichen Pleiten keinen allzu großen Knacks erlitten hat, sollte es zumindest Hoffnung geben. Denn „King Arthur“ ist eigentlich kein eindimensionaler Boxer – trotz limitierter technischer Fähigkeiten.

Voriger Artikel

Vorschau: Drian Francisco vs. Duangpetch Kokietgym

Nächster Artikel

Odlanier Solis: "Ich werde Vitalis Herrschaft beenden"

14 Kommentare

  1. memmo
    29. November 2010 at 22:34 —

    hmm ist jetzt aber nichts neues, auch wenns war ist

  2. UpperCut
    30. November 2010 at 00:09 —

    doch, er ist eben das – eindimensional.

  3. Andranik
    30. November 2010 at 15:15 —

    das alles stimmt und er ist immer noch der KING

  4. Kevin22
    30. November 2010 at 15:30 —

    UpperCut sagt:

    “doch, er ist eben das – eindimensional.”

    Käse… seine zwei letzten Kämpfe waren vlt. so, aber er selber kann mehr!
    Wenn es denn mal wieder in der Birne hinhaut!

  5. Cornell
    30. November 2010 at 22:57 —

    naja die tour von abraham ist doch jeden bekannt,es war doch im grunde klar das er irgendwann mal das verlieren anfangt wenn man die doppeldeckung bei jeden kampf hochzieht,die ersten 3-4runden nur passiv boxt und dann oft mit schwingern und prügelattacken loslegt.Ich bin zwar selbst ein abraham fan aber er hat bisher jeden kampf genauso gekämpft wie die letzten beiden auch,nur der unterschied war diesmal das seine gegner eine nummer höher waren und genau wussten wie mal diese “eindimensionale” kampfart problemlos ausboxen kann…nichts gegen dich kevin22 aber ich weiss nicht welche kämpfe du gesehen hast wenn du sagst das er sonst anders boxt,er boxt wie immer,aber es war einfach eindeutig und vorhersehbar das er besonders gegen größere und technisch bessere boxer schwer benachteiligt ist…aber ich hoffe das abraham wieder die gewichtsklasse wechselt.

  6. Haesel
    1. Dezember 2010 at 17:48 —

    “Abrahams Ziel muss es sein, wieder an seinen früheren Stil anzuknüpfen”. Sagt mir welche Kämpfe das waren, die will ich mir bei youtube anschauen.

  7. UpperCut
    1. Dezember 2010 at 18:37 —

    danke cornell.

  8. luda
    5. Dezember 2010 at 09:51 —

    ich muss echt immer lachen über die vielen falschen leute hier..was für pisser..
    wenn boxer we abraham, klitschko oder damals michalczewski gute, spannende fights geliefert haben dann wurde denen die rille geleckt..
    jetzt wo einige schlechtere kämpfe stattgefunden haben und die nit so gut aussahen..heisst es
    “hör auf zu boxen, gegener war ne flasche bla bla bla”

    Ey leute iht besorgt es eurer Alten auch nicht immer bis sie “kommt”

    also haltet den ball flach und hört auf wie ein Fähnchen im Wind zu sein..
    bitches

  9. ex_boxer
    14. Dezember 2010 at 13:59 —

    stimmt alles,abraham ist limitiert,das sind andere aber auch…
    abraham hat nach der niederlage gegen direll denke ich einen knacks bekommen.das war deutlich zu sehen.
    das hauptproblem ist das er sehr verwöhnt worden ist im mittelgewicht.er wurde hochgelobt u.s.w.
    alle erwarten einen ko von ihm und er nimmt sich das zu sehr an und will auch alle mit der brechstange umhauen,das geht aber nun mal net.
    er muss nur seine grundeinstellung ändern und seinen kopf frei bekommen,dann kann er an frühere leistungen anknüpfen

  10. SemK.O
    2. Januar 2011 at 19:58 —

    Artuhr Abraham hat in meinen Augen keine Klasse er hatte noch nie ein richtig guten gegner er setzt viel auf seine Schlagstärke und klein ist er auch noch das soll auch keine beleidigung sein aber sdue realität

  11. SemK.O
    2. Januar 2011 at 19:58 —

    Artuhr Abraham hat in meinen Augen keine Klasse er hatte noch nie ein richtig guten gegner er setzt viel auf seine Schlagstärke und klein ist er auch noch das soll auch keine beleidigung sein aber sdue realität

    denoch sollte artuhr weitermacen

  12. Marco huck
    7. Januar 2011 at 09:15 —

    Insider News!! Die Veranstaltung am 29. Januar von Universum ist ausgefahlen

    Hauptkämpfer ; dimitrie Sartison,susi kentikian,rahim chaikiev,Manuel charr,Jack Culcay,Marcel Meierdickz ,Karolay balzsay!!!

    In der O2 World Hamburg war es geplant!!

    Universum macht dicht und die haben kein neuen fernsehe Partner und Sponsoren!!!

  13. van Damme
    13. Januar 2011 at 23:17 —

    Abraham ist ein super Boxer und hat Herz ohne ende aber im direll fight hat er sein Selbstbewustsein ein wenig verloren. Der kommt wieder da bin ich mir sicher aber nach dem Ward kampf

  14. Jürgen Siewert
    8. März 2011 at 21:02 —

    Ja Abraham Fan bin ich mit sicherheit nicht, ein guter Sportler der auch Glück hatte.
    Sein temprament gefällt mir überhaupt nicht, seine Meister wachsen aber langsam. Wünsche uns noch saubere Kämpfe und einen guten abgang.

Antwort schreiben