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Tom Schwarz vs Senad Gashi – Keine Werbung für den deutschen Boxsport

Die SES-Boxgala im Estrel Conventin Center Berlin war wie die Sauerland-Veranstaltung in Schweden hauptsächlich von Schwergewichtskämpfen geprägt. Es sollten sich hauptsächlich in Deutschland beheimatete oder unter Vertrag stehende Nachwuchs-Boxer beweisen. Die Zuschauer hatten die Qual der Wahl: Entweder Sauerland auf Sport 1 oder SES auf MDR zu schauen.

Wenn auch nicht besonders im positiven Sinne, war der „herausragendste“ Kampf des gestrigen Abends die Begegnung zwischen Tom Schwarz und Senad Gashi. Beide Boxer gingen ungeschlagen in den Kampf. Es ging dabei um den Deutschen Meister Titel und den WBO Interconti.

Zu Beginn des Kampfes wurde schon das Ungleichgewicht bei der Reichweite bemerkbar. Der größere Schwarz boxte lang und versuchte sich so Gashi vom Leibe zuhalten. Ständiges vor- und zurücktänzeln des SES Boxers machten es Gashi zusätzlich schwer, überhaupt an Schwarz heran zu kommen. Er landete trotzdem einige Treffer, allerdings musste er dazu in seinen Gegner regelrecht hineinstürmen. Bis in die zweite Hälfte des 2. Durchgangs war noch alles im grünen Bereich, aber dann kippte das Ganze so langsam in ein Spektakel ab.

Gashi trieb Schwarz mit einer Angriffsaktion vor sich her in die rote Ecke. Er landete mehrere Treffer, konnte damit aber kaum Wirkung erzielen. Dann kam eine völlig unfaire Aktion: Er schob sich an Schwarz heran und versetzte ihm einen absichtlichen Kopfstoß, der wohl die Wirkung eines schweren Aufwärtshakens zum Kinn hatte. Schwarz hob die Arme und sackte in der Ecke zusammen. Er blieb einige Zeit am Boden liegen. Ob dieser Kopfstoß wirklich so schwer war oder Schwarz im ersten Moment eine Disqualifikation Gashis erzwingen wollte, bleibt ungewiss. Wäre er liegen geblieben, hätte es durchaus dazu kommen können.

Schwarz wurde am Boden liegend von seiner Ecke betreut. Dann stand er doch auf und wollte weiter boxen. Ringrichter Maas erkundigte sich noch einmal eindeutig bei Schwarz, ob er weiter kämpfen will. Er wollte. Gashi bekam für seinen Kopfstoß 2 Punkte abgezogen. Die 2. Runde war damit zu Ende. In Runde 3 kamen Beide zu guten Treffern. Was sich allerdings abzeichenete: Gashi stürmte immer wieder mit tiefem Kopf auf Schwarz los, weil er scheinbar keine andere Möglichkeit sah, an dessen Führhand vobei zu kommen. Das war dann jedes mal eine „Einladung“ für den Magdeburger, Gashi zu halten und ihn runter zu drücken. In den weiteren Runden kam es immer wieder zu unsauberen Aktionen.

Am Ende von Runde 4 gab es wegen einem erneuten Kopfstoß wieder 2 Punkte Abzug für Gashi. Wobei man diesen „Kopfstoß“ kaum wahrnehmen konnte. Es war ein seitliches „Anklopfen“. Es gab ein Kommando des Ringrichters und Schwarz regierte mit ein paar wilden Schlägen. Normalerweise hätte er für dieses Nachschlagen den Punktabzug verdient. In Runde 5 setzte sich das Spiel fort: Schwarz versuchte lang zu bleiben. Gashi sah keine andere Möglichkeit, als sich mit gesenktem Kopf an Schwarz heran zu schieben. Das Ende kam in Runde 6. In einer etwas unübersichtlichen Situation wollte Ringrichter Frank-Michael Maas wieder einen absichtlichen Kopfstoß gesehen haben. Diesmal sollte es keinen Punktabzug geben, sondern die Disqualifikation. Angeblich wusste der Ringrichter nicht, was er sonst hätte noch machen sollen. Schaut man sich das als neutraler Beobachter genau an, war der erste Punktabzug in der 2. Runde durchaus gerechtfertigt. Alles was danach kam, sah verdächtig nach Übertreibung und Schauspiel aus.

Nachdem die Diqualifikation verkündet war, ging Gashi auf Schwarz los und schlug ihm mit beiden Händen vor die Brust. Man kann darüber streiten, ob es ein Schlagen oder Wegschieben war. Für einen Moment entlud sich dann die Spannung, die in der Luft lag. Beide Boxer prügelten nach Kampfende noch einmal wild aufeinander ein. Ein unsportliches Schauspiel, dass man selten erlebt. Natürlich bringt diese Entscheidung die Fans von Gashi auf die Palme. Doch letztendlich wird es bei diesem Urteil bleiben. Auch wenn Gashi bereits in der 2. Runde disqualifiziert worden wäre, hätte er damit leben müssen.

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Was von diesem Kampf bleibt ist ein fader Beigeschmack. Man konnte von Schwarz eine gute Beinarbeit und eine gute Führhand sehen. Aber seine Überreaktionen, jedesmal wenn seine Nerven blank lagen, sind vollkommen unnötig gewesen. Gashi hat gezeigt, dass er mit seiner fast blind geschlagenen Rechten über Cross gut ins Ziel kommt. Dass er dabei zu sehr in den Gegner hineinstürmt und auch den Kopf als Waffe einsetzt, muss er sich abgewöhnen. Es ging immerhin neben dem WBO-Interconti auch um den Deutschen Meistergürtel. Was die Zuschauer zu sehen bekamen, war unterm Strch wenig meisterlich und absolut keine Werbung für den deutschen Boxsport. Man könnte sich beinahe wünschen, dieser Kampf hätte nie stattgefunden.

Wie Senad Gashi über Facebook mitteilt, haben sich er und Tom Schwarz nach dem Kampf ausgesprochen. Beide sind mit dem Kampfausgang nicht zufrieden und wollen ein Rematch abhalten.

Wer den Kampf noch einmal sehen will: (Klick) 

In einem weiteren Titelkampf dieser Veranstaltung fertigte EBU-Europameister Agit Kabayal Herausforderer Miljan Rovcanin durch TKO3 ab. (Klick)

 

 

 

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9 Kommentare

  1. Profilbild von Florian
    22. April 2018 at 20:59 —

    Ob Schwarz Reaktion nach den dem zweiten und dritten Kopfstoss übertrieben war oder nicht spielt keine Rolle. Gashi hat komplett unsauber geboxt und die Disqualifikation war mehr als überfällig. Von der Aktion nach der Disqualifikation müssen wir gar nicht erst anfangen. Hier haben sich beide völlig daneben benommen und ich hoffe sie werden dafür beide auch noch für ein paar Monate gesperrt werden wobei es Gashi allein für dieses Verhalten während und nach dem Kampf etwas härter treffen sollte.

  2. Profilbild von Brennov
    22. April 2018 at 21:04 —

    Eh fuchs wie besoffen warst/bist du. alle 3 Kopfstöße waren glas klar zu sehen. es gab insgesamt 6 wovon 3 gar nicht geahndet wurden. dazu zahlreiche weitere unfaire Aktionen.
    die krönung war dann das alberne interview nach den kampf von gashi. fremdschämen hoch 100. man sollte ihn lebenslang sperren so wie chisora damals. soll er doch mit litauischer Lizenz boxen.

    • Profilbild von reineckefuchs
      22. April 2018 at 21:40 —

      Für mich war nur der Kopfstoß in der 2. Runde gut zu sehen. Das war schon hochgradig unfair. Die weiteren Dinger waren kaum der Rede wert. Das wurde nur durch das übertriebene TamTam von Schwarz aufgebauscht.

      P.S. Ich habe schon seit mehr als 2 Jahren keinen Alkohol mehr getrunken und bin neuerdings auch sonst ein ganz braver Junge. Das was ich vorher konsumiert habe, hat allerdings gereicht um einige Jahre in den 90er und 00er Jahren komplett zu vergessen. Also erzähl mir Nix von Alkohol, Nasenpuder oder sonstigem Kram.

  3. Profilbild von Luzifer
    22. April 2018 at 23:53 —

    Schlechtester Mann im Ring war der Ringrichter, der schien mir völlig überfordert.
    Von Gashi habe ich schon vor dem Kampf nicht all Zuviel erwartet, dazu waren die Gegner die er vorher besiegt hat einfach zu schwach. Allerdings seine Aussagen nach dem Kampf und mit vollen Glauben das es so ist, Kopfstöße gehören zum Boxen, damit hat er sich selbst ins Abseits geschoben und gehört meiner Meinung nach für einen längeren Zeitraum gesperrt.
    Tja und Tom Schwarz, der stagniert schon seit geraumer Zeit was seine Leistungen betrifft, da sollte man vielleicht mal über einen Trainerwechsel nachdenken!?

    • Profilbild von Knopster
      23. April 2018 at 08:10 —

      Da geb ich dir Recht, Schwarz ist echt schlecht. Boxt total tapsig und behebig. Man hat am Wochenende gesehen, dass er komplett überfordert ist, wenn ein Gegner unbequem und unfair boxt. Für ihn reicht das maximal für die zweite Garde. Er würde gegen keinen Gegner aus den Top 20 einen Stich sehen.

      Zudem sieht man ja auch, welche Gegner man ihm präsentiert. Da sucht man sich immer welche, die im boxrec Ranking 30 Plätze hinter ihm stehen.

      • Profilbild von Knopster
        23. April 2018 at 11:26 —

        Vor allem nochmal den ersten Kopfstoß reingezogen.

        Ganz ehrlich, da ist doch Schwarz selber schuld, der zieht sich den Gegner zum Klammern ran und blockiert ihm die Arme, es erfolgt kein Trennkommando von diesem Kneipenringrichter. Ist doch klar, dass der Gegner sich dann nur noch mit dem Schädel zu wehren weiß.

        • Profilbild von Dickn
          23. April 2018 at 19:49 —

          Der hat auch mit dem Kopf gestossen als nicht geklammert wurde…und klammern ist noch lange keine Ausrede für eigenes schlechtes Verhalten.

  4. Profilbild von loretta69
    23. April 2018 at 14:40 —

    Alle, die Schwarz als talentierten Boxer im Schwergewicht bezeichnen,
    haben keine Ahnung vom Boxsport. Diese Lusche wird nie einen
    Top-Mann schlagen !

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