Top News

Sebastiano Lo Zito: „Mein nächstes Ziel ein deutscher Meistertitel“

Der 26-jährige Sebastiano Lo Zito gilt als kommendes Talent im Supermittelgewicht. Der „Sicilian Stallion“ steigt für die Hamburger Box-Promotion „Boxen im Norden“ in den Ring und wird von den erfahrenen Coaches Khoren Gevor und Pavel Melkomyan im Hammerbrook Gym trainiert. Neben dem Boxen studiert der gebürtige Hamburger und engagiert sich für ein positives Image seines Lieblingssports.

Im Interview mit Boxen.de spricht Lo Zito über seine sizilianischen Wurzeln, was ihn mit „Rocky“ verbindet, welches Schicksal er mit dem Berliner Sauerland-Boxer Enrico Kölling teilt und verrät, was ihn zum glücklichsten Menschen auf Erden machen würde.

Wie bist du zum Boxen gekommen und wann hast du mit dem Sport begonnen?

Zum Boxen bin ich mit 13 Jahren gekommen. Vorher habe ich Fußball gespielt. Ich war zu der Zeit ein relativ leistungsschwacher Schüler vom Schlage „Raufbold“ und hatte keine sonderlich guten Noten in der Schule. Dann habe ich die Rocky-Filme im Fernsehen gesehen und angefangen mich intensiv für den Boxsport zu interessieren. Dann wechselte ich beim SC Condor Hamburg vom Fußball zum Boxen. Seitdem ist meine Passion für den Boxsport unaufhörlich gestiegen. Dadurch haben sich mein Verhalten und meine Schulnoten schlagartig verbessert. Dies ist auch einer der Gründe, warum ich daran glaube, dass Boxen ein wunderbares Mittel zur Gewaltprävention ist. Das vermittle ich heute als Maxime im Projekt „BOXSCHOOL“, wo ich als Box- und Sporttrainer arbeite.

Wie würdest du deinen Boxstil beschreiben?

Mir ist wichtig ansehnlich und fair zu boxen. Boxen ist ein toller Sport, hat aber leider nicht immer den besten Ruf. Wenn ich dies durch sportlich schönes Kämpfe ein wenig ändern kann, finde ich das positiv. Ansonsten kann ich immer etwas an mir verbessern, habe aber natürlich auch die ein oder andere Stärke. Dazu zählen meine gute Konzentrationsfähigkeit und die Freude am Boxen.

Wer sind deine boxerischen Vorbilder?

Mein Lieblingsboxer ist Jake La Motta. Sein Kämpferherz und unbändigen Willen finde ich sehr beeindruckend. Ansonsten mag ich die Boxer wie Rocky Marciano, Carmen Basilio, Rocky Graziano, Joe Calzaghe, Mike Tyson, Graciano Rocchigiani und Chris Byrd. Aber auch die Duelle von Größen wie Vasyl Lomachenko, Gennady Golovkin, Guillermo Rigondeaux oder Floyd Mayweather Jr. schaue ich gerne. Das ist immer ein wunderbarer Anschauungsunterricht für mich.

Wann und warum wurdest du Profiboxer?

Ich bin seit Oktober 2015 Profiboxer. Bei den Amateuren wurde ich nicht wirklich über die regionalen Grenzen hinaus gefördert, obwohl ich wirklich starke Boxer schlagen konnte (81 Fights mit 61 Siegen, 15 Niederlagen, 5 Unentschieden). Dennoch hatte ich mit meinem ehemaliger Amateurboxtrainern Frank Lack, Durak Ince und Markus Stender eine schöne Zeit, in der ich viele neue Freunde kennengelernt habe. Ich bin dem Amateurboxen für die vielen Erfahrungen sehr dankbar. Heute hat die Hansestadt mit den Hamburg Giants eine eigene Bundesliga-Mannschaft, dich gerne live vor Ort unterstütze.

Wer ist aktuell dein Trainer?

Mein Trainer ist der ehemalige Weltklasseboxer Khoren Gevor. Khoren ist der beste Trainer, den ich mir vorstellen kann. Er bringt einem mit einer enormen Portion Leidenschaft und Emotionalität das Boxen näher. Zudem hat er immer lustige Sprüche drauf, die das harte Training angenehmer gestalten. An ihm schätze ich sehr, dass er immer die Wahrheit sagt und uns damit auch vor Gefahren schützt, die im Profi-Business an jeder Ecke lauern. Sein Trainerkollege ist der Ex-Universum-Boxer Pavel Melkomyan, der ebenfalls ein enormes Fachwissen besitzt und alles mit Ruhe macht. Zusammen sind sie ein perfektes Trainerteam.

Teamkollege Oliver Rothert, Sebastiano Lo Zito, Khoren Gevor und Pavel Melkomyan

Wie kam es zu deinem Kampfnamen „The Sicilian Stallion“?

Natürlich ist der Kampfname an Rocky Balboas „Italian Stallion“ angelehnt, aber ich wollte einen individuelleren Namen. Bei den Amateuren wurde ich bereits „Rocky“ oder „Italian Stallion“ genannt. Daher ist „Sicilian Stallion“ sehr passend, weil ich meine sizilianische Heimat sehr liebe und sie jedes Jahr besuche.

Bisher hast du einen makellosen Profi-Rekord von acht Siegen in acht Duellen. Was sind deine Ziele?

Natürlich freue ich mich sehr, dass ich in meiner Profikarriere bislang immer mit positiven Ergebnissen aus den Ring steigen konnte. Man soll sich aber nie vom Kampfrekord blenden lassen und immer auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Am wichtigsten ist, dass ich jeden Gegner und vor allem auch jede Vorbereitung sehr ernst nehme. Mein nächstes Ziel ist ein deutscher Meistertitel. Ich wäre der glücklichste Mensch, wenn ich diesen Gürtel gewinnen würde.

Wie Enrico Kölling steigst du mit Diabetes in den Ring. Wie kommst du damit zurecht?

Diabetes mellitus 1 habe ich seit ich sieben Jahre alt bin und damit schon länger als ich boxe. Ich muss mich jeden Tag mehrfach spritzen, den Blutzucker messen und darauf achten, was ich wann und in welcher Menge zu mir nehme. Ich komme damit aber gut klar. Ich denke, dass Diabetes keine Krankheit ist, die einen Aufhalten kann. Man muss an sich glauben, dann kann man auch damit alles erreichen. Manchmal ist Diabetes ein guter Grund, seine Disziplin aufrecht zu erhalten und verstärkt auf seine Gesundheit zu achten.

Sky - Wählen Sie Ihr Lieblingsprogramm!

Was machst du, wenn du dir nicht die Boxhandschuhe überstreifst?

Ich studiere mittlerweile im siebten Semester „Soziale Arbeit“ an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Zudem arbeite ich beim „BOXSCHOOL-Verein für Gewaltprävention e.V.“ und gebe an Hamburger Schulen Box- und Sportkurse. Der Job macht mir großen Spaß, weil ich das Boxen mit der Schule verbinden kann. Da mein Studienschwerpunkt Schulsozialarbeit ist, kann ich mir gut vorstellen später als Sozialpädagoge fest an einer Schule zu arbeiten. Vielleicht schließe ich auch ein weiteres Studium zum Sonderpädagogen an. Ansonsten lese ich gerne, koche Pasta-Gerichte, mag italienische Autos oder gehe in gemütliche Cafés.

Seit wann steigst du für „Boxen im Norden“ in den Ring?

Bei der Hamburger Box-Promotion „Boxen im Norden“ bin ich seit meinem ersten Profikampf im Oktober 2015. Mein Manager ist Thomas Nissen, er kümmert sich gewissenhaft um die Veranstaltungen und alles drum herum. Für mich ist es schön, für „Boxen im Norden“ in den Ring zu steigen, da ich sehr oft zu Hause in Hamburg boxen kann. Die Kampfabende zeichnen sich durch interessante Fights, eine atemberaubende Show, gute Laune aus, dazu fiebern meine Familie und Freunde live am Ring mit.

Wann und wo findet dein nächster Fight statt?

Mein nächster Kampf ist wieder zu Hause in Hamburg. Am 2. April 2017 auf der Großen Freiheit 36 auf St. Pauli. Los geht es um 16:00 Uhr.

Wer sind deine Trainings-/ Sparringspartner?

Klaus Frevert

Sebastiano Lo Zito (l.) und Rafael Bejaran von der Hamburger Box-Promotion „Boxen im Norden“

Ich trainiere in der Gruppe von Khoren Gevor und Pavel Melkomyan mit vielen starken Boxern wie Abel und Noel Gevor, Rafael Bejaran, Malik Zinad, Yosko Stoychev, Dima Weimer, Gabriell Tunici, Alexander Dimitrenko, Shokran Parwani, Dennis Krieger und einige weitere. Untereinander machen wir auch Sparring.

 

Wer wird dein nächster Gegner sein und kannst du etwas über seine Stärken und Schwächen sagen?

Mein Kontrahent wird der 28-jährige Georgier Giorgi Khulelidze (9 Siege, 4 Niederlagen, 0 Unentschieden). Dieses Duell ist auf sechs Runden angesetzt. Khulelidze hat einen guten Kampfrekord, zudem sucht er den Kampf, ist besonders gefährlich an den Seilen und scheint ziemlich explosiv zu sein. Ich denke aber, dass ich ihm im technisch-athletischen Bereich überlegen bin. Natürlich muss ich konzentriert boxen und seine teilweise wilden Angriffe unterbinden. Außerdem darf ich mich von ihm nicht zu sehr in den Rückwärtsgang drücken lassen.

Wo kann man die Eintrittskarten für die Hamburger Fight Night kaufen?

Die Tickets kann man unter www.eventim.de, vereinzelt bei den Kämpfern selbst, in der Kultkneipe „Zur Ritze“ oder an der Abendkasse erhalten. Ich freue mich auf die heimischen Zuschauer, sie sorgen stets für eine einzigartige und tolle Stimmung.

Klaus Frevert-Boxen im Norden

Fotos: Klaus Frevert, Sebastiano Lo Zito

Interview: Boxen.de

 

 

Voriger Artikel

Der Tag X: Robin Krasniqi vs. Arthur Abraham

Nächster Artikel

Tyron Zeuge vs Isaac Ekpo - Keine Werbung für den Boxsport

2 Kommentare

  1. Profilbild von Silver
    29. März 2017 at 17:13 —

    Lo Zito habe ich noch nie boxen sehen, aber ich finde es schon bemerkenswert das sich jemand die Deutsche Meisterschaft als nächstes Ziel setzt und auch stolz darauf wäre wenn er sie gewinnen würde. Die Deutsche Meisterschaft hatte mal einen hohen Stellenwert, allerdings bei mittlerweile drei deutschen Verbänden ist das wohl auch nicht mehr so toll!
    Aber besser einen deutschen Meistertitel als irgend einen Pseudotitel der vier großen Weltboxverbände.

  2. Profilbild von don vito
    30. März 2017 at 17:02 —

    „Boxen im Norden“ ehrliches Boxen ohne Fallobst-Gegner? Dass ich kein Fan des deutschen Profi-Boxens bin, daraus mache ich keinen Hehl. Gott sei dank habe ich Youtube als Zeugen. Ein Gegner lustiger als der Andere. Dies kann man schon nicht mehr als Fallobst, sondern eher als Gammelfleisch bezeichnen. Ich habe Jungs in meiner Halle mit 15 Amateur Wettkämpfen, die mit solchen Gegner mithalten können. Zu sagen er wäre von seinem Verband nicht gefördert worden mutet mir schon ein bisschen komisch zu. Wer als mehrfacher Hamburger und Norddeutscher Meister nicht den Schneid hat sich bei den Deutschen Meisterschaften zu messen, den kann man sportlich nicht ernst nehmen. Da kriege ich ein Deja Vu Erlebnis mit einem ehemaligen Amateur, welcher nun Profi ist und verkündet er wurde bei den Amateuren übergangen. Komischer Weise hat diese seine Qualifikationskämpfe für Olympia verloren. Wie kann man da von übergangen werden sprechen? Naja Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung sind zwei verschiedene Paar Schuhe, aber wem erzähle ich das der Junge studiert schließlich Sozialpädagogik. Ich hoffe das bei der Deutschen Profi Meisterschaft genauso ein hohes Niveau, wie bei den Amateurmeisterschaften herrscht. Dann werden wir ja sehen ob dieser Stern noch aufgeht. Ich habe meine Zweifel. Trotzdem sportliche Grüße und viel Erfolg

Antwort schreiben