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Ola Afolabi beendet seine Karriere

Vor einigen Tagen feierte Ola Afolabi seinen 36. Geburtstag und gab genau an diesem Tag seinen Rüktritt vom Boxsport bekannt. Besser gesagt: Er erklärte seinen Rücktritt und man kann seine Entscheidung durchaus nachempfinden. Es sind nicht die Niederlagen, die ihm den Mut und das Interesse genommen haben. Es sind die Verletzungen, über die er sonst nie öffentlich gesprochen hat und die Erkenntnis, dass er einfach „genug hat“.

Afolabi erzählt in einem kurzen Statement, wie seine Karriere verlaufen ist. Er wurde als Sohn nigerianischer Einwanderer in London geboren. Später versuchte er sein Glück in den USA. Mit 20 Jahren war er als teilweise Obdachloser in Hollywood unterwegs. Er lebte von kleinen Gelegenheitsjobs und hatte oft nicht einmal genug Geld um sich etwas zu Essen zu kaufen. Einer dieser Jobs war die Rezeption in einem Fitnessclub. Dort lernte er Boxer wie James Toney und Francois Botha kennen. Er begann ohne alle Vorkenntisse selbst zu trainieren und hatte nach 2 Jahren seinen ersten Profikampf. Afolabi war nervös und hatte Angst zuverlieren. Es ging über 4 Runden, die ihm so vorkamen wie 12 Runden Sparring. Er hatte Angst davor, alle seine Förderer zu enttäuschen: „Was wenn sie merken, dass ich ein Reinfall bin? – Ich werde wieder obdachlos und hungrig sein!“ Der Debütkampf endete mit einem Unentschieden.

Es folgte eine Serie von Kämpfen, die in der Aufbauphase 3 Jahre andauerte. Es gab nur eine Niederlage gegen Allan Green. Im Jahr 2005 dann eine erste „Feuerprobe“. Sein Gegner war der erfahrene Ex-Champ Orli Norris (57(30)-10(4)-1), der ein Comeback versuchte. Afolabi siegte trotz einer kurzen Vorbereitungszeit von nur einer Woche durch TKO 7 und Norris beendete darauf seine Karriere. Danach wollte niemand mehr gegen Afolabi kämpfen, die Karriere stagnierte. Es folgten 3 Jahre ohne Profikampf. Mit einem besseren Management wäre es gewiss anders gelaufen. Afolabi verdiente sein Geld als Sparringspartner. Genau in dieser Zeit stellten sich erste gesundheitliche Probleme ein. Es kam zu einer Netzhautablösung am rechten Auge. Ein Nerv war außerdem verletzt, wodurch er ständig alles doppelt sah. Seine eigentliche „Primetime“, das Alter zwischen 25 und 28 Jahren, verstrich einfach so und er hatte seine beste Zeit eigentlich schon verpasst. Erfahrene Boxer wollten nicht von „so einem“ weg gehauen werden und aufstrebende nicht gegen ihn verlieren.

Dann kam doch ein Kampfangebot. Afolabi wurde angefragt, ob er gegen Eric Fields (11(10)-0-0) um den vakanten WBO NABO Titel kämpfen will. Fields galt als „Killer“, der alles platt macht. Er nahm den Kampf an und besiegte Fields durch TKO 10. Im August 2008 gab es einen Punktsieg gegen DeLeon Tinsley. Zu dieser Zeit trainierte Afolabi bereits in England.

Sein Hauptsparringspartner war der damals sehr junge und wenig bekannte Tyson Fury. Während der letzte Sparringssitzung mit Fury kam es zu einer Netzhautablösung am linken Auge. Die erforderliche Operation verlief erfolgreich, doch das war genau 2 Tage vor dem geplanten Kampf um den WBO-Interim-Titel gegen Enzo Maccarinelli. Afolabi ging das Risiko ein und fertigte Maccarinelli mit einem KO in Runde 9 ab. Im Dezember 2009 folgte dann der erste Kampf gegen Marco Huck. In diesem WM-Kampf winkte die erste richtige Börse: 175 000 Dollar. Afolabi wusste, dass der Kampf eng war und hoffte auf ein Unentschieden. Doch er wusste auch, dass er den Champ eindeutig schlagen muss, wenn er in Deutschland gewinnen will.

Gleich nach diesem Kampf wurden die Klitschkos auf Afolabi aufmerksam und verpflichteten ihn. Im Jahr 2011, während der Vorbereitung Klitschkos auf den Kampf gegen Haye gab es eine schwere Schulterverletzung. Ein Muskelriss. Von da an kugelte Afolabi sich auch immer wieder die rechte Schulter aus. Das passierte sogar während der Erwärmung von Klitschko in der Kabine, als der Kampf gegen Haye anstand. Nur 20 Minuten später schlug er trotz der nur schnell wieder eingerenkten Schulter den Briten Terry Dunstan in Runde 1 KO. Afolabi sollte an der Schulter operiert werden, doch dass hätte ein Jahr Pause bedeutet, was er nicht wollte. So kam es weitere 3 mal vor, dass die Schulter Probleme machte.

Der weitere Werdegang von Afolabi ist weitgehend bekannt. Er qualifizierte sich über WBO Inter-Conti und WBO-Interim Titel erneut für einen Titelkampf gegen Huck. Diesmal gab es ein geschmeicheltes Unentschieden. Ein Jahr später das Rematch, wo Afolabi mit angezogener Handbremse zu boxen schien. Er hatte ein Jahr Rost angesetzt und in der Zwischenzeit keinen Kampf gemacht um sich zu schonen. Die Niederlage gegen den hoch motivierten Huck kam also schon fast mit Ansage.

Es folgten weitere Kämpfe. Ola Afolabi holte bereits 2013 den IBO-Titel, verteidigte ihn dann aber nicht wieder. Afolabi scheiterte im April 2015 am Argentinier Ramirez im Kampf um den IBF-Interim-Titel. Um so größer die Überraschung, als er im November 2015 Rahkim Chahkhiev KO schlug und ihm dabei den IBO-Titel wieder abnahm. Um diesen Titel ging es dann auch im 4. Kampf gegen Marco Huck. Für den Ex-WBO-Superchamp ist dieser Gürtel wichtig. So kann er sich wieder Weltmeister nennen und RTL kann seine künftigen Fights als WM-Kämpfe verkaufen.

Zu seinem 4. Kampf gegen Huck und dem Karriereende sagt Ola Afolabi:

„Ich war kurz vor meinem 36. Geburtstag. Ich war nie in besonders verheerender Puncher. Ich habe als Boxer von meinem Timing und meinen Reflexen gelebt. Wenn man älter wird, sind aber genau das die Dinge, die man als erstes verliert. Das habe ich im letzten Kampf gegen Huck gemerkt. Obwohl ich hart trainiert und mein Bestes gegeben habe, habe ich den Kampf verloren. Ich hätte den Kampf auch ohne die Verletzung am Auge verloren. Deshalb habe ich jetzt beschlossen einzupacken. Ich bin immer Realist gewesen. Boxen war immer schmerzhaft, aber das Positive hat das Negative immer übertroffen. Ich sehe auch meine Idole wie James Toney oder Roy Jones, die eine verwaschene Sprache und Gleichgewichtsprobleme haben. Das sind Jungs gewesen, deren Talent und Erfahrung ich nie erreicht habe. Aber so weit will ich es nicht kommen lassen. Ich weiss, wann Schluss ist. Ich habe mehr erreicht als ich dachte. Mehr als die meisten Kämpfer dieser Welt. Nach 2 Augenoperationen, dem Doppeltsehen und einer kaputten Schulter muss ich auch sehen, dass ich jetzt 36 Jahre alt bin. Ich habe genug Geld zum Leben verdient. Ich kann ein gutes Leben führen, wenn ich klug mit meinem Geld umgehe. Das Einzige, dass mir Leid tut ist, dass ich weder in Lagos noch in London gekämpft habe.“

Abschließend fügt Afolabi seinem Statement hinzu:

„Vielen Dank an Alle, die mich auf einem langen und harten Weg begleitet und unterstützt haben. Das Leben gab mir Zitronen, aber ich habe einen verdammten Schoko-Milchshake daraus gemacht!“

Man kann Ola Afolabi nur zu seinem Entschluss beglückwünschen und hoffen, er geht tatsächlich klug mit seinem Geld um. Wir werden sehen, ob er zu seinem Karriereende steht oder mit 40 wieder auftaucht um sein Comeback zu feiern, weil die Altersvorsorge bereits aufgebraucht ist.

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3 Kommentare

  1. Profilbild von Bla
    17. März 2016 at 22:39 —

    Afolabi war immer the real deal, keine Angst um seinen Rekord, stets auswärts geboxt, für lausige Kröten geboxt und stets ein Gentleman geblieben. Trotz der vielen Treffer, die sein Schädel angefangen hat, besitzt er noch mehr Hirnschmalz als 99 Prozent der übrigen Boxer. großer Boxer, tausendmal größer als Huck je sein wird.

    • Profilbild von
      18. März 2016 at 00:07 —

      Ja, so ist es – leider hat es zum richtig perfekten Abschluss mit einem krachenden Knockout gegen Honk, den ihm wahrscehinlich jeder hier gewünscht hätte, nicht mehr gereicht. Viel Glück für den zweiten Teil deiner Karriere, Ola!

  2. Profilbild von Marvin Hagler
    21. März 2016 at 08:18 —

    Auch wenn es für Afolabi nicht zu dem ganz großen Wurf gereicht hat, hat er doch viel erreicht!

    Er hat ein gutes Statement zum Ende seiner Boxkarriere abgegeben und ich hoffe nur das er in einem anderen Beruf/Arbeit schnell wieder Fuß fassen kann und nie wieder in den Ring zurück kehren muss!

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