Top News

Kassim Ouma wird um Sieg gebracht

Bei der Adventsgala von „Boxen im Norden“ am Sonntag, den 3. Dezember 2017, in der Großen Freiheit 36 in Hamburg sorgte der Hauptkampf im Mittelgewicht zwischen Kassim Ouma (29-11-1) und Ilias Essaoudi (12-0-0) für einen faden Beigeschmack.

Leider wurde nicht der bessere Boxer zum Sieger ernannt, sondern der Verlierer. Der klare Favorit Ouma stand bereits mit Ring-Größen wie Jermain Taylor, Cornelius Bundrage, Vanes Matirosyan und Gennady Golovkin im Ring und bestritt damit Duelle auf höchstem Niveau. Aktuell trainiert der Ugander im Boxwerk München non Nick Trachte.

Aufgrund seiner internationalen Erfahrung sollte „The Dream“ eigentlich keine Probleme haben einen Mann zu besiegen dessen stärkster Aufbaugegner Chris Herrmann (22-14-1) darstellt. Doch im Boxsport ist alles möglich und Fehlurteile gehören leider zur Tagesordnung.

Der Fight:

In Runde 1 präsentiert sich Kassim Ouma überraschend zurückhaltend, konzentriert sich bevorzugt auf seine Defensive und lässt seinen Gegner dadurch besser in den Fight starten. Der 38-jährige versucht Essaoudi mehr zu stören als wirklich hart zu treffen. Teilweise steckt er Treffer ohne Deckung ein, die ihn aber nicht beeindrucken. Es folgt ein unabsichtlicher Kopfstoß, der von Ringrichter Timo Habighorst richtig gesehen und nicht weiter kommentiert wird. Der Durchgang geht klar an Essaoudi.

In der 2. Runde beginnt llias Essaoudi gut und hält mit. Sein Gegenspieler zeigt gute Reflexe und beginnt deutlich aktiver als zuvor. Im weiteren Verlauf drängt er den Deutschen aus Dorsten durch Kombinationen zum Kopf und Körper in den Rückwärtsgang. Essaoudi wird trotz Doppeldeckung getroffen und bekommt Schwierigkeiten die richtige Distanz zu finden. Die Runde geht mit leichten Vorteilen an Ouma.

In Durchgang 3 kommt es zu einem intensiven Schlagabtausch zwischen beiden Boxern, wobei sich Ouma Vorteile an den Ringseilen erarbeitet, den Mann aus Nordrhein-Westfalen stellt und mit Treffern eindeckt. Damit geht diese Runde erneut an Ouma.

In Runde 4 startet der Neu-Münchener mit harten Schlägen zum Kopf von Essaoudi und marschiert weiter nach vorne. Essaoudi klammert, weil er kein Rezept gegen seinen Gegner findet und konditionell abbaut. Er ist in Schwierigkeiten, da er den Treffern nicht ausweicht und in der Schlagdistanz des dominierenden Boxers stehen bleibt. Dabei wehrt er sich eher alibimäßig. Sehr klare Runde für Ouma.

Im 5. Durchgang ist der Favorit weiter im Vorwärtsgang und deckt Essaoudi an den Ringseilen mit Schlagsalven ein. Der unterlegene Mann kommt teilweise zum Erfolg, aber wirkt nicht mehr so spritzig wie zu Beginn des Fights. Kopf an Kopf liefern sich beide einen sehenswerten Fight. Den Durchgang gewinnt Ouma klar.

In der 6. Runde feuert „The Dream“ weiter die klareren Treffer ab, welche Essoudis Kopf deutlich nach hinten prallen lassen. Zwischenzeitlich verliert Ouma seinen Mundschutz unabsichtlich. Trotz eines guten Schlussspurts kann sich Essoudi „Assassin“ auch diese Runde nicht sichern.

Sky - Wählen Sie Ihr Lieblingsprogramm!

In Runde 7 beschäftigt der Rechtsausleger Ouma den Dorstener mit seinem Jab. Essoudi hält wieder besser mit, aber kann kein Ausrufezeichen setzen und verliert auch diese Runde.

In Durchgang 8 holt der 28-jährige Essaoudi alles aus sich raus und agiert aggressiver. Ouma wirkt konditionell angeschlagen und nimmt sich kleinere Auszeiten. In den letzten Sekunden wird er geschickt an den Ringseilen gestellt und verliert die Runde.

Am Ende verkündet Ringsprecher Bedo das Punkturteil mit 74-78, 76-68 (?), 75-77 einstimmig für Ilias Essaoudi. Kaum ein Zuschauer bemerkt den Fehler oder geht auf das klare Fehlurteil ein. Merkwürdig ist auch das Ausbleiben eines Protests vom Team Ouma.

Das offizielle Punkturteil lautet: Frank Michael Maass 77-75, Irene Kostenko 77-75, Jörg Ilinseer 78-74. Dagegen lautet meine Wertung: 78-74 für Kassim Ouma. Nun darf der eigentliche Verlierer im April 2018 Rafael Bejaran (25-2-1) um seinen WBF-Titel im Superweltergewicht herausfordern.

„Boxen im Norden“-Promoter Thomas Nissen sagt, dass er auch mit Ouma als nächsten Gegner für seinen „karibischen Tiger“ Bejaran zufrieden gewesen wäre.

Was sagen die Boxen-User zu dem Gefecht?

Bei dem Hamburger Kampfabend gab es aber auch Lichtblicke, denn der Lokalmatador Sebastiano Lo Zito konnte in seinem Aufbaufight über sechs Runden gegen Mazen Girke aus Berlin glänzen. Technisch boxte er den Berliner klug aus und meldete sich nach einer Verletzungspause mit dem 10. Sieg im 10. Profikampf topfit zurück. Darauf soll nun mit Coach Khoren Gevor aufgebaut werden, damit der erste Titelkampf im nächsten Jahr Realität werden kann.

Foto Torsten Helmke_Sebastiano Lo Zito

Foto: Boxen im Norden/ Klaus Frevert (Boxwelt); Torsten Helmke

 

Voriger Artikel

Berlin: Weihnachts-Gymboxen mit Tervel Pulev

Nächster Artikel

Luis Ortiz und Jean Pascal siegen vorzeitig

7 Kommentare

  1. Profilbild von fettundmuskeln
    9. Dezember 2017 at 10:21 —

    Gar nicht so schlecht der Fight für eine Veranstaltung dieser Größe. Klar, Ouma hat das stilistisch schönere Boxen gezeigt und hätte den Sig knapp verdient gehabt.

  2. Profilbild von Marvin Hagler
    10. Dezember 2017 at 03:47 —

    Es sind diese kontroversen Punkturteile die den Boxsport immer wieder schaden!

  3. Profilbild von reineckefuchs
    26. Dezember 2017 at 20:51 —

    In dem Zusammenhang eine etwas andere Weihnachtsgeschichte … (klick)

    • Profilbild von reineckefuchs
      26. Dezember 2017 at 20:51 —

      huch …

      abendzeitung-muenchen.de/inhalt.albtraeume-werden-weniger-kassim-ouma-boxer-im-angesicht-des-todes.57d1caf4-e667-4617-b34b-e1f166fbd066.html

      • Profilbild von Marvin Hagler
        27. Dezember 2017 at 09:23 —

        Das ist schon eine krasse Lebensgeschichte, da ist es um so erstaunlicher was Ouma aus seinen Leben noch gemacht und erreicht hat, andere hätten sich womöglich in den Selbstmord treiben lassen!?

Antwort schreiben